J.B.O. – Haus Of The Rising Fun

Trackliste:

01. Ma Ma Ma Metal
02. Haus Of The Rising Fun
03. Vito, wir machen Krach
04. I Kissed A Girl
05. Stinkefinger
06. Ka-Fump
07. Power sucht Wolf
08. Nur für euch
09. Weißt schon, was ich meine
10. Bussi
11. Ein sehr gutes Lied
12. Woke On The Smater
13. Mein Arsch

Spielzeit: 44:01 min – Genre: Fun Metal – Label: Perception Music – VÖ: 09.01.2026 – Page: www.facebook.com/kickersofass

 

Frei nach Ilja Richter in seiner damaligen Musiksendung „disco“: „Licht an, Spot aus“ … nein, nein, heute muss das heißen: „Licht aus, pinken Plüsch-Chaos-Spot an“! Hilfe die vier fränkischen Gaudi Barden sind wieder unterwegs. Mir ist die Band J.B.O. schon seit einer Ewigkeit ein Begriff, allerdings habe ich mich bis jetzt nie an einen Song rangetraut, warum kann ich nicht sagen. Jetzt als Schreiberling nach über 30 Jahren im fortgeschrittenen Alter habe ich mich endlich mal an ein Album getraut und lass mich entweder Negativ oder Positiv überraschen.

Zur Pink Chaos Truppe gehören Hannes Holzmann an Mikrofon und Gitarre, Vito C. an Gitarre, Ralph Bach an Bass und Wolfram Kellner an den Drums. Die Stimme von Hannes hat was, besitzt Dreck und passt einfach nahezu perfekt zum Sound von J.B.O.. Besser hätte man es mit der Stimme nicht treffen können. Die Gitarren hauen mit einer wahren Freude die Riffs raus und machen dabei keine Gefangenen. Nie zu hart, sondern genau wie es der Song gerade benötigt gehen die 6-saitigen an den Start. Der Bass verschafft sich genügend Raum um neben den Gittis glänzen zu können. Der Stick-Schwinger macht das was er soll, er lässt die Sticks fliegen wie Sau. Die Produktion hat Dampf und sorgt für ein wohliges Gefühl beim Hören. Über Sinn oder Unsinn der Texte lässt sich streiten.

Man muss der Welt für alles Danken, selbst für vier Chaoten Franken! Im Falle von J.B.O. trifft das so ziemlich den Nagel auf den Kopf. Es kommen geile Coverversionen, Metal-Hymnen oder Heavy Rockkracher zum Einsatz. Die Songs werden mit viel fränkischem Charme und chaotischen Texten vorgetragen die beim Hören kein Auge vor lauter lachen trocken lassen. Aber sind wir mal ehrlich, so richtiger Blödel-Metal ist doch auch mal was anderes und zur Abwechslung genau richtig. Die Texte tragen ihren Teil zum Erfolg von J.B.O. bei, genau wie die Songs die Mal frech geklaut oder angelehnt sind und im Heavy Stil aus den Boxen kommen. So schaffen es die Franken selbst mit dem größten Blödsinn überzeugend rüberzukommen. Sicher erfinden J.B.O. weder den Metal neu noch sind die Texte ernst, aber es knallt, bumst und kracht im Karton. Außerdem muss man gewaltige Klöten im Sack haben sich an den Songs zu versuchen ohne dabei als Loser dazu stehen – dies gelingt J.B.O. ja schon seit über 30 Jahren. Metal goes Frankonia! Schluss, Aus, habe fertig. Prost Buam aof de naxt’n dreis’g Joar!

