HEAVENS EDGE – Heavens Edge (Klassiker der Woche)

Band: Heavens Edge
Album: Heavens Edge
Spielzeit: 54:46 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Columbia
Veröffentlichung: 1990

Sie hatten alles: den Look, die Songs, ein vielversprechendes Album draußen und nebenbei waren sie noch eine fantastische Liveband. Dann kam der depressive Kurt und all die anderen Karohemdenträger mit der miesen Laune und niemand wollte mehr eine gute Zeit erleben –  der Rest ist Geschichte. Die Rede ist hier von HEAVENS EDGE, einer Hardrockband aus Philadelphia, die mit ihrem selbstbetitelten Debüt offene Türen auf der ganzen Welt hätten einrennen können. Wenn sie nur ein paar Jährchen früher dran gewesen wären.

Dabei fiel der Startschuss für den Fünfer schon im Jahre 1987, als Gitarrist Reggie Wu und Sänger Mark Evans die Band gründeten. Wu war ein Rebell in seiner Familie, denn seine Mutter war eine klassisch ausgebildete Pianistin und auch der junge Reggie wurde in diese Ecke gedrängt. Aber als er DEEP PURPLE´s „Machine Head“ in die Finger bekam, bestimmte der Rock´n Roll fortan sein Leben. Er spielte in der recht erfolgreichen Band WHITE FOXX bevor er Mark Evans traf, der seine Brötchen bei den göttlichen RED DAWN und seiner bis dato letzten Band NETWORK verdiente.

Während die beiden Auditions im Galaxy Club in Philadelphia abhielten, trafen sie auf Drummer Dave Rath und später wurde mit Bassist George G.G. Guidotti sowie dem zweiten Gitarristen Steven Parry das Team für das erste Album komplett. Allerdings wurden vorher einige andere Gitarristen ausprobiert, bis dieses Line-Up endlich durchstarten konnte. Kurze Zeit nachdem die Jungs ihre Unterschriften unter den Vertrag mit Columbia Records gesetzt hatten wurde ihr Bassist bei einem Gig angeschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. Ein Benefizkonzert mit Mitgliedern von Bands wie BRITNY FOX, CINDERELLA. TANGIER oder den HOOTERS brachte genug Geld ein, um die Krankenhausrechnungen zu bezahlen. Für die Aufnahmen hieß das aber: warten.

Und so dauerte es ein Weilchen, bis die Band zusammen mit dem britischen Produzenten Neil Kernon ins Studio ging, der „Heavens Edge“ einen glasklaren, knackigen Sound auf den Leib schneiderte. Axtschwinger Reggie Wu hätte im Studio leben können, denn mit Kernon hatte er den Mann an der Seite, der auch schon sein großes Idol George Lynch produziert hatte und Wu wollte genau diesen Sound. Andere Bandmitglieder indes waren bei Weitem nicht so grenzenlos glücklich mit Neil Kernon. Schlagzeuger Dave Rath bezeichnete ihn als Sklaventreiber und auch Sänger Mark Evans kam anfangs nicht mit dem Soundtüftler zurecht. Es war einfach eine neue Erfahrung, dass auf einmal jemand anders das Sagen hatte.

Und doch oder vielleicht gerade deswegen ist „Heavens Edge“ ein feuchter Traum für jeden Hardrockfan dieser Ära geworden. Alleine der erfolgreichste Titel „Skin To Skin“ ist ein Hammer vor dem Herrn. Ein wahnsinnig kerniger Sound, die geile Gitarrenarbeit von Reggie Wu, die tighte Rhymtmusabteilung sowie das traumhafte Organ von Mark Evans sind die perfekte Mischung. Und wer solche Übersongs wie „Play Dirty“, „Bad Reputation“ oder eine Ballade wie „Hold On To Tonight“ im Programm hat, muss sich überhaupt keine Sorgen machen. Aber auch das smarte „Come Play The Game“, das ruppige „Can´t Catch Me“ oder das vor Energie nur so strotzende „Is That All You Want?“ – übrigens eine Liveversion – sind Garanten für gute Laune und Kurzweil.

Aber warum ging das Unternehmen HEAVENS EDGE dermaßen schief? Der erste Schlag ins Gesicht war ein Wechsel im Management ihrer Plattenfirma. Der neue Mann mochte lieber Bands wie ALICE IN CHAINS oder LOVE/HATE und der erste Umbruch fand bereits statt. Ein bereits begonnenes zweites Album wurde kurzerhand eingefroren und sah zusammen mit einigen neuen Stücken erst 1998 als „Some Other Place, Some Other Time“ über MTM Records das Licht der Welt. Die US-Version hat übrigens 6 weitere Songs zu bieten und auch dieses superbe Debüt erfuhr 2010 über Rock Candy Records einen gewohnt hochwertigen Re-Release. Als Bonus gibt es hier 3 Demoversionen von Non-Album Tracks.

„Heavens Edge“ ist und bleibt ein außerordentliches Dokument amerikanischer Hardrock-Kunst. Vor ein paar Wochen traten die Jungs auch beim Firefest 2013 in Nottingham auf. Wollen wir mal sehen, ob sich nicht vielleicht doch ein drittes Album zu uns verirrt. Die Klasse der ersten beiden Werke spricht für sich.

