HEADLESS BEAST – Phantom Fury

Band: Headless Beast
Album: Phantom Fury
Spielzeit: 61:04 min
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Housemaster Records
Veröffentlichung: 05.04.2019
Homepage: www.headless-beast.de

Was ja bei der Fertigstellung eines Albums gar nicht so irrelevant ist, wie man vielleicht annehmen mag: die Findung einer vernünftigen Songreihenfolge. Track 1 muss ballern, Track 2 kann etwas melodischer und langsamer sein, die erste Ballade darf frühestens Track 4 sein und wenn es zwei gibt, müssen mindestens zwei, drei Tracks zwischen ihnen liegen. Nach den Balladen müssen als Ausgleich wieder härtere Tracks folgen und der letzte Track muss nochmal herrausragend liefern. Auf keinen Fall dürfen sich am Anfang des Albums vier eher unspektakuläre Tracks befinden, spätestens dann macht nämlich ein Großteil der Hörer das Ding aus, weil er nicht damit rechnet, dass da noch was Krasses kommt.
Das ist so ein bisschen das Hauptproblem von “Phantom Fury”, dem zweiten Langspieler der fünf Ulmer von HEADLESS BEAST. Das nicht auf High-End-Level aber absolut stabil produzierte Album liefert auf zwölf Tracks und einer Stunde Spielzeit nach eigenen Angaben NwoBHM mit Teutonic-Metal-Anleihen. Kann man so stehen lassen, auch wenn der Fokus eher auf ersterem und auf Hard-Rock-Nuancen sowie ein wenig melodischem Thrash liegt.
Track 1 bis 4 sind dabei vergleichsweise klassisch. Track 1 ist wenig innovativer PRIEST-Metal, Track 2 auch eher konventionell (bis auf seine interessante sechstaktige Periodenarbeit), der dritte Track hat an Außergewöhnlichem einen entspannt rockigen Mittelteil als schönen Stilbruch parat und Track 4 übernimmt das Introriff von LORDIs “Chainsaw Buffet” und erinnert im weiteren Verlauf an Hard Rock der Marke AC/DC bzw. AIRBOURNE. Wirklich hängen bleibt von den Tracks aber nichts, sie sind schwer nach Genrekonventionen komponiert. Nett für nebenbei aber so auch schon oft gehört. Gut, dass es mein (unbezahlter) Job ist, jedes Album bis zum Ende durchzuhören, sonst wäre ich an der Stelle gewillt, “Phantom Fury” als Standardmaterial abzuspeichern und auf unbestimmte Zeit im Musikordner ruhen zu lassen – und damit wären mir und Euch einige Knaller entgangen, allen voran “Virtual Abyss”. Verdammt, Freunde, was eine Steigerung. Das Riff ist im besten Sinne übel, die Tonartenarbeit ebenso, der Refrain mit seinen geilen Backing Vocals auch. Das ist eine überraschende Steigerung der Kompositionsarbeit und plötzlich ist das Interesse wieder geweckt. Zurecht. Mit “Feed The Beast” und “The Darkness” kommen noch zwei kraftvolle, leicht balladige aber absolut ausreichend harte Rocker mit Ohrwurmpotenzial, “To The Grave” überzeugt mit feinem melodischen NwoBHM-Chorus (der wie auch andere der positiv hervorgehobenen an PRAYING MANTIS erinnert) und 1a darauf passendem Riff, und “Pray For Nothing” macht mit seinem OZZY-”No More Tears”-Gedenkriff und der liebevollen Durwendung im Refrain auch alles richtig. “Suicide Solution” ist simpel und sauer und “Black Reign” nochmal PRIEST im böse-schrubbigem und etwas thrashigen Gewand. Alles in allem: Auf “Phantom Fury” ist schon eher gewöhnliches Material dabei, das für’s nebenbei Hören geeigneter ist als für die konzentriertere Auseinandersetzung damit. Aber gleichermaßen finden sich auf dem Album auch ein paar ordentliche Brecher. Hat sich gelohnt, weiterzuhören!

Anspieltipps:
“Virtual Abyss”, “Feed The Beast”, “The Darkness”, “To The Grave” und “Suicide Solution”

Fazit:
Ein paar Songs auf nett gespielt-konventionellem 6,5/10er-Niveau, ein paar aber auch auf geil komponiert-grandiosem 9,5/10er-Niveau – Man sollte “Phantom Fury” nicht allzu voreilig als weitere höhepunktarme Genrekost abstempeln, denn nach dem ersten Drittel drehen die Jungs ordentlich auf. Entgegen meines ersten Eindrucks empfehle ich absolut, der Platte mal eine Chance zu geben!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Phantom Fury
02. Resurrection
03. One Year In Hell
04. Used To The Evil
05. Virtual Abyss
06. Feed The Beast
07. Suicide Solution
08. To The Grave
09. The Darkness
10. World Of Fear
11. Black Reign
12. Pray For Nothing

Jannis

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