ASSIGNMENT – „With The End Comes Silence“

Trackliste:

01. Fallen
02. Nothing To Say
03. Beyond Recognition
04. Those Words
05. The Tower
06. Selling My Soul
07. Call For Heaven
08. Angel Of Berlin
09. With The End Comes Silence
10. The Curtain Falls
11. Endlessly

Spielzeit: 69:23 min – Genre: Progressive Power Metal – Label: Massacre Records – VÖ: 06.02.2026 – Page: www.assignment-music.com

 

Neues von ASSIGNMENT, einer der Bands aus der Kategorie „Klingt als wäre sie eigentlich bekannt“. Über fünf Jahre sind vergangen, seitdem ich meinen Spaß mit „Reflections“, dem fünften Album der Gütersloher, hatte; werfen wir jetzt also mal ein Ohr auf Album Nr. 6: „With The End Comes Silence“.
Das kommt, wie schon der Vorgänger, mit einem schicken Cover und einer stabilen Produktion. Alles soweit ausgewogen, mit gut Druck, vielleicht minimal zu präsenten Leadgitarren. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, dafür klingt die Platte erneut nicht überpoliert und gut metallisch.
Das soll sie auch, denn zuallererst machen ASSIGNMENT nach wie vor melodischen Heavy Metal, der sich im Power und Progressive Metal noch die Facetten raussucht, mit denen er sich gewinnbringend anreichern lässt. Wir kriegen also ordentlich Melodien, ein wenig Orchester, viel Klavier (cool, taucht in einem Großteil der Songs auf und definiert den Sound der Deutschen ein gutes Stück mit) und einige freshe Synthesizer-Sounds, die zwar fester Bestandteil der Musik sind, aber nicht das Alleinstellungsmerkmal. Ergibt insgesamt einen modernen Prog/Melodic/Power-Stil, der aber nicht trend-modern wirkt, was  begrüßenswert ist.
Zu alldem kommt aber auch eine angenehm metallisch agierende Band-Instrumentalbasis und die starke Heavy-Metal-geeignete Stimme von Diego Valdez.
Und diese ganzen Komponenten mischt man dann zusammen in zehn (mit Bonustrack elf) Songs, die vordergründig melodischer Heavy Metal sind und ihre Progressive-Anleihen nicht zwanghaft nach außen tragen müssen. Ja, ab und an ist da schonmal eine Taktart abseits des Standards, aber wie auch beim Vorgänger ergibt sich der Progressive-Faktor auf „With The End Comes Silence“ durch längere Kompositionen und hintergründig komplexe Arrangements.
Besonders viel Liebe steckt auf dem Album in so manchem Intro und Outro der Songs. Irgendwo im Promotext eines ASSIGNMENT-Albums wird man auf das Wort „cinematisch“ stoßen und das liegt vor allem daran. Da gibt es dann mal verstärkt elektronische Elemente, nicht selten gute Atmosphäre-Arbeit und kreativen Synthesizer-Gebrauch.
Und davon könnte es auch in den Songs gerne etwas mehr geben. Denn die bleiben auf „With The End Comes Silence“ leider ein wenig höhepunktarm. Nach dem coolen Intro beginnt dann der Hauptteil des Songs, irgendwo zwischen recht langsam und oberem Midtempo, wird dann fetter und durchläuft ein paar unterschiedliche Geschwindigkeiten, um irgendwann zwischendurch mal Uptempo zu erreichen. Und die Melodiearbeit erreicht dabei eher selten die Höhen, die man sich von einem melodischen „Progressive“-Album erhofft. Ein wenig mehr Abwechslung und unterschiedlicher Charakter bei einzelnen Songs hätte „With The End Comes Silence“ gut getan – so fühlt sich doch ein großer Teil der Songs einfach sehr ähnlich an.

Fazit:
Handwerklich haben ASSIGNMENT gar nichts zu verstecken und „With The End Comes Silence“ ist ein absolut erwachsenes, bodenständiges Melodic-Progressive-Metal-Album mit klarer stilistischer Vision. Die Komposition steht dabei leider etwas hintenan. Wer dem Genre an sich etwas abgewinnen kann, widme dem Ding ein wenig Reinhörzeit. Die deutsche Prog-Metal-Szene ist nämlich ganz klar eine, die Aufmerksamkeit verdient hat und gebrauchen kann, und ASSIGNMENT tun das damit zweifelsohne auch.

