SIGNAL – Loud & Clear (Klassiker der Woche)

Band: Signal
Album: Loud & Clear
Spielzeit: 42:33 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: EMI
Veröffentlichung: 1989
Homepage: –

Unlängst hatten wir in dieser Rubrik das gleichnamige Debüt von UNRULY CHILD. Am Mikrofon stand Anfang der Neunziger ein gewisser Mark Free (heute Marcie Free). Nur drei Jahre zuvor hatte dieser herausragende Vokalist mit der Band SIGNAL ein nicht minder grandioses Werk namens „Loud & Clear“ aufgenommen. Dass dieser 10-Tracker das einzige sein würde, was die Konstellation aus Free (vocals), Danny Jacob (guitars), Erik Scott (bass) und Jan Uvena (drums) hervorbringen würde, war zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht absehbar. Seine Sporen hatte sich Free zu dieser Zeit bereits mit zwei vielversprechenden Scheiben mit KING KOBRA verdient. Jetzt wollte er mehr in Richtung AOR gehen und somit Bands wie FOREIGNER, LOVERBOY oder JOURNEY gefährlich werden. Im Januar 1989 begaben sich die vier in die Fantasy Studios im kalifornischen Berkley, um unter den Fittichen von Kevin Elson ihren Erstling aufzunehmen.

Schon zu dieser Zeit standen die Zeichen nicht bei Weitem nicht mehr so günstig für derart gestrickte Kapellen. SIGNAL bekamen keinerlei Rückendeckung von Seiten der Verantwortlichen beim Label. Mit „Does It Feel Like Love“ und „Arms Of A Stranger“ koppelte man zwar die zwei stärksten Songs als Single aus, im Radio wurden sie aber so gut wie nie gespielt. Und das obwohl gerade diese beiden Stücke mit zum Besten gehören, was dieses Genre je hervorgebracht hat. „Arms Of A Stranger“ ist ein knackiger Rocker, nicht zu weichgespült, aber mit einer gewissen Leichtigkeit. Der großartige Refrain klingt auch heute noch frisch und unverbraucht. Eigentlich wäre der Song perfekt gewesen für einen Film a´la „Top Gun“ oder „Iron Eagle“. „Does It Feel Like Love“ ist eine Powerballade vom Feinsten. In diese beiden Songs MUSS man sich verlieben, wenn man auf AOR und Melodic Rock steht – basta.

„My Mistake“ dagegen war ein Song, den SIGNAL von der Plattenfirma diktiert bekamen. Diese Komposition von Eddie Schwartz und Bob Halligan jr. hätte Mark Free am liebsten weggelassen und dafür einen der beiden unveröffentlichten Stücke „You And I Need Love“ oder „Runaway“ mit auf das Album genommen, das Mitglieder der Band selbst verfasst haben. Überhaupt stammt viel aus der Feder von Bassist Erik Scott, der zusammen mit Künstlern wie Mark Baker (der auch die meisten Texte schrieb) oder Van Stephenson für den Großteil der Kompositionen verantwortlich war. Zwar können die übrigen Songs nicht mehr ganz an die ersten beiden Großtaten anknüpfen, mit dem ruhigen „This Love, This Time“, der Ballade „Wake up You Little Fool“ oder dem technischen „Go“ gibt es weiteres, herausragendes Material zu hören.

Obwohl das Zeiteisen die Schwelle zu den Neunzigern noch nicht überschritten hatte, waren SIGNAL schon zum Scheitern verdammt. Zu viele ähnliche Bands wurden von den sämtlichen Labels in die Studios gezerrt, nur um noch ein paar Dollar aus der bereits im Sterben liegenden Bewegung zu quetschen. Juwelen wie SIGNAL gingen bei diesem Unterfangen gnadenlos unter. Müßig zu erwähnen, dass „Loud & Clear“ das einzige Album der Band blieb – aber was für eines…

Trackliste:

1. Arms Of A Stranger
2. Does It Feel Like Love
3. My Mistake
4. This Love, This Time
5. Wake Up You Little Fool
6. Liar
7. Could This Be Love
8. You Won´t See Me Cry
9. Go
10. Run Into The Night

Stefan

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VICIOUS RUMORS – Vicious Rumors (Klassiker der Woche)

Band: Vicious Rumors
Album: Vicious Rumors (Re-Release)
Spielzeit: 40:05 min
Stilrichtung: US / Power Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 18.05.2015
Homepage: www.viciousrumors.com

