SAFFIRE – Taming The Hurricane

Trackliste:

01. Triumph Of The Will
02. Mr. Justified
03. The Rapture
04. Read Between The Lies
05. Taming The Hurricane
06. Silver Eyes
07. Fortune Favors The Bold
08. Wendigo
09. Roses (Electrify)
10. Flight Of A Thousand Wings

 

Spielzeit: 48:23 min – Genre: Melodic Hard Rock – Label: Rock Of Angels Records – VÖ: 29.04.2022 – Page: www.facebook.com/saffiresweden

 

(Persönlicher Rant zu Anfang, der keinesfalls die Meinung des Rock-Garage-Teams widerspiegelt) Mit Freude überlasse ich meinen Kollegen traditionell die Alben, die in unserer Promoliste unter Melodic Hard Rock aufgeführt sind, weil ich das Genre irgendwie totgehört habe und von aktuellen Entwicklungen im Hard Rock und AOR, der in meiner Wahrnehmung immer weiteren Standardisierung und Reduzierung der Kreativität zugunsten von Songwriting- und Darbietungsweisen, die eben beim Standardpublikum funktionieren, die Nase etwas zu voll habe. Man weiß halt allzu oft schon genau, wann welche Art von Synthesizer kommen wird (Dicke Polyleads, im mindesten zu Anfang und nach dem Chorus), wann die Stimmung in Dur abdriftet (spätestens im Chorus), welche Harmonien aufeinander folgen (die, die Discount-Wohlfühl-Gänsehaut erzeugen) und wie der Sänger klingt (nämlich genau wie jeder andere Sänger in dem Genre).
Doch ab und zu hört man dann in eine Melodic-Hard-Rock-Promo rein, stößt auf eine E-Orgel, die etwas zu dreckig für solche polierten Alben ausfällt, und auf Melodien, die eben nicht nur Schema F folgen, und dann hat man eventuell die neue SAFFIRE entdeckt und eine richtig gute Zeit. Die machen auf „Taming The Hurricane“ nämlich klassischen, Orgel-lastigen Hard Rock mit wenigen geschmackvoll eingesetzten Lead-Synths, der die Komfortzone nicht unbedingt verlässt aber doch ausreizt. Solchen, der mit den einzelnen Songs unterschiedliche Sachen vorhat, kompositorisch nicht nach 2022er Lehrbuch arbeitet, coole Wendungen, Melodieideen und Arrangements am Start hat und, kurz gesagt, weiß, dass man das Publikum zwar damit zufriedenstellen kann, dass man ihm professionelle Kost anbietet, aber damit halt Bedürfnisse befriedigt, ohne zu begeistern. Also bringt man Songs wie den 6/8er „The Rapture“, der von den aktuellen ACCEPT gecovert auf komische Weise recht passend wäre, den Hit „Fortune Favors The Bold“, das freshe „Taming The Hurricane“ mit flinker Orgelarbeit, schöner Durwendung an unerwarteter Stelle im zündenden Chorus und sehr souveränem Solo, oder das leicht spukige „Wendigo“, das einfach von Anfang bis Ende sehr unterhaltsam geschrieben ist. Oh, und den ruhigeren, beschwingt-melancholischen „Flight Of A Thousand Wings“, der wohl den optimalen Endtrack für dieses Album darstellt und dieses tolle Gefühl von „Es ist so schön gewesen und jetzt unterstützt mich der Track noch bei meiner Melancholie darüber, dass die Reise schon zuende geht“ zu erzeugen weiß.
All das passiert auf dem Produktions- und Darbietungslevel eines aktuellen Hard-Rock-Albums eines bekannten Labels. Vielleicht wird es Zeit, dem Genre und seinen aktuellen Vertretern nochmal ein paar Chancen zu geben.

Fazit:
All das, was man von einem aktuellen klassischen Hard-Rock-Album erwartet und eine Extraportion Liebe, Unterhaltsamkeit und Anspruch an sich selbst: Das bietet „Taming The Hurricane“ und macht damit eine hochgradige Menge an Spaß. Nah dran an einem Blindkauf/Blindstream für Rock-Garage-Leser!

Anspieltipps:
„The Rapture“, „Taming The Hurricane“, „Fortune Favors The Bold“ und „Wendigo“ – „Flight Of A Thousand Wings“ aufheben, wenn man plant, die Platte mal komplett zu hören!

Jannis