HÄMATOM – Lang lebe der Hass

Trackliste:

01. Es regnet Bier
02. GAGA
03. Lang lebe der Hass
04. Keinen Bock auf Menschen
05. Strassenbande 666
06. Nobody’s perfect
07. SOS
08. Ein Freund
09. Räche sich wer kann
10. Olympia
11. It’s raining Beer

Spielzeit: 36:09 min – Genre: Metal – Label: Anti Alles/Believe – : 04.11.2022 – Page: www.facebook.com/haematommusic

 

Die umtriebigen Himmelsrichtungen haben bzw. geben auch in Corona-Zeiten alles, um im Gespräch zu bleiben. Knapp an der Grenze zum Nerven waren HÄMATOM in den letzten zwei Jahren mehr als präsent. Sei es die Fahrt mit dem Heißluftballon zum Wacken Open Air, der Metal Fight Club mit SALTATIO MORTIS, das letzte Album „Die Liebe ist tot“ (https://www.rock-garage.com/haematom-die-liebe-ist-tot/)  oder auch die ausgiebige Nutzung von Social Media. HÄMATOM waren irgendwie immer da und niemals weg. So lässt sich der Stillstand der Kulturbranche dann auch einigermaßen aushalten. Im Gegensatz zu den APOKALYPTISCHEN REITERn, die sich in erstmal komplett tot gestellt haben, um dann ob der wenigen Ticketverkäufe völlig verwundert eine Tour absagen müssen, sind HÄMATOM immer noch in aller Munde. Von nichts kommt halt nichts.
Mit „Lang lebe der Hass“ ist nun der direkte Nachfolger des Ende 2021 erschienen Albums „Die Liebe ist tot“ erschienen. Nicht nur das Cover zeigt die direkte Nähe zum Vorgänger, auch textlich sind die beiden Alben einem Doppelding ähnlich verbunden. So kann man sich die Vorweihnachtszeit durchaus versüßen lassen und sich abwechselnd gleich beide Alben am Stück reinzwitschern.
Doch, kann „Lang lebe der Hass“ die hervorragende 9-Sterne Wertung halten oder sogar übertreffen?
Soviel sei gesagt, das Album ist klasse, aber im Gegensatz zum Vorgänger verliert es doch etwas (wenn auch nicht allzu viel).
Aber der Reihe nach. Den Anfang macht der Metal Fight Club Song „Es regnet Bier“. Das Battle haben die Jungs gewonnen, immerhin ein 1A Vollsuff Partysong. Und was passt besser zum Motto Festival als eine ordentliche Hopfenkaltschale, die auch grässliche Bands (Stichwort: POWERWOLF als Vorband bei IRON MAIDEN) einigermaßen erträglich macht.
Nach der Partysause folgt mit „GAGA“ ein zwar inhaltlich ansprechendes Lied, aber mir ist es mit dem 80er Synthiesound einfach zu poppig. Zum Inhalt des Songs passt das zwar, aber mir geht es musikalisch etwas zu sehr in die Richtung ELECTRIC CALLBOY, wobei der Vergleich schon echt fies gegenüber den Franken ist (Sorry dafür).
Mit dem Titelsong „Lang lebe der Hass“ kommt das Metall dann ja auch schon wieder raus, also alles gut. Im gewohnt harten HÄMATOM Stil wird hier mit den Kritikern abgerechnet, die den Jungs immer mal wieder den Mund verbieten wollen. Als ob das funktionieren würde… Die Jungs sagen, was sie sagen wollen und das ist auch gut so. Ja-Sager haben wir bereits mehr als genug.
Auch die anderen Songs reihen sich nahtlos in den bekannten Stil ein. Sei es „Kein Bock auf Menschen“, ein Song, mit dem sich vermutlich jeder mal mehr oder weniger identifizieren kann oder auch „Strassenbande 666“, eine Hymne an den Metal und die Metalheads dieser Welt oder auch „SOS“, ein ernster Song zum Thema Mobbing. Alles, was HÄMATOM ausmacht, findet sich auf „Lang lebe der Hass“.
Im Umkehrschluss heißt es allerdings auch, dass auf dem mittlerweile achten Studioalbum nicht wirklich viel neues zu finden ist. Aber was solls. Den Fan wird es freuen und für Neueinsteiger ist „Lang lebe der Hass“ eine gute Einstiegsdroge. HÄMATOM müssen lediglich aufpassen, nicht in die zu poppige Ecke – wie die bereits erwähnten ELECTRIC CALLBOY – zu rutschen, dann passt das alles. Das die Oberfranken immer noch mega Bock auf Mucke haben, hört man. Spaß und Spielfreude kommen nicht zu kurz, die Texte sprechen vielen aus der Seele. Einige Songs werden hängen bleiben, andere weniger. Bock macht das Album aber auf alle Fälle und daher gibt es eine klare Kaufempfehlung meinerseits und wohlverdiente 8 Sterne aus Oberhessen nach Franken.

Tänski

Unbedingt reinhören!

HÄMATOM – Die Liebe ist tot

Band: Hämatom
Album: Die Liebe ist tot
Spielzeit: 34:31 min
Stilrichtung: Metal, Rock, NDH
Plattenfirma: Anti Alles
Veröffentlichung: 03.12.2021
Homepage: www.facebook.com/haematommusic

Ich kenne Menschen, die schon seit langen Jahren bekennende HÄMATOM-Fans sind. Das ist erstmal nicht schlimm, allerdings ist die Band bisher irgendwie komplett an mir vorbeigegangen. Um diese Lücke nun endlich zu schließen, werde ich mich jetzt mal an das Review einer gestanden deutschen Rockband machen, die ich eigentlich gar nicht kenne. Mal schauen, ob mir dieses Vorhaben gelingt.
Aber fangen wir mal mit meinen Recherchen zur Historie der Band an. Bereits im Jahr 2004 im beschaulichen Speichersdorf im Landkreis Bayreuth gegründet, bestehen HÄMATOM seit der Gründerzeit aus den vier Himmelsrichtungen Thorsten „Nord“ Scharf (v.), Jacek „Ost“ Zyla (g.), Peter „West“ Haag (b.) und Frank „Süd“ Jooss (d.). Bekannt wurden die Jungs natürlich hauptsächlich durch ihre Musik, aber ich möchte ihre aufwendige Bühnenkostüme (weiß und schwarz geschminkte Gesichter, Masken, geile Klamotten) nicht unterschlagen. Optisch eine Mischung aus KISS und SLIPKNOT (sorry für den billigen Vergleich, mir ist nichts besseres eingefallen). Auch ein Markenzeichen, das die Band bis heute unverwechselbar macht.
Musikalisch wurden anfangs noch Märchen im Stil der Neuen Deutschen Härte vertont, im Laufe der Jahre haben sich HÄMATOM aber weiterentwickelt und nehmen nun gesellschafts- und sozialkritischen Themen in ihren Songs auf. Das ist auch bei „Die Liebe ist tot“ nicht anders und das ist auch gut so.
Gestartet wird mit „Dagegen“, ein Song dessen Intro mit einem elektronisch angehauchten „„Sag mir wo die Träume sind. Wo sind sie geblieben? … “ gesungen durch einen Kinderchor episch wirkt und definitiv auch als Opener für jedes Konzert herhalten kann. Der Einstieg von HÄMATOM in den Song kommt leicht und melodisch exakt bei Minute Eins um dann krachend sein volles Potenzial zu entfalten. Leute, damit hatten mich die Jungs schon. Ein super Song, der hart und kämpferisch und einfach nur Bock auf mehr macht.
Auch die nächsten Songs lassen musikalisch und textlich nichts vermissen. „Jeder gegen Jeden“ prangert die heutige und vor allem momentane Ellbogengesellschaft an und wie kurz die Zündschnur bei einigen von uns bereits geworden ist. „Ihr wisst gar nichts über mich“ greift das Thema Vorurteile musikalisch auf, während bei „Ich hasse euch alle“ die Wut nur so hinausgeschrien wird. Das Lied ist musikalisch gesehen kein Highlight der Platte, aber die Wut ist so authentisch, dass ich es mir in bestimmen Situation durchaus gut vorstellen kann (z.B. beim Autofahren oder wenn ich mal wieder Facebook Kommentare lese). Aufgehorcht habe ich bei „Ficken unsern Kopf“. Die Kollaboration mit den Rappern der 257ERS klingt erstmal gewöhnungsbedürftig, aber nach dem einen oder anderen Durchgang merkt man dann doch, wie gut das zusammenpasst. Ein absoluter Partyhit. Auch die nachfolgenden Tracks zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Krachend, laut und dazu noch mit nahezu perfekter Gitarrenarbeit untermalt zeigen HÄMATOM deutlich, was sie können. Mann, warum hab ich da nicht mal früher hingehört?
Mit dem letzten Song wird es dann noch besinnlich melancholisch. „Zeit zu gehen“ zeigt die weiche Seite der Band. Das könnte ich mir auch als passendes Outtro für die nächsten Konzerte vorstellen. Ein passender Abschied für ein geiles Album. Und nach 10 Songs in knapp 35 Minuten ist mein erstes HÄMATOM-Erlebnis auch schon wieder vorbei. Aber das war definitiv nicht das letzte Mal, dass ich mir die Jungs aus Franken reingezogen haben.

Fazit: HÄMATOM mögen das Rad der Rockgeschichte nicht unbedingt neu erfunden haben, es liegt einzig an der Umsetzung. Und das kriegen die Jungs hin. Aber sowas von. Sowohl musikalisch als auch textlich haben mich die vier Himmelsrichtungen überzeugt und ich werde mir definitiv auch noch die älteren Sachen reinziehen. HÄMATON haben bumms und Arsch in der Hose, genauso will ich meine Musik hören. Laut und mit Gitarrengeschrammel, dazu werden unliebsame Themen angesprochen und kein Blatt vor den Mund genommen (Schimpfwörter inklusive).
Die Party vor der Bühne kann ich mir jetzt schon lebhaft vorstellen und das nächste HÄMATOM-Konzert steht auf meiner Liste. Kenne ja genug Leute, die mitkommen werden 😉 Und noch eine kleine Phrase zum Schluss: Die Liebe mag ja tot sein, HÄMATOM sind es noch lange nicht.

Anspieltipps: Dagegen, Liebe auf den ersten Fick, Ficken unsern Kopf

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Dagegen
02. Jeder gegen jeden
03. Ihr wisst gar nichts über mich
04. Liebe auf den ersten Fick
05. Ich hasse euch alle
06. Ficken unsren Kopf feat. 257ers
07. Zahltag
08. So wie wir
09. Ich will erst schlafen wenn ich tot bin
10. Zeit zu gehen

Tänski

Treibt es wild und bunt: