DEVIN TOWNSEND – The Moth

01. Semi-Prologue
02. War Beyond Words
03. The Moth
04. Ode To My Eye
05. Enter The City
06. Covered By Causes
07. Lexin
08. Runaways
09. A Proxy Fod God
10. The Mothers
11. Orion
12. Stay There
13. Home At Night
14. Intermission
15. Lexin Returns
16. The Clergy
17. Prepare For War
18. The Big Snit
19. Silver Princess
20. A Life In Review
21. Metamorphosis
22. Stained Hearts
23. Let Go
24. We Don’t Deserve Dogs

Spielzeit: 70:14 min – Genre: Progressive Metal – Label: InsideOutMusic – VÖ: 29.05.2026 – Page: www.facebook.com/dvntownsend

 

Es gibt exzentrische Leute, und dann gibt es DEVIN TOWNSEND. Der ist nochmal eine Stufe drüber. Dementsprechend kann man sich schon auf was einstellen, wenn der gute Mann nun mit seinem selbst so benannten Lebenswerk rausrückt. „The Moth“ flattert Devin nun schon seit zehn Jahren im Kopf herum. Und als dann der Leiter des Nordniederländischen Orchesters und Chors auf ihn zukam und fragte, ob man mal was zusammen machen wollte, war die Sache klar. Nun hat „The Moth“ das Licht der Welt gefunden. Opulente 70 Minuten Spieldauer, 24 Tracks und neben Devin, seinen Bandmitgliedern und dem Orchester illustre Gäste wie (natürlich) Anneke van Giersbergen und Steve Vai. Zwei Orchestratoren hat man hinzugezogen und ein dickes Technik-Team – ja, „The Moth“ ist kein gewöhnliches DEVIN-TOWNSEND-Album.
Aber irgendwie auch schon. Zuerst einmal ist es gottlos fett produziert, wie nun einmal gewohnt. Selbstverständlich hat es die ganz großen Emotionen, ist auf der Schwelle zu überladen und arbeitet mit der ebenfalls von Devin bekannten Überwältigungsmethode. Klar, es gibt auch ordentlich ruhige Töne, aber gemeinhin ist mehr eben doch mehr.
Im Endeffekt ist „The Moth“ ein sehr ernstes Werk mit viel viel darin enthaltener Arbeit von jemandem, der „Ziltoid“ erschaffen hat und unter anderem Hollywood-Filmsoundtracks, Wagner, Brahms, Dvorak, Musicals und Trailermusik der Marke TWO STEPS FROM HELL auf seiner Chillout-Playlist hat.
Die Arrangements des Orchester sind hervorragend und reizen viele Möglichkeiten eines Orchesters auf eine Weise aus, die ich im Metal noch nicht gehört habe.
Kompositorisch darf man bei „The Moth“ kein eingängiges poppiges Album erwarten. Das Ding ist schwer, bombastisch ohne Ende und hat mit Ohrwürmern nichts am Hut. Dazu hat es einige Songs in normaler Länge, aber auch eine Vielzahl an Tracks, die irgendwo zwischen 50 Sekunden und 2,5 Minuten liegen. Und auch in denen schafft unser Lieblingskanadier noch einen Stimmungswechsel.
Damit ist „The Moth“ wahrlich nicht leicht verdaulich und kann sich trotz seiner kurzen Tracks durchaus auch ziehen – gerade weil man nach 50 Minuten bombastischer Fettheit auch ein wenig abstumpfen mag.

Fazit:
„The Moth“ ist ein Wahnsinns-Projekt, in dem eine brutale Menge Arbeit steckt. Alleine schon das echte Orchester in dieser musikalischen Finesse rechtfertigt, dem Album mal etwas Zeit zu geben, denn beeindruckend ist es allemal. Ich sehe es auch einen stabilen Teil der Fans von DEVIN TOWNSEND abnormal glücklich machen, aber für mich ist „The Moth“ wohl eher eins seiner Alben, die ich zwei- oder dreimal höre, dabei krass respektiere und dann wieder zu einem der Vorgänger wechsele.

Anspieltipps:
Der Reihe nach. Was für ’ne Frage.

Jannis

 

DEVIN TOWNSEND – PowerNerd

Trackliste:

01. PowerNerd
02. Falling Apart
03. Knuckledragger
04. Gratitude
05. Dreams Of Light
06. Ubelia
07. Jainism
08. Younger Lover
09. Glacier
10. Goodbye
11. Ruby Quaker

Spielzeit: 44:07 min – Genre: Progressive Metal – Label: InsideOut Music – VÖ: 25.10.2024 – Page: www.facebook.com/dvntownsend

 

