FREAKS AND CLOWNS – Justice Elite

Band: Freaks And Clowns
Album: Justice Elite
Spielzeit: 49:51 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 16.10.2020
Homepage: www.facebook.com/freaksandclowns

Normal bin ich ja jemand, der von Musik ein gewisses Mindestmaß an Abwechslung und Komplexität (zumindest ganz wenig) erwartet, wenn sie ihn überzeugen will. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und FREAKS AND CLOWNS sind eine ebensolche. Die Truppe hat letztes Jahr ein ziemlich massives Brett von einem Debutalbum vorgelegt und zieht gerade mal zwölf Monate später mit dem Nachfolger ran. Das ist schnell, aber man muss auch echt dazusagen, dass die Kompositionsarbeit von FREAKS-AND-CLOWNS-Alben jetzt nicht allzu groß ist. Man nehme einen ACCEPTigen Sänger, einen Grundton und bei ganz viel Experimentierfreude noch einen zweiten Grundton dazu, knalle eine heftige Instrumentalfraktion drauf, gerne sehr langsam runtergebrochen, maximal oberes Midtempo, und drehe das ganze durch den Ultra-Druck-Produktionswolf. Fertig ist die Kiste.
Das geile am Erfolgskonzept der Schweden um ASTRAL-DOORS-Gründungsmitglied Johan Lindstedt ist: Es geht gnadenlos auf. Gerade bei den langsameren Tracks von FREAKS AND CLOWNS geht der Coolness-Faktor, auf dem Debutalbum wie auf dem aktuellen “Justice Elite” erbarmungslos durch die Decke. Was braucht man ausufernde Melodien, wenn man in der eigenen simplen Stilistik einfach nur abräumen kann und jedes bisschen mehr Komplexität dem Ding mehr Seele und weniger aggressive, mächtig Spaß machende Angepisstheit verleihen würde?
Im Ernst, in musikalischer Hinsicht ist damit bereits alles gesagt und die Platte ist ein absoluter Pflichtkauf für Leute, die sich mit heruntergelassenem Fenster, Sonnenbrille und lässig aus dem Auto hängendem Arm erstens richtig geil fühlen, zweitens die Anwohner hart aufregen und drittens schwer grooven möchten. Auch wenn auf “Justice Elite” insgesamt drei oder vier balladige Parts dabei sind, auf die man beim Vorgänger zurecht verzichtete (Sänger Chrille muss kreischen, keiner braucht Klargesangsversuche von dem Mann): Musikalisch liefert das Album die zündende, bewusst stumpfe Heavy-Metal-Wucht mit schweren Hard-Rock-Vibes, die man als Fan des ersten Albums erwartet. Ohne Innovation, aber warum auch.
Nun noch ein Wort zu den Texten: Ja, das Ding ist nicht progressiv und ich erwarte keine ausgeklügelte Poesie auf textlicher Ebene. Aber mal ganz ehrlich, zu den Refrains. Track 1: “We are the justice elite”. Track 2: “I am the man with the power”. Track 4. “We are the angels”. Track 5: “I’m alive” Track 7: “We are Fire. We are one for all”. Track 9: “We are the flames of fury”. Track 10: “Am I…” (In Frageform. Kreativ). Track 11: “I’m just more than meets the eye”. Das ganze “We are” oder “I am” geht ja die ersten Tracks noch klar, aber auf Dauer muss man Chrille und seiner Clownstruppe multiple gespaltene Persönlichkeit oder einfach Unkreativität hinsichtlich der Form ihrer Texte unterstellen. Auch wenn rhetorische Sternstunden wie “Attention, Attention! Fire, Fire, Fire!” die Stimmung diesbezüglich wieder etwas heben.

Fazit:
Heavy, angepisst, auf coole Weise stumpf: Musikalisch ist “Justice Elite” auf jeden Fall auf einem Level mit seinem Vorgänger. Die Texte muss man halt ein Stück weit ignorieren, doch dann macht die Platte wohl jedem Metalfan ohne große Prog-Anforderungen an seine Musik mächtig Laune.

