DEFECTO – Nemesis

Band: Defecto
Album: Nemesis
Spielzeit: 55:58 min.
Stilrichtung: Heavy/Progressive Metal
Plattenfirma: Black Lodge
Veröffentlichung: 16.03.2018
Homepage: www.defecto.dk

(Nachtrag vom 20.03.2018: von 9,5 auf 10 hochgestuft. Die Scheibe ist einfach zu perfekt.)

Sind Ihre Lautsprecher auch verklebt und verkrustet von all dem seicht poppigen Power-Metal-Geschmalze, das Sie immer hören? Benutzen Sie DEFECTO NEMESIS, um den Schmock in Windeseile aus den Boxen zu blasten! Man kann diese Band wohl guten Gewissens als Ausnahmeerscheinung bezeichnen, denn nicht nur bestach sie mit einem sehr guten Debutalbum, das ihr unter anderem Slots als Vorbands von Rammstein und Metallica bescherte, sondern haut mit ihrem zweiten Album “Nemesis” ein Werk raus, das man guten Gewissens als wahnsinnig bezeichnen kann.
Erstklassig produziert und mit fast einer Stunde Spieldauer ist NEMESIS zuerst einmal eins: verdammt hart für ein derart melodieorientiertes Album. Das liegt primär an der unbarmherzigen und fantastischen Riffarbeit der Jungs aus Dänemark, die partiell Death-metallische Züge aufweist, sekundär an der stimmlichen Leistung von Nicklas Sonne, der cleanen Gesang ebenso beherrscht wie böses Gegrowle, und an den apokalyptischen Orchestralarrangements, die mit denen von, sagen wir einfach mal, RHAPSODY gar nichts zu tun haben.
Doch damit nicht genug. Denn NEMESIS bezieht seinen Efecto ( -.- ) aus der Wechselwirkung von musikalischer Härte und großartigen Kompositionen.
Schon “Nemesis” (was ein fetter Anfang) knallt dem interessierten Hörer eine Refrainmelodie vor den Latz, die sich gewaschen hat und vom anschließenden “Endlessly Falling” (auch so ein Übersong) vielleicht noch knapp überboten wird. “Savage” rollt anschließend heavy rock’n’rollig auf der Harley heran, inklusive köstlichem TWISTED-SISTER-inspiriertem Video. Dem folgt direkt der nächste Höhepunkt, “The Nameless Apparition”, mit einer durchgehend unkonventionellen Melodieführung, die so verdammt gut funktioniert, dass die Frage aufkommt, warum die Idee vorher noch niemand hatte.
“The Sacrificed” und “Ascend To Heaven” sind die beiden Balladen auf NEMESIS (wobei man diese Bezeichnung bei letzterem Song dank seines Mittelteils nur eingeschränkt verwenden sollte), die recht düster und mit einer guten Portion Pathos, aber ohne großartig Kitsch und sehr gelungen daherkommen. Und während “Ablaze” vergleichsweise elektronisch ausfällt, mit exzellentem Synth-Einsatz und einem feinen Mittelteil, ist “Gravity” eine Mischung aus METALLICA und dem Lied, das HAKEN sich noch auf ihrem letzten Album gewünscht hätten.
Zusammenfassend: Es ist einfach wohltuend, sich neben dem ganzen fröhlichen Power-Metal-Spaß auch mal etwas DEFECTO zu geben. Diese Härte, diese Melodien, diese Arrangements, dazu diese Orchestralsynths und nicht zuletzt dieser großartige Sänger miteinander kombiniert machen aus NEMESIS jetzt schon eins der besten Alben des aktuellen Jahres. Es ist in höchstem Maße respektabel für eine 2011 gegründete Band, auf ihrem zweiten Album derartige Qualität mit echtem Wiedererkennungswert zu liefern, mit gerade einmal zwei bis drei Liedern, die minimal schwächer ausfallen. Auf dem Siegertreppchen des dänischen Metal sollten VOLBEAT zweifelsohne momentan fürchten, demnächst von Platz zwei auf Platz drei abzusteigen.

Anspieltipps:
“Nemesis”, “Endlessly Falling”, “Savage”, “The Nameless Apparition”, “Gravity” und “Ablaze”

Fazit:
Ich glaube, es ist inzwischen rübergekommen, dass ich nur deshalb nicht zu jedem der Leser, die nach diesem Review nicht in NEMESIS reinhören, nach Hause komme und sie dazu zwinge, weil mir die Adressen fehlen. Außerdem ist mein Navi defecto. Ehrlich, hört mal rein.

WERTUNG:

Von:

 

 

 

 

 

Nach:

 

 

Trackliste:

01. The Final Night Of Silence
02. Nemesis
03. Endlessly Falling
04. Savage
05. The Nameless Apparition
06. The Sacrificed
07. Ode To The Damned
08. Gravity
09. Ablaze
10. Before The Veil
11. We’re All The Enemy
12. Ascend To Heaven

Jannis

HEADLESS CROWN – Century Of Decay

Band: Headless Crown
Album: Century Of Decay
Spielzeit: 54:14 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 30.03.2018
Homepage: www.headlesscrown.com

Mag hier jemand Heavy Metal? HEADLESS CROWN machen nämlich ziemlich genau das. Präziser: Nach ihrem Ende 2015 erschienenen Debutalbum “Time for Revolution” legt die erst seit 2014 in ihrem LineUp bestehende Band nur knapp über zwei Jahre später ihr Zweitwerk “Century Of Decay” nach. Der Zyklus stimmt also schonmal. Der Umfang ebenso, schließlich liegt die Spieldauer der elf Tracks (Kein Intro, kein Outro, keine Ballade, kein Bullshit) umfassenden Scheibe bei knapp 55 Minuten, versteckt hinter einem düsteren Coverartwork, das ein Konzeptalbum vermuten lässt. “Und, ist dem so?” werden Sie fragen. Ja. So ist dem. Schön klassisch, eine dystopische Story über einen Arbeiter in einem Überwachungsstaat in naher Zukunft, der in seinen Träumen seinem Scheißleben zu entfliehen sucht.
Die Produktion ist der Musik dienlich, recht einfach gehalten und professionell, wenn auch nicht absolut high end. Das soll sie aber auch nicht sein, schließlich ist “Century Of Decay” kein keyboardiger Power Metal, sondern hinsichtlich der Arrangements auf’s Wesentliche reduzierter, kompositorisch einige progressive Züge tragender Heavy Metal ohne all die neumodischen Spiränzchen – “Mein Junge, ’ne Metalband, die hat fünf Mitglieder. Und dann braucht deren Platte auch nur fünf Tonspuren. Alles andere ist neumodischer Schnickschnack”, wie unsere Großmütter uns erklärten, als wir noch kleine Metaller waren. Recht hatten sie, und somit geht das Konzept von HEADLESS CROWN auch auf. Dabei klingt die CD nicht zufällig oftmals nach den großen Klassikern der Genres, leugnet niemals Einflüsse. Störend ist das nicht, eher freut man sich über kleine Parts, die an MAIDEN, PRIEST oder MERCYFUL FATE erinnern, sind sie doch trotz ihrer Erkennbarkeit auf “Century Of Decay” nicht im Überfluss gestreut. Und gerade die progressiveren Tracks wie “Plan 9” oder “Outermind Travel” weisen genug Eigenständigkeit auf, um HEADLESS CROWN nicht zur inoffiziellen Coverband zu degradieren.
Kritik am Album? Nun, obgleich Sänger Steff Perrone generell einen guten Job macht und ein absolut geeignetes Organ für Heavy Metal hat, täten ihm ab und an etwas mehr Wut in der Stimme und ein paar mehr Backing Vocals gerade in den Refrains ganz gut. Generell kommt beim mehrfachen Hören des Albums der Verdacht auf, HEADLESS CROWN sollten ein wenig mehr aus sich herausgehen, ein bisschen mehr Experimentierfreude zeigen. Die Songs agieren allesamt auf einem handwerklich sehr guten Niveau (Einige Soli sind echt Oberklasse!) und nicht wenige coole Melodieideen, interessante Taktspielereien – kurz, ein sehr souveräner Umgang mit den Bausteinen, aus denen sie gestaltet sind – zeigen, dass die Schweizer großes Potenzial haben.
Ein wenig mehr Zeit für das Songwriting hätte jedoch nicht geschadet, denn um wirklich besonders zu sein, fehlt es an Melodien, die ins Ohr gehen, und an Parts, die ein wirkliches Wow-Gefühl erzeugen. HEADLESS CROWN wären, wären sie Tischler, sehr gute Tischler, die sehr gute Tische anfertigen, ohne ihnen die letzte Lackierung zu verpassen. Vielleicht bis zum nächsten Album 2,5 Jahre Zeit investieren (wenn das Label dann nicht meckert), dann wird die nächste Rezension locker ein bis zwei Punkte besser!

Anspieltipps: “Outermind Travel”, “The Eye Of The Crow”, “Manipulators Of Dreams” und “Degree Absolute”

Fazit:
Klar, nicht jeder Heavy-Metal-Release muss das Rad neu erfinden, aber “Century Of Decay” fehlt es ein wenig zu sehr an songwriterischem Mut. Wer aber Spaß an einem handwerklich absolut stabilen Metalalbum im Sinne der großen Klassiker hat, das sich trotz dem jungen Alter der Band praktisch keine Anfängerfehler leistet, der darf mit HEADLESS CROWN durchaus mal sein Glück versuchen!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Century Of Decay
02. Radiant In Grey
03. The Blackness
04. Grinder Of Souls
05. Listen
06. Plan 9
07. Outermind Travel
08. The End
09. The Eyes Of The Crow
10. The Manipulators Of Dreams
11. Degree Absolute

Jannis

MIKE LEPOND’S SILENT ASSASSINS – Pawn And Prophecy

Band: Mike LePond’s Silent Assassins
Album: Pawn And Prophecy
Spielzeit: 59:58 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 26.01.2018
Homepage: www.facebook.com/mikelepondssilentassassins