Ein Blick auf aktuelle Hollywoodstars belegt: Schön und blöd schließt sich nicht automatisch aus. Ein Blick auf die Musik von DEVIN TOWNSEND belegt ebendies ebenfalls regelmäßig. Welcher Musiker schafft es sonst noch, seine Musik so kraftvoll, majestätisch schön zu gestalten, und zwischendurch harmonisch in humorvolles Gedönse überzugehen?
„PowerNerd“ ist da nicht die Ausnahme, aber meist eher schön. Über den Sound muss man bei Alben des Herrn ohne die Haare eh kein Wort verlieren, der ist wie gewohnt ein massives Brett, das jeder Soundanlage zu mehr Selbstbewusstsein verhilft. Mit 45 Minuten Spieldauer und gerade mal einem Song, der an den sechs Minuten kratzt, ist das Ding zudem äußerst kurzweilig und hätte sich an Längen maximal die anderthalb Minuten Atmosounds am Ende genau dieses Tracks sparen können.
Und insgesamt ist die Platte: ein Best Of von all den Dingen, die Devins Musik seit längerer Zeit ausmachen. „PowerNerd“ selbst fällt als Opener dabei ziemlich heavy-metallig aus, natürlich auf höchst Devin’sche Weise, aber nichtsdestotrotz mit einigen Features, die man eher von klassischem Heavy Metal kennt. „Falling Apart“ dreht das Tempo ganz nach unten und erfreut mit den klassischen Kontrasten zwischen ganz sanfter Strophe und mächtigem Druckchorus mit schöner Melodie.
Und dann darf es bei „Knuckledragger“ erstmals auf positive Weise kalkuliert chaotisch doof werden. Dinge passieren, witzige Ideen geben sich die Hand, dazu geil drivender Refrain. Bescheuerter wird es nur bei „Ruby Quaker“ (das ist eine Mottenart), in dem es darum geht, dass Kaffee gut ist. Außerdem gibt es neben Akustik-Projekt-Vibes fröhlichen Südstaaten-Townhall-Rock und natürlich Blastbeats plus weitere Eskalationsstufen.
„Gratitude“ und „Younger Lover“ fallen in die Kategorie „schönere Songs“, sind etwas poppig und ganz hervorragend, insbesondere „Gratitude“, und mit „Jainism“, „Ubelia“ und „Glacier“ gibt es dann noch gut große Melodien, Schwere, Schönheit und Feierlichkeit. Dazu einen stabilen Endtrack mit „Goodbye“, bevor „Ruby Quaker“ dann aufräumen darf.
Kritisierenswert ist hier eigentlich gar nichts. „PowerNerd“ ist ein weiteres Beispiel für die meisterlichen Fähigkeiten des Kanadiers, und schwache Songs zu schreiben gehört da einfach nicht zu.

Fazit:
Erwartungsgemäß Pflichtprogramm für DEVIN-Fans. Und letztendlich für alle, die mit seinem Schaffen noch nicht vertraut sind, denn das sollte man möglichst zeitnah ändern.

Anspieltipps
„Gratitude“, „Knuckledragger“, „Jainism“ und und irgendwie auch „Ruby Quaker“

Jannis

DEVIN TOWNSEND – Lightwork

Trackliste:

01. Moonpeople
02. Lightworker
03. Equinox
04. Call Of The Void
05. Heartbreaker
06. Dimensions
07. Celestial Signals
08. Heavy Burden
09. Vacation
10. Children Of God

 

Spielzeit: 55:59 min – Genre: Progressive Rock/Metal – Label: Inside Out Music – VÖ: 28.10.2022 – Page: www.facebook.com/dvntownsend

 

An die eine Person im Rock-Garage-Leser-Keis, die DEVIN TOWNSEND noch nicht kennt: Du hast jetzt fünf Minuten, um diese Rezension zu lesen, und dann gehst du los und verwendest LIGHTWORK als Einstiegsdroge. Denn nichts anderes ist die neuste Platte des – sagen wir es wie es ist – Genies aus Kanada. Man kennt den Frank Zappa des Progressive Metal einerseits für seinen absoluten Bombast, die mächtigsten Klangwände, die mit den damit einhergehenden Melodien für kompletten Gänsehaut-Overload sorgen, ebenso wie für seine Experimentierfreudigkeit, seine absolut seltsamen Ideen, die allesamt funktionieren, seine unkonventionellen Arrangements, Instrumentierungsentscheidungen, Songstrukturen. Ein gutes DEVIN-Album ist eine bunte magische Wundertüte voller Emotionen, voller Dinge, von denen man zuvor nicht wusste, dass man sie braucht, voller teils überwältigender Positivität, die sich einen feuchten Dreck um Genrekonventionen schert und hochgradig poppige Eingängigkeit düsterem Gedönse gegenüberstellt.
Ach ja, „Lightwork“. Ist genau so ein Album. Die Produktion ist perfekt, die Qualitätsansprüche, die man an DEVIN hat, werden mindestens erfüllt, die Soundauswahl (Band, unterschiedliche Gesangsstile und gelegentliche Gastvocals, elektronische Elemente, Orchester, E-Drums) ist äußerst breit gefächert. Größtenteils ist „Lightwork“ eines der Alben des Ausnahmekünstlers, die kompatibler ausfallen. Einiges an ruhigen Parts, viel Harmonie, eingängige, oft poppige, große Melodien, dicker Bombast, wenig unklarer Gesang und kaum Geknüppel. Positivität überwiegt, lediglich zwei bis drei der Songs fallen düsterer aus. Auch die Experimentsongs (die geil sind, dabei aber weit weniger „konventionell“ als der Rest seiner Songs) sind eher selten. Und man kann es nicht anders sagen, „Lightwork“ ist in jeder Hinsicht perfekt. Die Melodien zünden praktisch zu 100%, der Sound ist gewohnt over the top, und vielleicht etwas mehr als noch auf vorangegangenen Alben spielt DEVIN viel mit den Möglichkeiten der Produktion, um Effekte beim Hörer zu erzielen. Manipulation im besten Sinne. Das Resultat ist eine einstündige, intensive meditative Reise, die den grandiosen Vorgänger „Empath“ subjektiv noch ein wenig übertrifft.

Fazit:
„Lightwork“ ist ein Album, das man einem rock/metallisch komplett ahnungslosen Menschen auf der Straße in die Hand drücken könnte, und es hätte das Potenzial, den Musikgeschmack dieses Menschen nachhaltig zu verändern. DEVIN TOWNSEND schöpft wie wenige andere Musiker unserer Zeit das Potenzial von Musik im Gesamten aus, überwindet Genregrenzen und Konventionen und schafft damit Musik, die letztendlich Balsam für die Seele ist. Und das haben wir doch momentan alle hin und wieder mal nötig.

Anspieltipps:
„Moonpeople“, „Lightworker“, „Dimensions“ und „Heavy Burden“

Jannis