ROSS THE BOSS – Born Of Fire

Band: Ross The Boss
Album: Born Of Fire
Spielzeit: 45:29 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 06.03.2020
Homepage: www.ross-the-boss.com

Zwölf Songs verteilt auf 45 Minuten Laufzeit, also im Schnitt unter vier Minuten pro Track – das ist ungewöhnlich im Heavy Metal, allerdings immer auch etwas, was ich begrüße, da der klassische Metal der Marke ROSS THE BOSS nicht unbedingt hochkomplex ist und somit auf Fünf-Minuten-Tracks gestreckt oft etwas redundant ist. Dann doch lieber zwölf knackig-kurze Dinger vom ernstzunehmenden Ableger von MANOWAR, dem Soloprojekt ihres Ex-Axers Ross Friedmann. Gut, ernstzunehmend ist ein dehnbarer Begriff, schließlich liest sich die Trackliste nahezu bescheuert klischeehaft (“Fight The Fight” und “I Am The Sword” direkt hintereinander muss man sich schon trauen). Nichtsdestotrotz sind wir von ROSS THE BOSS echten und truen, dabei aber im Vergleich zu MANOWAR doch weniger pathetischen und weniger unfreiwillig komischen Stoff gewohnt.
Nach der langen Einleitung nur kurz abgehakt: Der Sound ist organisch und gut heavy, die Bandleistung ist top und Sänger Marc Lopes bringt mit seinen teils fast shoutig anmutenden Vocals und hohen Screams noch mehr Aggressivität ins Spiel. Toll gelungen die Art der Vocal-Produktion, die Vocals und Backing Vocals zu einem homogenen Gesamtsound verschmelzen lässt.Die negativen Stimmen, die teils über ihn laut werden, kann ich beim besten Willen kein Stück nachvollziehen.
Musikalisch erweist sich meine Hoffnung als begründet: mehr Tracks, mehr Variation und mehr geiler Scheiß aus der magischen Riffkiste von Ross. Kitschfrei, smarte Mittelteile, verdammt stark geschrieben. Im Einzelnen, weil es die Tracks echt verdient haben:
01. Glory To The Slain: Schnell, fast hanseatisch-durig im Prechorus, edel konzipierter Mittelteil-Start, nicht so ganz true, fröhliche Bassläufe
02. I Am The Sword: Prechorus ziemlich SAXONig, Refrain simpel aber mit coolen Leadgitarren dahinter, die mit dem Gesang sogar minimale Folk-Vibes reinbringen
03. Fight The Fight: Midtempo, Hier auch mal ganz klarer Gesang, simpel, angepisst, mieses Riffing, redundant, gelungen
04. Shotgun Evolution: Episches Intro, harmonisches Gitarrenmotiv als netter Kontrast zum sonst harmonisch einfachen Track, der Mittelteil knallt zeitweise so hart, dass er mit anderen Vocals auch als Melodic Black Metal durchginge
05. Denied By The Cross: Trocken, maschinell, Hammer-Riff, ganz ganz leise Synths, dicker melodischer Midtempo-Chorus
06. Maiden Of Shadows: Präsente Synths zwischen Mittelalter, Standard-Orchester und Celtic Folk, düster, Strophe wieder ein wenig SAXONesk, äußerst stimmungsvoller Chorus
07. Born Of Fire: Thrashigere Humpa-Strophe, Fire-auf-Desire-Reim im live wohl höchst spaßigen, schmalzgitarrenunterlegten Chorus
08. Demon Holiday: Weiterer Kopfnicker, simple Strophe, beinahe GUNS’N’ROSSES im Refrain, Hauptriff öde, Überraschungsriff vor dem Refrain umso besser
09. Godkiller: Starker Einstieg und starke Umsetzung des Einstiegs in der Strophe, so noch nicht gehört, man kann im Heavy Metal doch immer noch gleichzeitig traditionell und innovativ sein
10. Walking The Moon: Der Freeware-Standardwolfsound, den jede Band mal nutzt, cooler gitarrengetriebener Refrain, fadet untruerweise aus
11. Undying: Melodischer Gitarreneinstieg der Oberklasse, klassische Strophe mit Bass-Präsenz, ruhig-schöner Mittelteil, gut abgehendes Ende
12.The Blackest Heart: Langsamer, heavyer Start, coole Strophe, düster-stampfender Chorus, chaotisch-souveräner Mittelteil, fast progressiv für den Ross

Fazit:
Ich gehöre eher zu denen, die bei dem ganz echten, gemeinhin als true bezeichneten Heavy Metal auch schnell mal zu viel kriegen. Ross hingegen schafft es mit seiner Truppe immer wieder, sich musikalisch nicht in Klischees zu verlieren, die Genregrenzen als flexibel zu betrachten und so auch 2020 noch klassischen Swords-and-Glory-Metal zu machen, der tatsächlich zündet, interessant ist und ganz ohne Spaß eigentlich jedem Heavy-Metal-Fan ernsthaft Laune machen sollte. In dem Genre ist der Mann einer der Großen, einer der Besten – und “Born Of Fire” meiner Meinung nach klar sein bisher bestes Album.

Anspieltipps:
Joah. Letztendlich Track 1 bis 12.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Glory To The Slain
02. I Am The Sword
03. Fight The Fight
04. Shotgun Evolution
05. Denied By The Cross
06. Maiden Of Shadows
07. Born Of Fire
08. Demon Holiday
09. Godkiller
10. Walking The Moon
11. Undying
12. The Blackest Heart

Jannis

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