HEARTLYNE – No Retreat No Surrender (Klassiker der Woche)

Band: Heartlyne
Album: No Retreat No Surrender
Spielzeit: 51:26 min.
Plattenfirma/Vertrieb: Yesterrock/NL Distribution
Veröffentlichung: 03.06.2009
Homepage: www.myspace.com/heartlyneberlin

Es geschehen noch Zeichen und Wunder, das war mein erster Gedanke, als ich vom Release des HEARTLYNE-Materials las. Denn aus mir nicht nachzuvollziehbaren Gründen wurden die Songs der (West-)Berliner Band, die zwischen 1986 und 1988 entstanden sind, bis heute noch nicht öffentlich zugänglich gemacht (wenn man ein paar unprofessionelle Bootlegs außen vor lässt). Zum einen war die damals ungünstige Lage Westberlins Grund dieses Zustandes, der Hauptgrund wird aber der Weggang von Sänger Tommy Heart zu V2 gewesen sein, denn was soll eine Band ohne Sänger anfangen?

Nun, das ist alles Geschichte, und die ist heute im Grunde oder speziell in diesem Fall auch ziemlich wurscht. Wahrscheinlich fängt beim Namen Tommy Heart (v) bei den Meisten von Euch das Gehirn an zu arbeiten und spuckt Namen wie FAIR WARNING, SOUL DOCTOR oder eben V2 aus, aber auch Chris Lyne (g), der zweite “Namensgeber” sollte nicht unerwähnt bleiben, wie natürlich auch die weiteren 4 Bandmitglieder Jogy Rautenberg (b, SKEW SISKIN), Alex Strauch (k, SHE´S CHINA), Karsten Krause (d) und Claus Johannsohn (g, DOUBLE ACTION). 4 der Akteure sind heute ja wieder bei SOUL DOCTOR vereint, dazu zählen die Gründer Tommy Heart und Chris Lyne, Alex Strauch stieß 2001 dazu und Jogy Rautenberg 2004.

Schauen wir uns doch mal die Inhaltsangabe auf dieser Packung an: 11 Einzelportionen melodischer Hardrock der Marke TREAT schallen aus den Boxen. Generell möchte ich behaupten, dass die Ausrichtung komplett undeutsch ist und sich sehr an Skandinavien orientiert. Das ist es auch, was mir an “No Retreat No Surrender” so gefällt, klassicher, purer 80ger Jahre AOR/Hardrock wie aus dem Bilderbuch. Ein Festmahl für jeden Fan solcher Klänge.

Wer sich jetzt ein Frühwerk von FAIR WARNING darunter vorstellt, den möchte ich vorsichtig warnen, denn weder Tommy Heart´s Stimme noch die Songs klingen nach den späteren Nippon-Superstars. “Und das ist auch gut so” würde ein berühmter Berliner Politiker sagen, denn HEARTLYNE haben genügend eigene Ideen zu bieten und versprühen den Charme der 80ger auf ihre Weise und festigen dieses Gerüst mit bärenstarken Song. Das Cover unterstreicht die “Misere”, warum die Fans so lange auf dieses Juwel warten mussten, denn irgendwie war die Berliner Mauer an den Umständen schuld, sonst hätte HEARTLYNE vielleicht eine ganz andere Karriere erwartet und wer weiß, ob die 6 Jungs heute noch zusammen musizieren würden.

Das Warten hat sich jedenfalls mehr als gelohnt, um das Vermächtnis dieser talentlierten Musiker nach über 20 Jahren in den Händen zu halten. Greift zu, solange die Möglichkeit dazu besteht, denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – im Falle eines Ausverkaufs von HEARTLYNE besonders schwer. Dieser Rundling ist auch nach gut 20 Jahren ein Dauerbrenner.

Trackliste:

01. Starlight
02. No Retreat No Surrender
03. Victims Of Your Love
04. Broken Promises
05. Strike An Arrow
06. Change (All Over The World)
07. Sacred Heart
08. Stay With Me
09. Empty Eyes
10. Don´t Walk Away
11. Starlight (different version)

Stefan

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HEAD EAST – A Different Kind Of Crazy (Klassiker der Woche)

Band: Head East
Album: A Different Kind Of Crazy
Spielzeit: 37:24 min.
Plattenfirma/Vertrieb: Yesterrock
Veröffentlichung: 1979/2010
Homepage: www.head-east.com

Kaum ein Rockklassiker einer relativ unbekannten Band wird noch heute so oft im Radio gespielt wie “If You Knew Me Better” von HEAD EAST. Dabei war die Combo aus South Central/USA ein typisches One Hit Wonder, denn obwohl sie einige Platten veröffentlicht haben und sich in den USA einen hohen Bekanntheitsgrad erarbeiten konnten, bekamen sie hier in Deutschland vor und nach ihrem Hit keinen Fuß mehr auf den kommerziellen Boden.

Vor drei Jahren wurde die Scheibe “A Different Kind Of Crazy” wiederveröffentlicht, natürlich mit an Bord: “If You Knew Me Better”! Doch, was hat der Rest der Langrille zu bieten? Digital Remastered wurde sie, aber leider ist kein Bonusmaterial vorhanden. Da habe ich doch gleich mal meine alte Schallplatte rausgezogen und sie vergleichsweise angehört. Ich muss auch ganz ehrlich gestehen, dass ich mir das Teil damals wegen besagtem Song gekauft hatte und nach einmaligem Anhören den Rest für nicht so erachtenswert gehalten hatte.

Manchmal muss man halt zu seinem Glück gezwungen werden, wenn auch fast 35 Jahre später, denn “A Different Kind Of Crazy” erschien ursprünglich schon 1979. Denn mit “Specialty”, “Lonelier Now” oder “Too Late” haben die Amis weit mehr zu bieten als lange von mir angenommen. Typisch amerikanischer Endsiebziger-Rock mit tollen Keyboards und einer außergewöhnlichen Stimme von John Schlitt (später bei den Christenrockern PETRA), melodisch und eingängig, jedoch nicht schmalzig und immer auf hohem Niveau – irgendwo zwischen STYX, JOURNEY und TOPAS (!!!).

Man lernt eben nie aus – und so kann es sein, dass man eine Scheibe, die schon Ewigkeiten im Regal steht, erst nach langen Jahren so richtig zu schätzen weiß. Eines ist jedoch sicher: ohne “A Different Kind Of Crazy” wären wir um einen unsterblichen Rockhit ärmer, ganz egal, was man vom Rest der Platte halten mag. Und wer schon länger auf eine Gelegenheit gewartet hat, sich diesen Klassiker nicht auf einem Sampler zu sichern, sollte zugreifen – besser spät als nie!

Trackliste:

01. Specialty See All
02. Keep A Secret See All
03. Feelin‘ Is Right
04. Lonelier Now
05. Morning
06. Got To Be Real
07. If You Knew Me Better
08. Too Late
09. Hard drivin‘ days

Stefan

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MICHAEL C. DRAGON – Transsylvania (Klassiker der Woche)

Band: Michael C. Dragon
Album: Transsylvania
Spielzeit: 28:36 min.
Veröffentlichungsjahr: 1997
Plattenfirma/Vertrieb: Privatpressung
Stilrichtung: Melodic Rock

Ein wirklich kurioses Stück Rockmusik habe ich hier ausgegraben. Beim Wühlen in den Tiefen meines CD-Regals stieß ich auf diese Privatpressung aus dem Jahre 1997, die ich ursprünglich durch Zufall mal in einer Disco gehört habe (bei uns auf dem Land wurde auch damals manchmal noch gute Musik gespielt).

An dieses gute Stück zu kommen, war damals, vor den „glorreichen“ Zeiten des World Wide Web, schon recht schwierig. Mit bürgerlichem Namen heißt Dragon eigentlich Manfred-Michael Seiler, heute macht der aus dem Siebenbürgenland stammende Künstler (daher auch der Albumtitel) ziemlich vielfältige Dinge, angefangen natürlich mit Musik und Musicals bis hin zu Kampfkunst und Theater.

Außerdem ist Dragon seit vielen Jahren Kulturdirektor der Raumfahrtbehörde ESA. Er hat außerdem beim GERMAN ROCK PROJECT mitgewirkt, das viele namhafte Musiker, darunter DORO, GAMMA RAY, AXEL RUDI PELL u.v.a. zusammengeführt hat.

Jetzt aber zurück zum hier vorliegenden Tonträger. Musikalisch ist „Transsylvania“ eine Mischung aus AOR und Melodic Rock mit viel Gefühl und tollen Melodien. Die geniale Ballade „Still Loving You“ erinnert an die besten Zeiten von BLUE TEARS und der straighte Rocker „Fire“ ist das passende Gegenstück, ein perfekter Midtempo-Stampfer. Teilweise klingen manche Teile, z.B. der Übergang zwischen Intro und Song bei „Transsylvania Calling“ und „Stop The Countdown“ etwas holprig und auch der Sound der einzelnen Songs ist ziemlich unterschiedlich, was darauf hindeutet, dass das Album nicht auf einmal eingespielt wurde. Das tut dem Hörgenuss dieser Melodic-Perlen aber keinen Abbruch. Das abschließende „Helden (Eisenhertz)“ ist eine deutsch gesungene Ballade, die manche als schmalzig hinstellen mögen, wäre der Song aber in Englisch, würde es nur wenige beschäftigen. Ich jedenfalls finde „Helden“, das übrigens nichts mit DAVID BOWIE´s „Heroes“ zu tun hat, eine gefühlvolle Ballade. Auch den Rest der Songs (mit Ausnahme von „Stop The Countdown“) empfinde ich als äußerst gelungen und absolut prädestiniert für diese Rubrik.

Schade, dass MICHAEL C. DRAGON nicht mehr in dieser Richtung veröffentlicht hat, denn sein musikalisches Spektrum ist recht breit gefächert. Vielleicht wäre es jetzt, da die melodische Rockmusik wieder etwas besser dasteht, an der Zeit, sich einem weiteren Melodic-Projekt zu widmen?!

Ach ja, wird diese Scheibe von einigen als absolut rar dargestellt, möchte ich darauf hinweisen, dass „Transsylvania“ noch immer auf DRAGON´s Internetseite www.dragonsworld.eu zu beziehen ist. Und genau das solltet Ihr tun, denn wer auf AOR/Melodicrock der Marke BLUE TEARS u.ä. steht, ist mit diesem Rundling gut bedient. Außerdem gibt eine um ein paar Stücke angereicherte Wiederveröffentlichung von Yesterrock – Ihr habt also die Wahl.