Trackliste:

01.    Intro
02.    Play Dirty
03.    Skin To Skin
04.    Find Another Way
05.    Up Against The Wall
06.    Hold On To Tonight
07.    Can´t Catch Me
08.    Bad Reputation
09.    Daddy´s Little Girl
10.    Is That All You Want?
11.    Come Play The Game
12.    Don’t´Stop, Don´t Go

Stefan

Hier findet Ihr weitere:
http://rock-garage-magazine.blogspot.de/p/klassiker-der-woche_22.html

THE BLACK CROWES – Shake Your Money Maker (Klassiker der Woche)

Band: The Black Crowes
Album: $hake Your Money Maker
Spielzeit: 43:46 min.
Stilrichtung: Hardrock, Rock´n Roll, Blues
Plattenfirma: American Recordings
Veröffentlichung: 1990
Homepage: www.blackcrowes.com

Marietta, Georgia – Mitte der Achtziger: Genauer gesagt 1984. die Brüder Chris (vocals) und Rich (guitars) Robinson gründen zusammen mit Keith Joyner (bass) und Jeff Sullivan (drums) die Formation MR. CROWE´S GARDEN. Erst während der Aufnahmen zum Debütalbum benennt man sich um in THE BLACK CROWES. Da sind Joyner und Sullivan schon lange nicht mehr mit dabei. Außerdem die Band ist mittlerweile nach Atlanta umgesiedelt. Schlagzeuger Steve Gormann und Bassist Johnny Colt übernehmen die vakanten Posten und mit Jeffrey Cease kommt ein zweiter Sechssaiter ins Spiel.

Los Angeles, Kalifornien – ebenfalls Mitte der Achtziger: der Sunset Strip quillt bald über mit unzähligen Bands, die sich zur gewaltigen Hairmetal-Szene zählen. In den Jahren bis 1991/92 werden noch Tausende folgen. Neben dieser damals maßgeblichen Richtung gibt es innerhalb der Metalszene noch viele andere Gruppierungen (egal ob Thrash, Death, klassischer Heavy Metal etc.), die dieses Jahrzehnt zum vielfältigsten und größten in der Geschichte machen werden.

Mit all dem haben THE BLACK CROWES nix am Hut. Sie müssen sich ähnlich verloren gefühlt haben wie ein Hairmetal-Fan Ende der Neunziger. Denn das Steckenpferd der Robinson Brüder und der übrigen Bande war der Blues, der Rock´n Roll und somit Bands wie die FACES, HUMBLE PIE, THE ROLLING STONES oder LYNYRD SKYNYRD. Und diese Musik war Mitte der Achtziger so tot wie ein gut durchgebratener Burger.

Trotzdem erhielt die Band bei American Recordings einen Vertrag. Labeleigner und Produzent Rick Rubin (SLAYER, METALLICA etc.) hat den Jungs George Drakoulias ans Aufnahmepult gesetzt und für „$hake Your Money Maker“ wurden flugs 12 neue Songs geschrieben, von denen schlussendlich 9 auf der Platte gelandet sind. Zusammen mit der Coverversion von „Hard To Handle“ – im Original von OTIS REDDING. Dieser Song wurde kurioserweise auch der größte Hit des Debüts, das später mit 5-fach Platin alleine in den USA ausgezeichnet wurde. Aber auch der Opener „Twice As Hard“, die Ballade „She Talks To Angels“ (dem einzigen älteren Song, der verwendet wurde) und „Jealous Again“, der ersten von fünf Singles.

“$hake Your Money Maker“ ist ein cooler Bastard aus Rock´n Roll und Blues mit einem damals zeitgemäßen Sound. Die Platte atmet sowohl den Spirit der alten Helden, lebt aber auch durch das tolle Zusammenspiel der Robinson Brüder, das auch auf der Bühne immer einzigartig war. Für das Piano, das in einigen Stücken eingesetzt wurde zeichnete sich übrigens Chuck Leavell von der ALLMANN BROTHERS BAND verantwortlich.

Mit diesem Longplayer haben THE BLACK CROWES einen Kickstart hingelegt. Einige Millionen verkaufte Exemplare machten die Arbeiten für einen Nachfolger nicht einfacher. Der Druck muss immens gewesen sein. Dennoch konnte man mit „The Southern Harmony And Musical Companion“ gehörig nachlegen. Hits wie “Remedy” oder “Sting Me” zeugen davon. Allerdings hat sich das Klima geändert, als die Platte 1992 auf den Markt kommt. THE BLACK CROWES konnten diesen Umstand aber einigermaßen verkraften, da sie auch vorher trotz des großen Erfolgs nicht in einem Metier mitschwammen, das jetzt verpönt war. Trotz erster Änderungen in der Bandbesetzung folgten bis zur einstweiligen ersten Auflösung noch einige tolle Alben, die das Bild einer großen Band zeichnen.

Wie so oft blieb das Debüt aber das erfolgreichste und bekannteste Werk einer Band, die auch heute noch einzigartig ist. Und „$hake Your Money Maker“ ist ein von vorne bis hinten ein geniales Stück Rockmusik!

Trackliste:

01. Twice As Hard
02. Jealous Again
03. Sister Luck
04. Could I´ve Been So Blind
05. Seeing Things
06. Hard To Handle
07. Thick´n Thin
08. She Talks To Angels
09. Struttin´ Blues
10. Stare It Cold

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

WALL OF SILENCE – Shock To The System (Klassiker der Woche)

Band: Wall Of Silence
Album: Shock To The System
Spielzeit: 48:24 min.
Stilrichtung: AOR, Melodic Rock
Plattenfirma: Long Island Records
Veröffentlichung: 1992
Homepage: –

Ursprünglich sollte an dieser Stelle die 1995 erschienene Compilation „Works“ besprochen. Doch nach mehrmaligem Hören entschieden wir uns doch für das 1992 veröffentlichte, einzige Werk „Shock To The System“. Bei einigen werden jetzt die ersten Fragezeichen auftauchen: einziges Werk, wie kann es dann eine Compilation geben? Ganz einfach – die 1995 veröffentlichte Zusammenstellung „Works“ bestand aus dem dem einzigen Album „From Out Of Nowhere“ (1989) der kanadischen Gruppe THE WORKS und dem einzigen Werk „Shock To The System“ von WALL OF SILENCE (1992). Beide Bands hängen eng zusammen, denn zuerst waren Brian Malone (vocals), Jim Huff (guitars), Stuart Zaltz (keyboards), Paul Marangoni (drums) und Klyph Black (bass) als THE WORKS unterwegs. Daraus entstand kurze Zeit später die Band WALL OF SILENCE mit Malone, Huff und Zaltz sowie Scott Lucas (drums) und Tim Harrington (bass).