Anspieltipps:
„Nothing To Say“, „Angel Of Berlin“ und „Call For Heaven“

Jannis

ASSIGNMENT – Reflections

Band: Assignment
Album: Reflections
Spielzeit: 58:31 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 21.08.2020
Homepage: www.assignment-music.com

Es gibt da so ein paar deutsche kleinere Progressive-Metal-Bands, bei denen man findet, was man bei den großen oft vergeblich sucht: Abkehr vom Technik-Fokus, dafür Songwritingskills – die Art von Progressive-Metal-Bands, deren Progressivität oftmals gar nicht akut wahrgenommen wird, weil sie nicht als Aufhänger stilgebend sondern als musikalisches Mittel eingesetzt wird. Als größeres Beispiel seien dabei MOB RULES genannt, ansonsten ANCIENT CURSE, die wir kürzlich hier besprachen. Auch ASSIGNMENT (ich höre mit diesem Album zum ersten Mal von denen) gehören offenbar zu dieser Sparte. Die Truppe hat ihr fünftes Album in den Startlöchern, mit dem Titel “Reflections”, einer knappen Stunde Spieldauer und einer Produktion, die die Handgemachtheit des Albums durchscheinen lässt. Das klingt nicht nach dem polierten, ultra-knallenden Standard-Progressive-Metal, aber es klingt authentisch und ist seinen oft etwas seelenlos klingenden Kollegen damit subjektiv in der Hinsicht ein Stück voraus.
Schon die ersten zwei Tracks bieten eine Überraschung. Progressive Metal ist oft ein wenig elitär und vermittelt viele Emotionen, doch Wut ist ein Zeichen von Schwäche und demnach selten im melodischen Teil des Genres. Doch Wut ist genau das, was einem insbesondere “Mercyful Angel” erbarmungslos um die Ohren haut. Highspeed, oldschool heavy/speed-metallisch anmutende Vocals – das passt zum Text über die NATO-Bombardierungen in Serbien und ist ein grandioser Einstieg. Gut, das Level an Aggression wird im Verlauf des Albums nicht mehr erreicht, es wird “klassischer” progressiv, mit zeitweisem Einsatz von Streicher- und Klaviersynths, seltener von digitalen. Und ganz hintergründig, ohne es dem Hörer groß unter die Nase zu reiben, eröffnet sich vor ihm ein wirklich smartes, mit Aufwand komponiertes Album, das mit einer beachtlichen Menge an geilen Parts und Arrangements daherkommt. Sei es der Aufbau von “Unknown Hero”, das unheilvoll mit Streichern und Klavier (im sehr unkitschigen Sinne) beginnt und dann an Fahrt gewinnt, das Richtung Ballade tendierende “Reflections”, die E-Drum-Akzente und die Melodieführung in “Corporate Men”: Die musikalische Ebene von “Reflections” ist durchgängig interessant und bietet immer wieder kleine Progisierungs-Faktoren, die in dem Genre heutzutage nicht zur Norm gehören. Und das, muss man einfach mal so sagen, ist die Definition von progressiv. Die ganze “Megafette Produktion, Gehacke, poppige Chorusmelodien, möglichst unnachvollziehbare Taktarten, mehr digitale Effekte und modernere Synths”-Schiene, die viele Vertreter des Genres schon seit einiger Zeit fahren, ist nicht mehr fortschrittlich (maximal im Produktions-Sinne), das ist Stagnation. Was ASSIGNMENT machen, ist intelligenter Heavy/Power Metal, der die Grenzen des Genres überschreitet, Altes auffrischt, Neues probiert, durchaus und gerade in textlicher Hinsicht damit Parallelen zu QUEENSRYCHE besitzt und versucht, ein paar neue Ideen mit bewährten Methoden ins Genre zu bringen. Das ist progressiv und dazu auf unüberhebliche Weise echt grandios geworden.

Fazit:
“Reflections” hat kleine Fehler über die man hinwegsehen muss. Aber die Produktion ist bei der Platte nichts, was den fehlenden Inhalt kaschieren könnte; das muss sie aber auch nicht. Wer Bock hat auf ein echt intelligent geschriebenes, mitreißendes und in seinem traditionellen Klang doch frisches Prog-Metal-Album mit gesellschaftlich/politschen Texten, der sollte sich mit der Platte im Spieler und dem Booklet in der Hand an den heimischen Kamin setzen oder, falls kein Kamin vorhanden ist, einfach bei “Mercyful Angel” irgendwas Brennbares anzünden und ersatzweise verwenden.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Trilogia Balkanica
02. Mercyful Angel
03. Obsession
04. Corporate Men
05. Reflections
06. Submission
07. Timeline
08. Endlessly
09. Unknown Hero
10. Silent Nation

Jannis