BLOOD GOD/DEBAUCHERY – Demons Of Rock´n Roll

Trackliste:

01. Demons Of Rock´n Roll
02. Going To Hell
03. Nude Nuns
04. Bombshell
05. Beware Of The Blood Babe
06. Raze Hell
07. Rockmachine
08. Ready For The Next Show
09. The Devil Will Burn In Hell
10. Children Of The Flame


Spielzeit:
74:58 min – Genre: Hardrock, Heavy Metal – Label: Massacre Records – VÖ: 2022 – Page: www.bloodgod.rocks oder www.debauchery.de

 

Zwölf Jahre ist er jetzt her – der Erstkontakt zum Riff-Rock-Ableger der deutschen Death Metal Kapelle DEBAUCHERY. Damals noch als BIG BALL unterwegs, haut Mastermind Thomas Gurrath das mittlerweile siebte Langeisen dieser Machart raus. Schon beim zweiten Release wurde die Truppe in BLOOD GOD umbenannt. Tatenlosigkeit kann man den Jungs also nicht vorwerfen, zumal BALGEROTH als weiterer Nebenschauplatz dient. Für den neuen Dreher „Demons Of Rock´n Roll“ bleiben BLOOD GOD dem Riff-Rock australischer Machart weiterhin treu, wobei sich Gurrath´s Stimme als Mischung aus Udo Dirkschneider und Brian Johnson beschreiben ließe.

Auch dieses Mal gibt es eine Doppel-CD mit jeweils zehn Tracks als BLOOD GOD im ACCEPT meets AC/DC Style und als DEBAUCHERY mit dementsprechenden Todes-Vocals. Als Vinyl ist „Demons Of Rock´n Roll“ in den beiden Versionen separat erhältlich. Das ist nicht gerade fanfreundlich.

Mit dem an den Anfang gestellten Titeltrack steigt auch gleich die Laune – die Füße wippen kräftig mit und die Rübe beginnt, sich zu schütteln. Da gibt es nix Neues, das ist BLOOD GOD wie sie leiben und leben – aber verdammt, das Teil macht Laune. Warum aber dann meine recht verhaltene Benotung? Ganz einfach: wäre das hier eine Single oder eine EP mit drei bis vier Tracks, wäre „Demons Of Rock´n Roll“ ne coole Sache. Als ganzes Album aber zieht sich die Angelegenheit wie Kaugummi, das zwar recht knackig produziert wurde – Dennis Ward hat wieder einmal sehr gute Arbeit geleistet – aber eben die immergleichen Riffs und Tonfolgen bemüht. Und auch die Songs sind so einfach gestrickt, dass selbst Oma Marianne hier und da noch eine Masche fallen lassen würde, damit etwas mehr Abwechslung in das Muster des neuen Pullovers kommt.

Neben dem erwähnten Titelsong könntet Ihr noch in „Going To Hell“ oder „Nude Nuns“ reinlauschen. Diese drei Songs wären die Essenz (wenn man davon sprechen kann) dieses Releases. Ob als BLOOD GOD oder DEBAUCHERY kann dann jeder für sich entscheiden.

Stefan

H.E.A.T. – Force Majeure

Trackliste:

01. Back To The Rhythm
02. Nationwide
03. Tainted Blood
04. Hollywood
05. Harder To Breathe
06. Not For Sale
07. One Of Us
08. Hold Your Fire
09. Paramount
10. Demon Eyes
11. Wings Of An Aeroplane

Spielzeit: 41:56 min – Genre: Hardrock – Label: earMusic – VÖ: 05.08.2022 – Page: www.heatsweden.com

 

Dass die schwedischen Hardrocker H.E.A.T. etwas ganz besonderes sind, ist bereits seit ihrem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2008 glasklar. Mit dem Weggang von Sänger Kenny Leckremo 2010 nach nur zwei meisterhaften Platten brach die Welt der meisten Fans wohl von einen auf den anderen Tag zusammen. Dass mit Rampensau Erik Grönwall ein derart hochwertiger „Ersatz“ präsentiert werden konnte, hätten wohl die wenigsten erwartet. Als zehn Jahre später genau dieser der Band den Rücken gekehrt hat, um sich fortan anderen Dingen zu widmen und das Mikrofon symbolisch wieder in die Hand von Originalsänger Leckremo legte, war der Schmerz kurioserweise mindestens genau so groß. Grönwall hatte sich mit seiner energiegeladenen Performance, seiner außergewöhnlich umfangreichen Stimme und seiner symphatischen Art so in die Herzen der Fans gesungen, dass es Kenny Leckremo wiederum schwer haben wird, sich wieder zurück zu boxen. Schon nach dem etwas experimentellen „Into The Great Unknown“ 2017 brodelte die Gerüchteküche um einen Weggang Grönwall´s und allgemeiner Unzufriedenheit. Mit dem Release von „H.E.A.T. II“ vor zwei Jahren allerdings waren alle Gewitterwolken am Himmel verschwunden, die Platte war einfach zu gut. Und dann kam alles anders… Doch schon die ersten öffentlichen Auftritte des kleinen Mannes mit der ebenfalls großen Stimme hat gezeigt, dass Leckremo nicht nur optisch gestählt, sondern auch angriffslustig und nicht minder voller Energie wie sein Vorgänger zu sein scheint. Beste Voraussetzungen also für eine neue Platte der Schweden und somit ein neues Kapitel.

Dieses startete mit dem Release der ersten Single „Nationwide“ wirklich furios. Die Landsmänner von EUROPE haben Pate gestanden für diesen Song und Kenny macht einen auf Joey Tempest – stark! Manche mögen monieren, dass soundtechnisch zu viel glattgebügelt wurde und sie überproduziert klingt. Doch „Force Majeure“ – so der Titel der neuen Platte – tönt genau richtig. Mit „Back To The Rhythm“ legten die Schweden noch ein extra Brikett ins Feuer. Ein vor Ohrwurmmelodien förmlich überquellender Stampfer erster Güte. Die aktuelle Single „Hollywood“ (siehe Video weiter unten) setzt allem die Krone auf. Dazwischen gesellt sich mit „Tainted Blood“ ein weiterer kraftstrotzender, hymnischer Hit. Und schon haben wir die ersten vier Songs „abgearbeitet“. Da kann einem schon mal der Atem stocken. Dazu passend gesellt sich an fünfter Stelle „Harder To Breath“. Die Nummer zeigt, H.E.A.T. haben ihr Pulver noch lange nicht verschossen. Und überhaupt gibt es keinen Durchhänger auf „Force Majeure“. Schon gar nicht das hochmelodische „Not For Sale“ und auch nicht das einfach gestrickte „Paramount“. Bei „Demon Eyes“ brennt die Hütte und für ruhigere Momente im Leben haben die Schweden „One Of Us“ im Gepäck. Das abschließende „Wings Of An Aeroplane“ ist noch einmal Gänsehaut pur.

Was könnte wohl hinter dem Titel „Force Majeure“ stecken? Es ist wohl kaum höhere Gewalt, dass H.E.A.T. hier so ein Brett abliefern. Immerhin legen die Schweden in ihrer Karriere eine Konstanz hin, die ihresgleichen sucht. Eine kleine Träne im Knopfloch gibt es für mich persönlich aber dennoch: der „Verlust“ von Erik Grönwall als Sänger hat weh getan. Dennoch – und das ist absolut ehrlich gemeint – hätten H.E.A.T. auf ihrem dritten Album mit Kenny Leckremo (und dem siebten insgesamt) nichts besser machen können. Deswegen lassen wir ganz feierlich die (Kronen-)Korken knallen und verkünden die volle Punktzahl für dieses Sahneteilchen!

Stefan

LESSMANN/VOSS – Rock Is Our Religion

Trackliste:

01. Medicine Man
02. Smoke Without A Fire
03. Runaway Days
04. Fight For Our Love
05. Take My Heart And Run
06. Slow Dance
07. Rock Is Our Religion
08. Something Is Better Than Nothing
09. Look Around
10. Stay
11. Sister Golden Hair (America Cover)
12. What Feels Right

Spielzeit: 49:57 min – Genre: Hardrock – Label: Atomic Fire Records – VÖ: 22.07.2022 – Page: ???

 

Die Kollaboration LESSMANN/VOSS geht in eine neue Runde. Nach zwei guten Alben als PHANTOM V hat die All-Star-Formation erstmal Pause. Das Kreativduo LESSMANN/VOSS schiebt alleine an und hat für ihr neues Werk nur einige wenige Gäste um sich geschart. Dementsprechend wurde natürlich auch der Name angepasst. Ganz einfach unter dem Banner LESSMANN/VOSS erscheint jetzt ein Album mit dem vielversprechenden Titel „Rock Is Our Religion“. Dass die Hauptakteure den Hardrock lieben, haben sie in der Vergangenheit auf vielen großartigen Platten eindrucksvoll bewiesen. Und dass Claus Lessmann einer der charismatischsten und besten deutschen Rocksänger ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Viele hätten ihn nur zu gerne wieder zurück im Schosse seiner alten Band BONFIRE, aber viele nachvollziehbare Gründe lassen dies nicht zu. BONFIRE sind somit schon lange ad acta gelegt – weil auch nur noch die One-Man-Show des ehemaligen Partners In Crime Hans Ziller nebst neuer musikalischen Ausrichtung, die wohl kaum ein Fan aus alten Tagen gutheißen wird.