Die Anfänge der kanadischen Rocker WALL OF SILENCE liegen also sehr nahe am Split von WORKS. Dafür gehen WALL OF SILENCE um einiges rockiger zu Werke während WORKS eher im technischen AOR-Bereich angesiedelt waren. Kein Wunder, denn mit Mike Slamer (STEELHOUSE LANE, STREETS, CITY BOY etc.) saß ein erfahrener Mann an am Mischpult und dazu noch einer, der seinen Input perfekt einzubringen wusste. Wer auf melodischen Rock der Marke NELSON, SIGNAL oder UNRULY CHILD steht, wird mit „Shock To The System“ sicher etwas anfangen können.

Und mehr noch, denn mit dem grandiosen „Addicted“ steht ein waschechter Hit auf dem Programm, der früher wohl jede Rockdiskothek in Wallung brachte. Aber auch der eröffnende Titeltrack, das tolle „Edge Of A Heartbreack“ oder die wunderbare Ballade „It´s Only Love“ sind große Klasse. Auch das an GIANT erinnernde „Blood Is Thicker Than Water“ oder die zweite Ballade „Stop The Rain“ müssen hier genannt werden.

Leider waren WALL OF SILENCE mit ihrem Album spät dran. 1992 interessierte sich natürlich kein Schwein mehr für derart antiquierte Musik. OK, es gab sicher genügend Leute, die es interessiert hätte, aber die Medien waren voll mit der Grunge-Geschichte befasst und somit hatten es Bands wie WALL OF SILENCE extrem schwer, überhaupt gespielt zu werden. Den Rest könnt Ihr Euch denken, nach nur diesem einen Longplayer löste sich die Band auf und „Shock To The System“ blieb ihr einziges Vermächtnis. 1995 packte Long Island Records die beiden Alben von WALL OF SILENCE und WORKS auf einen Silberling und veröffentlichte die beiden Platten neu. Welche Version der beiden Releases heute mehr gesucht ist, kann nur vermutet werden. Sollte Euch zufällig eine davon zu einem angemessenen Preis über den Weg laufen, lohnt es sich auf jeden Fall, zuzugreifen.

Trackliste:

1. Shock To The System
2. Edge Of A Heartbreak
3. It´s Only Love
4. Last Nite
5. Blood Is Thicker Than Water
6. Addcited
7. Prove Your Love
8. Skin And Bones
9. Stop The Rain
10. Nobody´s Hero

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

BRIAN MCDONALD GROUP – Desperate Business (Klassiker der Woche)

Band: Brian McDonald Group
Album: Desperate Business
Spielzeit: 41:23 min.
Plattenfirma/Vertrieb: Yesterrock
Veröffentlichung: 1987/2010
Homepage: www.brianmcdonald.com

Eigentlich muss man für dieses Juwel gar keine Besprechung verfassen. Denn der Erstling aus dem Jahre 1987 hat sowohl unter den AOR-Jüngern als auch den Anhängern härterer Klänge Kultstatus. BON JOVI, gepaart mit DEF LEPPARD und dem Feeling des Top Gun Soundtracks – das ist der Stoff aus dem die feuchten Träume der späteren 1980er gemacht waren.

Das alles fett produziert von Meister Beau Hill, wenn das keine Ausgangspunkte für einen Abräumer sind? Aber leider blieb Brian McDonald mit seinen Mannen der große Erfolg verwehrt und außer den eingefleischten Fans erinnert sich heute kaum mehr jemand an “Desperate Business”. Dass das ein großer Fehler ist liegt auf der Hand. Schon der Eröffnungsreigen mit “No Control” bläst so ziemlich alles weg und auch die folgenden 9 Stücke lassen kaum Wünsche offen.

“These Are The Good Times” (mit Background Vocals von FIONA), “Rocking With The Boys”, “This Lonely Heart” oder “Highway Desire” gehören einfach zu den Must Have´s. Verfeinert wurden einige Songs von Reb Beach, derdie Lead-Guitars dazu beisteuerte.

Natürlich wurden alle 10 Songs remastered, Bonustracks gibt es aber leider keine. Das ist aber keine Ausrede, sich nicht endlich auf die Socken zu machen und eine kleine Zeitreise back to the 80´s zu machen. Pflicht!

Trackliste:

01. No Control
02. These Are The Good Times
03. This Lonely Heart
04. Life Is A Desperate Business
05. Back Home Again
06. Rockin’ With The Boys
07. Just Imagination
08. Stay With Me
09. Everynight
10. Highway Desire

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

AXXIS – Kingdom Of The Night / II (Klassiker der Woche)

Band: Axxis
Album: Kingdom Of The Night / II
Spielzeit: 46:00 min. / 44:57 min.
Stilrichtung: Melodic Rock, Hardrock
Plattenfirma: EMI Electrola
Veröffentlichung: 1989 / 1990
Homepage: www.axxis.de

Ab und zu gibt es Bands, die unter dem gleichen Banner gleich zwei Karrieren forcieren. Das geht ziemlich oft in die Hose. In seltenen Fällen gelingt es aber doch, mit einer anderen Musikrichtung Erfolg zu haben und noch glaubwürdig zu sein. Die deutsche Kapelle AXXIS ist so ein seltenes Beispiel. 1988 als reinrassige Melodic/- Hardrockband gegründet, mauserten sich Dortmunder um Frontsirene und Laberbacke Bernhard Weiß hin zum reinrassigen Power Metal Act. Nicht allerdings ohne einige Umwege, denn speziell in den Neunziger Jahren fuhr man mit Alben wie „Matters Of Survival“ (1995) und „Voodoo Vibes“ (1997) eine eindeutig modernere Schiene. Nach einer Runderneuerung im Line-Up waren AXXIS im Jahr 2000 mit neuem Album und frisch gerichtetem Krönchen wieder da. Seitdem entwickelte man den Sound stetig in Richtung Power Metal und ist seit längerer Zeit auch erfolgreich damit. Allerdings leistete man sich in jüngerer Vergangenheit mit dem Coverscheibchen „reDISCOvered“ (2012) auch einen gewaltigen Ausrutscher, der aber prompt mit dem diesjährigen Doppelschlag „Kingdom Of The Night II“ als Black und White Edition wieder wettgemacht wurde.

Objekt unserer heutigen Besprechung sind gleich zwei Alben der Herren Bernhard Weiß (vocals), Walter Pietsch (guitars), Werner Kleinhans (bass) und Richard Michalski (drums) – so die damalige Besetzung (für „II“ kam noch Harry Oellers (keyboards) hinzu). Das 1989 erschienene „Kingdom Of The Night“ und das nur ein Jahr später folgende „II“. Nachdem die Band mit nur einem Demosong im Gepäck einen Deal bei der EMI ergattert hatten, hinterließen sie mit „Kingdom Of The Night“ einen äußerst starken Eindruck. Allen voran natürlich mit der Hymne „Living In A World“ (die gleich in zwei Versionen aufs Album kam). Aber auch ihr erster Song, die Ballade „Tears Of The Trees“ oder das großartige „Fire And Ice“ (ebenfalls eine Ballade) zeugen vom großen Talent von AXXIS. Daneben gibt es mit „Never Say Never“, „Young Souls“ oder „The Moon“ genug rockige Stücke.

Schon ein Jahr danach legten AXXIS „II“ nach. Neben „Touch The Rainbow“ (in welcher Rockdiscothek wurde dieser Song früher nicht gespielt?) und dem Ohrwurm „Little Look Back“ gab es auch das relaxte „Ships Are Sailing“ oder das deftige „Rolling Like Thunder“. Das Eröffnungsduo „The World Is Looking In Their Eyes“ und „Save Me“ könnte neu aufgenommen auch dem heutigen Power Metal Standard genügen. Mit „Hold You“ war natürlich auch eine mitreißende Ballade vertreten. Dazwischen immer noch schmackhaftes wie der AOR Song „Face To Face“ oder das fröhliche „Gimme Back The Paradise“.

Auch wenn speziell „II“ aus heutiger Sicht überproduziert wirkt – der Charme der Songs liegt auch im etwas verwaschen klingenden Bombastsound typisch deutscher Prägung mit unendlich viel Hall und Bling Bling. Das Frühwerk von AXXIS ist und bleibt unverzichtbar. 1993 legten sie mit „The Big Thrill“ ein ebenfalls gutes Album nach, das durch einen reduzierten, knochentrockenen Sound überzeugte. Die Hitdichte war allerdings nicht mehr so hoch und so bleiben „Kingdom Of The Night“ und „II“ immer noch die stärksten Alben der heutigen Power Metaller.

Trackliste:

”Kingdom Of The Night”

01. Living In A World
02. Kingdom Of The Night
03. Never Say Never
04. Fire And Ice
05. Young Souls
06. For A Song
07. Love Is Like An Ocean
08. The Moon
09. Tears Of The Trees
10. Just One Night
11. Kings Made Of Steel
12. Living In A World (Extended Version)

”II”

01. The World Is Looking In Their Eyes
02. Save Me
03. Touch The Rainbow
04. Rolling Like Thunder
05. Hold You
06. Ships Are Sailing
07. Little Look Back
08. Face To Face
09. Get Down
10. Gimme Back The Paradise
11. Hold You (Acoustic Version)

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

ROKO – Roko (Klassiker der Woche)

Band: Roko
Album: Roko
Spielzeit: 55:35 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Polydor
Veröffentlichung: 1990
Homepage: www.roko-media.de

Als 1990 das Erstlingswerk der deutschen Hardrocker ROKO auf den Markt kam, war die Welt für derart gelagerte Bands und deren Fans noch in Ordnung. Die nach Bandgründer Robert Kohlmeyer benannte Formation war aber nicht die erste Station des Sängers, Gitarristen und Songwriters. Seine erste Band gründete er bereits 1979 im zarten Alter von 12 Jahren und spätestens mit JOJO (bei denen auch einige TOKYO-Musiker zockten) und deren gleichnamigen Langspieler sollte sich der Erfolg einstellen. Doch nach nur einem Album kam der Bruch und Kohlmeyer gründete ROKO. Mit zum Line-Up zählten auch Jürgen Beitel (keyboards), Ricky Lee (drums), Andre Pasquier (bass) und Marc Bugnard (guitars). Namensgeber und Chefdenker Kohlmeyer übernahm neben der Sechssaitigen auch den Gesang.

Dafür fiel man in die holländischen Wisseloord Studios ein, wo man mit Bob Marlette im Produzentenstuhl zusammenarbeitete. Zuvor hatte man die Songs, die allesamt aus der Feder von Kohlmeyer stammten, bereits im heimischen Frankfurt vorproduziert. In Hilversum kam dann noch der Bombast hinzu, den die Band aber eigentlich gar nicht wollte. Aber wer zahlt, bestimmt, und so setzte sich natürlich die Plattenfirma durch. Und so wurde „Roko“ mit einem ziemlich überproduzierten Sound ausgestattet. Aber die Songs knallen dafür richtig aus den Boxen, was ihnen ziemlich wenig Luft zum Atmen lässt.

