COMBICHRIST – The Venom In The Mouth Of God

Trackliste:

01. ODR
02. Desolation
03. The Future Is A Memory
04. Born Deströyer
05. Feraline
06. RISE
07. Venom
08. S.T.F.U.
09. Each Scar A Vision
10. Only Here For A Good Time
11. The Way We Want To Be Seen
12. Demons Wanna Be Summoned feat. King 810
13. Second Ending (We Have Been Here Before)

Spielzeit: 1:05:20 min – Genre: Industrial Metal – Label: Out Of Line Music – : 24.07.2026 – Page: www.facebook.com/combichrist

 

Bei neuen Veröffentlichungen von Combichrist ist der geneigte Fan mittlerweile immer etwas vorsichtig optimistisch. Nicht, weil die Band in den letzten Jahren schlechte Musik gemacht hätte, sondern weil oft nicht genau klar war, welche Version von Combichrist zu hören ist. Die kompromisslose Aggrotech-Maschine der frühen Jahre? Die Industrial-Metal-Dampfwalze der späteren Alben? Oder irgendetwas dazwischen? Mit „The Venom In The Mouth Of God“ liefern Andy LaPlegua und seine Mitstreiter nun die Antwort. Und die ist tatsächlich einfach. Von allem ein bisschen. Und genau deshalb funktioniert das Album so gut.
Seit über zwei Jahrzehnten bewegt sich Combichrist irgendwo zwischen Club, Festivalbühne und Ausnahmezustand. Viele Bands verlieren auf diesem Weg entweder ihre Identität oder versuchen krampfhaft, alte Erfolge zu kopieren. Und auf Erfolge haben die Jungs aus Atlanta, Georgia, definitiv vorzuweisen. Bereits im Jahr 2003 hat sich die Band rund um Andy LaPlegua gegründet. Zuerst als Einmannprojekt gestartet, gesellten sich nach und nach weitere ambitionierte Musiker zu Combichrist. Nach wirklich vielen Besetzungswechseln ist die Band seit einigen Jahren relativ stabil mit Frontmann Andy LaPlegua, Eric13, Jamie Cronander und Elliot Berlin unterwegs. Eine Truppe, die passt.
Combichrist machen weder das eine noch das andere. Stattdessen nehmen sie die stärksten Elemente ihrer Geschichte und verschmelzen sie zu einem Album, das sich gleichzeitig vertraut und erstaunlich frisch anfühlt.
Schon der Opener „ODR“ macht deutlich, wohin die Reise geht. Elektronik, Wucht, Atmosphäre und genau dieses düstere Gefühl, das Combichrist schon immer besser konnten als viele ihrer Genre-Kollegen. Mit „Desolation“, „Feraline“ und „RISE“ folgen dann gleich mehrere Songs, die für mich zu den stärksten Momenten des Albums gehören. Vor allem „RISE“ hat sich ziemlich schnell im Ohr festgesetzt und gehört für mich zu den absoluten Highlights der Platte. Ich weiß nicht warum, aber ich werde dabei irgendwie nostalgisch.
Besonders gefällt mir, dass das Album trotz seiner Härte nicht eindimensional wirkt. Hinter den Gitarrenwänden, den stampfenden Beats und den aggressiven Vocals steckt deutlich mehr als einfach nur Zerstörungswut. Songs wie „Each Scar A Vision“ oder „The Way We Want To Be Seen“ bringen eine nachdenklichere Komponente ins Spiel und sorgen dafür, dass die Platte auch nach mehreren Durchläufen noch neue Facetten offenbart. Und ich sage euch, die läuft definitiv öfters als nur einmal. Vertraut mir.
Dabei ist „The Venom In The Mouth Of God“ kein perfektes Album. Mit über einer Stunde Spielzeit gibt es durchaus Momente, in denen sich einzelne Ideen etwas länger ziehen als nötig. Auch Andy LaPleguas Gesang bewegt sich stellenweise in bekannten Bahnen. Wirklich störend ist es nicht, eher Jammern auf einem sehr hohen Niveau. Es gibt hier weniger Einzelhits, eher das Gesamtkunstwerk.
„The Venom In The Mouth Of God“ erfinden sich Combichrist nicht neu. Muss es auch gar nicht. Stattdessen zeigt die Band eindrucksvoll, warum sie seit mehr als 20 Jahren zu den prägenden Namen zwischen Aggrotech, Industrial und Metal gehört. Wer die Entwicklung der Band verfolgt hat, bekommt hier vielleicht nicht ihr experimentellstes Album, aber sehr wahrscheinlich eines ihrer rundesten. Ich finde, das sind fette 8 Sterne wert!

Tänski