Die US Power Metal Geschichte wäre ohne das San Francisco Quintett VICIOUS RUMORS um ein spannendes Kapitel ärmer. Die auch heute noch aktive Formation, die in ständig wechselnden Besetzungen weiterhin qualitativ hochwertige Alben raushaut, hatte ihre Sternstunde Anfang der Neunziger Jahre. Mit den Alben „Digital Dictator“ (1988), „Vicious Rumors“ (1990) und „Welcome to the Ball“ (1992) zeigten Gitarrist Geoff Thorpe und seine Mannen einen alternativen Weg in der Bay Area Metal-Szene auf, abseits der eingeschworenen Thrash Gang um Metallica, Exodus, Forbidden oder Testament. Was VICIOUS RUMORS an schierer Härte und Wildheit im Vergleich zu den genannten Kollegen fehlte, machten sie mit ausgefeiltem Songwriting sowie hoher Musikalität mehr als wett. Neben den beiden Saiten-Derwischen Thorpe und Mark McGee (ehemals Starcastle) war es vor allem Sänger Carl Albert, der der Musik ein enormes Pfund Energie und Ausstrahlungskraft beisteuerte. Während viele seiner Kollegen mit Pieps-Stimmchen eine armselige Geoff Tate Imitation abgaben, veredelte Albert das Songmaterial mit seiner Powerstimme.

Das nun über Rock Candy Records neu aufgelegte selbstbetitelte 3. Album der Band war der Einstand beim Branchenriesen Atlantic Records, nachdem die ersten beiden Scheiben noch bei Mike Varney’s Shrapnel Label erschienen waren. Wie gewohnt gibt es neben einem ausführlichen Booklet mit einer Menge Fotos ein modernes Mastering, dass die Scheibe auch heute noch zeitlos und kräftig klingen lässt. Und die Platte hat es wirklich verdient wiederentdeckt zu werden. Zwischen speedige Perlen wie „On the Edge“ oder „Hellraiser“ packte die Band die mit feinen Melodien gespickten Highlights „Don’t Wait For Me“, „Ship of Fools“ oder „Down to the Temple“, die die perfekte Balance aus Eingängigkeit, Anspruch (VICIOUS RUMORS standen schon immer mit wenigstens einem Fuß im Prog Metal) und jugendlichem Enthusiasmus schaffen. Von Produzent Michael Rosen (u.a. Todd Rundgren) soundtechnisch perfekt in Szene gesetzt, enthält „Vicious Rumors“ 10 hammerstarke Tracks die der Band einen legendären Ruf (vor allem in der Europäischen) Metal Szene bescherten. Mit dem nachfolgenden „Welcome to the Ball“ sollten Thorpe & Co. dann ihr Meisterstück abliefern. Es folgte noch ein Album („Word of Mouth“) mit Sänger Albert, bevor dieser bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam und die Band in eine kurzzeitige Schockstarre verfallen sollte. „Vicious Rumors“ ist auch heute noch ein Manifest melodischen, leicht progressioven Powermetals, der in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.

Trackliste:

01. Don’t Wait For Me
02. World Church
03. On The Edge
04. Ship Of Fools
05. Can You Hear It
06. Down To The Temple
07. Hellraiser
08. Electric Twilight
09. Thrill Of The Hunt
10. Axe And Smash

Mario

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GARY MOORE – Wild Frontier (Klassiker der Woche)

Band: Gary Moore
Album: Wild Frontier
Spielzeit: 56:10 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Virgin Records
Veröffentlichung: 09.03.1987
Homepage: www.gary-moore.com

Der nordirische Gitarrist, Sänger und Songschreiber GARY MOORE war einer der bekanntesten und begnadetsten Musiker auf diesem Planeten. Als ihn die Rockgemeinde am 6. Februar 2011 verlor, stand die Welt für einen Moment still und Fans und Kollegen waren fassungslos. GARY MOORE wurde nur 58 Jahre alt und hinterlässt eine klaffende Lücke im Business, denn er war bis zuletzt aktiv und zelebrierte den Blues wie kaum ein anderer. Doch bevor er viele alte Anhänger mit seiner Entscheidung vor den Kopf stieß, fortan den harten Klängen den Rücken zu kehren und mit seinem Album „Still Got The Blues“ die Blues-Ära einzuläuten, nahm er eine Reihe an erinnerungswürdigen Hardrockalben auf. Allen voran sicher das 1989 erschienene „After The War“ und sein 1987er Vorgänger „Wild Frontier“, mit dem wir uns heute beschäftigen wollen.

Am Anfang seiner Karriere standen allerdings auch noch andere Kaliber, denn zusammen mit THIN LIZZY Gründer Phil Lynott formte er die Band SKID ROW (das Original) und schloss sich später Lynott´s Combo an. Dort blieb er allerdings nur relativ kurze Zeit und forcierte weiter seine Solokarriere, die einige Alben hervorbrachte. Mit dem 1982 erschienenen „Corridors Of Power“ läutete MOORE seine Hardrock-Ära ein und festigte seinen Stand mit „Victims Of Future“ (1983) und „Run For Cover“ (1985), das unter anderem den Hit „Out In The Fields“ mit seinem alten Freund Phil Lynott enthielt.