Die hat auch der Hörer nicht, denn schon der erste Track „One Night Stand“ ist ein Kracher vor dem Herrn. Mit jeder Menge Power, aber auch Unmengen an Hall auf einem ziemlich in den Vordergrund gemischten Schlagzeug, entfaltet dieser Killertrack schon nach dem ersten Hören seine Reize. Auch nach fast 25 Jahren ein Genuss! Mit „Jane“ folgt gleich darauf eine Coverversion von JEFFERSON STARSHIP´s Hit aus dem Jahre 1979. Auch für ROKO wirkte sich die Nummer und das dazugehörige Video, das auf MTV rotierte, positiv aus. Nach dem etwas überambitionierten „Satisfaction“ (hier hätte etwas weniger Bombast wirklich gut getan) folgt mit „Could You Be My Love“ eine gefühlvolle Ballade. Der Stampfer „Take It Easy“ baut die Brücke für den nächsten Hit „Burnin´ Love“, das man in die gleiche Schublade stecken könnte wie den genialen Opener, ohne eine Kopie dessen zu sein.

Mit 13 Stücken läuft die Platte natürlich Gefahr, dass sich einige Füller eingeschlichen haben. Zum Glück ist das hier praktisch nicht der Fall. Zwar kann man nicht mehr an die ganz großen Melodiemonster der ersten Hälfte anknüpfen, aber mit „Fantasy“ oder „All Over Now“ gibt es noch genügend erstklassiges Material, um bis zur Ziellinie, der superben Powerballade „Hold On“ durchzuhalten. Diese ist übrigens auch auf dem Sampler „Metal Ballads Vol. 3“ vertreten.

Zwei Jahre später konnten ROKO mit „Open Invitation“ ein weiteres sehr gutes Album nachlegen, das etwas weniger bombastisch produziert wurde. Doch dann war selbst in Deutschland der Ofen aus für herkömmlichen melodischen Hardrock. 1994 („Think About Tomorrow“) und 1997 („Fantasy“) erblickten zwei weitere Silberlinge das Licht der Welt, wobei ersterer dem damaligen Zeitgeist entsprechend düsterer aber auch frei von allem Ballast klang. Für das 1997er Album zeichnete sich Roko Kohlmeyer alleine verantwortlich, nur Schlagzeuger Ricky Lee wird noch auf der Besetzungsliste geführt.

ROKO´s Einstand ist ein herrliches Beispiel für Hardrock aus Deutschland. Zwar sind einige Parallelen zu BONFIRE oder auch den SCORPIONS zu erkennen, der Großteil der Songs macht dem Prädikat „Klassiker“ aber alle Ehre. Heute betreibt Robert Kohlmeyer eine Agentur, die alle Art von Musik- und Filmproduktionen sowie Werbung anbietet. Hier könnt Ihr auch die längst vergriffenen Alben als legalen Download erwerben. Natürlich auch das Debüt „Roko“!

Trackliste:

01. One Night Stand
02. Jane
03. Satisfaction
04. Could You Be My Love
05. Take It Easy
06. Burnin´ Hearts
07. Don´t Turn Around
08. Fantasy
09. Looking For Love
10. All Over Now
11. On My Way
12. Why Won´t You
13. Hold On

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

RUNNING WILD – Black Hand Inn (Klassiker der Woche)

Band: Running Wild
Album: Black Hand Inn
Spielzeit: 65:50 min.
Stilrichtung: Pirate Metal, Heavy Metal
Plattenfirma: EMI
Veröffentlichung: 1994
Homepage: www.runningwild.de

Die Piraten Metaller RUNNING WILD sind ein wichtiger Eckpfeiler der deutschen Metallandschaft. Auch wenn sich die einstige Institution nach und nach immer mehr selbst demontiert hat. Alleine die Nennung des Namens Angelo Sasso hat sich zum Running Gag entwickelt. Wie passend…
Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass Bandgründer und Alleinherrscher Rolf „Rock´n Rolf“ Kasparek viele großartige Alben mit unterschiedlichen Musikern zu verantworten hat. Bereits 1976 gründete er zusammen mit Uwe Bendig (guitars), Michael Hoffmann (bass) und Wolfgang Hagemann (drums) die Kapelle GRANTE HEARTS. Das waren sozusagen die Vorreiter von RUNNING WILD, Hoffmann wurde durch Matthias Kaufmann ersetzt und so nannte man sich ab Anfang der Achtziger nach einem Song der Vorbilder JUDAS PRIEST.

Nach dem ersten offziellen Album “Gates To Purgatory” lastete dem Gespann allerdings eine okkulte Aura an, die sie so gar nicht wollten. Ab dem dritten Longplayer “Under Jolly Roger” bauten RUNNING WILD ihr Piraten-Image immer weiter aus und waren so praktisch einzigartig. Wichtige Alben gab es im Laufe der Jahre genug – angefangen vom bereits erwähnten „Under Jolly Roger“ mit Highlights wie dem Titeltrack oder der Hymne „Raise Your Fist“ über „Death Or Glory“ (incl. „Riding The Storm“) oder der etwas in Vergessenheit geratenen EP „Wild Animal“, auf der eine hitverdächtige Neueinspielung von „Chains & Leather“ vom Zweitwerk „Branded And Exiled“ enthalten ist haben die Piraten Metaller in den ersten fünfzehn Jahren ihrer Karriere nicht ein schwaches Album aufgenommen.

Den Höhepunkt allerdings erreichen sie 1994 mit dem Konzeptalbum „Black Hand Inn“. Dieses handelt von der Inquisition und verbindet vielschichtig weitere Erzählungen bis hin zu den Prophezeiungen des Nostradamus. Musikalisch präsentieren sich RUNNING WILD – obwohl schon fast ein Soloprojekt Rock´n Rolf´s – extrem kompakt. Das wird unter anderem dem Neuzugang am Drumkit Jörg Michael zu Gute gehalten. Ebenfalls neu an der Gitarre ist Thilo Hermann. Bassist Thomas Smuszynski ist schon seit dem Vorgänger „Pile Of Skulls“ von 1992 dabei.

