TOKYO MOTOR FIST – Tokyo Motor Fist

Band: Tokyo Motor Fist
Album: Tokyo Motor Fist
Spielzeit: ? min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: –

Unlängst beglückten uns THE DEFIANTS mit ihrem selbstbetitelten Erstling, auf dem sie erstklassigen Hardrock in einer sehr erfrischenden Variante gespielt haben. Die Mitwirkenden waren u.a. Bruno Ravel von DANGER DANGER, Rob Marcello (MARCELLO/VESTRY) und der einstweilige DANGER DANGER Vokalist Paul Laine. Nun schieben die Verantwortlichen von Frontiers Records einen ziemlich ähnlichen Projektballon hinterher. Mit DANGER DANGER Sänger Ted Poley und TRIXTER Gitarrero Steve Brown sowie Greg Smith (bass, TED NUGENT etc.) und Chuck Burgi (drums, JOE LYNN TURNER etc.). Das Rezept ist exakt das gleiche. Große Hooks, ein richtig fetter Sound und mit Ted Poley natürlich eine perfekte Besetzung am Mikrofon. 

Alle Fans der rockigen Achtziger bekommen von der ersten Minute an ein feuchtes Höschen, wahrscheinlich schon beim Lesen der involvierten Künstler. Und das dürfen sie auch. TOKYO MOTOR FIST ist eine Mischung aus neuen TRIXTER (die ja ebenfalls labelintern mit „Human Era“ 2015 ein starkes Comeback hingelegt haben) und DANGER DANGER bzw. THE DEFIANTS. Der Kreis schließt sich also. 

Zwar ist das eröffnende „Pickin´Up The Pieces“ auf den ersten Blick etwas zu einfach gestrickt, aber der Fuß wippt. Und das ist doch ein gutes Zeichen, oder? Doch es wird (noch) besser: „Love Me Insane“, „Shameless“ oder „Put Me To Shame“ sind echte Kracher. Fans der Achtziger machen hier absolut nix verkehrt, und Anhänger der oben genannten Kapellen sowieso nicht. 

Merke: wenn Du die richtigen Leute unter Vertrag hast, kannst Du Unmengen guter Projekte raushauen. Und im Falle von TOKYO MOTOR FIST ist das – wie schon bei THE DEFIANTS – echt eine Sünde wert. Kaufen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Pickin´Up The Pieces
2.    Love Me Insane
3.    Shameless
4.    Love
5.    Black And Blue
6.    You´re My Revolution
7.    Don´t Let Me Go
8.    Put Me To Shame
9.    Done To Me
10.    Get You Off My Mind
11.    Fallin´Apart

Stefan

UNRULY CHILD – Can´t Go Home

Band: Unruly Child
Album: Can´t Go Home
Spielzeit: ? min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.unrulychild.net 

Viel wurde unter dem Namen UNRULY CHILD veröffentlicht. Aber nur das 1992 erschienene Debüt dürfte diesen Schriftzug tragen. Denn entweder war Sänger(in) Mark bzw. Marcie Free nicht mit an Bord oder diverse andere Musiker. Doch jetzt wurde das Original Line-Up mit Marcie Free (vocals), Bruce Gowdy (guitars), Guy Allison (keyboards), Larry Antonio (bass) und Jay Schellen (drums) wieder zusammengetrommelt. 

Alles beim alten ist nach 25 Jahren aber dann doch nicht. Wurde der Erstling von Starproduzent Beau Hill betreut, wurde dieses Mal labelüblich alles in eigene Hände gelegt. Der Sound ist zwar AOR-like aber ziemlich dünn. Fans von TOTO, JOURNEY und Kollegen dürfte das nicht weiter stören. Fans von „Unruly Child“ jedoch werden etwas enttäuscht sein. Sofern sie seit dem Debüt keine Platte von UNRULY CHILD mehr in die Hand genommen haben. Denn auch in der Vergangenheit haben sich die Amis nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. 

