01. Cross Your Heart
02. Far From God
03. Biblical
04. The Great Wolf In The Sky
05. Your Promise Of Light
06. For The Love Of Mortals
07. Our Freedom To Fall
08. Reconquista
Spielzeit: 42:23 min – Genre: Gothic Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 03.07.2026 – Page: www.facebook.com/moonspellband
Wie doch die Zeit vergeht. Als ich zum letzten Mal MOONSPELL rezensiert habe, saß ich (genau wie Ihr) in einem dicken fetten Lockdown in winterlicher Kälte und Dunkelheit und schrieb davon, dass es die Band nun fast 30 Jahre gibt.
Den Nachfolger zu dieser Rezension schreibe ich bei 38°C und sieh an, MOONSPELL gibt es nun fast schon seit 35 Jahren!
Und es ist Zeit für Album #14 mit dem zeitgeistlich sehr passenden Titel „Far From God“. Einiges hat sich geändert seit ihrem letzten Album, aber glücklicherweise ist sowohl die bestens miteinander harmonisierende Besetzung der Band aus Portugal als auch ihr Produzent gleich geblieben. Letzterer ist Jaime Gomez Arellano, (PARADISE LOST, GHOST, SÓLSTAFIR), dessen kraftvoll-breiter, handgemachter Sound perfekt zu Alben von Bands passt, denen überproduzierter Gummisound einfach nicht steht. MOONSPELL zum Beispiel.
Die sind spielerisch und gesanglich ein weiteres Mal in bester Form. Shoutout auch nochmal an Fernandos Vocals, die wie auch auf dem Vorgänger größtenteils clean und natürlich gothisch-dunkel ausfallen. Denn auch „Far From God“ ist eher einer der softeren Outputs von MOONSPELL. So richtig unklare Vocals, Metal-Riffs und Basstrommelbearbeitung finden erst auf den letzten beiden Tracks der Platte statt. Davor geht „Far From God“ eher als Gothic Rock durch, als solcher der älteren Schule. Sprich: Natürlich brauchst Du Keyboards bei so einem Album, aber MOONSPELL beschränken sich auf einen oldschooligen Keyboard-Einsatz, den eben ein echter Keyboarder live so auch mehr oder weniger ohne Backing Track hinbekommen würde. Klingt langweilig, ist aber in Praxis sehr angenehm.
Viele zuzrückhaltende Parts finden sich auf den ersten Tracks des Albums, viele an-distortete Gitarren und ruhige Vocals. Ja, die meisten dieser Songs intensivieren sich in ihrem Verlauf, aber schleichend subtil, sodass Track 7 und 8 nach so langem Edging noch einmal ganz anders knallen.
Und songwritingtechnisch? Macht „Far From God“ brutal viel richtig. „Cross Your Heart“ ist prototypischer klassischer Gothic Rock zum Einstieg, das Intro zum Titeltrack ist vielleicht cheese, aber auch einfach geil (letzteres ist auch der Rest des Songs).
„Biblical“ und „The Great Wolf In The Sky“ sind die Songwriting-Meisterwerke der Platte. Die Art von Songs, bei denen sich kaum ein Part wiederholt, die einfach auskomponiert und atmosphärisch sind. Insbesondere „The Great Wolf In The Sky“ mit wirklich guten Streichern von Alicia Nuhro ist einfach auf einem anderen Level.
Und mit „For The Love Of Mortals“ gibt es noch den Track, der eh schon harmonisch beginnt und sich dann über seine Stadionrock-Drumroll in einen Gänsehaut-Poprock-Track auflöst, der sich auch für ein paar Disco-Drumbeats nicht zu schade ist. Vollkommen zurecht.
Ach ja, natürlich ist „Far From God“ nie peinlich, durchgängig ordentlich emotional und – ohne große Einschränkungen – einfach ein weiteres starkes Album mit voller Existenzberechtigung von einer starken Band.
Fazit:
Gothic für den Traditionalisten, der mit der Zeit geht. Oder so. MOONSPELL nehmen sich die Vorzüge, die ihr Genre im Laufe der Zeit erfahren hat, lassen den unnötigen Ballast, den diese Zeit ebenso mit sich gebracht hat, außen vor. Diese Band ist einfach ein perfektes Beispiel dafür, wie man nach fast 35 Jahren immer noch musikalisch relevant ist, ohne Innovation missen zu lassen – aber auch, ohne sich selbst zu verlieren.
Anspieltipps:
„The Great Wolf In The Sky“, „Far From God“ und „For The Love Of Mortals“
Jannis