Für das folgende Werk „Wild Frontier“ hatte der Nordire nur ein paar wenige Musiker um sich geschart. Neben Keyboarder Neil Carter (ex-UFO) musizierte ein gewisser Bob Daisley, der auch schon bei Richie Blackmore´s RAINBOW und BLACK SABBATH den Bass zupfte. Leider wurde der Posten des Drummers von einer Maschine besetzt.

Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf „Wild Frontier“ nicht nur einige der wichtigsten Hits des Nordiren enthalten sind sondern die Platte auch eine rebellische, von keltischen Einflüssen nur so triefende Ausrichtung aufweist. Gleich zwei Songs sind doppelt enthalten, aber sowohl der Titeltrack als auch das göttliche „Over The Hills And Far Away“ kommen in der 12“ Version viel variabler und mit mehr Power daher. Speziell letzeres zählt sicher zu den größten Hits des Meisters. Aber auch der Melodicrocker „Take A Little Time“, die Version des EASYBEATS Knallers „Friday On My Mind“ oder das äußerst gefühlvolle Instrumental „The Loner“ sind Sternstunden der Rockmusik.

Dass GARY MOORE schon drei Jahre und nur zwei Alben später nichts mehr von hartem Rock wissen will, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Zum Glück, denn für viele zählt „Wild Frontier“ neben den oben erwähnten zu den besten Werken von Robert William Gary Moore.

Trackliste:

1. Over The Hills And Far Away
2. Wild Frontier
3. Take A Little Time
4. The Loner
5. Wild Frontier (12“ Version)
6. Friday On My Mind
7. Strangers In The Darkness
8. Thunder Rising
9. Johnny Boy
10. Over The Hills And Far Away (12“ Version)
11. Crying In The Shadows

Stefan

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CHINA – China (Klassiker der Woche)

Band: China
Album: China
Spielzeit: 44:16 min.
Veröffentlichungsjahr: 1988
Plattenfirma/Vertrieb: Vertigo/Phonogram
Stilrichtung: Hard Rock

Das Debüt der Schweizer Hardrocker CHINA schlug in unserem Nachbarland ein wie eine Bombe. Eine Top Ten Platzierung in den dortigen Hitlisten aber auch gute Notierungen in England, Deutschland oder Japan konnte man 1988 verzeichnen. Aber das Glück war dem Fünfer in Bezug auf den Sänger alles andere als hold. Denn auf den 5 Alben ihrer Discographie sind 5 verschiedene Sänger zu hören. Die 11 Songs des Debüts (plus Intro) wurden von Math Shiverow eingesungen, der Sound war rau und roh, die Melodielinien allerdings waren aalglatt und Hits wie „Shout It Out“, „Hot Lovin´ Night“ oder „Back To You“, das vom KROKUS Gitarristen Fernando Von Arb geschrieben wurde, liefen in den Rockdiscos der Nation rauf und runter.

Zwar war das folgende Album „Sign In The Sky“ ausgereifter, aber die rohe Energie und die Unbekümmertheit gingen dabei verloren und hat die Band teilweise sehr in Richtung AOR gedrückt. Der Sprung zwischen den beiden Scheiben war enorm – und trotzdem beinhaltet „China“ insgesamt das bessere Songmaterial. Und im direkten Vergleich war der Zweitling mit seinen beiden Hits „In The Middle Of The Night“ und „Sign In The Sky“ ein zahmes Miezekätzchen und das Debüt kratzbürstig und unberechenbar wie eine Raubkatze.

Prominente Hilfe bekamen die „Chinesen“ dafür neben dem schon erwähnten Song aus der Feder von von Arb auch bei den Backing-Vocals, die teilweise sein Bandkollege Marc Storace übernahm – seineszeichens Sänger von KROKUS. Nach einer Tour mit VICTORY und einem Gastspiel als Anheizer für BONFIRE steigt Bassist Marc Lynn aus und heuert bei einer Band namens KRAK an, die sich später in GOTTHARD umbenennen. Gitarrist Freddy Laurence (aka Freddy Scherer) folgt ihm 2004. Gitarrist Claudio Matteo und Schlagwerker und Gründer John Dommen blieben der Band aber weiterhin treu.

