STARQUAKE – Brawls & Witches

Trackliste:

01. Beautiful Dystopia
02. God Is An Atheist
03. Still Loving You, Baby
04. Memento Mori
05. Can’t Sing The Blues

 

 

 

 

Spielzeit: 40:07 min – Genre: Progressive Rock – Label: Eigenveröffentlichung – VÖ: 10.04.2026 – Page: www.facebook.com/starquakerock

 

STARQUAKE – eines dieser beeindruckenden Projekte, wo irgendein heftiger Musiknerd (im besten Sinne) in seinem Studio mehr oder weniger im Alleingang ein komplettes Prog/Classic-Rock-Album zusammenschraubt, und das auch noch in gut.
STARQUAKE, das ist Mikey Wenzel, und „Brawls & Witches“ ist sein viertes richtiges Studioalbum. Aufgrund des Umfangs von gerade einmal fünf Songs darauf kann man das im ersten Moment für eine EP halten, aber wir sind hier immer noch in progressiven Gefilden unterwegs, also ist das Ding trotzdem 40 Minuten lang – Wobei der Opener beinahe die Hälfte davon in Anspruch nimmt.
Auf diesem Album gibt es all das zu hören, was man sich von einem nostalgischen (Prog)Rock-Album erwartet. Zuerst einmal gibt es die schöne Stimme von Mikey, die so eine beruhigende Grundstimmung innehat und zumeist auch schön produziert ist; immer wieder auch mehrstimmig.
Dann gibt es da – Überraschung – Bass, Drums und Gitarre, die allesamt gekonnt bedient werden. Beim Instrumental „Memento Mori“ dann auch mal in jazzigerer Spielweise, besonders die Drums, und überzeugend in ruhigen wie in härteren Passagen. Dann kommen je nach Bedarf noch die sexy E-Orgel als Klangteppich oder Soloinstrument dazu, Klavier, oder auch mal ein wenig Orchester mit Kirchenorgel.
Und das alles ergibt dann coole Songs mit hohem Melodiefaktor, dem ein oder anderen feierlichen Part, ein wenig Poppigkeit und eher geringer Grundhärte.
Das war dann jetzt alles mehr oder weniger über die letzten vier Tracks, die angenehm zu hören und schön retro sind und nicht groß unterschiedliche Meinungen hervorrufen werden.
Und dann ist da noch die erste Hälfte des Albums, „Beautiful Dystopia“, an der sich die Geister ein wenig scheiden dürften. Das Ding ist 19 Minuten lang und es hat, grob zusammengefasst, alles. Zuerst einmal hat es einen sehr leisen Start, also tut Euren Boxen/Ohren/Nachbarn den Gefallen und wartet erstmal ab, wie laut es bei Einsatz der „Band“ wird. Weiterhin hat es Klavier, ZWEI Orgeln, Orchester, HARDSTYLE-Elemente, Growls, einen Barbershop-Part, mehrere Breaks mit komplettem Stimmungswechsel, Soldatengleichschritt-Geräusche mit Trommeln und, und, und.
Kann man drüber streiten. Es mag schon progressive sein, den Hörern etwas zu bieten, womit sie nicht rechnen und Abwechslungsreichtum ist oft eine gute Sache bei Musik. Bei „Beautiful Dystopia“ vermisse ich allerdings den roten Faden und eine musikalische Rechtfertigung für diese krassen Brüche, die Songteile miteinander verbinden, die gefühlt nichts miteinander zu tun haben. Der Track wirkt, als wollte man den Hörer sechsmal durch absurde Brüche entertainen, die aber eben nur deswegen auf diese Weise entertainen, weil sie musikalisch keinen Sinn ergeben.
Die Anspruchshaltung mag hier für jeden Fan von langen Prog-Songs eine andere sein, aber mich hat die Struktur des Songs davon abgehalten, wirklich in ihn einzutauchen, obwohl ich die Absurdität und Vielseitigkeit an sich schon wertschätzen kann.

Fazit:
Mit mindestens der Hälfte von „Brawls & Witches“ macht man als Freund von Classic/Prog-Rock (mit Fokus eher auf Classic) gar nichts falsch. „Beautiful Dystopia“ ist im mindesten mal was anderes und ich sehe gute Gründe sowohl dafür als auch dagegen, den Song zu mögen. Kann auf jeden Fall nicht schaden, mal auszutesten, zu welcher Fraktion Ihr gehört!

Anspieltipps:
„God Is An Atheist“, „Can’t Sing The Blues“ und dann halt irgendwie auch „Beautiful Dystopia“

Jannis