So Kinder, heute gibt’s mal was zu MIKE LEPOND’S SILENT ASSASSINS zu lesen. Die sind aber trotz ihres Namens lustigerweise gar nicht mal so silent. Übelst ironisch und so. Wo waren wir? Korrekt, Mike LePond. Der Bassist der mächtigen SYMPHONY X hat mit “Pawn And Prophecy” inzwischen bereits das zweite Album seines Nebenprojekts veröffentlicht und macht darauf Sachen, die man von seiner Hauptband nicht unbedingt gewohnt ist: (größtenteils) recht gradlinigen Heavy Metal mit einigen Klischees und einigen Experimenten. Das Ganze soweit sehr sauber produziert, verteilt auf acht Tracks und mit einer satten Stunde Laufzeit. Gott sei Dank zentrieren sich die ersten sieben Tracks auf die ersten 38 Minuten, während Track acht in Überlänge daherkommt. Die Sorge, man habe klassische Vier-Minuten-Heavy-Metal-Songs unnötig auf Siebeneinhalb-Minuten-Klötze hochgepumpt, bewahrheitet sich somit nicht.
Die Songs auf “Pawn and Prophecy” brauchen ein wenig Zeit, um zu begeistern. Wirkt das Ding beim ersten Hördurchlauf noch wie das Album, das man nach der letzten Band zum Feierabendbier auf dem Festivalcampingplatz im Hintergrund laufen lässt, zeigt sich ab dem zweiten Mal der Facettenreichtum der Scheibe. Schon der Opener, “Masters Of The Hall”, ist abgesehen von einigen textlichen Fehlschlägen absolut unterhaltsam, bespaßt mit thrashigen Parts, einem Refrain aus dem Lehrbuch und einem ausufernden Solopart und steht dem bangbaren “Black Legend” mit seinen schön sägenden Gitarren und dem Prototyp-live-Chorus in nichts nach. “Antichrist” erinnert in seiner Machart leicht an HELL, wozu auch Sänger Alan Tecchio (WATCHTOWER und so) erheblich beiträgt. Fixer zugange geht es bei “Avengers Of Eden”, dem wohl powermetallischsten Song des Albums, der nebenbei auch noch deutliche Rock’n’Roll-Attitüde an den Tag legt, bevor es mit “Hordes Of Fire” noch einmal sehr klassisch wird – inklusive Falsettgesang, wie sich das gehört.
So viel zum “traditionellen” Teil des Albums. Doch natürlich kann ein SYMPHONY-Mitglied seine Liebe zu progressivem Kram nicht ganz verbergen. Auch Mike gelingt das nicht, jedoch zeigt sich diese Liebe stilistisch doch recht anders, als man vielleicht erwartet hätte. Zum einen in “I Am The Bull”, das ein wenig doomig klingt, zwischendurch ordentlich funky wird und nicht nur im Mittelteil durch seine Experimentierfreudigkeit auffällt. Im krassen Kontrast dazu erweist sich “The Mulberry Tree” als astreiner Folk-Metal-Song mit leichtem Mittelalter-Spirit und einer traumhaften Melodieführung, der sich vom schwermetallischen Teil des Albums deutlich unterscheidet. Den krönenden Abschluss bildet der 22minütige Titeltrack, der vielseitiger kaum sein könnte. Folkpassagen: Check. Klavier-Orchester-Part: Check. Gastsängerin: Check. Böses Geballer und echter Heavy Metal, Rockabillyparty plus E-Orgel, Mönchschöre, und das alles verpackt in mächtig Theatralik: sechsmal check. Dazu noch die Macbeth-Thematik, die sich bereits auf dem Cover andeutete und eine trotz allen Stilwechseln nachvollziehbare Songstruktur und fertig ist das kleine Endopus. Nein, “Pawn And Prophecy” ist bei weitem nicht nur ein Album für den Campingplatz-Soundtrack!

Anspieltipps:
“Black Legend”, “Pawn And Prophecy”, “I Am The Bull” und “Antichrist”.

Fazit:
“Pawn And Prophecy” ist doch mehr Gesamtkunstwerk, als man es anfangs vermuten würde. Wer Interesse an den Klassikern huldigendem Heavy Metal hat, dabei aber keine Angst vor Stilbrüchen verspürt, der könnte mit dem neusten Streich von MLPSA viel Freude haben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Masters Of The Hall
02. Black Legend
03. Antichrist
04. I Am The Bull
05. Avengers Of Eden
06. Hordes Of Fire
07. The Mulberry Tree
08. Pawn And Prophecy

Jannis

LIONE / CONTI – Lione / Conti

Band: Lione / Conti
Album: Lione / Conti
Spielzeit: 47:36 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 26.01.2018
Homepage: www.facebook.com/LioneConti

Nochmal in Kurzform: Am Anfang waren RHAPSODY, die sich später in RHAPSODY OF FIRE umbenannten, sich 2011 in RHAPSODY OF FIRE (mit Fabio Lione am Mic) und LUCA TURILLI’S RHAPSODY (mit Alessandro Conti als Sänger) aufsplitteten und sich 2017 in Teilen für eine 20-Jahre-RHAPSODY-Reunion, abermals unter dem Namen RHAPSODY, temporär wieder zusammenschlossen. Weil das alles noch nicht unübersichtlich genug ist – und weil italienische Power-Metal-Bands eine gechillte Truppe sind – hat sich mit LIONE / CONTI ein weiteres Projekt aus dem Hause RHAPSODY formiert, das aus den aktuellen Sängern beider Bands besteht. Normal. Aber genug der Stammeskunde.
Das nach den Nachnamen des Vokalistenduos benannte Album wurde produziert von Simione Mularoni und das, wie man von einem Projekt dieser Größe wohl erwarten kann, souverän ohne Ende. Auch für die Komposition zeichnet sich der DGM-Gitarrist verantwortlich – was dazu führt, dass sich “Lione / Conti” trotz seines RHAPSODY-Vocal-Overkills von anderen Veröffentlichungen der Italiener abhebt.
Klar, das Ganze ist Power Metal in Reinform, doch um einiges weniger orchestral (Keine Sorge, es gibt immer noch genug Orchestralbombast, nur eher unterstützend als dominant), etwas weniger dramatisch, etwas moderner anmutend, etwas straighter.
Innerhalb des Power Metals werden alle Komponenten ausgepackt, die in diesem Genre von Bedeutung sind: Da gibt es treibende Uptempo-Doublebass-Tracks wie “Glories” und “Gravity”, die obligatorische pathetisch-epische Ballade (“Somebody Else”, ist kitschig aber gelungen) und mit “You’re Falling”, “Truth” und “Crosswinds” auch eine stabile Menge Midtempogestampfe. Das Ganze wird garniert mit fetten Refrainmelodien, fixen Gitarrensoli und viel Synthesizer-Party. Ach ja, und zwei Sängern. Die machen beide natürlich einen herausragenden Job, bewegen sich dabei aber meist in sicheren Sphären. Ähnlich verhält es sich mit der Komposition: An sich ist sie top, geht ins Ohr, langweilt nicht – aber auf Experimente wird eben weitestgehend verzichtet. Stattdessen gibt es gelungene Power-Metal-Melodien aus dem geheimen Profi-Lehrbuch, eingebunden in die klassische Struktur aus Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, obligatorischem Solopart (Die hätte man echt etwas liebevoller gestalten können) und abschließendem Refrain in etwas fetter, in dem das Goldkehlchenduo dann ab und zu auch mal in höheren Sphären intonieren darf.
Nein, langweilig ist das nicht, an sich machen die Kompositionen durchgehend Spaß und halten zweifelsohne durchgängig ihr hohes Niveau, aber bei einem Kollabo-Album dieser Art hätte man sich ab und an ein wenig mehr Innovation oder zumindest eine etwas krassere Demonstration des Könnens von dieser spielerisch und kompositorisch ohne Frage sehr starken Band gewünscht.