 Die einzige Konstante bei CHINA war indes der ständige Wechsel hinter dem Mikro, denn nach den beiden ersten Werken litt auch die Qualität des Songmaterials und der langsame Niedergang war vorprogrammiert. „China“ bleibt der Klassiker der Band und ein Album, das man immer wieder gerne hört – an einem Stück versteht sich, denn dann entfaltet sich die ganze Breite ihres Talents. Hätte der Mensch so etwas wie Geschmacksknospen auch in den Ohren, wäre diese Scheibe ein ganz besonderer Genuss dafür. So reicht es aber immerhin zum Ohrenschmaus. Tolles Debüt!!!

Stefan

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STRYPER – To Hell With The Devil (Klassiker der Woche)

Band: Stryper
Album: To Hell With The Devil
Spielzeit: 40:41 min.
Stilrichtung: White Metal, Hardrock
Plattenfirma: Enigma Records
Veröffentlichung: 24.10.1986
Homepage: www.stryper.com

Als “Salvation Through Redemption Yielding Peace, Encouragement and Righteousness” – kurz STRYPER – begann 1984 eine einmalige Mission in der Heavy Metal Welt. 1981 von Gitarrist Oz Fox als ROXX REGIME gegründet, benannten sich die Amis 1984 in STRYPER um und predigten fortan das Wort Gottes auf ihre ganz eigene Art und Weise. Mit der Gitarre in der Hand und damals zeitgemäßer Musik wollten Richard Martinez alias Oz Fox (guitars), Timothy Gaines (bass) sowie die Brüder Michael (vocals) und Robert Sweet (drums) ihre Fans zum christlichen Glauben bekehren. Für das prüde Amerika der Achtziger Jahre eine scheinbar perfekte Symbiose. Bei unserer heutigen Besprechung möchte ich allerdings die christlichen Texte weitestgehend außen vor lassen und mehr auf die Musik an sich eingehen.

Nachdem die Anfänge von STRYPER mit Alben wie „The Yellow And Black Attack“ oder „Soldiers Under Command“ eher härter geprägt waren und zurecht das Prädikat Heavy Metal tragen, verlagerte man für das dritte Album „To Hell With The Devil“ die Gewichte auf mehr Melodie und Eingängigkeit. Auch der Sound war glatter und wuchtiger, ganz in der Tradition der Mid-Achtziger. Auch Frontmann Michael Sweet konnte sich mehr denn je als stimmgewaltiger Gebetsführer präsentieren und hat die Songs auch schon mal mit spitzen Screams verfeinert.

Kommerziell gesehen war dieses Album der größte Erfolg für die gelb-schwarzen Missionare. Sowohl „Calling On You“ als auch „Free“ waren vielgewünschte Hits bei MTV´s „Dial MTV“ und die Ballade „Honestly“ warf mit Platz 23 in den Billboard Charts die höchste Notierung für STRYPER ab. Aber die ganze Platte war vollgepackt mit Highlights, die sich zwar fast allesamt vorwerfen lassen müssen, kommerziell zu sein, aber dennoch auch richtig rocken können. Da hätten wir die beiden äußerst strammen Nummern „The Way“ und „More Than A Man“. Oder das Melodic-Monster „Rockin´ The World“. Aber auch der Titeltrack ist feinster Stoff. Der Sound dieses Silberlings hebt sich von den vorangegangenen Langspielern enorm ab. Und das obwohl anfangs Bassist Tim Gaines ausgebootet wurde, weil man der Ansicht war, dass er für dieses Album nicht der Richtige sei. Schlussendlich wurden die Bassspuren zwar von zwei anderen Musikern eingespielt, ohne Gaines wollte man dann aber doch nicht weitermachen, worauf man ihn wieder in die Band berief.

Auch das Coverartwork brachte einige Kontroversen mit sich. Letztlich wurde auch dieses geändert (bei uns seht Ihr natürlich beide), um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen. Für die Produktion zeichnete sich neben der Band selbst ein gewisser Stephan Galfas verantwortlich, der im Laufe seiner Karriere mit Größen wie CHER, MEAT LOAF oder SAXON gearbeitet hat.

Nach dem großen Erfolg von „To Hell With The Devil“ konnten STRYPER nicht genug nachlegen. Das 1988 erschienene „In God We Trust“ hatte nicht mehr die Durchschlagkraft und auch nicht mehr so viel großartiges Liedgut zu bieten. Für das 1990er Album „Against The Law“ entledigte man sich sogar der typischen gelb-schwarzen „Tracht“ und posierte in ganz normalen Lederklamotten. Musikalisch ist „Against The Law“ ein kompaktes Werk mit einigen ziemlich unterbewerteten Stücken.

