ENFORCER – Zenith

Band: Enforcer
Album: Zenith
Spielzeit: 46:28 min
Genre: Heavy Metal
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 26.04.2019
Homepage: http://www.enforcer.se/

Als grosser Fan aller bisherigen Alben der Schweden ENFORCER war ich natürlich entsprechend gespannt auf die neue Platte der Jungs. Der letzte reguläre Rundling („From Beyond„, 2015) liegt ja nun schon glatte 4 Jahre zurück. Nun, man kann der Truppe jedenfalls keinen mangelnden Entwicklungswillen vorwerfen. Ob die neue Ausrichtung der Fanbasis gefällt muss sich allerdings noch herausstellen – ich zumindest habe an dem Ergebnis, das uns nun in Form von „Zenith“ ins Haus steht, einiges zu knabbern …

So viel vorweg: das Ungestüme, der Speed, die beinahe greifbare jugendliche Ungehobeltheit, die ENFORCER noch bis zum Vorgänger zu Tage legten, ist abgestreift. Stattdessen haben die Wikstrand-Brüder die Zeit genutzt und hörbar Wert auf ausgeklügelte Arrangements gelegt, das verfügbare Klangsortiment aufgewertet (auf „Zenith“ fliegt einem unvermittelt das ein oder andere Keyboard-Solo um die Ohren!) und, zumindest klanglich, Kreide gefressen. Songs wie die mit überflüssigen „Oho“-Chören ausgestattete Vorab-Single „Die for the Devil“ oder „Zenith of the black Sun“ wirken wie eine zwar spürbar gereifte, aber auch Teilen Ihrer bisher bekannten Identität beraubte, Band. Da die Truppe sich nun an den Hardrock Granden der 80er zu orientieren scheint, muss Sänger Olof Wikstrand nun nicht mehr permanent übers Limit kreischen, sondern auch mal dezent und melodiös singen. Und da fällt leider auf, dass der Derwisch durchaus stimmliche Defizite hat. Will sagen: um entspannteres Material tragen zu können, fehlt einfach die stimmliche Autorität. Sobald die Jungs Vollgas geben und mit gewohntem Speed nach vorne rocken („Searching for you“, „Thunder and Hell“) steht die Stimme wie gewohnt wie eine Wand neben den Instrumenten. Wird aber instrumental zurückgefahren, schafft Wikstrand es nicht den Zuhörer zu packen. Das ist bei der Piano-Schlafpille „Regrets“ oder dem Richtung Heart of Cygnus schielenden, aber leider völlig in den Sand gesetzten „Sail on“ besonders auffällig. Das alles macht „Zenith“ zwar noch lange nicht zu einem schlechten Album, denn nach wie vor können ENFORCER gute Songs schreiben (siehe den klasse Midtempo Rocker „One thousand Years of Darkness“) und spielerisch ist eh alles im grünen Bereich. Aber „Zenith“ stellt doch durch das gerüttelt Mass an Mittelmässigeit und den weichgespülten Sound eine herbe Enttäuschung im Vergleich zu den übergrossen Taten der Vergangenheit dar.

Mit „Zenith“ setzen ENFORCER so ziemlich alles auf eine Karte. Geht der Schuss nach hinten los dürfte es das womöglich gewesen sein, denn der Bruch, den die Jungs hier im Vergleich zu ihrem bisherigen Schaffen vollziehen ist auf vielen Ebenen spürbar und schon ziemlich krass. Ich würde es den Jungs wünschen, dass die Kurskorrektur dem Flagschiff der schwedischen Metal Bewegung keine absoluten Schiffbruch beibringt, denn wenn die Truppe sich auf Ihre bisherigen Stärken konzentriert, ist sie immer noch unschlagbar. Ich hoffe daher mal, dass es sich bei „Zenith“ um einen (verzeihbaren) Ausrutscher handelt …

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Die for the Devil
02. Zenith of the black Sun
03. Searching for you
04. Regrets
05. The End of a Universe
06. Sail on
07. One thousand Years of Darkness
08. Thunder and Hell
09. Forever we worship the Dark
10. Ode to Death

Mario

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