Anspieltipps:
“Guardian Angels”, “Am I The One Or The Victim” und “Man With The Power”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Justice Elite
02. Man With The Power
03. Welcome To The Freakshow
04. Guardian Angels
05. I’m Alive
06. The End Song
07. One For All – All For One
08. Hell Yeah
09. Flames Of Fury
10. Am I The One Or The Victim
11. Madman On Vacation
12. More Than Meets The Eye

Jannis

FREAKS AND CLOWNS – Freaks And Clowns

Band: Freaks And Clowns
Album: Freaks And Clowns
Spielzeit: 48:36 min
Stilrichtung: Heavy Rock
Plattenfirma: Metalville Records
Veröffentlichung: 25.10.2019
Homepage: www.freaksandclowns.com

Der Chefredakteur schickt mir die FREAKS-AND-CLOWNS-Promo mit den Worten “Das ist was für dich”. Ach Julian, wie recht du hast. Jeder hat eben so ein paar niedere Bedürfnisse, die man nur schwer verbergen kann, und eins von meinen ist das Bedürfnis nach einem übel harten Sound kombiniert mit melodischem Metal und Midtempo. Und sowas machen FREAKS AND CLOWNS, bei denen sich unter anderem einige ASTRAL-DOORS-Mitglieder finden. Die Truppe mit dem leicht peinlichen Namen nahm 2017 Form an und bringt nun ihr Debut auf den Markt.
Drücken wir es vorsichtig aus: Der Sound knallt wie Arsch, vergleichbar ungefähr mit dem der Kollegen von DEFECTO (Beide Bands kommen aus Schweden und ich weigere mich zu glauben, dass FREAKS AND CLOWNS DEFECTO nicht kennen und mögen), auch Rhythmus- und Harmoniearbeit sind in Teilen vergleichbar, und dazu transportiert man nicht nur aufgrund der Vocals von Christer Wahlgren massive ACCEPT-Vibes.
Das Tempo der Platte ist im Schnitt verdammt niedrig. Die Jungs haben offensichtlichen Spaß daran, die Geschwindigkeit zwischendurch immer mal wieder runterzubrechen, auf ein dermaßen asoziales Laid-Back-Level, das sich nur erreichen lässt, wenn man absolute Coolness bereits mit der Muttermilch eingeflößt bekommen hat. Und nicht nur das, auch die Melodieführung ist prädestiniert für qualitative Autolautsprecher, Sonnenbrille, runtergedrehte Fenster und aus diesen lässig hängende Gliedmaßen in möglichst großer Zahl. Ach ja, kompletter Keyboardverzicht natürlich.
Kritik lässt sich hauptsächlich äußern, weil der aus alldem entstandene Stil doch recht limitierend wirkt und schon auf dem Debutalbum alle Songs recht ähnlich klingen lässt. Midtempo ist die Norm, Geschwindigkeits-Breakdowns, ein paar Backing Vocals, die gelungen sind, aber auch auf ein ZAPPA-Album gepasst hätten und klare Ideen hinsichtlich möglicht cooler Melodieführung – Schon Track 4 klingt nach Track 2 und Track 3 wie Track 7, glaube ich, oder noch anders, aber vermutlich schon so. Ernsthaft, Kreativität ist Mangelware, wenn man von kleinen Gimmicks absieht wie den netten Backing Vocals, dem “Breaking The Law”-Gedenkriff bei “Breaking All The Rules” oder dem starken Mittelteil-Einstieg von selbigem Track. Großartig Minuspunkte kann ich dafür trotzdem nicht über’s Herz bringen, denn letztendlich knallt und treibt eben trotz dieser Redundanz jeder Track sowas von abnormal, dass ich nicht anders kann, als mich von der Form blenden zu lassen und den Inhalt ein wenig in den Hintergrund zu stellen. Gut, ein Minuspunkt muss drin sein, dazu ein halber für die Bandhymne, die den Bandnamen dann noch 1000x wiederholen muss.

Fazit:
Aber an sich: Wer die Boxen mal wieder von Staub befreien möchte oder mit seinem Kleinwagen die Hydraulikmoves von 90er/2000er-Rapvideoautos nachstellen möchte, der bediene sich an FREAKS AND CLOWNS‘ Debutalbum, vorausgesetzt er benötigt nicht die ganz harte Abwechslung innerhalb seiner Alben. Die Scheibe ist Coolness in Albumform. Vom ersten bis zum letzten Ton!

Anspieltipps:
“Demons In Disguise”, “The Battle Of Love And Hate” und “King Of The Sun”

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Demons In Disguise
02. Into The Ground
03. The Battle Of Love And Trust
04. Creatures Of The Night
05. Freaks And Clowns
06. Heartbreak City
07. All Hell’s Breaking Loose
08. King Of The Sun
09. Thunder And Lightning
10. Breaking All The Rules
11. Tell It To The Priest

Jannis