Während gut 65 Minuten werden 11 Geschichten vertont, die Band und somit auch Rock´n Rolf auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft zeigt. Leitet das Intro „The Curse“ den Hörer geschickt in die folgenden Geschichten ein, bläst der Titetltrack sobald zum Angriff. „Black Hand Inn“ ist eine Vollgasnummer mit Doublebass Salven und schnellen Gitarrenleads. Eingängiger kommt das schon „Mr. Deadhead“ um die Ecke. Nach dem rockigen „Soulless“ folgt die einzige Singleauskopplung „The Privateer“ – abermals ein schneller Nackenbrecher.

Mit „Fight The Fire Of Hate“ haben RUNNING WILD dann eine weitere großartige Hymne im Gepäck, die den älteren Hits in nichts nachsteht. „The Phantom Of Black Hand Inn“ ist eher wieder eine typische Piratennummer bevor es bei „Freewind Rider“ erstaunlich rockig zugeht. Auch die verbleibenden beiden Stücke „Powder & Iron“ und „Dragonmen“ können das enorm hohe Nivau halten. Zu guter Letzt warten Rock´n Rolf und seine Mannen mit „Genesis (The Making And Fall Of Man)“ mit einem wahrlich epischen Kunstwerk auf. Ganz nebenbei mit über einer viertel Stunde Spielzeit das längste Lied überhaupt im Repertoire der Band.

Auf „Black Hand Inn“ passt einfach alles: die Geschichte, die Songs, das Cover (abermals von Andreas Marschall). RUNNING WILD haben ihr Meisterstück abgeliefert. Auch wenn der Sound von Charlie Bauernfeind etwas druckvoller aus den Boxen kommen könnte.

In der Folge hatte Rock´n Rolf noch größere Pläne, denn mit der als Trilogie angelegten Geschichte der nächsten drei Alben „The Masquerade“, „The Rivalry“ und „Victory“ hat er sich dann doch etwas überschätzt. Zwar enthält speziell das Folgealbum tolle Songs, jedoch entwickelt sich der Sound der Piraten Metaller immer weiter in eine Richtung, die einfach zu klinisch war. Auch viele Songs waren nicht stark genug, um gegen das Bollwerk der eigenen Vergangenheit anzukommen.

„Black Hand Inn“ ist und bleibt das kompletteste Werk in der langen Diskographie von RUNNING WILD. Auch wenn es zu einer Zeit veröffentlicht wurde, als der Heavy Metal am Boden lag, genießt es bis heute höchsten Respekt – sowohl von den Fans als auch von der Presse!

Trackliste:

01. The Curse
02. Black Hand Inn
03. Mr. Deadhead
04. Soulless
05. The Privateer
06. Fight The Fire Of Hate
07. The Phantom Of Black Hand Hill
08. Freewind Rider
09. Powder & Iron
10. Dragonmen
11. Genesis (The Making And The Fall Of Man)

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

VAIN – No Respect (Klassiker der Woche)

Band: Vain
Album: No Respect
Spielzeit: 52:55 min.
Stilrichtung: Hair Metal
Plattenfirma: Island Records
Veröffentlichung: 1989
Homepage: www.davyvain.com

Die Hair-Metal-Szene förderte so manche Paradiesvogel-Kapelle zu Tage. Oft fehlte es ihnen aber anfangs am technischen Know How – man denke nur mal an die Anfänge von MÖTLEY CRÜE. Der Einzige, der sein Instrument beherrschte, war Gitarrist Mick Mars. Dass es aber auch in dieser vermeintlich oberflächlichen Szene auch Combos gab, die echtes Talent mitbrachten, wird gerne übersehen. Aushängeschild der Jungs aus der für Sleazerock unwirtlichen Umgebung der San Francisco Bay Area war quasi-Namensgeber Davy VAIN. Er war zuerst – und auch das ist relativ ungewöhnlich – als Produzent unterwegs und war u.a. für DEATH ANGEL´s „The Ultra-Violence“ verantwortlich. Nachdem er ein Demo mit METALLICA´s Gitarrist Kirk Hammett aufgenommen hatte, beschloss er, selbst eine Band zu gründen. So fand das Kapitel VAIN seinen Anfang – eine Band, die heute wieder aktiv ist und in ihrer Karriere einige großartige Genreklassiker fabrizierte.

Zum ersten (und aktuellen) Line-Up gehörten neben Bandgründer, Namensgeber und Sänger Davy Vain noch Ashley Mitchell (bass), Jamie Scott (guitars), Danny West (guitars) und Tom Rickard (drums). Einzig Rickard zählt nicht mehr zur momentan Besetzung, bereits 1994 wurde er von Louie Senor ersetzt, der auch heute noch/wieder hinter der Schießbude sitzt.

1988 unterschrieb die Band einen Kontrakt bei Island Records und begann zusammen mit Produzent Paul Northfield ihr Erstlingswerk aufzunehmen, das auf den Namen „No Respect“ getauft wurde. Der Titel spiegelte den Sound dieses 12 Songs starken Albums erstklassig wieder. Die räudige Strassenköter-Attitüde gepaart mit Vain´s prägnanten Gesang ließ „No Respect“ aus der Vielzahl ähnlich platzierter Produkte zu dieser Zeit herausstechen. Dennoch kletterte die Platte nur auf Platz 154 der Billboard 200.

Stücke wie der Einsteiger „Secrets“, das lässige „Going Down For The 3rd Time“ oder der Midtempo Stampfer „1000 Degrees“ sind Kleinode damaligen Zeitgeists. Allen voran ist aber der Mini-Hit „Beat The Bullet“ zu nennen, der einigen sicher noch vertraut sein dürfte. Dass aber auch noch weitere Songs wie „Who´s Watching You“ oder„Aces“ sowie der Titeltrack unbedingt gehört werden sollten, zeugt von der überragenden Qualität dieser Scheibe.