Anspieltipps:
“Misbeliever”, “Gravity”, “Truth” und “You’re Falling”

Fazit:
Kam das gerade etwas zu negativ rüber? Dann seid beruhigt, “Lione / Conti” ist ein absolut starkes Power-Metal-Album, dem man als RHAPSODY/RHAPSODY-OF-FIRE/LUCA-TURILLI’S-RHAPSOY-Fan allein schon aufgrund der Sängerkombination und als Power-Metaller aufgrund der allgemeinen Qualität des Releases ein Ohr leihen sollte. Party on Fabio! Party on Alessandro!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ascension
02. Outcome
03. You’re Falling
04. Somebody Else
05. Misbeliever
06. Destruction Show
07. Glories
08. Truth
09. Gravity
10. Crosswinds

Jannis

ÖBLIVÏON – Resilience

Band: Öblivion
Album: Resilience
Spielzeit: 51:46 min
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Rock’n’Growl
Veröffentlichung: 23.02.2018
Homepage: www.oblivion-metal.com

Frankreich ist nicht unbedingt das Land, das man akut mit Power Metal in Verbindung bringen würde. Doch natürlich wirft praktisch jede Nation hin und wieder mal ein stählernes Früchtchen ab – und ÖBLIVIÖN, die am 23.02. ihr erstes Album veröffentlichen, machen eine große Menge richtig. Ganz verwunderlich ist das nicht, schließlich finden sich im LineUp der Band insgesamt drei Ex-Mitglieder von NIGHTMARE, womit eine gewisse Qualität garantiert sein sollte.
Sänger Jo Amore (ebenfalls ex-NIGHTMARE) überzeugt auf dem einwandfrei produzierten Debut mit einer spürbar reibeisigen, leicht an DIO erinnernden Stimme und hält sich dabei manchmal etwas zu wenig an die Taktvorgaben seiner Band. Nicht weiter schlimm, häufig funktioniert diese stilistische Eigenart auf “Resilience” ziemlich gut.
Musikalisch bewegt man sich durchgängig im Power-Metal-Bereich, wagt kleinere Ausflüge in den traditionellen Heavy Metal, klassischen Hard Rock oder verwendet progressive Elemente. Garniert wird dieses Konzept stets durch – ausschließlich orchestrale – Synths und Chöre, die allesamt verdammt gut produziert sind und der Scheibe ab und an einen gewissen Filmtrailer-Soundtrack-Flair verleihen.
Das ist bereits beim Intro nicht mehr zu leugnen und ändert sich im Verlauf des Albums keineswegs.
Die Songs auf “Resilience” sind größtenteils individuell, auch wenn sich die meisten von ihnen nach dem ersten Hördurchlauf wohl noch nicht festgesetzt haben werden. Generell haben ÖBLIVIÖN nämlich Spaß daran, astreine Power-Metal-Refrains hinter einer für Power-Metal-Verhältnisse recht hohen Grundhärte zu “verstecken”, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist, auf “Resilience” aber sehr harmonisch wirkt.
Und abgesehen von einigen, durchaus netten, Lückenfüllern wie “The Race Is On” oder “Shine In My Galaxy” hat die Scheibe der Ost-Franzosen einige potentielle Hits auf Lager. Allen voran “Bells From Babylon” mit seiner wunderbaren Gitarrenarbeit im Refrain, “Evil Spell” mit seiner unkonventionellen Strophengestaltung und das durchweg außerordentlich gelungene “Facing The Enemies”, das mit sehr klassischer Riffarbeit und einer spektakulären Chorusmelodie aufwartet.
Kritik? Nun, manchmal scheinen sich die Jungs von ÖBLIVIÖN etwas zu sehr auf ihre zugegebenermaßen überzeugende musikalische Nische zu verlassen und die kompositorische Komponente dabei zu vernachlässigen. An einigen Stellen klingt “Resilience” zwar top, liefert währenddessen aber Melodien, in die man mehr Liebe hätte stecken können. So wirken Parts des Albums musikalisch etwas zu nebensächlich, worüber auch die Leistungen der Musiker, die Produktion und das Soundkonzept der Band nicht hinwegtäuschen können. Gott sei Dank trifft das nicht allzu häufig zu, womit die erste Veröffentlichung von ÖBLIVIÖN insgesamt nach wie vor ein echt gelungenes Stück härterer Power Metal ist.