Trackliste:

01. Wishing
02. Transsylvania Calling (New Version)
03. Still Loving You
04. Fire
05. Stop The Countdown
06. Transsylvania Calling (Video Version)
07. Helden (Eisenhertz)

Stefan

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HEAVENS EDGE – Heavens Edge (Klassiker der Woche)

Band: Heavens Edge
Album: Heavens Edge
Spielzeit: 54:46 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Columbia
Veröffentlichung: 1990

Sie hatten alles: den Look, die Songs, ein vielversprechendes Album draußen und nebenbei waren sie noch eine fantastische Liveband. Dann kam der depressive Kurt und all die anderen Karohemdenträger mit der miesen Laune und niemand wollte mehr eine gute Zeit erleben –  der Rest ist Geschichte. Die Rede ist hier von HEAVENS EDGE, einer Hardrockband aus Philadelphia, die mit ihrem selbstbetitelten Debüt offene Türen auf der ganzen Welt hätten einrennen können. Wenn sie nur ein paar Jährchen früher dran gewesen wären.

Dabei fiel der Startschuss für den Fünfer schon im Jahre 1987, als Gitarrist Reggie Wu und Sänger Mark Evans die Band gründeten. Wu war ein Rebell in seiner Familie, denn seine Mutter war eine klassisch ausgebildete Pianistin und auch der junge Reggie wurde in diese Ecke gedrängt. Aber als er DEEP PURPLE´s „Machine Head“ in die Finger bekam, bestimmte der Rock´n Roll fortan sein Leben. Er spielte in der recht erfolgreichen Band WHITE FOXX bevor er Mark Evans traf, der seine Brötchen bei den göttlichen RED DAWN und seiner bis dato letzten Band NETWORK verdiente.

Während die beiden Auditions im Galaxy Club in Philadelphia abhielten, trafen sie auf Drummer Dave Rath und später wurde mit Bassist George G.G. Guidotti sowie dem zweiten Gitarristen Steven Parry das Team für das erste Album komplett. Allerdings wurden vorher einige andere Gitarristen ausprobiert, bis dieses Line-Up endlich durchstarten konnte. Kurze Zeit nachdem die Jungs ihre Unterschriften unter den Vertrag mit Columbia Records gesetzt hatten wurde ihr Bassist bei einem Gig angeschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. Ein Benefizkonzert mit Mitgliedern von Bands wie BRITNY FOX, CINDERELLA. TANGIER oder den HOOTERS brachte genug Geld ein, um die Krankenhausrechnungen zu bezahlen. Für die Aufnahmen hieß das aber: warten.

Und so dauerte es ein Weilchen, bis die Band zusammen mit dem britischen Produzenten Neil Kernon ins Studio ging, der „Heavens Edge“ einen glasklaren, knackigen Sound auf den Leib schneiderte. Axtschwinger Reggie Wu hätte im Studio leben können, denn mit Kernon hatte er den Mann an der Seite, der auch schon sein großes Idol George Lynch produziert hatte und Wu wollte genau diesen Sound. Andere Bandmitglieder indes waren bei Weitem nicht so grenzenlos glücklich mit Neil Kernon. Schlagzeuger Dave Rath bezeichnete ihn als Sklaventreiber und auch Sänger Mark Evans kam anfangs nicht mit dem Soundtüftler zurecht. Es war einfach eine neue Erfahrung, dass auf einmal jemand anders das Sagen hatte.

Und doch oder vielleicht gerade deswegen ist „Heavens Edge“ ein feuchter Traum für jeden Hardrockfan dieser Ära geworden. Alleine der erfolgreichste Titel „Skin To Skin“ ist ein Hammer vor dem Herrn. Ein wahnsinnig kerniger Sound, die geile Gitarrenarbeit von Reggie Wu, die tighte Rhymtmusabteilung sowie das traumhafte Organ von Mark Evans sind die perfekte Mischung. Und wer solche Übersongs wie „Play Dirty“, „Bad Reputation“ oder eine Ballade wie „Hold On To Tonight“ im Programm hat, muss sich überhaupt keine Sorgen machen. Aber auch das smarte „Come Play The Game“, das ruppige „Can´t Catch Me“ oder das vor Energie nur so strotzende „Is That All You Want?“ – übrigens eine Liveversion – sind Garanten für gute Laune und Kurzweil.

Aber warum ging das Unternehmen HEAVENS EDGE dermaßen schief? Der erste Schlag ins Gesicht war ein Wechsel im Management ihrer Plattenfirma. Der neue Mann mochte lieber Bands wie ALICE IN CHAINS oder LOVE/HATE und der erste Umbruch fand bereits statt. Ein bereits begonnenes zweites Album wurde kurzerhand eingefroren und sah zusammen mit einigen neuen Stücken erst 1998 als „Some Other Place, Some Other Time“ über MTM Records das Licht der Welt. Die US-Version hat übrigens 6 weitere Songs zu bieten und auch dieses superbe Debüt erfuhr 2010 über Rock Candy Records einen gewohnt hochwertigen Re-Release. Als Bonus gibt es hier 3 Demoversionen von Non-Album Tracks.

„Heavens Edge“ ist und bleibt ein außerordentliches Dokument amerikanischer Hardrock-Kunst. Vor ein paar Wochen traten die Jungs auch beim Firefest 2013 in Nottingham auf. Wollen wir mal sehen, ob sich nicht vielleicht doch ein drittes Album zu uns verirrt. Die Klasse der ersten beiden Werke spricht für sich.

Trackliste:

01.    Intro
02.    Play Dirty
03.    Skin To Skin
04.    Find Another Way
05.    Up Against The Wall
06.    Hold On To Tonight
07.    Can´t Catch Me
08.    Bad Reputation
09.    Daddy´s Little Girl
10.    Is That All You Want?
11.    Come Play The Game
12.    Don’t´Stop, Don´t Go

Stefan

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http://rock-garage-magazine.blogspot.de/p/klassiker-der-woche_22.html

THE BLACK CROWES – Shake Your Money Maker (Klassiker der Woche)

Band: The Black Crowes
Album: $hake Your Money Maker
Spielzeit: 43:46 min.
Stilrichtung: Hardrock, Rock´n Roll, Blues
Plattenfirma: American Recordings
Veröffentlichung: 1990
Homepage: www.blackcrowes.com

Marietta, Georgia – Mitte der Achtziger: Genauer gesagt 1984. die Brüder Chris (vocals) und Rich (guitars) Robinson gründen zusammen mit Keith Joyner (bass) und Jeff Sullivan (drums) die Formation MR. CROWE´S GARDEN. Erst während der Aufnahmen zum Debütalbum benennt man sich um in THE BLACK CROWES. Da sind Joyner und Sullivan schon lange nicht mehr mit dabei. Außerdem die Band ist mittlerweile nach Atlanta umgesiedelt. Schlagzeuger Steve Gormann und Bassist Johnny Colt übernehmen die vakanten Posten und mit Jeffrey Cease kommt ein zweiter Sechssaiter ins Spiel.

Los Angeles, Kalifornien – ebenfalls Mitte der Achtziger: der Sunset Strip quillt bald über mit unzähligen Bands, die sich zur gewaltigen Hairmetal-Szene zählen. In den Jahren bis 1991/92 werden noch Tausende folgen. Neben dieser damals maßgeblichen Richtung gibt es innerhalb der Metalszene noch viele andere Gruppierungen (egal ob Thrash, Death, klassischer Heavy Metal etc.), die dieses Jahrzehnt zum vielfältigsten und größten in der Geschichte machen werden.

Mit all dem haben THE BLACK CROWES nix am Hut. Sie müssen sich ähnlich verloren gefühlt haben wie ein Hairmetal-Fan Ende der Neunziger. Denn das Steckenpferd der Robinson Brüder und der übrigen Bande war der Blues, der Rock´n Roll und somit Bands wie die FACES, HUMBLE PIE, THE ROLLING STONES oder LYNYRD SKYNYRD. Und diese Musik war Mitte der Achtziger so tot wie ein gut durchgebratener Burger.

Trotzdem erhielt die Band bei American Recordings einen Vertrag. Labeleigner und Produzent Rick Rubin (SLAYER, METALLICA etc.) hat den Jungs George Drakoulias ans Aufnahmepult gesetzt und für „$hake Your Money Maker“ wurden flugs 12 neue Songs geschrieben, von denen schlussendlich 9 auf der Platte gelandet sind. Zusammen mit der Coverversion von „Hard To Handle“ – im Original von OTIS REDDING. Dieser Song wurde kurioserweise auch der größte Hit des Debüts, das später mit 5-fach Platin alleine in den USA ausgezeichnet wurde. Aber auch der Opener „Twice As Hard“, die Ballade „She Talks To Angels“ (dem einzigen älteren Song, der verwendet wurde) und „Jealous Again“, der ersten von fünf Singles.

“$hake Your Money Maker“ ist ein cooler Bastard aus Rock´n Roll und Blues mit einem damals zeitgemäßen Sound. Die Platte atmet sowohl den Spirit der alten Helden, lebt aber auch durch das tolle Zusammenspiel der Robinson Brüder, das auch auf der Bühne immer einzigartig war. Für das Piano, das in einigen Stücken eingesetzt wurde zeichnete sich übrigens Chuck Leavell von der ALLMANN BROTHERS BAND verantwortlich.

Mit diesem Longplayer haben THE BLACK CROWES einen Kickstart hingelegt. Einige Millionen verkaufte Exemplare machten die Arbeiten für einen Nachfolger nicht einfacher. Der Druck muss immens gewesen sein. Dennoch konnte man mit „The Southern Harmony And Musical Companion“ gehörig nachlegen. Hits wie “Remedy” oder “Sting Me” zeugen davon. Allerdings hat sich das Klima geändert, als die Platte 1992 auf den Markt kommt. THE BLACK CROWES konnten diesen Umstand aber einigermaßen verkraften, da sie auch vorher trotz des großen Erfolgs nicht in einem Metier mitschwammen, das jetzt verpönt war. Trotz erster Änderungen in der Bandbesetzung folgten bis zur einstweiligen ersten Auflösung noch einige tolle Alben, die das Bild einer großen Band zeichnen.

Wie so oft blieb das Debüt aber das erfolgreichste und bekannteste Werk einer Band, die auch heute noch einzigartig ist. Und „$hake Your Money Maker“ ist ein von vorne bis hinten ein geniales Stück Rockmusik!

Trackliste:

01. Twice As Hard
02. Jealous Again
03. Sister Luck
04. Could I´ve Been So Blind
05. Seeing Things
06. Hard To Handle
07. Thick´n Thin
08. She Talks To Angels
09. Struttin´ Blues
10. Stare It Cold

Stefan

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WALL OF SILENCE – Shock To The System (Klassiker der Woche)

Band: Wall Of Silence
Album: Shock To The System
Spielzeit: 48:24 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: Long Island Records
Veröffentlichung: 1992
Homepage: –

Ursprünglich sollte an dieser Stelle die 1995 erschienene Compilation „Works“ besprochen. Doch nach mehrmaligem Hören entschieden wir uns doch für das 1992 veröffentlichte, einzige Werk „Shock To The System“. Bei einigen werden jetzt die ersten Fragezeichen auftauchen: einziges Werk, wie kann es dann eine Compilation geben? Ganz einfach – die 1995 veröffentlichte Zusammenstellung „Works“ bestand aus dem dem einzigen Album „From Out Of Nowhere“ (1989) der kanadischen Gruppe THE WORKS und dem einzigen Werk „Shock To The System“ von WALL OF SILENCE (1992). Beide Bands hängen eng zusammen, denn zuerst waren Brian Malone (vocals), Jim Huff (guitars), Stuart Zaltz (keyboards), Paul Marangoni (drums) und Klyph Black (bass) als THE WORKS unterwegs. Daraus entstand kurze Zeit später die Band WALL OF SILENCE mit Malone, Huff und Zaltz sowie Scott Lucas (drums) und Tim Harrington (bass).

Die Anfänge der kanadischen Rocker WALL OF SILENCE liegen also sehr nahe am Split von WORKS. Dafür gehen WALL OF SILENCE um einiges rockiger zu Werke während WORKS eher im technischen AOR-Bereich angesiedelt waren. Kein Wunder, denn mit Mike Slamer (STEELHOUSE LANE, STREETS, CITY BOY etc.) saß ein erfahrener Mann an am Mischpult und dazu noch einer, der seinen Input perfekt einzubringen wusste. Wer auf melodischen Rock der Marke NELSON, SIGNAL oder UNRULY CHILD steht, wird mit „Shock To The System“ sicher etwas anfangen können.

Und mehr noch, denn mit dem grandiosen „Addicted“ steht ein waschechter Hit auf dem Programm, der früher wohl jede Rockdiskothek in Wallung brachte. Aber auch der eröffnende Titeltrack, das tolle „Edge Of A Heartbreack“ oder die wunderbare Ballade „It´s Only Love“ sind große Klasse. Auch das an GIANT erinnernde „Blood Is Thicker Than Water“ oder die zweite Ballade „Stop The Rain“ müssen hier genannt werden.

Leider waren WALL OF SILENCE mit ihrem Album spät dran. 1992 interessierte sich natürlich kein Schwein mehr für derart antiquierte Musik. OK, es gab sicher genügend Leute, die es interessiert hätte, aber die Medien waren voll mit der Grunge-Geschichte befasst und somit hatten es Bands wie WALL OF SILENCE extrem schwer, überhaupt gespielt zu werden. Den Rest könnt Ihr Euch denken, nach nur diesem einen Longplayer löste sich die Band auf und „Shock To The System“ blieb ihr einziges Vermächtnis. 1995 packte Long Island Records die beiden Alben von WALL OF SILENCE und WORKS auf einen Silberling und veröffentlichte die beiden Platten neu. Welche Version der beiden Releases heute mehr gesucht ist, kann nur vermutet werden. Sollte Euch zufällig eine davon zu einem angemessenen Preis über den Weg laufen, lohnt es sich auf jeden Fall, zuzugreifen.

Trackliste:

1. Shock To The System
2. Edge Of A Heartbreak
3. It´s Only Love
4. Last Nite
5. Blood Is Thicker Than Water
6. Addcited
7. Prove Your Love
8. Skin And Bones
9. Stop The Rain
10. Nobody´s Hero

Stefan

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BRIAN MCDONALD GROUP – Desperate Business (Klassiker der Woche)

Band: Brian McDonald Group
Album: Desperate Business
Spielzeit: 41:23 min.
Plattenfirma/Vertrieb: Yesterrock
Veröffentlichung: 1987/2010
Homepage: www.brianmcdonald.com

Eigentlich muss man für dieses Juwel gar keine Besprechung verfassen. Denn der Erstling aus dem Jahre 1987 hat sowohl unter den AOR-Jüngern als auch den Anhängern härterer Klänge Kultstatus. BON JOVI, gepaart mit DEF LEPPARD und dem Feeling des Top Gun Soundtracks – das ist der Stoff aus dem die feuchten Träume der späteren 1980er gemacht waren.

Das alles fett produziert von Meister Beau Hill, wenn das keine Ausgangspunkte für einen Abräumer sind? Aber leider blieb Brian McDonald mit seinen Mannen der große Erfolg verwehrt und außer den eingefleischten Fans erinnert sich heute kaum mehr jemand an “Desperate Business”. Dass das ein großer Fehler ist liegt auf der Hand. Schon der Eröffnungsreigen mit “No Control” bläst so ziemlich alles weg und auch die folgenden 9 Stücke lassen kaum Wünsche offen.

“These Are The Good Times” (mit Background Vocals von FIONA), “Rocking With The Boys”, “This Lonely Heart” oder “Highway Desire” gehören einfach zu den Must Have´s. Verfeinert wurden einige Songs von Reb Beach, derdie Lead-Guitars dazu beisteuerte.