Aber genug zu den alten Zeiten: „Rock Is Our Religion“ liegt im Player. Ohne einen Ton der neuen Platte gehört zu haben, musste ich diese Rezension einfach übernehmen. Etwas Ernüchterung machte sich breit ob der ersten beiden Vorab-Singles „Smoke Without A Fire“ und „Take My Heart And Run“, die doch recht beliebig klangen. Aber so schnell will ich meine alten Helden nicht abschreiben. Speziell erstgenannte Nummer entwickelt sich dann doch noch zum Positiven. Da kommt „Runaway Days“ gleich von Anfang an etwas besser aus dem Quark. Und auch Tracks wie „Stay“ (mit Michael Voss am Mikrofon) oder der Titeltrack rocken amtlich los. Bei „Look Around“ integrieren die Jungs lässigen Reggae in einen Rocksong – coole Sache.

Und doch fehlt mir insgesamt die Energie alter BONFIRE-Sachen oder der ersten beiden CASANOVA-Platten. Auch als PHANTOM V hatte das Duo mehr Wespen im Hintern. Der Sound von „Rock Is Our Religion“ ist nett, und das sind einige Songs auch. Aber „nett“ reicht bei diesen klangvollen Namen einfach nicht. So sehr ich mich immer wieder freue, die Stimme von Claus Lessmann mit neuem Material zu hören, dieses Projekt hätte einiges mehr reißen können, als eine Platte mit dem typischem, seit 20 Jahren immergleichen Michael-Voss-Sound und nur einer handvoll guter Songs. So sehr ich beide Musiker schätze und Claus´Stimme immer lieben werde, „Rock Is Our Religion“ haut mich echt nicht so recht vom Hocker.

Stefan

JOURNEY – Freedom

Trackliste:

01. Together We Run
02. Don´t Give Up On Us
03. Still Believe In Love
04. You Got The Best Of Me
05. Live To Love Again
06. The Way We Used To Be
07. Come Away With Me
08. After Glow
09. Let It Rain
10. Holdin´ On
11. All Day And All Night
12. Don´t Go
13. United We Stand
14. Life Rolls On
15. Beautiful As You Are

Spielzeit: 73:04 min – Genre: AOR, Melodic Rock – Label: Frontiers Records – VÖ: 08.07.2022 – Page: www.journeymusic.com

 

„Ich wollte ganz bewusst ein neues Kapitel der JOURNEY-Geschichte schreiben und Dinge ausprobieren, die wir bislang noch nicht gemacht haben.“ Diese Aussage, die Neal Schon unlängst in einem großen deutschen Rockmagazin tätigte, macht einerseits neugierig auf das neue Werk der AOR-Helden – andererseits lässt es auch eine gewisse Angst entstehen, die Granden des US-Stadionrocks würden noch einmal alles umkrempeln und damit vielleicht viele Fans vor den Kopf stoßen. Nun war ja nicht alles unumstritten, was JOURNEY nach dem Weggang respektive Rausschmiss ihres stimmgewaltigen Aushängeschilds Steve Perry nach dem 1986er Albums „Raised On Radio“ so fabriziert haben. Zehn Jahre Pause und so einige Sängerwechsel musste das AOR-Mutterschiff im Laufe der vielen Jahre bis heute verkraften. Erst mit dem Engagement des philippinischen Steve Perry-Soundalikes Arnel Pineda (dessen Geschichte sich nach dieser Verpflichtung ja wie aus einem Hollywood-Drehbuch liest) sitzen JOURNEY musikalisch wieder fest im Sattel und sind selbstbewusster denn je. Das können sie auch sein. Denn auf der einen Seite stehen eine Unmenge an Megahits auf Ihrer Habenseite, und außerdem ist die wiedererstarkte Einheit zusammen mit Pineda am Mikrofon ein nahezu unerschütterliches Bündnis. Zwar gab es vor einiger Zeit noch einige Rechtsstreitigkeiten mit den langjährigen Mitstreitern Steve Smith (drums) und Ross Valory (bass), aber auch diese Krise haben JOURNEY offensichtlich abgeschüttelt. Neben den alten Recken – Gitarrist Neal Schon, Jonathan Caine an den Keyboards und dem zurückgekehrten Randy Jackson am Bass – komplettieren der bereits seit 2007 zur Band gestoßene Arnel Pineda (vocals) sowie Neuzugang Narada Michael Walden, der zurückgekehrte Deen Castronovo (ebenfalls drums) und Jason Derlatka (keyboards) die live zu siebt performende Combo.

Elf lange Jahre mussten die Fans auf dieses neue Album warten. Mit „Freedom“ ist es auch mehr als treffend betitelt. Denn die fünfzehn (!!!) neuen Songs sind eine Mischung aus altbewährtem Material, das sich sehr an die größte Erfolgsphase der Amerikaner anlehnt und wirklich komplett neuen Höreindrücken, die nicht nur musikalisch in andere Gefilde abdriften sondern Sänger Arnel Pineda endlich die Freiheit geben, er selbst zu sein. Und genau diese Versatilität ist für den Hörer anfangs sicher ziemlich fordernd.

„Together We Run“ beginnt, wie ein JOURNEY-Song beginnen sollte. Mit Piano, federleichten Melodien und spannungsgeladenem Aufbau. Der Anfang von „Don´t Give Up On Us“ erinnert sehr an ihren Hit „Separate Ways“ und ist so etwas wie eine selbstzelibrierte Hommage. Mit „Still Believe In Love“ driften die Amerikaner für meinen Geschmack zu sehr in die Belanglosigkeit ab, was die aktuelle Single „You Got The Best Of Me“ aber wieder erstklassig auffangen kann. Mit der zweiten Ballade „Live To Love Again“ machen JOURNEY einiges besser als zwei Songs zuvor. Der Midtempo-Stampfer „The Way We Used To Be“ wurde bereits vor einem Jahr als erste Single vorgestellt und gibt einen ersten Vorgeschmack von dem, was Neal Schon mit seinem eingangs zitierten Statement meint. Ebenso das funkige „Come Away With Me“, das gut und gerne auch von LENNY KRAVITZ stammen könnte. Das von Deen Castronovo intonierte „After Glow“ ist ein gefühlvoller Song, der wieder etwas besser in die Ursuppe von JOURNEY passt.

Der große Rest der Platte ist in weiten Teilen die volle Breitseite, was wohl die wenigsten von „Freedom“ erwartet hätten. Angefangen vom an U2 erinnernden „All Day And All Night“ über das schleppende „Let It Rain“ bis hin zu „United We Stand“ bieten JOURNEY allerlei „Neues“, zumindest aber ungehörtes aus diesem Bandlager. Einzig „Don´t Go“ und „Life Goes On“ wildern in ihrem eigenen Revier. Und der über 7-minütige, wunderbar epische Rausschmeißer „Beautiful As You Are“ sollte mehr als ein versöhnlicher Abschluss für alle sein!

Für JOURNEY-Puristen ist „Freedom“ sicher ein mittelschwerer Schlag. Das gilt nicht nur für die wilde Mischung an verschiedensten Sounds und Songs sondern auch für den verwässerten Sound. Hier hätte doch sicher mehr drin sein können. Andererseits bieten die Amerikaner auf diesen gut 70 Minuten allerlei Abwechslung, wenn man das Album positiv beleuchtet. Eines haben die Stücke indes nicht: Hitpotential. Aber Hits haben die alten Helden ja auch schon genug. Leider kopieren die Amerikaner zu oft sich selbst und präsentieren auf „Freedom“ sowohl „Don´t Stop Believin´2.0“ als auch „Separate Ways 2.0“, was einen etwas faden Beigeschmack hat. Für die Band ist es ein Versuch, aus den alten Mustern auszubrechen, ohne die Fans allzu sehr zu verprellen. Aber JOURNEY sind einfach eine zu gute Band, um eine schlechte Platte zu machen.

Stefan

TAILGUNNER – Crashdive EP

Trackliste:

01. Shadows Of War
02. Guns For Hire
03. Revolution Scream
04. Crashdive

 

 

 

 

 

Spielzeit: 16:15 min – Genre: Heavy Metal – Label: Eigenvertrieb – VÖ: 19.06.2022 – Page: www.tailgunnerhq.com

 

Kurz vor der Pandemie 2019 gegründet, und 2020 personell mit den „Überresten“ von MIDNIGHT PROPHECY komplettiert, warten die britischen Metaller TAILGUNNER jetzt mit ihrer ersten EP auf. Die Debüt-Single „Guns For Hire“ war bereits am 04. Januar am Start und gab dem neuen Jahr einen gehörigen Kickstart und die Gewissheit, dass auch 2022 in musikalischer Hinsicht ein tolles Jahr werden kann. Nach einer erfolgreichen UK Tour (die zweite steht bereits vor der Tür) haben Craig Cairns (vocals), Zach Salvani (guitars), Patrick van der Völlering (guitars), Tom Hewson (bass) und Sam Caldwell (drums) ihre 4 Tracks umfassende EP „Crashdive“ angekündigt. Aufgenommen in einer viktorianischen Kapelle in Liverpool und von Olof Wikstrand (ENFORCER) als Engineer unterstützt macht der Fünfer absolut keine Gefangenen.

„Guns For Hire“ geht gnadenlos nach vorne und weckt Erinnerungen an Bands wie PEGAZUS oder eben auch ENFORCER aus der jüngeren Garde sowie natürlich die großen Vorbilder IRON MAIDEN, HELLOWEEN und JUDAS PRIEST. TAILGUNNER gehen absolut back to the roots in die Achtziger und wühlen sich durch das komplette Jahrzehnt mit all seinen Highlights aus diesem Bereich des Heavy Metal. Als zweite Single wurde mit „Revolution Scream“ ein weitaus massenkompatiblerer Track auserkoren, der schon ziemlich an ENFORCER erinnert – Klasse! Unlängst haben die fünf jungen Briten den Titeltrack ihrer nun vorliegenden EP ausgekoppelt, ein weiteres Stück klassischen Heavy Metals, der mit seinen eingängigen Melodien genauso zu überzeugen weiß wie mit seiner instrumentalen Umsetzung. Textlich bedienen sich TAILGUNNER hier einer Thematik aus dem 2. Weltkrieg, als deutsche U-Boote das äußerst gefährliche Crashdive-Manöver durchgeführt haben, um einem gegnerischen Luftangriff zu entgehen. Fehlt nur noch der Opener „Shadows Of War“, der bisher unveröffentlicht war. Mit stampfendem Groove ist auch diese Nummer der wohl puristischste Metal, den man sich vorstellen kann.

Eine Überraschung ist TAILGUNNER mit ihrer EP „Crashdive“ absolut gelungen. So kompromisslos oldschool, dennoch frisch und absolut glaubwürdig hat sich schon lange kein Newcomer mehr in dieser Szene präsentiert. Bisher hat die Band noch keinen Plattenvertrag, das sollte aufgrund dieses Tonträgers aber sehr bald Geschichte sein.

Stefan

NASTY REPUTATION – After All It´s Rock´n Roll

Trackliste:

01. Slut Machine
02. Line Of Fire
03. Riot In Hell
04. Suicide
05. After All It´s Rock´n Roll
06. Wild At Heart
07. Hit On You
08. These Times
09. Freeride
10. Hell Outta You

 

Spielzeit: 38:21 min – Genre: Sleaze Metal, Hardrock – Label: Naked Hollywood Records – VÖ: 06.06.2022 – Page: www.facebook.com/therealnastyreputation

 

Bereits seit 2007 treiben sich die norwegischen Sleaze/Punk/Hardrocker NASTY REPUTATION in verschiedensten Line-Ups in der heimischen Szene herum. Erst jetzt kommen Tommy Gun (vocals, guitars), Lars The Heat (guitars), Billy McBarbie (bass) und Cpt. Baard (drums) – so die aktuelle Besetzung – mit ihrem Debütalbum um die Ecke. Darauf zu finden sind zehn Songs, die zwischen 2015 und 2021 aufgenommen wurden, aber auch schon teilweise vorher in diversen Demoversionen existierten. Jetzt wollen es die Norweger aber endgültig wissen und bündeln ihre ganz Kreativität auf diesem Album, das ungefilterten Underground verkörpert. Der Sound ist dementsprechend weder glattpoliert, noch besonders audiophil. Aber das geht voll in Ordnung.

Mit der vor einigen Monaten ausgekoppelten Single „Slut Machine“ starten NASTY REPUTATION dann auch recht ansprechend. Parylaune garantiert – also gleich mal ein Bier aufgerissen. Doch schon beim folgenden „Line Of Fire“ offenbart sich eins der größten Mankos dieser Platte – zumindest für mich: ich kann mit dem Gesang von Tommy Gun absolut nix anfangen. Das gipfelt bei langsameren Stücken wie „Suicide“ oder „These Times“ darin, dass sich der Zeigefinger unweigerlich im Skip-Modus befindet. Aber mit „After All It´s Rock´n Roll“ oder dem schmissigen „Wild At Heart“ haben die Norweger dennnoch durchaus cooles Material zu bieten.

Drei oder vier gute Songs sind in Summe aber einfach zu wenig, um bei all der großen Konkurrenz bestehen zu können. Es tut mir auch fast schon ein wenig Leid für die Jungs, denn ich mag Norwegen als Land, all die netten Menschen von dort und auch den Rock´n Roll „Made In Norway“ sehr, aber „After All It´s Rock´n Roll“ ist nun mal nicht der große Wurf, auch wenn man live sicher seinen Spaß haben kann bei den oben genannten Anspieltipps.

Stefan

JONES STREET – Out Of The Gutter

Trackliste:

01. Dancin´ With The Devil
02. Tell Me Why
03. What Comes Around
04. Thieves Of Love
05. Take Your Love
06. Razor To My Wrist
07. When It All Comes Down
08. We Won´t Be Forgotten
09. Fuck Authority
10. On The Edge (Demo)

 

Spielzeit: 46:29 min – Genre: Hardrock – Label: Eonian Records – VÖ: 03.06.2022 – Page: www.eonianrecords.com

 

Mit der amerikanischen Hardrock-Kapelle JONES STREET kommt einer der vielen Vertreter ihrer Zunft jetzt zu neuen Ehren, die es seinerzeit nicht mehr geschafft haben, rechtzeitig Unterschlupf bei einem Majorlabel zu finden, bevor der große Knall einer ganzen Szene der Garaus machte und von heute auf morgen nur noch versiffte Karohemden, Depristimmung und langweilige Mucke in Mode waren. Kein Wunder, denn Shawn Crosby (vocals), Jonny Jones aka Johnny Scott (guitars), Mickey „McNasty“ Perez (guitars), John „JJ“ Jaurigui (bass) und Rob Hanna (drums) gründeten ihre Band erst 1991. Zwar hatten die Jungs recht schnell eine Zusage von Sony Music in der Tasche, ein Demo aufzunehmen zu können, zu einem richtigen Plattendeal kam es aber aufgrund des drastischen musikalischen Wandels hin zum Grunge nicht mehr. Immerhin das Demo konnten JONES STREET noch realisieren.

Lange unter Verschluss sah das Material erstmals 2008 offiziell das Licht der Welt – unter dem Titel „Dancin´ With The Devil“ wurden die zwischen 1991 und 1995 aufgenommenen Songs in Eigenregie veröffentlicht. Der 1992 zur Band gestoßene Drummer Anthony Focx (u.a. BEAUTIFUL CREATURES) zeichnete sich sowohl für den Mix als auch das Mastering verantwortlich. Aufgenommen wurden die Songs in Studios wie dem ehrwürdigen The Record Plant in Los Angeles sowie den Cornerstone Studios und den NRG Studios – ebenfalls ansässig in der Millionenmetropole.

Da die alte Auflage schon lange eine gesuchte Rarität ist (die sich auch noch in meinem CD-Schrank tummelt), haben die Trüffelsucher von EONIAN Records ihr Näschen erneut tief in den Untergrund gesteckt und sind mit der Idee, dieses Tondokument erneut unter die Leute zu bringen, bei der Band vorstellig geworden. Anthony Focx höchstselbst hat die Platte remastered und es wurde ein klein wenig an der Setlist geschraubt.

Der Opener „Dancin´ With The Devil“ ist indes gleichgeblieben. Eine weise Entscheidung, hat dieses rotzige Etwas genau die Street Credibiltiy, die ein Zwitter aus SKID ROW und GUNS´N ROSES eben braucht. Ein cooles Riff, mächtig Drive und mit Shawn Crosby genau den richtigen Sänger mit whiskeygetränkter Raucherlunge. Weitere Anspieltipps sind das melodische „What Comes Around“, die staubtrockene Ballade „Tell Me Why“ oder das groovende „Take Your Love“. Der zweite Teil der Platte ist vom Sound her etwas schwächer, die Songs aber machen ebenfalls ordentlich Laune – nicht nur an einem heißen Samstag Abend am Sunset Strip. Als Bonus hören wir auf der neuen Edition das bisher unveröffentlichte Demo „On The Edge“. Ein recht guter Ersatz für das ziemlich miserable „Out On Skid Row“ und den total überflüssigen Bonus „The Word (F**k)“ von der ursprünglichen Version aus 2008.

Für Fans der Sunset Strip Szene der frühen 90er ist „Out Of The Gutter“ ein gefundenes Fresschen – zumal die ursprüngliche Version schon lange vergriffen ist und dieser Re-Release mit besserem Sound um die Ecke biegt. Also, Support the Underground und zieht Euch dieses vergessene Stück Rockgeschichte rein – es lohnt sich!

Stefan

DEVIL´S TRAIN – Ashes & Bones

Trackliste:

01. The Devil And The Blues
02. Girl Of South Dakota
03. Rising On Fire
04. You Promised Me Love
05. Ashes And Bones
06. More
07. In The Heat Of The Night
08. Smell Sex Tonight
09. Rock´n Roll Voodoo Child
10. Hold The Line
11. Man With A Gun
12. Word Up (CAMEO Cover)

Spielzeit: 46:02 min – Genre: Hardrock, Heavy Metal – Label: Rock Of Angels Records – VÖ: 24.06.2022 – Page: www.facebook.com/devilstrain

 

Es rappelt wieder im Karton. Die Band um Sänger Roberto Dimitri Liapakis (MYSTIC PROPHECY) geht in die dritte Runde. Zusammen mit Schlagwerker Jörg Michael (STRATOVARIUS, AXEL RUDI PELL, GRAVE DIGGER, RUNNING WILD, RAGE etc.) und den beiden Neuankömmlingen Jens Becker am Bass (GRAVE DIGGER, RUNNING WILD) und Gitarrist Dan Baune (LOST SANCTUARY) hat der Shouter nicht nur eine illustre Truppe um sich geschart, sondern zum 10-jährigen Bandjubiläum auch Album Nummero 3 eingetütet. Mit ihrem frischen Mix aus Heavy Metal, Blues und Hardrock konnte die Truppe mit ihren beiden Vorgängern schon für einiges an Aufsehen sorgen. Für das neue Album hat sich der Vierer viel vorgenommen. Der Sound ist über jeden Zweifel erhaben – er ist laut, modern, heavy und doch irgendwie zeitlos. Die Songs sind noch ausgereifter, noch eine Prise sexier und lassen kaum Luft zum Atmen. Das liegt natürlich nicht nur am drückenden Sound von „Ashes & Bones“ und an den Könnern an den Instrumenten, sondern auch an J.D. Liapakis, einem echten Powerhouse-Sänger.

Los geht die wilde Fahrt mit dem stampfenden „The Devil And The Blues“, das sich lasziv um die Stange windet wie eine erstklassige Stripperin. „Girl From South Dakota“ schiebt an wie eine Dampfwalze, bevor „Rising On Fire“ die Hardrockseite der Band herausschält. Alle Maschinen sind auf Betriebstemperatur, das beweisen auch melodischere Songs wie „You Promised Me Love“ oder „In The Heat Of The Night“. Stoisch und heavy präsentieren sich indes der tolle Titeltrack oder „Man With A Gun“. Zum Abschluss gibt es noch eine extra Prise Fun in Form der CAMEO-Coververision „Word Up“. Nicht wirklich neu, aber durchaus hörenswert.

Auf „Ashes & Bones“ haben DEVIL´S TRAIN die für mich optimale Mischung aus Härte, Melodie und Coolness getroffen. Recht viel mehr geht nicht. Die Stücke sind durchweg stark und es scheint, als würde kein Blatt Papier zwischen die Protagonisten passen. Anders kann ich mir eine solch starke Leistung nicht erklären. Das teuflische Dampfross ist nicht zu stoppen und sollte mit diesem Brett sicher noch den ein oder anderen Fan dazu gewinnen können. Happy 10th anniversary guys!

Stefan

VYPERA – Eat Your Heart Out

Trackliste:

01. Slow Me Down
02. Standing On The Edge
03. Spellbound
04. Sierra
05. Rock´n Roll
06. Fantasy
07. Straight For The Kill
08. Danger
09. Fool For The Night
10. Cold As Ice
11. Wingborne

Spielzeit: 50:58 min – Genre: Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 17.06.2022 – Page: www.facebook.com/Vyperiaofficial

 

In letzter Zeit hatten Frontiers Records nicht sonderlich viel für mich in petto. Ganz anders erging es da einigen Kollegen aus der Redaktion oder auch einigen Rockfans im Freundeskreis. Aber mit VYPERA haben die Italiener wieder einmal ein heißes Eisen im Feuer. Eine junge Band aus – wie soll es anders sein – Schweden. Die Jungs aus Sandviken im Osten des Landes gründeten sich 2016 als Coverband unter dem Namen MADHOUSE und ihre musikalischen Einflüsse umschreiben Andreas Wallström (vocals), Christoffer Thelin (guitars), Andreas Andersson (bass) und Johan Pettersson (drums) mit Bands wie ICON, KING KOBRA, TRIUMPH, W.A.S.P. oder RAINBOW. Persönlich würde ich noch FIFTH ANGEL oder ZENO hinzufügen, alleine schon wegen der stimmlichen Ähnlichkeit Wallström´s mit dem deutschen Sänger Michael Flexig (ZENO) und Ted Pilot (FIFTH ANGEL). Aber mit den Vergleichen ist das ja immer so eine Sache…

Eines ist aber sicher: auf ihrem Debüt „Eat Your Heart Out“ haben die Schweden nicht gekleckert. Der Sound ist amtlich, das Songwriting frisch und doch erwachsen, mit Andreas Wallström haben VYPERA einen herausragenden Sänger in ihren Reihen und Gitarrist Christoffer Thelin ist ein Meister seines Fachs. Schon der Opener „Slow Me Down“ zeigt nach kurzem Gitarren-Intro mit seiner Energie, aus welchem Holz VYPERA geschnitzt sind. Erstklassiger Hardrock alter Schule, der absolut nicht altbacken aus den Boxen knallt. Genauso das folgende „Standing On The Edge“, das vom Tempo her etwas auf die Bremse drückt und als erste Single-Auskopplung samt amtlichen Videoclip große Erwartungen an das komplette Album zu schüren wusste.

Songs wie „Sierra“ mit seinem treibenden Beat samt fesselndem Refrain oder das nah an FIFTH ANGEL zu „Time Will Tell“-Zeiten angelehnte „Straight For The Kill“ zeigen auch im weiteren Verlauf, dass mit den Schweden zu rechnen ist. Ein weiteres Highlight stellt die an vorletzter Stelle platzierte, zweite Single „Cold As Ice“ dar. Virtuos und dennoch songdienlich die Gitarrenarbeit, treffsicher die Arrangements und mit Recht selbstbewusst bündeln die Schweden hier ihr ganzes Können.

VYPERA ist mit „Eat Your Heart Out“ ein überraschend gutes Debüt gelungen, das irgendwo zwischen Hardrock und Heavy Metal seinen Platz gefunden hat, das herrlich oldschool klingt und doch in unsere Zeit passt. Chapeau!

Stefan

BLOODY HEELS – Rotten Romance

Trackliste:

01. Dream Killers
02. Rotten Romance
03. The Velvet
04. Distant Memory
05. Hour Of Sinners
06. Mirror Mirror
07. When The Rain And I Meet
08. Crow´s Lullaby
09. Burning Bridges
10. Angels Crying
11. Oblivion

Spielzeit: 45:31 min – Genre: Modern Hardrock – Label: Frontiers Records – VÖ: 10.06.2022 – Page: www.facebook.com/bloodyheelsband

 

Aus dem Nichts krachte vor fünf Jahren eine junge Hardrockband aus Lettland in mein Musikuniversum. Mit ihrer deutlich an SKID ROW angelehnten Nummer „Cheap Little Liar“ rannten BLOODY HEELS seinerzeit offene Türen ein und auch das dazugehörige Album „Through Mystery“ war ordentlich. Zuvor hatte der Vierer aus Riga lediglich eine 5-Track EP aufgenommen. Das war im Jahr 2014 und das Video zu „Hungry For Love“ zeigt eine sehr junge Band, die deutlich auf der Glam Rock/Sleaze-Schiene fährt. 2020 erschien das zweite Album „Ignite The Sky“, für das mein Kollege Helmut satte 8,5 Punkte vergeben hatte. Die Platte erschien bei Frontiers Records und deckte eine recht große Bandbreite zwischen Hardrock und etwas düstereren, modernen Songs ab. Für ihr drittes Album „Rotten Romance“ reicht schon ein Blick auf die Trackliste um festzustellen, dass die Letten endgültig ihre Nische im Modern Rock mit Gothic-Elementen gefunden haben.

Knackig produziert kann schon die erste Single „Dream Killers“ nicht nur mit mega Riffing punkten, sondern auch mit einem Ohrwurm-Refrain. Latvia: 12 points! Auch wenn die Reminiszenzen an die Achtziger im Bandsound deutlich weniger geworden sind. Der folgende Titeltrack ist ein weiterer Volltreffer. Fans der Frühphase müssen sich definitiv umorientieren, an der Klasse des Songmaterials gibt es jedoch nichts zu rütteln. „The Velvet“ setzt einen melancholischen Höhepunkt, bevor „Distant Memory“ um ein Gutes metallischer ums Eck biegt. Die Zeit der radiofreundlichen Stücke ist indes vorbei, denn im weiteren Verlauf von „Rotten Romance“ lassen BLOODY HEELS ihre Vorliebe für Gothic Metal freien Lauf und kehren nur selten bis gar nicht in alte Gefilde zurück. Das ist einerseits sehr schade, die Kehrseite der Medaille ist aber, dass die Letten damit abseits des momentan sehr breit ausgelatschten Achtziger-Retro-Hardrock-Pfades nach vorne marschieren und nicht die x-te Combo vorgenannter Bewegung sein möchten.

Songs wie „Burning Bridges“, „House Of Sinners“ oder „Mirror Mirror“ geben ihnen damit absolut recht. Das Songwriting ist ganz klar als das ihre zu erkennen, nur die Umsetzung ist dieses Mal eben anders. Und so ist Album Nummer 3 im Falle von BLOODY HEELS ganz klassisch richtungsweisend. Ob die jungen Letten damit richtig abgebogen sind, wird sich zeigen. Vom anfänglichen Hitpotential driftet „Rotten Romance“ allerdings recht schnell ab, die drei bisherigen Singles stellen auch gleichzeitig die ersten drei Songs auf dem Album dar. Danach muss jeder für sich entscheiden, ob er die Transformation für gut befindet – die Songs sind es allemal. Düster – modern – laut, das sind BLOODY HEELS anno 2022.

Stefan