Danach lösten sich STRYPER auf, um 2005 mit dem modern angehauchten „Reborn“ wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. So richtig in der Spur waren die Amis erst wieder mit dem 2013er Album „No More Hell To Pay“ sowie der Neueinspielung alter Songs namens „Second Coming“, die im gleichen Jahr veröffentlicht wurde. Auch live präsentierte man sich in letzter Zeit sehr stark, was auf „Live At The Whiskey“ nachzuhören ist. „To Hell With The Devil“ aber ist nicht nur das kommerziell erfolgreichste Album von STRYPER sondern auch das durchgängig beste.

Trackliste:

01. Abyss (To Hell With The Devil)
02. To Hell With The Devil
03. Calling On You
04. Free
05. Honestly
06. The Way
07. Sing-Along Song
08. Holding On
09. Rockin´ The World
10. All Of Me
11. More Than A Man

Stefan

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JOHN PARR – John Parr

Band: John Parr
Album: John Parr
Spielzeit: 43:12 min.
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: London Records
Veröffentlichung: 1985
Homepage: www.johnparr.net

Der englische Sänger, Gitarrist und Songschreiber JOHN PARR wird vielen namentlich vielleicht gar nicht so geläufig sein. Wenn man aber Hits wie „St. Elmo´s Fire (Man In Motion)“ oder das hierzulande ebenfalls oft im Radio gespielte „Don´t Leave Your Mark On Me“ ins Gespräch bringt, wird den meisten sicher ein Licht aufgehen. Nicht umsonst kletterte der Soundtrack zu Joel Schumacher´s Kinofilm „St. Elmo´s Fire“ in den USA auf Platz 1 der Billboard Charts, natürlich nicht zuletzt wegen des Titeltracks aus der Feder von JOHN PARR. Dass der 1954 geborene PARR aber für insgesamt 12 Hollywoodfilme Songs verfasst hat (darunter für „Running Man“ mit Arnold Schwarzenegger oder die Disneykomödie „3 Männer und ein Baby“) und insgesamt über 10 Millionen Tonträger weltweit verkauft hat, ist oft nur eine Randnotiz.

Dabei ist speziell das 1984 erschienene Debüt des Briten gespickt mit Hits. Auf der ein Jahr später neu aufgelegten Version von London Records ist dann auch „St. Elmo´s Fire“ zu finden, ein Inbegriff populärer Musik aus den Achtzigern. Zuvor hatte PARR sogar mit MEAT LOAF gearbeitet, für dessen Album „Bad Attitude“ er einige Ideen beisteuerte. „Naughty Naughty“ war indes die erste Hitsingle für JOHN PARR, zu finden natürlich auf dem selbstbetitelten Debüt. In den USA war dafür immerhin Platz 23 drin, während sich die Einheimischen in Großbritannien den Song immerhin so lange einverleibten, bis er Platz 58 erklimmen konnte.

Das eröffnende „Magical“ folgte als zweite Auskopplung, konnte den Erfolg aber nicht wiederholen. Auch die Überballade „Love Grammar“ biss sich in den USA auf Platz 89 fest. Dazwischen bescherte das bereits erwähnte „St. Elmo´s Fire“ dem Briten aber eine Nummer eins, was eine weitere Singleauskopplung nach sich zog. Aber nicht nur diese („Don´t Leave Your Mark On Me“) war und ist ein Höhepunkt auf dem Album, das eigentlich aus 10 einzelnen Hits besteht. Das theatralische „Revenge“ oder das straighte „Somebody Stole My Thunder“ sind wohl die besten Beispiele dafür.

Kommerziell war dies die erfolgreichste Zeit in der Laufbahn des Engländers. Und doch konnte PARR mit einzelnen Songs weitere Hits landen. Man denke nur mal an „Westward Ho“ von 1990, das Verwendung im deutschen Film „Go Trabi Go“ fand oder „Man With A Vision“, das im gleichen Jahr erst von der Popband SEVEN performt wurde und zwei Jahre später von PARR selbst aufgenommen wurde.

JOHN PARR ist ein gewichtiges Beispiel dafür, dass Band- oder Künstlernamen oft in Vergessenheit geraten, die Songs aber ewig im Gedächtnis bleiben. „John Parr“ von 1985 ist ein hervorragendes AOR-Album mit jeder Menge Hits und pures Balsam für die Achtziger-Seele, das nicht nur auf die bekanntesten Stücke reduziert werden sollte. Ein Komplettdurchlauf ist hier angesagt – viel Spaß!