AOR mit Westcoasteinschlag ist es dann auch, was UNRULY CHILD auf „Can´t Go Home“ zelebrieren. Die Qualität der Songs ist größtenteils über alle Zweifel erhaben. Jedoch plätschert die Platte einfach so dahin. Zum Abschluss zeigen die Jungs mit „Someday Somehow“ zwar kurz, was möglich gewesen wäre, wenn sie mehr Bock auf Rock gehabt hätten. So bleibt aber nur eines von vielen AOR-Alben, die es in dieser Form schon (viel zu) oft gegeben hat. Originalbesetzung hin oder her.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    The Only One
2.    Four Eleven
3.    Driving Into The Future
4.    Get On Top
5.    See If She Floats
6.    She Can´t Go Home
7.    Point Of View
8.    Ice Cold Sunshine
9.    When Love Is Here
10.    Sunlit Sky
11.    Someday Somehow

Stefan

BATTLE BEAST – Bringer Of Pain

Band: Battle Beast
Album: Bringer Of Pain
Spielzeit: 39:46 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 17.02.2017
Homepage: www.battlebeast.fi

Gut zwei Jahre sind seit dem letzten Album „Unholy Savior“ ins Land gezogen. Seitdem waren BATTLE BEAST nicht faul. Es ging natürlich auf Tour und in den letzten Monaten hat man sich zurückgezogen, um das mittlerweile vierte Langeisen einzutüten. Bereits das dritte Mal befindet sich dabei Frontsängerin Noora Louhimo an der Front des Sextetts. Mit ihrer gewaltigen, variablen und vor allem leicht wiederzuerkennenden Stimme prägt sie damit das Gros des Schaffens BATTLE BEAST´s. Diese haben sich von Anfang an melodischen, pompösen Power Metal viel großem Keyboardanteil auf die Fahnen geschrieben. Mit „Bringer Of Pain“ leuten sie aber dennoch eine neue Ära in der Geschichte der Band ein. 

Denn mitten auf der Tour zu „Unholy Savior“ trennten sich BATTLE BEAST von Gitarrist und Hauptsongschreiber Anton Kabanen. Neu an Bord ist Joona Björkroth, der schon längere Zeit im unmittelbaren Umfeld der Band zu finden ist. Dass er nun fest eingestiegen ist, hat einige Neuerungen zur Folge: die Songs sind um Längen poppiger ausgefallen. Das wird alte Anhänger zumindest auf-, wenn nicht abschrecken. Aber auch schon in der Vergangenheit hatten die Finnen melodische Rocksongs im Gepäck, wie z.B. „Out On The Streets“ vom 2013er Album „Battle Beast“.

Der Opener „Straight To The Heart“ hätte allerdings auch auf einem der beiden Vorgängeralben stehen können. Ein guter Start also. Der folgende Titeltrack ist eine wahre Abrissbirne, JUDAS PRIEST und ihr „Painkiller“ lassen grüßen. Das vorab ausgekoppelte „King For A Day“ warf ja schon seine Schatten voraus und präsentiert BATTLE BEAST im Längen poppiger. Dennoch ist die Nummer ein Hit – oder vielleicht auch gerade deswegen. Mit „Beyond The Burning Skies“ nimmt das Sextett wieder etwas Fahrt auf, ohne jedoch das Hitpotential abzulegen. Das ebenfalls im Vorfeld zu hörende „Familar Hell“ ist abermals mit einer gehörigen Popschlagseite versehen. Mit „Lost In Wars“ versucht man für meine Begriffe etwas krampfhaft, sich an Kollegen wie WITHIN TEMPTATION anzunähern. Alleine der „cleane“ und elfenhafte Gesang von Frontfrau Noora zeugt davon. Das Stück ist dramatischer als das komplette restliche Album und zum Glück auch der einzige Versuch in diese Richtung.

Das rockende „Bastard Son Of Odin“ bringt noch einmal Leben in die Bude. Die Midtemponummer „We Will Fight“ hat überlebensgroße Hooks, will aber anfangs so gar nicht zu BATTLE BEAST passen. Dennoch ein Gewinner. Aber es geht noch poppiger: „Dancing With The Beast“ hat allenfalls untermalende Gitarren und die abschließende Ballade „Far From Heaven“ beschließt ein höchst überraschendes Album.

„Bringer Of Pain“ ist das „Turbo“ von BATTLE BEAST, wenn man es so bezeichnen will. Was mussten JUDAS PRIEST seinerzeit für Prügel einstecken – heute ist es eines der wichtigsten Stationen der Briten. Ob das für BATTLE BEAST ähnlich läuft, wird die Zeit zeigen. Böse Zungen werden behaupten, vom BATTLE bzw. METAL BEAST ist nur noch ein schnurrendes Kätzchen übrig. Aber mit neuen Songwritern entstehen nunmal andere Songs. „Bringer Of Pain“ ist weniger Heavy Metal, nimmt dafür aber jede Menge Hitpotential mit ins Programm. Das wird viele neue Fans dazugewinnen, auch wenn ein paar alte auf der Strecke bleiben. So ist es immer, stark ist die Platte allemal. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Straight To The Heart
2.    Bringer Of Pain
3.    King For A Day
4.    Beyond The Burning Skies
5.    Familiar Hell
6.    Lost In Wars
7.    Bastard Son Of Odin
8.    We Will Fight
9.    Dancing With The Beast
10.    Far From Heaven

Stefan

BONAFIDE – Flames

Band: Bonafide
Album: Flames
Spielzeit: 43:06 min.
Stilrichtung: Hardrock, Rock´n Roll
Plattenfirma: Off Yer Rocka Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.bonafiderocks.com

Es gibt Leute, die behaupten, es gibt nur DIE eine Riff Rock Band und innerhalb dieses Genres gibt es keinerlei Möglichkeiten, in irgendeiner Weise zu variieren. Doch eine Band, die Riff Rock zockt, muss nicht zwingend nach AC/DC klingen. Das haben in der Vergangenheit schon einige Kapellen gezeigt und auch die Schweden BONAFIDE haben sich schon lange vom Klon-Sound der Anfangstage losgelöst. Mit „Flames“ soll ein weiterer Schritt in Richtung Eigenständigkeit gelingen. Zum 10-jährigen Bandjubiläum haben Vorturner Pontus Snibb und seine Mannen zehn neue Songs komponiert. 

Wie eingangs schon erwähnt, haben BONAFIDE ihren Horizont im Laufe ihrer ersten fünf Langspieler Stück für Stück erweitert und sind bei Album Nummer sechs dort angekommen, wo nicht jede „neue“ Band hinkommt. Sie haben sich im zugegebenermaßen recht eng gesteckten Kosmos des Riff Rock ihre eigene kleine Ecke eingerichtet – irgendwo zwischen Blues, Boogie und dreckigen Drei-Akkorde-Riffs. Aber auch die Melodien sind ausgefeilter, die Arrangements würziger und hier und da haben BONAFIDE auch anno 2017 eine kleine Überraschung im Gepäck. 

Bestes Beispiel hierfür ist das lockere „Bottle Of Jack“. Im Herzen zwar ein einfacher Riff-Rocker, aber einfach ein bisschen ausgebuffter als viele andere. Auch das herzallerliebste „Smoke & Fire“ ist äußerst gelungen. Natürlich auch erwähnen sollte man den Opener „Back In Flames“ oder das fast schon poppige „Like It Now“ müsst Ihr Euch geben. Genauso wie „Keep A Safe Distance“. 

Wer innovatives Kraftfutter fürs Gehirn sucht, ist bei BONAFIDE (zum wiederholten Male) falsch. Wer ausgefeilten und satten Riff Rock zu seinem Steckenpferd erkoren hat, sollte, nein muss auch mit „Flames“ etwas anfangen können. Die Schweden BONAFIDE gehen ihren Weg konsequent weiter und entwickeln sich in eine sehr erfreuliche Richtung. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Back In Flames
2.    Smoke & Fire
3.    Power Down
4.    Bottle Of Jack
5.    Written In Stone
6.    Like It Now
7.    Keep A Safe Distance
8.    Gotta Go
9.    Flipside Groovin´
10.    Under Your Spell

Stefan

AGE OF REFLECTION – In The Heat Of The Night

Band: Age Of Reflection
Album: In The Heat Of The Night
Spielzeit: 56:27 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.ageofreflection.com 

Dass es sich bei AGE OF REFLECTION um eine schwedische Band handelt, ist jedem ab der ersten Note ihres Debüts „In The Heat Of The Night“ klar. Auch der Mix aus den Händen von Erik Martensson (ECLIPSE, W.E.T. etc.) ist sofort hörbar. Dementsprechend gerüstet ist die Band um Quereinsteiger Carl Berglund, der das Projekt ins Leben rief, als er seine alte Wirkungsstätte ONE BY ONE 2013 verließ. Quereinsteiger deswegen, weil er bei ONE BY ONE Industrial Metal gezockt hat. Aber irgendwann zieht es jeden Nordmann zum melodischen Hardrock alter Schule. So eben auch Berglund (guitars), der sich mit den beiden Kumpanen von ONE BY ONE (Bassist Jan Skärming und Drummer Michael Sjöö) sowie Gitarrist Jonas Nordqvist und Sänger Lars Nygren verstärkt hat. 

Und so ist „In The Heat Of The Night“ ein klassisches AOR/Melodic Rock Album neuer schwedischer Schule. Leider gibt es in diesem Genre nur noch selten richtig gute Releases, zu inflationär wird hier gesigned oder einfach zusammengewürfelt. Wenn man den Erstling von AGE OF REFLECTION mit aktuellen Kapellen vergleichen möchte, fallen mir da auf Anhieb natürlich ECLIPSE ein, allerdings zu ihren Anfangszeiten oder auch die amerikanische Komponente eines Projektes wie THE DEFIANTS. Im Grunde kann eine Band wie AGE OF REFLECTION nur mit großartigen Songs punkten – der Weg, auf dem das Quintett wandelt, ist so ausgelatscht wie ein Siedlerpfad im Wilden Westen. 

Und tatsächlich präsentieren die Schweden mit dem Eingangsduo „Borderline“ und „The Mirror Never Lies“ richtig gute Kost. Leider können die beiden folgenden Songs „Every Time“ sowie das Titellied (außer beim knackigen Riffing) überhaupt nicht mithalten. Erst nach der viel zu lang geratenen Ballade „Always“ kommt wieder Stimmung auf. „Evelyn“ ist nicht nur genre-typisch mit einem Mädchennamen ausgestattet, sondern auch richtig gelungen. Damit sind die Highlights aber auch schon aufgezählt. Der Rest des Materials pendelt sich zwar nicht unbedingt im unteren Drittel der Qualitätsskala ein, kann den drei herausragenden Songs aber auch nicht mehr das Wasser reichen.

Somit tritt leider ein, was befürchtet wurde. „In The Heat Of The Night“ ist zwar ein gestandenes und durchaus gelungenes Melodic Rock Album, das es aber schon viel zu oft gegeben hat. Immerhin – drei grandiose Songs haben AGE OF REFLECTION darauf hervorgebracht. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Borderline
2.    The Mirror Never Lies
3.    Every Time
4.    In The Heat Of The Night
5.    Always
6.    Evelyn
7.    Blame It On My Heart
8.    You Are My Light
9.    Now And Forever
10.    Dying For Your Love
11.    Every Time (Alternative Version)

Stefan

JIMI ANDERSON GROUP – Longtime Comin´

Band: Jimi Anderson Group
Album: Longtime Comin´
Spielzeit: 47:37 min.
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.facebook.com/jimi.anderson.7 

So richtig bekannt ist der Name JIMI ANDERSON bis heute nicht. Und das obwohl der gebürtige Schotte bereits 1978 seine erste Band gründete. Am meisten Aufsehen konnte er wohl mit Tribute Bands erregen. Sowohl bei A FOREIGNER´S JOURNEY als auch bei LEGENDS OF AOR war der mittlerweile in York lebende Sänger aktiv. Jetzt kommt mit „Longtime Comin´“ der erste Longplayer seiner JIMI ANDERSON GROUP in die Läden, der genau das Klientel ansprechen soll, die auf die Musik der o.g. Tribute Bands stehen. Zusammen mit Gitarrist Greame Duffin und Sandy Jones (bass, guitars, drums) hat er ein Dutzend Songs in den FML Studios in Schottland eingespielt. 

Die Strategie ist also klar – und mit „Same Old Song“ scheint sie auch aufzugehen. Der Opener kommt recht locker aus der Hüfte. Rhythmisch, melodisch und frisch – soundtechnisch auf der Höhe der Zeit – rockt das Trio los. Ähnlich gestrickt, aber nicht weniger gelungen geht es weiter mit „Let´s Get Serious“. Das fröhliche „Spread It All Around“ ist um einiges poppiger, aber auch oberflächlicher. Weitaus besser gefallen mir Stücke wie „Best For Me“ oder der Titeltrack. Oder „Welcome To The Revolution“, das an älteres Material der LITTLE ANGELS erinnert. „Necessary People“ hat ebenfalls einen tollen, funkigen Groove. 

Dass „Longtime Comin´“ nicht das Album des Jahres werden würde, war wohl von vorneherein klar. Aber der Großteil der zwölf Songs ist zeitloser, grundsolider und ehrlicher Melodic Rock. Schon viele Male gehört, aber auch nicht ausgelutscht. Die JIMI ANDERSON GROUP kann hier und da eigene Akzente setzen und hat unterm Strich sehr gutes Material vertont. Schöne Scheibe!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Same Old Song
2.    Let´s Get Serious
3.    Spread It All Around
4.    Feel Like Letting Go
5.    Better This Way
6.    Welcome To The Revolution
7.    Higher Than Higher
8.    Longtime Comin´
9.    Where Do We Go From Here
10.    Necessary People
11.    Best For Me
12.    Oh Why

Stefan

STEPHEN PEARCY – Smash

Band: Stephen Pearcy
Album: Smash
Spielzeit: ? min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 27.01.2017
Homepage: www.stephen-pearcy.com 

Einst waren RATT einer der schimmernsten Erscheinungen am Rock´n Roll Himmel. Das ist schon lange her. Mit Hitalben wie „Out Of The Cellar“ 1984, „Invasion Of Your Privacy“ 1985 oder auch „Detonator“ 1990 sind sie auch heute noch unvergessen. Nicht zuletzt auch wegen der starken Comebackscheibe „Infestation“ in 2010, bei dem sich die Dauerstreithähne Warren DeMartini (guitars), Bobby Blotzer (drums) und Stephen Pearcy (vocals) auf der Höhe ihrer Schaffenskraft präsentierten. Seitdem ist viel Zeit vergangen und man muss schon Quellen wie Wikipedia bemühen, um den aktuellen Stand der Dinge (hoffentlich) wiedergeben zu können. Ganz aktuell stellt Stephen Pearcy sogar neues Material von RATT in Aussicht. Wohl ohne Originaldrummer Blotzer, der sich wohl immer noch auf Kriegsfuß mit dem Rest der Truppe befindet. 

Hier und heute steht aber erstmal das mittlerweile vierte Soloalbum des Frontmannes im Mittelpunkt. Denn irgendwie muss es ja raus, das Zeug, das jedem einzelnen Musiker ständig im Kopf herumschwirrt. Zusammen mit seinen langjährigen Kollegen Matt Thorne am Bass und Erik Ferentinos an der Gitarre, sowie Greg D´Angelo hinter der Schießbude und Chris Hager an der zweiten Gitarre hat der mittlerweile Sechzigjährige dreizehn neue Stücke eingespielt. 

Diese fallen indes um einiges moderner aus, als man es von Stücken seiner Stammband erwarten dürfte. Immerhin lässt sich so wunderbar ein eindeutiger Trennstrich ziehen. Das sollte den Fan aber nicht davon abhalten, sich „Smash“ einmal zu Gemüte zu führen. Denn mit melodischen Tracks der Marke  „Ten Miles Wide“ oder „I Can´t Take It“ hat der in San Diego geborene Sänger durchaus Ansprechendes zu bieten. Um einiges moderner tönen Songs wie „Dead Roses“ oder der Opener „I Know I´m Crazy“. Auch räudige Nummern wie „Hit Me With A Bullet“ solltet Ihr mal antesten, genau wie das bluesige „What Do You Think“. 