Natürlich wurden alle 10 Songs remastered, Bonustracks gibt es aber leider keine. Das ist aber keine Ausrede, sich nicht endlich auf die Socken zu machen und eine kleine Zeitreise back to the 80´s zu machen. Pflicht!

Trackliste:

01. No Control
02. These Are The Good Times
03. This Lonely Heart
04. Life Is A Desperate Business
05. Back Home Again
06. Rockin’ With The Boys
07. Just Imagination
08. Stay With Me
09. Everynight
10. Highway Desire

Stefan

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AXXIS – Kingdom Of The Night / II (Klassiker der Woche)

Band: Axxis
Album: Kingdom Of The Night / II
Spielzeit: 46:00 min. / 44:57 min.
Stilrichtung: Melodic Rock, Hardrock
Plattenfirma: EMI Electrola
Veröffentlichung: 1989 / 1990
Homepage: www.axxis.de

Ab und zu gibt es Bands, die unter dem gleichen Banner gleich zwei Karrieren forcieren. Das geht ziemlich oft in die Hose. In seltenen Fällen gelingt es aber doch, mit einer anderen Musikrichtung Erfolg zu haben und noch glaubwürdig zu sein. Die deutsche Kapelle AXXIS ist so ein seltenes Beispiel. 1988 als reinrassige Melodic/- Hardrockband gegründet, mauserten sich Dortmunder um Frontsirene und Laberbacke Bernhard Weiß hin zum reinrassigen Power Metal Act. Nicht allerdings ohne einige Umwege, denn speziell in den Neunziger Jahren fuhr man mit Alben wie „Matters Of Survival“ (1995) und „Voodoo Vibes“ (1997) eine eindeutig modernere Schiene. Nach einer Runderneuerung im Line-Up waren AXXIS im Jahr 2000 mit neuem Album und frisch gerichtetem Krönchen wieder da. Seitdem entwickelte man den Sound stetig in Richtung Power Metal und ist seit längerer Zeit auch erfolgreich damit. Allerdings leistete man sich in jüngerer Vergangenheit mit dem Coverscheibchen „reDISCOvered“ (2012) auch einen gewaltigen Ausrutscher, der aber prompt mit dem diesjährigen Doppelschlag „Kingdom Of The Night II“ als Black und White Edition wieder wettgemacht wurde.

Objekt unserer heutigen Besprechung sind gleich zwei Alben der Herren Bernhard Weiß (vocals), Walter Pietsch (guitars), Werner Kleinhans (bass) und Richard Michalski (drums) – so die damalige Besetzung (für „II“ kam noch Harry Oellers (keyboards) hinzu). Das 1989 erschienene „Kingdom Of The Night“ und das nur ein Jahr später folgende „II“. Nachdem die Band mit nur einem Demosong im Gepäck einen Deal bei der EMI ergattert hatten, hinterließen sie mit „Kingdom Of The Night“ einen äußerst starken Eindruck. Allen voran natürlich mit der Hymne „Living In A World“ (die gleich in zwei Versionen aufs Album kam). Aber auch ihr erster Song, die Ballade „Tears Of The Trees“ oder das großartige „Fire And Ice“ (ebenfalls eine Ballade) zeugen vom großen Talent von AXXIS. Daneben gibt es mit „Never Say Never“, „Young Souls“ oder „The Moon“ genug rockige Stücke.

Schon ein Jahr danach legten AXXIS „II“ nach. Neben „Touch The Rainbow“ (in welcher Rockdiscothek wurde dieser Song früher nicht gespielt?) und dem Ohrwurm „Little Look Back“ gab es auch das relaxte „Ships Are Sailing“ oder das deftige „Rolling Like Thunder“. Das Eröffnungsduo „The World Is Looking In Their Eyes“ und „Save Me“ könnte neu aufgenommen auch dem heutigen Power Metal Standard genügen. Mit „Hold You“ war natürlich auch eine mitreißende Ballade vertreten. Dazwischen immer noch schmackhaftes wie der AOR Song „Face To Face“ oder das fröhliche „Gimme Back The Paradise“.

Auch wenn speziell „II“ aus heutiger Sicht überproduziert wirkt – der Charme der Songs liegt auch im etwas verwaschen klingenden Bombastsound typisch deutscher Prägung mit unendlich viel Hall und Bling Bling. Das Frühwerk von AXXIS ist und bleibt unverzichtbar. 1993 legten sie mit „The Big Thrill“ ein ebenfalls gutes Album nach, das durch einen reduzierten, knochentrockenen Sound überzeugte. Die Hitdichte war allerdings nicht mehr so hoch und so bleiben „Kingdom Of The Night“ und „II“ immer noch die stärksten Alben der heutigen Power Metaller.

