DYSTOPOLIS – V.EN.O.M.

Band: Dystopolis
Album: V.EN.O.M.
Spielzeit: 56:15 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: RamItDown Records
Veröffentlichung: 23.11.2018
Homepage: www.facebook.com/dystopolis

Ab und zu gelingt einer kleinen Band eine echt große Leistung und das ist ein Grund zum Feiern. Holt also die Luftschlangen und den zwangsweise alten Wein aus dem Luftschutzbunker und ab dafür! Schließlich mag “V.EN.O.M.” den Bremern von DYSTOPOLIS verdientermaßen den Eintritt in die German Power Metal Hall of Fame bedeuten. Ist generell schön bei Newcomern, dass sie sich noch beweisen und nicht einfach nur ihre eigene Sparte bedienen müssen, dann manchmal kommt dabei etwas heraus wie die hier besprochene Scheibe.
Kurz die Sidefacts: Nach der 2008 erfolgten Gründung brachte man zwei Eigenproduktionen und nun endlich das Labeldebut bei RamItDown Records heraus und spielt laut eigenen Angaben Postapocalyptic Metal, der sich um die fiktive Stadt Dystopolis dreht. Produziert wurde die Platte vom momentan omnipräsenten Seeb Levermann, der sich in ziemlich kurzer Zeit zu einem echten Qualitätsgaranten gemausert hat. Somit gibt es am Sound schonmal nichts zu bemängeln und die Scheibe klingt, gerade in den Passagen mit vielen Background Choirs, durchaus ORDEN-OGANig.
Während die Band/das Label “V.EN.O.M.” (Vicious Enemy Of Mankind) Fans von ICED EARTH, NEVERMORE und BLIND GUARDIAN empfiehlt (letzterem kann ich bedenkenlos zustimmen, das agressiv-technische “Beneath A Black Horizon” mit seinem hymnischen Refrain wäre auch ein guter Job für Hansi), würde ich klar noch GRAVE DIGGER ergänzen. Die Stimme von Andreas Müller erinnert stark an Chris‘ Reibeisenorgan und die Komposition lässt vermuten, dass DYSTOPOLIS die älteren melodieorientierten Platten der Grabgräber, beispielsweise “Knights Of The Cross” mehr als nur einmal gehört haben. Ein bisschen IRON SAVIOR ist auch drin, “Dining With Gods”‘ Intro könnte ebenso ein aktuelles Lied von DIMMU BORGIR einleiten und das Riff von “Metro” hat gar SAMAEL’sche Züge. Mit dieser Aufzählung soll allerdings nicht gesagt werden, dass “V.EN.O.M.” von anderen Bands zusammengeklaut wurde. Nein, der Stil von DYSTOPOLIS ist individuell und ausgereift: orchestraler Power Metal, der gerne im Thrash und Progressive Metal stöbert, ergänzt um eine Stimme, die zusammen mit der Produktion und der Härte des Albums DYSTOPOLIS neuen Wind in die alten Segel des Teutonic Heavy Metal blasen lässt. Denn trotz des hohen Orchestralfaktors: Kitsch und Opernmetal sucht man hier vergeblich, wenn man denn überhaupt danach sucht. “V.EN.O.M.” pendelt gekonnt zwischen böser, stets melodiöser Härte, hymnischen Refrains und starken Melodien selbst in den Strophen.
Um der Band ein wenig konstruktive Kritik mit auf den Weg zu geben: In die Synths könnte man ab und an ein wenig mehr Geld investieren, sie klingen meist authentisch aber eben nicht immer. Zudem ist die Oldschool-Gothic/Pseudo-Opern-Stimme, die Andreas manchmal auspackt, doch Geschmackssache. Mein Fall war sie nicht, klang etwas zu gekünstelt, aber das ist Meckern auf dem selben Niveau, das “V.EN.O.M.” praktisch durchgängig hat: verdammt hoch.
Letzter Satz zu den Songs: kein Ausfall, eine Menge Vielseitigkeit; Die Zeit bis Weihnachten kann kaum schneller vergehen, als mit “V.EN.O.M.” im Plattenspieler.

Anspieltipps: “Black Gates”, “Lords Of Sand”, “The Corporation” und “Dystopolis Rising”

Fazit:
Heavy, orchestral, durchgängig unterhaltsam, fett produziert und gespielt: Es ist eh löblich, durch Albumkäufe auch mal den Nachwuchs zu unterstützen. Und im Fall von DYSTOPOLIS ist es zudem eine mehr als lohnende Investition!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Black Gates
02. Lords Of Sand
03. Metro
04. Dining With Gods
05. The Corporation
06. Noah’s Isle
07. Arndale
08. Anthem For A Stranger
09. Beneath A Black Horizon
10. Dystopolis Rising

Jannis

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