„Smash“ ist wahrlich keine Ansammlung durchgestylter Sicherheitsnummern. Auch die Balance zwischen modern und eher klassisch ist recht stimmig. Als Zeitvertreib bis zum nächsten RATT-Album, das uns Pearcy ja angekündigt hat, ist „Smash“ also durchaus brauchbar. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    I Know I´m Crazy
2.    Ten Miles Wide
3.    Shut Down Baby
4.    Dead Roses
5.    Lollipop
6.    Hit Me With A Bullet
7.    Rain
8.    Want Too Much
9.    What Do Ya Think
10.    Jamie
11.    I Can´t Take It (Album Version)
12.    Passion Infinity
13.    Summers End

Stefan

GOTTHARD – Silver

Band: Gotthard
Album: Silver
Spielzeit: 48:48 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: PIAS
Veröffentlichung: 13.01.2017
Homepage: www.gotthard.com 

Ein Dutzend Studioalben innerhalb eines Vierteljahrhunderts. Das hört sich doch ganz formidabel an. Aber GOTTHARD haben es nicht nur geschafft, rein rechnerisch jedes zweite Jahr eine Platte unters Volk zu bringen, sondern haben ganz nebenbei immer ein extrem hohes Level dabei gehalten. Auch in Zeiten, als die arg softe Ausrichtung mit Releases wie „Open“ oder „Homerun“ um die Jahrtausendwende als Hausfrauenrock verunglimpft wurde, standen im Vordergrund immer großartige Songs. Für alle Rockfans sind die ersten drei Scheiben „Gotthard“, „Dial Hard“ und „G.“ das Credo der Neunziger Jahre, wo alle Welt den Slogan „Rockmusik ist tot!“ hinausposaunt hat. Das war dank GOTTHARD damals nicht so und heute schon gar nicht. Eine mittelmäßige oder gar schlechte Scheibe haben die Schweizer noch nie fabriziert. Und außerdem sind sie wohl eine der besten und professionellsten Livekapellen auf diesem Planeten. 

Auch mit Nic Maeder am Mikrofon, der den tragisch verunglückten und wohl nie vergessenen, weil wundervollen Steve Lee, beerbte. Dieser ist ungeahnt schnell in die übergroßen Fußstapfen seines Vorgängers hineingewachsen. Immerhin die dritte Langrille steht der Wahlschweizer nun schon in Amt und Würden. Zusammen mit dem Dreamteam Gitarrist Leo Leoni und Kult-Produzent Charlie Bauernfeind, die sich den Produzentenstuhl abermals teilen, wurde das treffend betitelte „Silver“ aufgenommen. Dreizehn neue Stücke gibt es zu hören – und wieder einmal haben GOTTHARD einen anderen Weg eingeschlagen als zuvor. War Maeder´s Debüt „Firebirth“ eine erdige Platte, wurde „Bang!“ in Teilen ziemlich aufgeblasen und opulent instrumentiert. „Silver“ ist wohl eine Mischung aus den beiden Vorgängern. 

„Silver River“ legt los mit wummernder Hammondorgel und donnernden, aber warmen Drums. So nach den Siebzigern haben GOTTHARD wohl noch nie geklungen. Nahtlos ist der Übergang zu „Electrified“, das aber schon hardrockiger um die Ecke biegt. Die erste Singleauskopplung „Stay With Me“ ist – wie soll es anders sein – eine Ballade. Dass die Schweizer Balladen wie fast keine zweite europäische Band kann, hat sie bereits unzählige Male unter Beweis gestellt. Auch das lockere „Beautiful“ ist eher eine Pop-Nummer denn ein harter Rocker. 

Den findet der geneigte Fan dann eher bei „Tequila Symphony No. 5“ oder „Everything Inside“. Das akustische „Not Fooling Anyone“ mit seinen dezenten Streichern sollte aber genauso Gehör finden wie das grandiose „Only Love Is Real“.

Kurz und knapp: wo die meisten anderen Combos zum Jubiläum eine mehr oder minder lieblos zusammengeschraubte Best-Of mit ein oder zwei neuen Songs auf den Markt werfen, strecken sich GOTTHARD durchaus und liefern das zwölfte Studioalbum ab. Und das steht seinen elf Vorgängern in nichts nach. „Silver“ klingt erdig, ausgeklügelt wie eh und je und dennoch nicht konstruiert. Persönlich hätte ich mir ein paar Balladen weniger gewünscht, aber man kann nicht alles haben. 

Übrigens geht es ab Anfang Februar auf große Jubiläumstournee mit den Dänen PRETTY MAIDS im Gepäck – und natürlich mit allen Hits aus 25 Jahren GOTTHARD!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    Silver River
2.    Electrified
3.    Stay With Me
4.    Beautiful
5.    Everything Inside
6.    Reason For This
7.    Not Fooling Anymore
8.    Miss Me
9.    Tequila Symphony No. 5
10.    Why
11.    Only Love Is Real
12.    My Oh My
13.    Blame On Me

Stefan

PRÖWESS – Headfirst EP

Band: Pröwess
Album: Headfirst EP
Spielzeit: 21:23 min.
Stilrichtung: Hardrock, Rock´n Roll
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: 17.01.2017
Homepage: www.prowess.rocks 

Mit ihrer ersten Single „No Survivors“ haben es PRÖWESS bereits unbekannterweise in meine Jahresplaylist 2016 geschafft. Die Jungs aus Charlotte/North Carolina konnten mit ihrem frischen, schnörkellosen Rock´n Roll schnell überzeugen. Da kam die Promoanfrage zur ersten EP „Headfirst“ natürlich gerade recht. Den 5-Tracker veröffentlichen Sänger Dalton Bowes, die beiden Gitarristen Scott Roby und Kip Wilson sowie Schlagwerker Adam Ellis und Bassist Kenny Keeler auf eigene Faust. Wer sich das Personal so anschaut, wird schnell feststellen, dass 80% der PRÖWESS-Mannschaft von 21st CENTURY GOLIATH stammen. Jener Kapelle, die mit „Radio Destroyer“ 2013 und „Back With A Vengeance“ 2014 bereits zwei Rezensionen bei uns bekommen haben. Lediglich Sänger Dalton Bowes ist neu. 

Scheinbar hat man die alte Wirkungsstätte zu Grabe getragen und versucht unter dem Banner PRÖWESS mit einprägsamen Bandnamen, neuem Frontmann und leicht angepasster musikalischer Ausrichtung das Glück endlich auf seine Seite zu bringen. Das Quartett war bereits mit BOBAFLEX oder KICKIN VALENTINA unterwegs, nicht gerade die Champions League, aber ich bin mir sicher, dass PRÖWESS in kürzester Zeit einen weiten Sprung nach vorne machen können. 

Denn nicht nur ihre energische Debüt-Single „No Survivors“, die auch hier an den Anfang der gut zwanzig Minuten ihrer EP gestellt wurde, kann punkten. Auch „Show Me“ ist pures Rock´n Roll Dynamit. Leicht an Szenegrößen wie AC/DC angelehnt, bleiben PRÖWESS allerdings weit genug weg davon, ein Plagiat zu erzeugen. Und das ist das Schöne an dieser EP: die Songs sind praktisch gleichwertig gut. Sie stecken die Grenzen des Rock´n Roll zwar nicht strapaziös großflächig ab, passen aber auch nicht in die nächstbeste Schublade. 