Trackliste:

”Kingdom Of The Night”

01. Living In A World
02. Kingdom Of The Night
03. Never Say Never
04. Fire And Ice
05. Young Souls
06. For A Song
07. Love Is Like An Ocean
08. The Moon
09. Tears Of The Trees
10. Just One Night
11. Kings Made Of Steel
12. Living In A World (Extended Version)

”II”

01. The World Is Looking In Their Eyes
02. Save Me
03. Touch The Rainbow
04. Rolling Like Thunder
05. Hold You
06. Ships Are Sailing
07. Little Look Back
08. Face To Face
09. Get Down
10. Gimme Back The Paradise
11. Hold You (Acoustic Version)

Stefan

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ROKO – Roko (Klassiker der Woche)

Band: Roko
Album: Roko
Spielzeit: 55:35 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Polydor
Veröffentlichung: 1990
Homepage: www.roko-media.de

Als 1990 das Erstlingswerk der deutschen Hardrocker ROKO auf den Markt kam, war die Welt für derart gelagerte Bands und deren Fans noch in Ordnung. Die nach Bandgründer Robert Kohlmeyer benannte Formation war aber nicht die erste Station des Sängers, Gitarristen und Songwriters. Seine erste Band gründete er bereits 1979 im zarten Alter von 12 Jahren und spätestens mit JOJO (bei denen auch einige TOKYO-Musiker zockten) und deren gleichnamigen Langspieler sollte sich der Erfolg einstellen. Doch nach nur einem Album kam der Bruch und Kohlmeyer gründete ROKO. Mit zum Line-Up zählten auch Jürgen Beitel (keyboards), Ricky Lee (drums), Andre Pasquier (bass) und Marc Bugnard (guitars). Namensgeber und Chefdenker Kohlmeyer übernahm neben der Sechssaitigen auch den Gesang.

Dafür fiel man in die holländischen Wisseloord Studios ein, wo man mit Bob Marlette im Produzentenstuhl zusammenarbeitete. Zuvor hatte man die Songs, die allesamt aus der Feder von Kohlmeyer stammten, bereits im heimischen Frankfurt vorproduziert. In Hilversum kam dann noch der Bombast hinzu, den die Band aber eigentlich gar nicht wollte. Aber wer zahlt, bestimmt, und so setzte sich natürlich die Plattenfirma durch. Und so wurde „Roko“ mit einem ziemlich überproduzierten Sound ausgestattet. Aber die Songs knallen dafür richtig aus den Boxen, was ihnen ziemlich wenig Luft zum Atmen lässt.

Die hat auch der Hörer nicht, denn schon der erste Track „One Night Stand“ ist ein Kracher vor dem Herrn. Mit jeder Menge Power, aber auch Unmengen an Hall auf einem ziemlich in den Vordergrund gemischten Schlagzeug, entfaltet dieser Killertrack schon nach dem ersten Hören seine Reize. Auch nach fast 25 Jahren ein Genuss! Mit „Jane“ folgt gleich darauf eine Coverversion von JEFFERSON STARSHIP´s Hit aus dem Jahre 1979. Auch für ROKO wirkte sich die Nummer und das dazugehörige Video, das auf MTV rotierte, positiv aus. Nach dem etwas überambitionierten „Satisfaction“ (hier hätte etwas weniger Bombast wirklich gut getan) folgt mit „Could You Be My Love“ eine gefühlvolle Ballade. Der Stampfer „Take It Easy“ baut die Brücke für den nächsten Hit „Burnin´ Love“, das man in die gleiche Schublade stecken könnte wie den genialen Opener, ohne eine Kopie dessen zu sein.

Mit 13 Stücken läuft die Platte natürlich Gefahr, dass sich einige Füller eingeschlichen haben. Zum Glück ist das hier praktisch nicht der Fall. Zwar kann man nicht mehr an die ganz großen Melodiemonster der ersten Hälfte anknüpfen, aber mit „Fantasy“ oder „All Over Now“ gibt es noch genügend erstklassiges Material, um bis zur Ziellinie, der superben Powerballade „Hold On“ durchzuhalten. Diese ist übrigens auch auf dem Sampler „Metal Ballads Vol. 3“ vertreten.

Zwei Jahre später konnten ROKO mit „Open Invitation“ ein weiteres sehr gutes Album nachlegen, das etwas weniger bombastisch produziert wurde. Doch dann war selbst in Deutschland der Ofen aus für herkömmlichen melodischen Hardrock. 1994 („Think About Tomorrow“) und 1997 („Fantasy“) erblickten zwei weitere Silberlinge das Licht der Welt, wobei ersterer dem damaligen Zeitgeist entsprechend düsterer aber auch frei von allem Ballast klang. Für das 1997er Album zeichnete sich Roko Kohlmeyer alleine verantwortlich, nur Schlagzeuger Ricky Lee wird noch auf der Besetzungsliste geführt.

ROKO´s Einstand ist ein herrliches Beispiel für Hardrock aus Deutschland. Zwar sind einige Parallelen zu BONFIRE oder auch den SCORPIONS zu erkennen, der Großteil der Songs macht dem Prädikat „Klassiker“ aber alle Ehre. Heute betreibt Robert Kohlmeyer eine Agentur, die alle Art von Musik- und Filmproduktionen sowie Werbung anbietet. Hier könnt Ihr auch die längst vergriffenen Alben als legalen Download erwerben. Natürlich auch das Debüt „Roko“!