Trackliste:

01. Magical
02. Naughty Naughty
03. Love Grammar
04. Treat Me Like An Animal
05. She´s Gonna Love You To Death
06. St. Elmo´s Fire (Man In Motion)
07. Revenge
08. Heartbreaker
09. Somebody Stole My Thunder
10. Don´t Leave Your Mark On Me

Stefan

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ANTHRAX – Among The Living (Klassiker der Woche)

Band: Anthrax
Album: Among The Living
Spielzeit: 50:13 min.
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Island Records
Veröffentlichung: 1987
Homepage: www.anthrax.com

Die Ami-Thrasher ANTHRAX gehören ohne Zweifel zu den wichtigsten Kapellen des Genres. Nicht zuletzt weil sie sich über viele festgefahrene Klischees und Standards hinweggesetzt haben. Zum Einen hat sich die 1981 in New York gegründete Band immer verweigert, in Ledermontur über die Bühne zu fegen und hat sich somit von wohl allen anderen Kollegen mit ihren Klamotten abgesetzt. Zumindest war das in den Achtzigern so, als sie mit quietschbunten Bermudashorts und T-Shirts über die Bretter wüteten. Und auch in musikalischer Hinsicht war die nach der Krankheit Milzbrand benannte Band Vorreiter in Sachen Crossover mit Hip Hop und Metal.

Dabei lagen die Anfänge der von Gitarrist Scott Ian gegründeten Combo eindeutig im Heavy Metal bzw. Power Metal. Der erste Sänger Neil Turbin musste nach nur einem Album („Fistful Of Metal“) den Hut nehmen und nach einem kurzen Techtelmechtel mit Matt Fallon (der später bei SKID ROW andockte, bevor Sebastian Bach das Ruder übernahm) fand man in Joey Belladonna den richtigen Frontmann. Nach dem 1985er Album „Spreading The Disease“, das den ersten kleinen Hit „Madhouse“ abwarf, ging man 1986 abermals ins Studio, um mit den Aufnahmen zum dritten Werk zu beginnen, das als „Among The Living“ für den Durchbruch der Band bekannt werden sollte.

Ich weiß noch genau, wie und wann ich dieses Album das erste Mal hörte: es war ein Freitag und endlich hatte ein Kumpel aus der Schule die leere Kassette, die ich ihm vor langer Zeit gegeben hatte, mit diesen neun Songs bespielt. Just an diesem Freitag bekam ich solche Halsschmerzen, die sich im Laufe des Wochenendes zu einer ausgewachsenen Grippe mauserten. Auch in der nächsten Woche, in der an Schule nicht zu denken war, lief dieses Tape rauf und runter. Ich war sozusagen infiziert. Bisher war HELLOWEEN das absolut härteste, was ich entdeckt hatte (mit METALLICA hatte ich anfangs meine Probleme und mit SLAYER konnte ich auch (noch) nichts anfangen). Was Joey Belladonna (vocals), Scott Ian (guitars), Dan Spitz (guitars), Frank Bello (bass) und Charlie Benante (drums) aber auf „Among The Living“ abgezogen haben, lief sofort runter wie Öl.

Der bedrohliche Anfang des eröffnenden Titeltracks geht über in ein Thrash Metal Gewitter erster Güte mit geshoutetem Refrain. Das soll das Markenzeichen der kommenden Jahre werden. Schon auf diesem Longplayer sind erste Anzeichen für die Vorliebe von Hip Hop oder Hardcore im Sound der Amis auszumachen. Immer wieder streuen ANTHRAX dementsprechende Nuancen in ihre Songs, was besonders für den Gesang gilt. Ständige wechselnde Tempi und das Spiel mit zuckersüßen Melodien, die auf halsbrecherisch schnelle Moshparts folgen gehören ebenso dazu.

“I Am The Law“ behandelt den einige Jahre später verfilmten Judge Dredd während „Indians“ eine Lanze für die verfolgten Ureinwohner der USA bricht. „A Skeleton In The Closet“ ist inspiriert von Stephen King, genau wie das Coverartwork und weitere Textpassagen. „Efilnikufesin (N.F.L.)“, das rückwärts dementsprechend „Nice Fukin Life“ bedeutet, ist dagegen ein Beispiel für die sonnige Laune der Thrasher, die sich aber auch auf den kommenden Platten nicht scheuen, Kritik am System zu üben.

Wie schon erwähnt war „Among The Living“ der internationale Durchbruch für die Band und bis heute mein persönliches Lieblingsalbum von ANTHRAX. Natürlich ist auch das Folgewerk „State Of Euphoria“ (1988) nicht zu verachten und auch „Persistance Of Time“ (1990) hat seine Highlights, dann aber ging die gute alte Zeit zu Ende und somit auch meine uneingeschränkte Liebe zu den Thrashern. „Among The Living“ aber läuft heute noch regelmäßig beim Sport!

Trackliste:

01. Among The Living
02. Caught In Amosh
03. I Am The Law
04. Efilnikufesin (N.F.L.)
05. A Skeleton In The Closet
06. Indians
07. One World
08. A.D.I./Horror Of It All
09. Imitation Of Life

Stefan

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UNRULY CHILD – Unruly Child (Klassiker der Woche)

Band: Unruly Child
Album: Unruly Child
Spielzeit: 54:33 min.
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Interscope
Veröffentlichung: 1992
Homepage: www.unrulychild.net

Kann man UNRULY CHILD als All-Star-Band bezeichnen? Ich denke schon, denn angesichts der durchaus prominenten Besetzung kann sich der 1992 erschienene Erstling gleichen Namens sehen lassen. Neben Vokalist Mark (Marcie) Free (KING KOBRA, SIGNAL) geben sich Gitarrist Bruce Gowdy (STONE FURY), Keyboarder Guy Allison (DOOBIE BROTHERS) und Schlagzeuger Jay Schellen (HURRICANE, ASIA) die Ehre. Eher unbekannt war bis dato Bassist Larry Antonio. Die Anfänge von UNRULY CHILD liegen indes zwei Jahre zurück, als Mark Free die Band zusammen mit Bruce Gowdy und Guy Allison aus der Taufe hebt. Zusammen mit Produzent Beau Hill macht sich das Gespann auf, um für Interscope ihr Debüt aufzunehmen. Diese Kollaboration war eine klare Sache, war Hill immerhin ein Gründer des Labels und immer noch Teilhaber.

Als „Unruly Child“ schließlich im Jahr darauf fertiggestellt ist, liegen zwölf Songs vor ihnen, die sich auf der einen Seite nicht gerade von anderen glatt produzierten Alben Hill´s auf den ersten Blick nicht sonderlich zu unterscheiden schienen. Aber das ist wie mit Schauspielern: ist die Story auch manchmal etwas dünn, reißen es einzelne Protagonisten mit ihrem Können einfach raus. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Songs an sich Massenware gewesen wären, nur der Sound war eben nicht gerade ein Unikum anno 1992, wo die Rockszene praktisch tot oder zumindest in den letzten Atemzügen lag. Aber die komplette Truppe bestand eben aus Könnern.

Das macht einfach den Unterschied – speziell wenn mit dem Opener „On The Rise“, der tollen Ballade „You Are My Everything“ oder dem Melodiemonster „When Love Is Gone“ dermaßen starke Songs ausgearbeitet werden. Dennoch überstrahlt das auf Startplatz zwei gesetzte „Take Me Down Nasty“ mit seiner unbändigen Power und großem Hitpotential praktisch alle anderen Konkurrenten im Handumdrehen. Aber auch das genretypische „Tunnel Of Love“ oder der Rocker „Criminal“ strahlen hell und runden dieses erstklassige Werk ab.

Obwohl UNRLUY CHILD anfangs ein Projekt waren, wuchs die Band während der Aufnahmen zu diesem Debüt schnell zusammen und präsentierte sich darauf als echte Einheit. Leider war ihnen der Erfolg nur bedingt beschert, denn die Musikwelt hatte die Schnauze voll von Combos, die auf dieser Wellenlänge ritten. Dementsprechend bleib dieser Silberling für lange Jahre der einzige, den die Band veröffentlichte. Erst 1998 folge mit „Waiting For The Sun“ ein weiteres Album – allerdings mit Kelly Hansen am Mikrofon. Das kreative Duo Bruce Gowdy/Jay Schellen fand zusammen mit Bassist Ricky Phillips allerdings nicht mehr zurück zu alter Stärke. Auch weitere Versuche blieben erfolglos – das 1992er Debüt ist und bleibt das Meisterstück einer Band, die wie so oft einfach zu spät dran war.

Trackliste:

1. On The Rise
2. Take Me Down Nasty
3. Who Cries Now
4. To Be Your Everything
5. Tunnel Of Love
6. When Love Is Gone
7. Lay Down Your Arms
8. Is It Over
9. Wind Me Up
10. Let´s Talk About Love
11. Criminal
12. Long Hair Woman

Stefan

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VALENTINE – Valentine (Klassiker der Woche)

Band: Valentine
Album: Valentine
Spielzeit: 53:16 min.
Veröffentlichungsjahr: 1990
Plattenfirma/Vertrieb: Giant/Warner
Stilrichtung: Melodic Rock/AOR

Life´s A Bitch, besonders wenn es um den verdienten Erfolg geht. Das erleben wir heute unzählige Male, wenn es mal wieder eine Platte einer unbekannten Band in die Redaktion schafft, Aber auch in den goldenen Zeiten – also in den 1980ern sowie frühen 90ern – war der Markt schon sehr unübersichtlich und so kamen viele Bands nicht in den Genuss, mit ihrer Musik den Durchbruch zu schaffen, obwohl alle Zeichen eigentlich günstig standen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Debüt von VALENTINE aus dem Jahre 1990. In besagtem Jahr ließ diese junge amerikanische Band die Herzen aller Melodic-Rocker (und damals gab es noch viele viele davon) in Schwindel erregende Höhen schlagen.

Denn das selbst betitelte Debüt des Fünfers um Sänger HUGO hat wirklich einige Granaten an Bord, die ein breites Spektrum abdecken. Angefangen von druckvollen Melodic-Rockern wie „Runnin´ On Luck Again“, „No Way“ oder „We Run“ über göttliche Steh-Blueser („Never Said It Was Gonna Be Easy“ oder das abschließende „You`ll Always Have Me“) bis hin zu lupenreinen AOR-Hymnen („Tears In The Night“, „Where Are You Now“, „Once In A Lifetime“, „Someday“) hat diese Scheibe alle Fähigkeiten, jedem Fan gehaltvoller Rockmusik einen ordentlichen Ohrgasmus zu bescheren. Zudem veredelten einige in der Szene nicht gerade unbekannte Gäste wie Terry Brock (STRANGEWAYS) und John Fiore (PREVIEW) mit ihren Goldkehlchen die massig vorhandenen Chöre.

Die Top-Produktion des damals sehr angesagten Neil Kernon tut sein übriges, um diesen Rundling auch in Sachen Sound für diese Rubrik fit zu machen. Doch wie so oft wurde auch VALENTINE der große Erfolg verwehrt, was zur Folge hatte, dass diese großartige Platte leider die einzige blieb. Nur Frontmann HUGO ließ sich nicht beirren und unternahm einige Jahre später noch drei Solo-Ausflüge, die jedoch nicht ganz diese Klasse erreichen sollten.

Trackliste:

01. Runnin’ On Luck Again
02. No Way
03. Tears in the Night
04. Too Much Is Never Enough
05. Never Said It Was Gonna Be Easy
06. Where Are You Now
07. Naughty Girl
08. Once In A Lifetime
09. Someday
10. We Run
11. You’ll Always Have Me

JK und Stefan

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One Hit Rockerz: HELTER SKELTER

HELTER SKELTER (Deutschland)

Besetzung:
Chris Strobl (vocals)
Cassy Kissler (guitars)
Helmut Zeiler (bass)
Fredl Zech (drums)

Glam Metal aus Deutschland. Das war in den späten Achtzigern ein Novum. Zumindest gab es nur eine handvoll Vertreter, die es allerdings nicht wirklich mit der übermächtigen Konkurrenz aus den USA aufnehmen konnte. Zu viele Bands aus Übersee überschwemmten den Markt. Und doch gab es hin und wieder Regungen im Untergrund. So natürlich auch in München, was eine sehr vitale Rockszene in den Achtzigern hatte. HELTER SKELTER waren wohl die bunteste und verrückteste Kapelle der ganzen Stadt, ach was sage ich: der ganzen Bundesrepublik.

Ihr einziges Album „Welcome To The World Of Helter Skelter“ erschien 1988 bei Metronome. Innerhalb kürzester Zeit wanderte das Teil auf die Krabbeltische der Nation. Kurz darauf wurde die Platte zu einem gesuchten Teil. Nicht zuletzt wegen des Minihits „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“. Hier verbinden die Münchner ihre Verrücktheit mit der göttlichen Eingebung, einen Ohrwurm zu fabrizieren. Für die einen mag die Band peinlich sein, für viele allerdings ist speziell dieser Song Kult. Der Rest der Platte ist noch eine Nummer härter zu ertragen. Böse Stimmen sprechen vom schlechtesten Glam Album aller Zeiten. Songs wie das schlager-mässige „Too Young To Rock“ oder das nicht minder platte „Midnight Rendezvous“ sind noch zu ertragen. Aber es gibt durchaus auch Momente, die sind nicht einmal mit viel Alkohol auszuhalten.

So schräg und überdreht hat man selbst Glam Metal in den Achtzigern selten bzw. nie erlebt. HELTER SKELTER bleibt die Gewissheit, den wohl markantesten und buntesten Song der deutschen Glamgeschichte fabriziert zu haben. Pikanterweise hat ein gewisser Michael Voss als Gastmusikant bei den Aufnahmen mitgemischt. Und auch Armin Sabol, der schon Bands wie SINNER oder RAGE produzierte und mit PETER SCHILLING als Produzent und Gitarrist große Erfolge feierte, war mit von der Partie – oder sollte man lieber sagen Party?

Stefan