„Headfirst“ ist ein gelungener Neuanfang, der große Knall des Cover Artworks ist zwar leicht überdimensioniert, live gehen die Amis aber sicher noch eine Ecke besser ab. Wie schon zu Zeiten von 21st CENTURY GOLIATH gilt: auch PRÖWESS sind eine Kapelle, die man im Auge behalten sollte. 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

1.    No Survivors
2.    Show Me
3.    Killing A Giant
4.    Shaker
5.    Overboard

Stefan

KROKUS – Big Rocks

Band: Krokus
Album: Big Rocks
Spielzeit: 46:40 min.
Stilrichtung: Rock´n Roll, Hardrock
Plattenfirma: Century Media
Veröffentlichung: 27.01.2017
Homepage: www.krokusonline.com

Die Schweizer Hardrocker KROKUS haben schon so manchen Bandklassiker auf dem Kerbholz. Dass aber alle Musik irgendwoher ihre Vorbilder zieht und dieses einer Antriebsfeder gleicht, ist eine so alte Erkenntnis wie die Musik selbst. Da bleibt es auch nicht aus, dass wohl fast jede Band irgendwann ein Coveralbum aufnimmt. Gewöhnlich wird ein solches Tondokument von Fans und Presse wohlwollend nickend aufgenommen, ohne jedoch ein sonderlich großes Interesse hervorzurufen. Für jeden Musiker ist es allerdings ein ganz gewöhnliches Ding, seinen Helden der Jugend zu huldigen. Etwas anderes macht jeder Musikfan ja auch nicht. Manche bleiben dabei in der Jugend stehen, manche sind durchaus etwas offener. 

Im Falle von „Big Rocks“ – so nennt sich das fröhliche interpretieren fremder Stücke bei KROKUS – wurden ausschließlich die größten Hits der Rockgeschichte verwendet. Das ist auf der einen Seite etwas schade, denn so mancher Song aus der dritten Reihe eines großen Künstlers blüht in fremder Interpretation nicht selten unerwartet bunt auf. Dennoch beschränken sich Marc Storace (vocals), Chris von Rohr (bass), Fernando von Arb (guitars), Mark Kohler (guitars), Mandy Meyer (guitars) und Flavio Mezzodi (drums) darauf, die Gassenhauer in neues Soundgewand zu packen. 

Die Begründung der Protagonisten liegt darin (und das ausnahmsweise in Originalform): „There´s nothing more powerful than a strong song“. Da gibt es mal gar nichts dran zu rütteln meine Herren. Und so gestaltet sich die Playlist der Schweizer Vorzeigerocker auch wie das Who-Is-Who der Szene. 

Aber wer gleich zwei mal in seiner Diskographie eine dermaßen großartige Reihenfolge an Alben geschaffen hat wie KROKUS, der darf sich dann auch an mehr oder weniger ausgelutschten Hits der Rockgeschichte vergreifen. Nicht falsch verstehen, die Songauswahl ist toll, aber viele davon werden hier wohl zum x-ten Male gecovert. Wenngleich sämtliche Stücke schön ins eigene Gewand gepresst wurden. Aber nochmal: der zweifache Hattrick an Klassikern („Metal Rendezvous“ 1980, „Hardware“ 1981, „One Vice At A Time“ 1982 und „Headhunter“ 1983) sowie grandiosen Alben der Neuzeit („Round 13“ 2003, „Hellraiser“ 2006, „Hoodoo“ 2010 und „Dirty Dynamite“ 2013) verzeiht einiges. Und außerdem: irgendwie ist sie ja schon cool, diese Playlist. Und immerhin hat sich am Schluss dieses Silberlings noch eine neue Version eines KROKUS-Songs versteckt. 

WERTUNG: ohne Wertung

Trackliste:

1.    N.I.B. (BLACK SABBATH)
2.    Tie Your Mother Down (QUEEN)
3.    My Generation (THE WHO)
4.    Wild Thing (THE TROGGS)
5.    The House Of The Rising Sun (THE ANIMALS)
6.    Rockin´ In A Free World (NEIL YOUNG)
7.    Gimme Some Lovin´ (SPENCER DAVIS GROUP)
8.    Whole Lotta Love (LED ZEPPELIN)
9.    Summertime Blues (EDDIE COCHRAN)
10.    Born To Be Wild (STEPPENWOLF)
11.    Quinn The Eskimo (BOB DYLAN)
12.    Jumpin´ Jack Flash (THE ROLLING STONES)
13.    Backseat Rock´n Roll (KROKUS – Original auf „Metal Rendezvous“)

Stefan