„Ma Ma Ma Metal“ Metal in Reinkultur mit mehr als nur zwei Augenzwinkerern, „Haus Of The Rising Fun“ eine geile heavy Version des 60er Jahre THE ANIMALS Songs. „Vito, wir machen Krach“ eine Hymne für die Tanzflächen der Rockdiscos, „I Kissed A Girl“ Hey Buam, hat’s ez net scho z’oid um a Girl ob zum bussln? Nee im Ernst der Song kommt mit Riffsalven sehr gut rüber. „Stinkefinger“ der Song zum Pogen und Leute durch die Discos zu pfeffern, „Ka-Fump“ vier kleine Franken im Wald auf der Suche nach der Feierabend-Hopfenbrause mit Schaumkrone. „Power sucht Wolf“ auf diese Idee muss man erst mal kommen, „Nur für euch“ ze’fix das Ding rockt wie Sau. „Weißt schon, was ich meine“ nach Genuss des Songs weiß jeder was gemeint ist – kommt mit göttlicher Melodie und chaotischem Intermezzo, „Bussi“ oas, zwoa g’suffa, hier wird alles durch den Kakao gezogen was die Gang hergibt. „Ein sehr gutes Lied“ ein kurzes Intro mit einem gut gemeinten Hinweis, „Woke On The Smater“ ich hätte es Wissen müssen, dass hier DEEP PURPLE auf die Schippe genommen werden, „Mein Arsch“ hier VERARSCHEN die Vier „Voyage, Voyage“ mit ihrem ureigenem Charme im Hard N Heavy Style, die erste Version des Songs die ich mir komplett anhören kann.

Balle

NANOWAR OF STEEL – Dislike To False Metal

Trackliste:

01. Sober
02. Winterstorm In The Night
03. Disco Metal
04. Muscle Memories
05. Chupacabra Cadabra
06. Pasadena 1994
07. Metal Boomer Battalion
08. Dimmu Boogie
09. Protocols (Of The Elders Of Zion) Of Love
10. The Power Of Imodium

 

Spielzeit: 48:21 min – Genre: Truest Metal – Label: Napalm Records – VÖ: 10.03.2023 – Page: www.facebook.com/nanowarofsteel

 

Manchmal passieren Dinge auf der Welt, die auch den Abgeklärtesten unter uns daran zweifeln lassen, dass es nicht etwas Höheres gibt, außer unserer Macht und jenseits unserer Vorstellungskraft. Etwas, das uneingeschränkt Gutes in die Wege zu leiten vermag. Ich meine, wie könnte es sonst sein, dass von allen Leuten, die sich überlegen könnten, ihre Zeit und Kraft dem liebevollen Parodieren von Metal zu widmen, diese Leute gerade NANOWAR OF STEEL sind, die a) hervorragende Musiker b) untergenre-unabhängig hochbegabte Songschreiber und c) talentierte überkreative Texter mit d) einem so treffsicheren, eigenen und witzigen Humor sind?
Gottesbeweis abgeschlossen, auf zur Rezension.
„Dislike To False Metal“ ist das fünfte Album der Italiener und führt konsequent weiter, was aus der Truppe in den letzten Jahren geworden ist. Von einer kleinen unbekannten Band zum viralen Hit mit „Norwegian Reggaeton“ haben NANOWAR einen steilen Karriereaufstieg hingelegt, und „Dislike To False Metal“ sollte dem weiteren nicht im Wege stehen. Das Erfolgsrezept ist exakt das alte, so gut funktionierende. Mach ernstzunehmend geschriebene und gespielte Musik, reichere sie an mit diversen witzigen Einfällen, füge kurze populäre Musikzitate ein und pack absolut bescheuerte, höchst kreative Texte über abstruse aber funktionierende Themen drauf, die eine beeindruckend hohe Witz-Trefferquote haben und perfekt zur Musik passen.
Das einzig Traurige im Vergleich zum grandiosen Vorgänger: Die kleinen Zwischentracks fehlen dieses Mal, und die boten nochmal ihren ganz eigenen Charme. Aber sonst sind NANOWAR weiterhin in Höchstform und mit Herz und Stahl bei der Sache. Gut, die beiden ersten Tracks (ein Pirate-Metal-Track über enthaltsame Piraten und ein Symphonic-Metal-Track über Schuppen) sind musikalisch verhältnismäßig witzlos wenngleich absolut authentisch und gut komponiert. Sie ziehen ihren Humor eher aus den Texten. „Disco Metal“ ist, nun, genau das, was man erwartet, und „Muscle Memories“ eine kraftvolle Gänsehautballade über Gym-Abhängigkeit.
„Chupacabra Cadabra“ kommt dann unerwartet als neunminütiges Epos reingebrochen, das klingt, als würden RHAPSODY OF FIRE einen ihrer monumentalen Endtracks bringen, wären dabei aber Mexikaner (wahnsinniges Ding), und „Pasadena 1994“ holt SABATONs Joakim Brodén ans Mic, für die kraftvolle SABATONsche Nacherzählung eines… Fußballspiels.
„Dimmu Boogie“ ist partytauglicher Heavy Boogie und „Protocols (Of The Elders Of Zion) Of Love“ ist ein absolut fantastischer Love-Popsong, geschrieben aus der Sicht eines Verschwörungstheoretikers. Mit „The Power Of Imodium“ findet die Platte ihr musikalisch höchst würdiges, episches Ende. Hab ich erwähnt, dass Imodium gegen Durchfall eingesetzt wird?

Fazit:
Die besorgte Frage, ob NANOWAR OF STEEL das Niveau des Vorgänger-Albums halten können, hat sich auf textlicher wie musikalischer Ebene bejaht. Diese Band scheint ein nie versiegender Quell aus geilen Ideen zu sein, der ohne Zweifel den Thron des Parody Metal sein Eigen nennen kann und bei all dem Qualitäts-Blödsinn nie respektlos gegenüber dem ist, was er parodiert. Gebt „Dislike To False Metal“ eine Chance, wenn Ihr ansatzweise was mit Metal anfangen könnt – und am besten bei parallelem Lesen der Texte. Und dann ab auf die Party-Playlist damit.

Anspieltipps:
„Chupacabra Cadabra“, „ Protocols (Of The Elders Of Zion) Of Love“, „Pasadena 1994“ und „The Power Of Imodium“

Jannis

NANOWAR OF STEEL – Stairway To Valhalla

Band: Nanowar Of Steel
Album: Stairway To Valhalla
Spielzeit: 60.06 min.
Stilrichtung: Hm… Power Metal?
Plattenfirma: —
Veröffentlichung: 09.11.2018
Homepage: www.nanowar.it

Höchstpunktzahl für ein Fun-Metal-Album. Ist das mein Ernst? Jap, ist es. Schließlich handelt es sich bei NANOWAR wohl um die beste Fun-Metal-Band (bzw. laut eigener Angaben Happy-Metal-Band) im Business und “Stairway To Valhalla” dürfte ihr bislang bestes Album sein. Seit ihrem ersten Lebenszeichen in Demoform sind 15 Jahre vergangen und die fünf sympathischen Römer haben sich musikalisch wie textlich von Album zu Album weiterentwickelt. Kurz abgehakt: Die Produktion ist schwer in Ordnung, die Herren an den Saiten, Tasten und Trommeln sind beeindruckend fähig und die Vocalfraktion, bestehend aus Potowotominimak und Mr. Baffo, bietet Prototyp-Italienischer-Power-Metal-Gesang, der auf “Stairway To Valhalla” zwischendurch auch mal von niemand Geringerem als Fabio Leone von diversen RHAPSODYs supportet wird.
Zu den Songs: Würde man jeden humoristischen Faktor, sowohl auf musikalischer als auch auf textlicher Ebene, aus der Platte herausfiltern, bliebe ein musikalisch höchst ernstzunehmendes Album, das in verschiedenen Untergenres herumtollt, diese dabei allesamt stilistisch überragend umsetzt und dank des kreativen Songwritings jederzeit äußerst unterhaltsam hält. Symphonic Power Metal, Hard Rock, Modern Metal, Speed Metal, Glam Metal, True Metal, jeweils bewusst sehr im Stil einer Band des Genres gehalten, dabei allerdings smart verwurstet, mit Ohrwurmmelodien angereichert und top gespielt.
Der Humor ist es jedoch, der dem kleinen Meisterwerk die absolute Unterhaltsamkeitskrone aufsetzt. Nicht nur Referenzen an verschiedene Metalbands und -songs finden sich hier wieder. Auch jedes erdenkliche popkulturell-musikalische Motiv findet sich auf “Stairway” und amüsiert neben seiner Umsetzung mit seiner unvorhersehbaren Verwendung. MIKE OLDFELD und die BEE GEES seien hier nur beispielhaft angeführt. Dazu kommen die Texte, die absolut