Anspieltipps:
“Bells From Babylon”, “Evil Spell” und “Facing The Enemy”

Fazit:
Wer leicht progressiven, symphonischen Power Metal mit einer guten Portion Eier mag, der sollte ÖBLIVIÖN mal eine Chance geben. Zumal auf der Bonus-DVD ein kompletter Konzertmitschnitt am Start ist, der in Sachen Bild- und Tonqualität ziemlich in Ordnung ist und neben den auf dem Hauptalbum vertretenen ÖBLIVIÖN-Songs auch noch drei Live-Versionen alter NIGHTMARE-Songs bietet. So gehört sich Fanservice!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Spectral Warrior
02. Honor An Glory
03. In The Arms Of A Queen
04. Bells From Babylon
05. Shine In My Galaxy
06. I Thought I Was A King
07. Evil Spell
08. Punished By The Crowd
09. Facing The Enemies
10. Race Is On
11. Dreamers Believers

Jannis

SQUEALER – Behind Closed Doors

Band: Squealer
Album: Behind Closed Doors
Spielzeit: 52:36 min.
Stilrichtung: Power Thrash Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 23.02.2018
Homepage: www.squealer.de

Liebe Metalbands dieser Erde: Manchmal ist kein Intro besser als ein uninspirierter Orchestral-Keyboard-Einminüter. Womit wir auch schon beim absolut nebensächlichen Hauptkritikpunkt von SQUEALERs neuem Longplayer “Behind Closed Doors” wären, denn der ein wenig billig klingende Synth-Opener schraubt die Erwartungen doch erst einmal runter, auch wenn das Motiv in Track 2 durch die Gitarren zugegebenermaßen sehr gut weiterentwickelt wird. Aber halten wir uns nicht am Intro auf. Das mitlerweile achte Album der Nordhessen ist eine extrem starkes Stück melodischen Thrash Metals mit Heavy- und Power-Einflüssen und für einige Überraschungen gut.
Die Produktion ist on Point, kombiniert druckvollen Sound mit einer leckeren Portion Natürlichkeit. Die Band kann nicht nur spielen, sondern hat zudem auch noch massig Talent hinsichtlich des Bastelns von Songstrukturen und Melodielinien im Gepäck. Nach dem Tod von Sänger und Gründungsmitglied Andreas “Henner” Allendörfer steht nun Sebastian Werner vor dem Mic, der sowohl bei melodischen als auch bei unmelodischen Gesangsparts ein stählernes Kehlchen vorzuweisen hat und mit Gespür für ein wenig Theatralik aus den Gesangslines das letzte herauszuholen weiß.
Musikalisch ist “Behind Closed Doors” wunderbar vielseitig. Während Songs wie “Dream Shot” oder “Brainwash” als klassische Thrasher daherkommen, mit angemessenem Gekeife und Zwei-Wort-Refrains, entpuppt sich “Time Goes By” als ein Song, der einer der stärksten auf GAMMA RAYs “No World Order” sein könnte.
“Into The Past” haut neben der super gestalteten Strophe und dem 1A-Power-Metal-Refrain noch einen nicht minder gelungenen an neuere RAGE erinnernden Mittelteil raus und der unnormal energiegeladene Chorus des ansonsten hörbar KREATORigen “Modern World Maniacs” sucht eh seinesgleichen.
Allgemein ist SQUEALER eine der Bands, die weder die Strophen im immer gleichen Rhythmus auf maximal zwei Akkorden runterbetet oder im Mittelteil notwendigerweise kurz ein obligatorisches Solo dahinknattert. “Behind Closed Doors” ist durchgängig unterhaltsam, leistet sich immer wieder Experimente und holt aus nahezu jedem Part alles raus, was in der heutigen Zeit des Zwei-Jahre-Veröffentlichungstakts nicht unbedingt die Normalität darstellt.
Und zu guter Letzt noch ein Wort zum letzten Track “MOTM”: Wem auf der Platte noch etwas Hard Rock, Midtempo-Heavy-Metal, leichte Stoner-Nuancen und ein ALICE-COOPER-Powerballadenchorus mit großartiger Orgelunterstützung und Gänsehautgarantie gefehlt haben: Bitte, da habt Ihr es. Das Ding rechtfertigt den Kauf einer Anlage mit Repeat-Funktion.

Anspieltipps:
“Dream Shot”, “Time Goes By” und “MOTM” – um mal einen Einblick in das Facettenreichtum dieses kleinen Underground-Meisterwerks zu bekommen.

Fazit:
SQUEALER sind eine dieser Bands, die seit einer Ewigkkeit existieren und dafür viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Die Jungs können aggressive Härte ebenso gut wie spannende Melodien und die Vocals, mögen sie beim zweiten Track stellenweise noch etwas dünn klingen, runden die Sache auf edelste Weise ab. Ach ja, und für eine deutsche Metalband sind die Lyrics wirklich gut! Explizite Reinhörempfehlung!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Madnecessity
02. Behind Closed Doors
03. Time Goes By
04. Dream Shot
05. Foolish Man’s Invasion
06. Into The Past
07. Brainwash
08. Fate
09. Modern World Maniacs
10. Worlds Collide
11. M:O:T:M

Jannis

SEBASTIEN – Act Of Creation

Band: Sebastien
Album: Act Of Creation
Spielzeit: 63:19 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 23.02.2018
Homepage: www.sebastienofficial.com