Trackliste:

01. One Night Stand
02. Jane
03. Satisfaction
04. Could You Be My Love
05. Take It Easy
06. Burnin´ Hearts
07. Don´t Turn Around
08. Fantasy
09. Looking For Love
10. All Over Now
11. On My Way
12. Why Won´t You
13. Hold On

Stefan

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RUNNING WILD – Black Hand Inn (Klassiker der Woche)

Band: Running Wild
Album: Black Hand Inn
Spielzeit: 65:50 min.
Stilrichtung: Pirate Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: EMI
Veröffentlichung: 1994
Homepage: www.runningwild.de

Die Piraten Metaller RUNNING WILD sind ein wichtiger Eckpfeiler der deutschen Metallandschaft. Auch wenn sich die einstige Institution nach und nach immer mehr selbst demontiert hat. Alleine die Nennung des Namens Angelo Sasso hat sich zum Running Gag entwickelt. Wie passend…
Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass Bandgründer und Alleinherrscher Rolf „Rock´n Rolf“ Kasparek viele großartige Alben mit unterschiedlichen Musikern zu verantworten hat. Bereits 1976 gründete er zusammen mit Uwe Bendig (guitars), Michael Hoffmann (bass) und Wolfgang Hagemann (drums) die Kapelle GRANTE HEARTS. Das waren sozusagen die Vorreiter von RUNNING WILD, Hoffmann wurde durch Matthias Kaufmann ersetzt und so nannte man sich ab Anfang der Achtziger nach einem Song der Vorbilder JUDAS PRIEST.

Nach dem ersten offziellen Album “Gates To Purgatory” lastete dem Gespann allerdings eine okkulte Aura an, die sie so gar nicht wollten. Ab dem dritten Longplayer “Under Jolly Roger” bauten RUNNING WILD ihr Piraten-Image immer weiter aus und waren so praktisch einzigartig. Wichtige Alben gab es im Laufe der Jahre genug – angefangen vom bereits erwähnten „Under Jolly Roger“ mit Highlights wie dem Titeltrack oder der Hymne „Raise Your Fist“ über „Death Or Glory“ (incl. „Riding The Storm“) oder der etwas in Vergessenheit geratenen EP „Wild Animal“, auf der eine hitverdächtige Neueinspielung von „Chains & Leather“ vom Zweitwerk „Branded And Exiled“ enthalten ist haben die Piraten Metaller in den ersten fünfzehn Jahren ihrer Karriere nicht ein schwaches Album aufgenommen.

Den Höhepunkt allerdings erreichen sie 1994 mit dem Konzeptalbum „Black Hand Inn“. Dieses handelt von der Inquisition und verbindet vielschichtig weitere Erzählungen bis hin zu den Prophezeiungen des Nostradamus. Musikalisch präsentieren sich RUNNING WILD – obwohl schon fast ein Soloprojekt Rock´n Rolf´s – extrem kompakt. Das wird unter anderem dem Neuzugang am Drumkit Jörg Michael zu Gute gehalten. Ebenfalls neu an der Gitarre ist Thilo Hermann. Bassist Thomas Smuszynski ist schon seit dem Vorgänger „Pile Of Skulls“ von 1992 dabei.

Während gut 65 Minuten werden 11 Geschichten vertont, die Band und somit auch Rock´n Rolf auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft zeigt. Leitet das Intro „The Curse“ den Hörer geschickt in die folgenden Geschichten ein, bläst der Titetltrack sobald zum Angriff. „Black Hand Inn“ ist eine Vollgasnummer mit Doublebass Salven und schnellen Gitarrenleads. Eingängiger kommt das schon „Mr. Deadhead“ um die Ecke. Nach dem rockigen „Soulless“ folgt die einzige Singleauskopplung „The Privateer“ – abermals ein schneller Nackenbrecher.

Mit „Fight The Fire Of Hate“ haben RUNNING WILD dann eine weitere großartige Hymne im Gepäck, die den älteren Hits in nichts nachsteht. „The Phantom Of Black Hand Inn“ ist eher wieder eine typische Piratennummer bevor es bei „Freewind Rider“ erstaunlich rockig zugeht. Auch die verbleibenden beiden Stücke „Powder & Iron“ und „Dragonmen“ können das enorm hohe Nivau halten. Zu guter Letzt warten Rock´n Rolf und seine Mannen mit „Genesis (The Making And Fall Of Man)“ mit einem wahrlich epischen Kunstwerk auf. Ganz nebenbei mit über einer viertel Stunde Spielzeit das längste Lied überhaupt im Repertoire der Band.

Auf „Black Hand Inn“ passt einfach alles: die Geschichte, die Songs, das Cover (abermals von Andreas Marschall). RUNNING WILD haben ihr Meisterstück abgeliefert. Auch wenn der Sound von Charlie Bauernfeind etwas druckvoller aus den Boxen kommen könnte.

In der Folge hatte Rock´n Rolf noch größere Pläne, denn mit der als Trilogie angelegten Geschichte der nächsten drei Alben „The Masquerade“, „The Rivalry“ und „Victory“ hat er sich dann doch etwas überschätzt. Zwar enthält speziell das Folgealbum tolle Songs, jedoch entwickelt sich der Sound der Piraten Metaller immer weiter in eine Richtung, die einfach zu klinisch war. Auch viele Songs waren nicht stark genug, um gegen das Bollwerk der eigenen Vergangenheit anzukommen.

„Black Hand Inn“ ist und bleibt das kompletteste Werk in der langen Diskographie von RUNNING WILD. Auch wenn es zu einer Zeit veröffentlicht wurde, als der Heavy Metal am Boden lag, genießt es bis heute höchsten Respekt – sowohl von den Fans als auch von der Presse!

Trackliste:

01. The Curse
02. Black Hand Inn
03. Mr. Deadhead
04. Soulless
05. The Privateer
06. Fight The Fire Of Hate
07. The Phantom Of Black Hand Hill
08. Freewind Rider
09. Powder & Iron
10. Dragonmen
11. Genesis (The Making And The Fall Of Man)

Stefan

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