bescheuert sind, allerdings auf hohem Niveau. Wer auf ein Intro, in dem die intergalaktische Suche nach dem Witz beschrieben wird, den niemand zuvor erzählt hat, einen Song folgen lässt, der einzig und allein auf Uranus/Your-Anus-Witzen basiert, hat schon gewonnen. Mehr möchte man über die Texte aus Spoilergründen gar nicht sagen, jedoch seien sie an dieser Stelle jedem Hörer von “Stairway To Valhalla” ans Herz gelegt, wenn er denn etwas für absudesten, albernen und oftmals unter der Gürtellinie zu verortenden Humor übrig hat.
Kombiniert werden die Texte mit einer Unmenge an musikalisch-witzigen Spielereien. Auch hier nur wieder ein paar wenige Beispiele: Keyboardsoli mit Katzensounds, in “…And Then I Noticed That She Was A Gargoyle” (Nach dem Lied können STEEL PANTHER einpacken) der wohl beste Anfang eines finalen Refrains aller Zeiten und die Antwort auf die Frage, wie DREAM THEATER ihre Alben produzieren.
Man kann an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Songs eingehen. Die musikalisch-metallische Ebene, die musikalische “Humorisierung” dieser Ebene und die textliche Ebene jedes Tracks würden jeweils einige Sätze verdienen, darum hier einfach mal ein klares Statement: Man muss deutschen Fun Metal (schreckliches Wort sowieso) nicht lustig finden, um NANOWAR OF STEEL zu mögen (aber schaden wird’s natürlich nicht). Der Humor der Italiener ist einmalig und ihr musikalisches Talent hält mit dem “ernsthafter” bekannterer Bands problemlos mit. Ganz ehrlich: Ich habe keinerlei erwähnenswerte Kritik zu äußern.

Anspieltipps:
“Barbie Milf Princess Of The Twilight”, “In The Sky”, “And Then I Noticed That She Was A Gargoyle”, “Ironmonger” und der Rest des Albums

Fazit:
Wer in der Öffentlichkeit nicht durch spontanes lautes Loslachen negativ auffallen möchte, sollte “Stairway To Valhalla” von seinem MP3-Player fernhalten. Auf dem Ding wird über eine Stunde von begeisterten Metalfans ihr favorisiertes Genre liebe- und respektvoll sowie saudämlich und musikalisch hervorragend durch den Kakao gezogen. Kein Album, das durch seinen Blödelfaktor von seinen musikalischen Schwächen ablenken muss, sondern ein Album, das Humor und Metal so gekonnt miteinander vereint, wie kaum eines (vielleicht sogar gar keins) zuvor.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Declination
02. Barbie Milf Princess Of The Twilight
03. Call Of Cthulu
04. Heavy Metal Kibbles
05. Il Maestro Myagi Di Pino
06. L’Operatole Ecologico
07. Images And Swords
08. In The Sky
09. …And Then I Noticed That She Was A Gargoyle
10. Tooth Fairy
11. Vegan Velociraptor
12. Another Drill In The Wall
13. Ironmonger (The Copier Of The Seven Keys)
14. Bum Voyage
15. Uranus
16. The Crown And The Onion Ring
17. The Quest For Carrefour
18. Hail To Liechtenstein

Jannis