Irgendwie sieht SEBASTIEN auf den ersten Blick so aus, als sei es ein Soloprojekt eines leicht selbstverliebten Berufsmusikers mit Metal-Affinität namens Sebastien. Tatsächlich ist SEBASTIEN jedoch eine fünfköpfige Power-Metal-Band aus Tschechien – und eine der wenigen tschechischen Metalbands, die sich international einen gewissen Namen erarbeitet haben. Jetzt steht, versehen mit einem ziemlich edlen Coverartwork, das dritte unter dem jetzigen Bandnamen zusammengeschraubte Album, “Act Of Creation”, vor der Tür. Wie es sich für Bands wie SEBASTIEN gehört, ist die Produktion höchst professionell gelungen, absolut zeitgemäß, klar, knallend und ausgewogen. Dafür schonmal ein kleiner Finger nach oben.
Auf musikalischer Ebene machen SEBASTIEN das, was man wohl als New Wave of Power Metal bezeichnen könnte: Eingängige, manchmal poppige Melodien, leichte progressive Einflüsse, moderne Synthesizer, ein Mix aus beachtlicher Härte und weniger Hartem Geseiche und ein gewisser Hang dazu, das Ganze mit kleinen Club-Music-Einflüssen aufzupeppen. Wenn man auf sowas Bock hat, sollte man an “Act Of Creation” über mehr als eine Stunde Spieldauer seine Freude haben. Schon der Opener und Titeltrack gibt als einer der schnelleren Songs des Albums erstmal auf die 12, erinnert hinsichtlich des durchweg erfreulichen Gesangs und der Melodieführung partiell an KAMELOT und überzeugt durchweg mit tollen Melodien. Man hätte sich lediglich die tausendste Wiederholung des Refrains am Ende trotz seiner Grandiosität vielleicht sparen können, Egal, gelungener Einstieg, läuft.
“Wake Up” entpuppt sich als Midtempo-Stampfer mit deutlicher Hard-Rock-Attitüde im Stil von AXEL RUDI PELL und einer grausamen Aussprache des Wortes “Legacy” (Le Gässi), bevor es mit “Amy” etwas melancholischer (und am Ende des Songs extrem intensiv) wird. Refrain wieder Oberklasse.
Mit “Queen From The Stars” und “Hero” sind zwei belanglose Balladen am Start, die im 6/8-Takt, mit Akustikgitarren-Geschrammel, epischen Orchestralsynths und sehr großen, obgleich auch sehr nebensächlich dahinplätschernden Melodien daherkommen. Nichts gegen gute Balladen, aber bitte mit etwas mehr Substanz. Und weniger Flötensoli. Und nicht nochmal als Bonustrack auf tschechisch.
“Heal My Soul” und “Promises” sind beide eher ruhig gestaltete, etwas zurückhaltendere Power-Metal-Songs, beide mit leichtem Hang zum Kitsch, aber durchaus gelungen.
Wer sich nun sorgt, dass der Härte- und Partyfaktor auf “Act Of Creation” zu kurz kommen könnten: Ruhig bleiben, schließlich gibt es immer noch den großartig spaßigen Disco-Metal-Track “Winner”, eine Mischung aus Wodka-O und HELLOWEEN, das verhältnismäßig harte und im hervorragenden Refrain leicht SABATONische “Full Moon Child”, und das fette “Die In Me”.
Ja, die Balladen hätte man sich sparen können. Ja, ein bisschen mehr Härte hätte einigen der Strophen gut getan. Aber abgesehen davon ist “Act Of Creation” ein erstklassiges, modernes Power-Metal-Album geworden, das nicht, wie so viele andere Bands in diesem Untergenre, mangelnde Kreativität in Sachen Komposition hinter fetten Keyboards verstecken muss, sondern gute, durchgängig unterhaltende Komposition und fette Keyboards einfach kombiniert. Das Ganze gut gespielt, gut gesungen, gut produziert. So muss das!

Anspieltipps:
“Act Of Creation”, “Amy”, “Winner”, “Die In Me” und “Full Moon Child”

Fazit:
Man muss diese sehr perfektionistisch produzierte, manchmal zu Kitsch tendierende und mit Synths, die man eher in der nächsten Disco erwarten würde, angereicherte Art von Power Metal, schon mögen, um an SEBASTIEN Gefallen zu finden. Wenn man das tut, macht “Act Of Creation” jedenfalls einen Heidenspaß. Zeigefinger auch noch hoch!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Act Of Creation
02. No Destination
03. Wake Up
04. Amy
05. Evermore
06. My Empire
07. Queen From The Stars
08. Winner
09. Heal My Soul
10. Promises
11. Die In Me
12. Full Moon Child
13. Hero
14. V síti þtÏstí

Jannis

SONIC PROPHECY – Savage Gods

Band: Sonic Prophecy
Album: Savage Gods
Spielzeit: 58:57 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Rockshots Records
Veröffentlichung: 19.01.2018
Homepage: www.sonicprophecy.com

SONIC PROPHECY ist eine dieser Bands, nach deren Konzert man eine Intimrasur wohl akut nötig hat. “Savage Gods”, der dritte Longplayer des Quintetts aus Utah, ist von Anfang bis Ende Heavy Metal, mit zwischenzeitlichen sehr dezenten Keyboardeinschüben und jeder Menge Testosteron. Die Produktion dieser Battleromantik ist einwandfrei, die Spielzeit mit knapp einer Stunde absolut angemessen und das Cover grausam. Soweit also alles gut.
Musikalisch orientiert man sich an den großen Namen des Heavy Metal und offenbart eine hörbare Vorliebe gerade für JUDAS PRIEST und ICED EARTH. Entgegen aller Erwartungen ist das Tempo des Albums generell eher langsam, bewegt sich abgesehen von zwei Songs im Midtempobereich, wenn man von zwischenzeitlichen Doppelbasspassagen absieht, die die Tracks temporär aufspeeden. Das macht aber nichts, denn trotz der gemäßigten Geschwindigkeit ist “Savage Gods” ordentlich heavy und nahezu komplett kitschfrei, wie sich bereits beim Opener und Titeltrack herausstellt. Der macht schonmal gut Laune, geht aber eher höhepunktfrei vorbei. Mit “Unholy Blood” wird es dann etwas melodischer, mit einem Refrain, der auf jedem ICED-EARTH-Album bestens hätte untergebracht werden können. Dass man auch etwas weniger böse und hart und stattdessen etwas melancholisch-pathetischer kann, beweisen”Dreaming Of The Storm” und “Walk Through The Fire”, die natürlich trotzdem mit feiner Riffarbeit und einer angemessenen Portion Stahl aufwarten.
Im Gegensatz dazu steht “Man The Guns”. Mit seinem Refrain (“Man the guns, man the guns, hurgh hurgh, man the guns, hurgh” und so weiter) ist der Track fast schon unmenschlich primitiv, was keinesfalls als Kritik aufgefasst werden muss, da er uunter anderem auch deshalb extrem unterhaltsam und natürlich sehr männlich ist. Hurgh. “Man And Machine” atmet PRIEST-Spirit mit erwähnenswert geilem Refrain und purem Midtempo-Charme, “Iron Clad Heart” und “Chasing The Horizon” bedienen die Uptempo-Freunde und unterhalten dabei nicht minder.
Die Instrumentalfraktion macht durchgängig einen sehr guten Job und streut immer wieder kleine kreative Bonusideen ein, die “Savage Gods” noch einmal aufwerten. Auch Sänger Shane Provstgaard liefert eine amtliche Leistung ab, die durch die Produktion der Vocals noch einmal verbessert wird,
Kritikpunkte? Nun, ein paar ganz große Melodieideen hätten dem Album vielleicht noch ganz gut getan und auf “Walk Through The Fire” klingt der Gesang ein wenig seltsam produziert. Doch als das, was “Savage Gods” sein möchte – druckvoller echter Heavy Metal ohne Kompromisse – ist das Teil ein voller Erfolg – und mit Sicherheit interessanter als so manche aktuelle Veröffentlichung der großen Vorbilder von SONIC PROPHECY.

Anspieltipps:
“Man The Guns”, “Dreaming Of The Storm”, “Man And Machine”, “Iron Clad Heart” und “Chasing The Horizon”

Fazit:
Es sollte inzwischen deutlich geworden sein, dass jeder, der auf reinen qualitativen Heavy Metal Bock hat, den Jungs von SONIC PROPHECY mal ein Ohr leihen sollte. Es sei denn, er mant gerade die Guns. Das hat Priorität.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Savage Gods
02. Night Terror
03. Unholy Blood
04. Dreaming Of The Storm
05. Man The Guns
06. Walk Through The Fire
07. A Prayer Before Battle
08. Iron Clad Heart
09. Man And Machine
10. Chasing The Horizon

Jannis

SEASONS OF THE WOLF – Last Act Of Defiance

Band: Seasons Of The Wolf
Album: Last Act Of Defiance
Spielzeit: 45:59 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 26.01.2018
Homepage: www.facebook.com/Seasonsofthewolf

SEASON OF THE WOLF machen dem Cover nach zu urteilen offensichtlich Retro Speed Metal und sind den Zeiträumen zwischen den einzelnen Releases zufolge stark beeinflusst von BLIND GUARDIAN (Im Schnitt über vier Jahre, elf alleine seit dem letzten). Tatsächlich verhält es sich jedoch etwas anders. Ende der 80er in Florida gegründet und seitdem konstant im Untergrund verankert geblieben praktiziert das Quintett um Fronter Wes E. Waddell eine interessante Mischung aus klassischem Heavy Metal, sphärischen Keyboards, einem dezenten Progressive-Anteil plus X.
Der Produktion merkt man die Undergroundheit (?) deutlich an. Was in heutiger Zeit nicht mehr wirklich aktuell klingt, wirkt dafür umso authentischer hinsichtlich des Alters der Band. Tatsächlich klingt “Last Act Of Defiance” beinahe so, als habe man es direkt in den Neunzigern aufgenommen und erst jetzt veröffentlicht – auch was die Wahl und den Einsatz der Keyboardsounds angeht. Modern mag das nicht sein, aber dem Charme des Sounds der CD kann man sich nur schwer entziehen.
SEASONS OF THE WOLF musikalisch einzuordnen ist schwer. “Solar Flare”, der Eingangstrack, klingt beispielsweise nach klassischem Hard Rock, inklusive Hammondorgel und Gute-Laune-Garantie, während “Take Me To The Stars” wesentlich düsterer und metallischer scheint und mit intensivem Chorus und arschcoolem Riff punktet.
“Be Careful What You Wish” beginnt mit einem ruhigen Intro aus Glockensynths auf cleanen Gitarren und erinnert insgesamt an PRIESTs “Nostradamus”, entwickelt sich dann zu einem edel tribenden Midtemposong.
War das Album bis dahin schon alles andere als enttäuschend, so beginnt mit “Drifter” erst der wahre Spaß. Das Ding klingt wie eine Mischung aus “Grinder” und KING DIAMONDS “The Eye”, behandelt die typisch-metallische Loner-Thematik und setzt sich sofort fest. Das anschließende “Fool’s Gold” geht dann etwas fixer voran und macht mit seiner klassischen Harmonieführung und dem Orgeleinsatz nicht weniger Laune. Und als sei das noch nicht genug, kommt danach mit “Another Day” direkt der nächste Hammersong daher, dessen Drumsound verdächtig nach “Blood Red Skies” von JUDAS PRIEST klingt und der neben abermals hervorragender Melodieführung fast schon modern anmutende Synthesizer (im Oldschool—Gewand) mit einem top-Gitarreneinsatz kombiniert. Nach dem Instrumental “Dark Stratosphere” wird es dann noch einmal spürbar böser. Gerade “Last Act Of Defiance” mutet geradezu bedrohlich an, ballert massiv und überzeugt mit einem ordentlich treibenden Beat und einer absolut gelungen-theatralischen Gesangsleistung. Man muss SEASONS OF THE WOLF einmal in Ruhe angehört haben, um zu wissen, wie schade es ist, dass nicht mehr Bands diese Art von Metal machen.

Anspieltipps:
“Another Day”, “Drifter”, “Last Act Of Defiance” und “Fool’s Gold”

Fazit:
SEASONS OF THE WOLF sind eine Band, die seit ihrer Gründung ihrem Sound sehr treu geblieben ist. Aber was sind schon produktionstechnische Innovationen, wenn man mit einem solch nostalgische Gefühle hervorrufenden Klang sein musikalisch derartig gutes Album zu einem kleinen Gesamtkunstwerk aufwerten kann? “Last Act Of Defiance” zieht wohl jeden, der nicht nur auf den Metal der letzten zehn Jahre fixiert ist, unweigerlich in seinen Bann. Großes Lob dafür!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Solar Flare
02. Desert Night Sky
03. Take Us To The Stars
04. Be Careful What You Wish
05. Centuries Of Pain
06. Drifter
07. Fool’s Gold
08. Another Day
09. Dark Stratosphere
10. No More Room In Hell
11. Last Act Of Defiance

Jannis

REVENGE – Spitting Fire

Band: Revenge
Album: Spitting Fire
Spielzeit: 32:39 min.
Stilrichtung: Speed Metal
Plattenfirma: Iron Shield Records
Veröffentlichung: 26.01.2018
Homepage: www.revenge666.bandcamp.com

REVENGE als Bandname, “Spitting Fire” als Albumtitel, dazu dieses Cover… Ist überhaupt jemand überrascht, dass das hier ein Speed-Metal-Review wird? Vermutlich nicht. Und REVENGE bemühen sich um ein hohes Maß an Authentizität, wenn es darum geht, den eisernen Achtzigern zu huldigen. Inclusive Releases auf Kasette. Ist nicht ganz Achtziger, aber egal.
Auch ansonsten klingt das mit gerade einmal knapp über 30 Minuten Spieldauer doch traurig kurz geratene Werk der Truppe aus Kolumbien, als sei es eine Remastered Edition einer 80es-Metal-Aufnahme. Der Sound ist weitgehend zeitgemäß, aber schön roh und schreddernd. Würde das Ridebecken an einigen Stellen nicht klingen, als läute das Christkind zur Bescherung, ließe sich an der Produktion, die ansonsten dem Stil der Band absolut dienlich ist, rein gar nichts aussetzen.
Das Können der einzelnen Bandmitglieder lässt ebenfalls nicht zu wünschen übrig. Hier sind Musiker am Werk, die ihre Idole kennen und ihre musikalischen Vorstellungen problemlos umsetzen können. Sänger Esteban Mejias Vocals entlocken wohl dem ein oder anderen Oldschool-Fan ein Freudentränchen, einzig ein paar mehr hohe Parts wären wünschenswert gewesen. Dass er diese einwandfrei beherrscht, zeigt sich primär beim letzten Track. Ach ja, und die Texte, beispielsweise bei “Heavy Metal Friends”, sind grenzwertig. Kann man aber vernachlässigen.
In musikalischer Hinsicht gibt es nicht allzu viele Überraschungen. Entweder man startet mit eine langsameren Songintro oder ballert direkt kompromisslos los, dann geht es generell mit einfachen Melodien und hohem Tempo Richtung Mittelteil, der gerne mal etwas deutlicher im Midtempo angesiedelt ist. Nochmal der Refrain dahinter, fertig.
Auf Balladen wurde löblicherweise verzichtet. Neben dem vergleichsweise ruhigen letzten Track, der sogar mit ein paar cleanen Gitarren am Anfang aufwartet, ist der langsamste Song wohl “Thirst Of Avenge” – und auch der liefert noch oberes Midtempo.
Hervorzuheben sind ansonsten ohne Zweifel “Rise Of The Braves”, dessen Leadgitarren im Chorus sehr schön die Melodieführung unterstützen und das böse “Thy Axes Scream”, dessen Vocalparts vergleichsweise unmelodisch ausfallen und zeitweise leicht an VENOM erinnern.
Wirkliche Höhepunkte sucht man auf “Spitting Fire” leider größtenteils vergeblich, doch wer Interesse an nostalgischem Hochgeschwindigkeitsbangen mit einem Bier in jeder Hand hat, der darf von REVENGE über höchst authentischen Beistand erwarten.

Anspieltipps:
“Rise Of The Braves”, “Thy Axes Scream” und “Will Till Death”

Fazit:
Was REVENGE an musikalischer Außergewöhnlichkeit fehlen mag, machen die Jungs durch beachtliche Nähe zum 80er Speed Metal wieder wett. “Spitting Fire” klingt in gesundem Maße ungeschliffen und gibt durchgängig voll auf die 12. Prost!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Heavy Metal Friends
02. Thirst Of Avenge
03. Rise Of The Braves
04. Spitting Fire
05. Thy Axes Scream
06. Will Till Death
07. Sadistic Cruelty – The Revengeance
08. Infernal Angels (2017 Version)

Jannis