R.U.S.T.X – Center Of The Universe

Band: R.U.S.T.X
Album: Center Of The Universe
Spielzeit: 51:58 min
Stilrichtung: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: Pitchblack Records
Veröffentlichung:
Homepage: www.rustxofficial.com

Meine Damen und Herren, das hier ist schon eine spezielle Band. R.U.S.T.X kommen aus Zypern und sind mittlerweile eine reine Familienband, bestehend aus vier Geschwistern an Gitarre, Bass, Drums und Keyboard, und jeder übernimmt mal den Gesang. Das Cover lässt bereits vermuten: Es wird retro. Und tatsächlich ist man stilistisch nach recht klaren Heavy-Metal-Anfängen doch mehr und mehr in die Zeit Ende 60er bis Anfang 80er gerutscht, sodass sich mir beim Hören zwangsläufig das Bild der vier Bandmitglieder im Alter von zehn Jahren um einen Plattenspieler vor Augen drängt, auf dem ihnen Mama und Papa ihre Lieblingsmusik vorführen. Wenn dem so war, hat das augenscheinlich Eindruck hinterlassen, denn das Resultat ist verdammt authentisch und fühlt sich, wenn man das so beurteilen kann, wirklich echt und mit Leidenschaft erschaffen an. Der Sound ist organisch, warm und voll, die viel verwendeten Orgelsounds sind zum reinlegen. Und auch das Songwriting ist edel ausgefallen. Kaum Passagen, bei denen man den Eindruck bekommt, hier versuche eine Band auf Teufel komm raus alt zu klingen oder nach Vorlagen zu arbeiten. Die Songs sind in sich so schlüssig wie individuell und resultierend daraus hat das komplette Album einfach Charakter.
Das geht schon bei der herzlichen Hörerbegrüßung durch “Defendre Le Rock” los, feinster Oldschool-Hard-Rock mit wunderbarem Orgelriff, und mit dem anschließenden NWoBHMigen “Running Man”, so klassisch wie liebevoll geschrieben, weiter. Dann gibt es noch eine ordentliche Dosis positive Vibes mit dem poppig-niedlichen, klavierangereicherten “Endless Skies” (omg, so viel Dur, so vielseitig und schön komponiert) und dem ebenfalls klavierunterlegten “Wake Up”. Und mit dem neunminütigen Titeltrack habe ich nach langer Zeit endlich mal wieder einen überlangen Track gefunden, der seine Länge komplett mit echtem Inhalt zu füllen vermag. Allein das Ende. Und der Einstieg des Refrains und der Refrain selbst. Meisterwerkchen.
Ich wäre restlos begeistert von “Center Of The Universe”, gäbe es da nicht ein paar Probleme mit dem Gesang, den die Geschwister aus Gründen ebenfalls selbst übernehmen. Nicht nur ist er der einzige Faktor, bei dem die Produktion zu bemängeln ist (Kein Hall, kein Echo, keine Anfettung, wirkt daher gerne mal dünn), gerade der (selten singende) Herr mit der Gurgelstimme übertreibt diese manchmal, will in meinen Ohren nicht in den Gesamtsound passen und wirkt eher wie ein störender Fremdkörper. Der restliche Gesang ist sonst mindestens akzeptabel, manchmal auch ziemlich  gut, aber mehr Arbeit an der Vocalproduktion und Hustenbonbons für besagten Kollegen sollten in Zukunft auf jeden Fall drin sein. Ist somit natürlich ein durchgehender Kritikpunkt, aber halt auch mehr oder weniger der einzige.

Fazit:
Ernsthaft: Wer sich zutraut, auch mal über längere Passagen, in denen der Gesang nicht so ganz funktioniert, hinwegzuhören, der wird mit “Center Of The Universe” nicht nur ein Album in den Händen halten, das retro klingt, sondern auch eins, das dazu noch mit massig Liebe zur Musik geschrieben wurde, das Stimmung transportiert und gleichzeitig alt und frisch klingt. Wär ich der Papa, ich wäre des Todes stolz!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Defendre Le Rock
02. Running Man
03. Black Heart
04. I Stand To Live
05. Endless Skies
06. Center Of The Universe
07. Widow’s Cry
08. Wake Up
09. Dirty Road (Bonus Track)
10. Band On The Run (Bonus Track)

Jannis

PULVER – Kings Under The Sand

Band: Pulver
Album: Kings Under The Sand
Spielzeit: 36:17 min
Stilrichtung: Retro Heavy Metal
Plattenfirma: Gates Of Hell Records
Veröffentlichung: 10.05.2019
Homepage: www.facebook.com/PulverHeavyMetal

PULVER – ach, was böte sich der Name dieser Band doch für einen billigen Eingangswitz an. Aber jut, ab und zu muss man sich auch mal zurückhalten. Also ganz klassisch zu Anfang ein paar allgemeine Randinfos. Die fünf Jungs von PULVER kommen aus Aschaffenburg, haben seit ihrer Gründung 2016 bereits eine EP veröffentlicht und legen nun ihren ersten, mit 36 Minuten Spieldauer recht kurzen, Longplayer “Kings Under The Sand” vor. Über acht Tracks inklusive Intro wird dem Hörer darauf nach eigenen Angaben eine Mischung aus NWOBHM und Hard Rock der späten 70er geboten. Dem kann ich soweit zustimmen, ebenso wie der Einschätzung, Sänger Dave Fröhlich erinnere unter anderem an Lemmy. Dabei fallen die Vocals allerdings minimal kraftlos aus und wurden mit einem ordentlichen Hall-Effekt ausgestattet. Das ist gar nicht unbedingt schlecht. Gerade die Tendenz von Fröhlich, häufig etwas unter dem angepeilten Ton zu landen und dann die gesungene Tonhöhe der erwarteten anzugleichen, gibt ihm durchaus etwas lässig-Entspanntes, was an sich gar nicht übel zum Rest der Musik passt, der mit seiner klaren 70es-Hard-Rock-Schagseite doch nicht selten eher zum Mitnicken als zum Bangen einlädt. Ist ein wenig Geschmackssache, ich mag’s.
Die Produktion ist recht Drum- und Bass-fixiert, was Gesang und Gitarren gelegentlich ein wenig in den Hintergrund drängt, anhören lässt sich die Platte allerdings problemlos, wenn man denn über gelegentliches Bassdröhnen (insbesondere bei “Warrior Caste”) und leicht dumpfe Drums hinwegsehen kann.
Musikalisch verlassen PULVER sich auf melodische Riffarbeit, viele Tempowechsel (Durchschnittlich einer pro Song ist Pflicht) und klassische Retro-Rock-Wendungen, wobei auf kleine Extras wie Orgel- oder allgemein Tastensounds praktisch komplett verzichtet wurde. Dafür gibt es ab und an kleine Authentizitäts-Boni wie Gong und Schellenkranz in “Warrior Caste”, das auf ungewöhnliche Harmonieführung baut und im Mittelteil schön zappelt. In Sachen Geschwindigkeit bewegt man sich zwischen schleppend-doomigem Downtempo (Sagt man das so?) und gemäßigtem Uptempo. Eher MAIDEN-Galopp als DRAGONFORCE-Gedresche, wie zu erwarten war. Besagtes Downtempo findet sich insbesondere bei “Blacksmith’s Lament” und “Quarinah”, hält sich angesichts des Faibles der Truppe für Tempowechsel jedoch meist nicht lange. “Alpha Omega” ist instrumental gehalten, letztendlich ein vierminütiges Gitarrensolo, das durchweg zu unterhalten weiß, und im finalen Track “Curse Of The Pharaoh” dürfen sogar ein paar fast black-metallig anmutende Gitarren mitwirken, die dem hypnotisch wirkenden Track in Kombination mit den in den Hintergrund gemischten Schreien eine durchaus besondere Atmosphäre verleihen.
Eine bessere Produktion hätte “Kings Of The Sand” gut getan, etwas ausgefeiltere Kompositionen ebenso. Aber Potenzial ist vorhanden bei PULVER, insbesondere hinsichtlich der Gitarrenarbeit und der doch sehr schönen Kombination von 70er Hard Rock und traditionellem Heavy Metal, bei der der Fokus im Gegensatz zu vielen anderen Bands der momentan so gerne gerittenen Retro-Welle erfrischenderweise eindeutig auf ersterem Stil liegt.

Anspieltipps:
“Kings Under The Sand”, “Curse Of The Pharaoh” und “Phantom Hawk”

Fazit:
Retrofreunde sollten hier ohne Frage mal ein Ohr riskieren. Ein bisschen mehr Ausgereiftheit und eine bessere Produktion (plus ein wenig mehr Mut in Sachen Songstruktur) täte dem Musik-Rezept von PULVER noch gut, aber dass die Jungs spielerisch und durchaus auch kompositorisch was auf’m Kasten haben, lässt sich nicht abstreiten. Das nächste Album würde ich gerne wieder rezensieren!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Rising
02. Phantom Hawk
03. Blacksmith’s Lament
04. Kings Under The Sand
05. Quarinah
06. Warrior Caste
07. Alpha Omega
08. Curse Of The Pharaoh

Jannis