Doch schon ein zweites geplantes Album wurde zum Fiasko. „All Those Strangers“ wurde 1991 fix und fertig aufgenommen einfach in die Schublade gesteckt. Stattdessen folgte 1994 auf einem anderen Label das Album „Move On It“. Ein Jahr darauf folgte „Fade“ – beide ernteten sehr wenig Beifall, wobei sie nicht einmal schlecht waren. Erst 2005 konnten VAIN mit „On The Line“ ihr Comeback einigermaßen geglückt feiern. 2010 sah dann endlich die Veröffentlichung des ursprünglich zweiten Werks „All Those Strangers“ – einem weiteren feinen Rundling im Übrigen. Auch das 2011 erschienene „Enough Rope“ (Rezi HIER) konnte überzeugen. Ein wirklich schlechtes Album haben die Amis nie veröffentlicht, wie so oft kommt aber nichts an das Debüt heran – und so bleibt „No Respect“ mit seiner Frische und seinem dreckigen Charme unerreicht!

Trackliste:

1. Secrets
2. Beat The Bullet
3. Who´s Watching You
4. 1000 Degrees
5. Aces
6. Smoke And Shadows
7. No Respect
8. Laws Against Love
9. Down For The 3rd Time
10. Icy
11. Without You
12. Ready

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

EYES – Eyes (Klassiker der Woche)

Band: Eyes
Album: Eyes
Spielzeit: 46:58 min.
Stilrichtung: Melodic Rock, Hardrock
Plattenfirma: Curb Records
Veröffentlichung: 1990
Homepage: www.jeffscottsoto.com

Das Jahr 1990 war nicht nur ein bewegtes für die Hard´n Heavy Szene weltweit. Es war auch ein besonderes in der Laufbahn von Jeff Scott Soto. Denn der Tausendsassa mit der unverkennbaren Stimme hat just in diesem Jahr zwei Juwelen des melodischen Hardrocks veröffentlicht. Zum einen natürlich das großartige Debüt von TALISMAN, aber auch der Erstling von EYES steht hier in den Geschichtsbüchern. Nun kann man ja zum Geschäftsgebaren von Herrn Soto sagen, was man will. Manchen hat er schon immer auf zu vielen Hochzeiten getanzt, mit seiner rauen Rockstimme mit dem besonderen souligen Unterton war er aber schon immer etwas Besonderes. Erste Erfolge konnte er mit niemand Geringeren als dem Saitenhexer YNGWIE MALMSTEEN feiern, der ihn für 2 Alben engagierte. Des Weiteren verdiente sich Soto seine Sporen bei Bands wie KUNI (dessen Album „Lookin For Action“ noch immer eine gesuchte Rarität ist), PANTHER oder ALEX MASI. Bereits in den 80ern hat Soto bei über 15 Projekten seine Stimmbänder strapaziert.

In den 90ern wurde das sogar noch mehr, speziell am Anfang, wo er zu AXEL RUDI PELL stieß und mit TAKARA, SKRAPP METTLE oder eben TALISMAN bzw. EYES wegweisende Alben veröffentlichte. Konzentrieren wir uns aber heute auf das erste Werk der US-Amerikaner. Um ein Haar wäre es gar nicht zu dieser Kollaboration gekommen, denn die Ur-Version von EYES bestand neben Gitarrist Steve Dougherty (BURNING ROME, BERLIN) und Aldy Damian (drums) aus Bassist Chuck Wright (GIUFFRIA) und Sänger Kelly Hansen. Diese Konstellation brach allerdings auseinander. Chuck Wright wanderte zu HOUSE OF LORDS und QUIET RIOT ab während Kelly Hansen seine Band HURRICANE gründete. Etwas später kamen der neue Bassist Jimmy O´Shea und eben Jeff Scott Soto ins Boot und mit dieser Besetzung namen EYES auch ihr Debüt auf.

Mit einem Budget, das gleich Null war, gingen die Jungs in das Pasha Music House von Labelboss Spencer Proffer, der die Band wiederum an Curb Records weiterreichte – einem Countrylabel, das auch in anderen Sparten Fuß fassen wollte. Und da Hardrock noch immer die Musik der Stunde war, hatten Bands wie EYES natürlich gute Chancen. Zumindest theoretisch, denn das Label steckte so gut wie kein Geld in die Promotion und so wurden EYES einfach übersehen.

Allerdings wurde aus kleinem Geld, das für die Produktion zur Verfügung stand, ein ziemlich guter Sound. Denn er ist äußerst druckvoll und kantig. Jeff Scott Soto hat vor einigen Jahren gesagt, dass er gerne die Drums etwas mehr in den Hintergrund gerückt hätte, aber ob das der Power dieser 11 Songs gut getan hätte? So startet der Silberling mit „Calling All Girls“ dermaßen fett, dass man sich auch heute noch die Augen reibt. Mit einem rockig-funkigen Riffing, das schon mal an TALISMAN erinnert, windet sich der Song über die eingängige Bridge hin zu einem Refrain, der jeden Fan zum Niederknien zwingt. Etwas straighter und noch eine Ecke rockiger geht es bei „Every Single Minute“ zu, einem weiteren Killertrack. Was folgt ist eine gnadenlos gute Coverversion von DIANE WARREN´s Hit „Don´t Turn Around“, der schon von vielen anderen Kapellen wie TINA TURNER oder ASWAD gecovert wurde. EYES aber haben dem Song den perfekten Anzug verpasst.

Was für ein Song-Trio, mit dem die Jungs hier einsteigen. Für jeden einzelnen Song würden tausende andere Bands viel opfern, um ihn auf ihrer Scheibe zu haben. EYES haben gleich alle drei, und damit nicht genug, denn das war erst der Anfang. Zugegebenermaßen hat man es schon verstanden, die richtig großen Hits nach vorne zu stellen, aber auch der Rest des Materials ist zum großen Teil einfach geil. Nehmen wir doch mal „Miss Demeanor“: abermals mit dicken Chören ausgestattet rockt das Teil nur nach vorne. Oder „Young And Innocent“: ein Ohrwurm vor dem Herrn. Dann haben wir da noch „Wired 4 Love“, das mit jeder Note DEF LEPPARD atmet oder die tolle Ballade „Nobody Said It Was Easy“.

Was soll ich sagen? Dieses Debüt hat(te) es in sich. Leider staubte es schon kurze Zeit später ganz ordentlich im Bandgefüge und so wurden die beiden anderen Scheiben “Windows Of The Soul” und “Full Moon (The Lost Studio Sessions)“ praktisch erst posthum veröffentlicht. „Eyes“ bleibt mit Abstand das stärkste Werk des Vierers, weil es eine Band repräsentiert. Die beiden anderen Alben – übrigens beide 1994 veröffentlicht – haben immerhin einige Hämmer zu bieten, sind aber bei Weitem nicht mehr so kompakt und zielsicher wie dieses Teil. Eine Platte, die immer wieder seinen Weg in den Player findet – ein echter Klassiker eben.

Trackliste:

01. Calling All Girls
02. Every Single Minute
03. Don´t Turn Around
04. Miss Demeanor
05. Young And Innocent
06. Walkin´ Fire
07. Wired 4 Love
08. Nobody Said It Was Easy
09. Can´t Get Enough
10. Start Livin´
11. Somebody To Love

Stefan

Hier findet Ihr weitere:

FASTWAY – Trick Or Treat (Klassiker der Woche)

Band: Fastway
Album: Trick Or Treat
Spielzeit: 33:49 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: CBS
Veröffentlichung: 1986
Homepage: www.fastwayofficial.com

Halloween steht vor der Tür. Und während die einen diesen heidnischen Brauch, der in den USA seit jeher ausufernd gefeiert wird, hierzulande missbilligend beäugen, machen andere den Spaß mit und haben eine gute Zeit. Egal, wie Ihr dazu steht – wir wollen es uns nicht nehmen lassen, zu diesem „Anlass“ einen ganz besonderen Klassiker auszugraben. Die britische Hardrockband FASTWAY schrieb 1986 den Soundtrack für den US-amerikanischen Horrorstreifen „Trick Or Treat“ – oder „Ragman“, wie er in Deutschland hieß. „Eddie Weinbauer vergöttert Heavy-Metal-Star Sammi Curr und gilt an seiner Schule als Loser. Mit dem Tod seines Idols bricht für ihn eine Welt zusammen. Bis zu dem Tag, an dem ihm der Radio-DJ Nuke (gespielt von Gene Simmons) Sammis letzte unveröffentlichte Platte schenkt und er mysteriöse Botschaften aus dem Jenseits erhält. Mit Hilfe des auferstandenen Rockstars rächt sich Eddie an seinen Peinigern. Doch schon bald entzieht sich der Racheakt seiner Kontrolle und der Horror breitet sich aus.“ Ein Kult B-Movie, dessen Showdown an Halloween spielt – passend oder?

„Trick Or Treat“ war bereits das vierte Album von FASTWAY. 1982 von MOTÖRHEAD Gitarrist Fast Eddie Clarke und UFO Bassist Pete Way gegründet, erschien bereits ein Jahr darauf das selbstbetitelte Debüt, jedoch ohne Way, dessen Anwälte ihm aufgrund eines bestehenden Vertrages mit einer anderen Plattenfirma einen Strich durch die Rechnung machen. Nach zwei weiteren Alben („All Fired Up“ 1984 und „Waiting For The Roar“ 1985) und vielversprechenden Tourneen mit den SCORPIONS und RUSH hatte sich die Band zwischenzeitlich sogar aufgelöst. „Trick Or Treat“ – der Satz, den die Kids rufen, wenn sie Haus zu Haus ziehen um von den Leuten Süßigkeiten zu bekommen – ist natürlich der perfekte Titel für ein Hardrockalbum. Der Sound ist zugegebenermaßen grottenschlecht. Das erste mal wagte sich Eddie Clarke bei FASTWAY selbst an die Regler und heraus kam prompt ein Album, das einfach keine Power hat, die Drums klingen fürchterlich. Wenn da nicht die kultigen Songs wären.

Alleine der Titeltrack ist ein Hit. Dave King´s Stimme ist wie immer grandios und das Riffing erstklassig. Die Melodien bleiben im Kopf, was will man mehr? Mit dem stampfenden „Stand Up“ (der Song läuft im Film passenderweise, als Eddie vom Tod seines Idols erfährt) oder „After Midnight“ (dem Song des Halloween Auftritts Sammi Curr´s) finden sich noch weitere geile Nummern auf diesem Soundtrack. Leider können FASTWAY dieses hohe Level nicht über die gesamte Spielzeit, die ohnehin recht kurz ist, halten. Mit „Don´t Stop The Fight“ und „If You Could See“ gibt es aber doch noch zwei weitere richtig gute Stücke.

Der Film bekommt natürlich sein Happy-End, was man von FASTWAY nicht behaupten kann. Nach dieser Filmmusik verlässt Sänger Dave King die Band und gründet KATMANDU (siehe unser Beitrag „One Hit Rockerz„) und ist heute Frontmann der Folkrocker FLOGGING MOLLY. Nach zwei weiteren Alben („On Target“ 1988 und „Bad Bad Girls“ 1990) mit wechselnder Besetzung legte Fast Eddie Clarke das Kapitel FASTWAY erstmal bei Seite. 2011 erschien mit „Eat Dog Eat“ eine Comebackscheibe.

Trackliste:

1. Trick Or Treat
2. After Midnight
3. Don´t Stop The Fight
4. Stand Up
5. Tear Down The Walls
6. Get Tough
7. Hold On To The Night
8. Heft
9. If You Could See

Stefan

Hier findet Ihr weitere: