WOLVERINE – Anomalies

Trackliste:

01. A Sudden Demise
02. My Solitary Foe
03. Circuits
04. Nightfall
05. This World And All It’s Dazzeling Lights
06. Automation
07. A Perfect Allignment
08. Losing Game
09. Scarlet Tide

 

 

Spielzeit: 52.27 min – Genre: Progressive Rock/Metal – Label: Music Theory Recordings – VÖ: 06.02.2026 – Page: www.facebook.com/wolverinetheband

 

Ich weiß noch, wie ich ca. 2009 im zarten Alter von sechzehn Jahren von meinem Vater im Saturn zehn Euro bekommen und mir davon die „Worldwide Metal“-Compilation gekauft habe, auf der ganz viele mehr oder weniger obskure Metalbands vertreten waren. Dort habe ich das erste Mal WOLVERINE gehört, und bis heute begleitet mich die schwedische Band. Und nun bringt das Quintett um Sänger Stefan Zell seit erstes Album seit zehn Jahren raus (wobei man die großartige 2020er EP – eigentlich ein audiovisuelles Kunstwerk – „A Darkened Sun“ nicht vernachlässigen sollte). „Anomalies“ kommt mit 50 Minuten Spieldauer und neun Songs.
WOLVERINE bewegen sich generell zwischen Progressive Rock und Progressive Metal, und dazwischen ist auch die Produktion angesiedelt. Sehr handgemacht klingend, ziemlich warm und voll, aber auch mit dem nötigen Schuss Härte, wo nötig. Und nicht zu vernachlässigen die Vielzahl an kleinen Sounddesign-Elementen und Effekten; sei es ein stimmiger Vocal-Effekt oder ein Drumset, bei dem man die hohen Frequenzen gekappt hat, oder kleine Hall-Effekte etc.. All das macht „Anomalies“ noch einmal um einiges atmosphärischer.
Die Drums klingen organisch und sind nicht übertriggert – wenn Drummer Marcus sanft spielt, klingt das auch so. Und Sänger Stefan hat erwartungsgemäß seine wunderbare Stimme nicht verloren und legt Ausdruck und Emotion in höchstem Maße in die Vocals.
Musikalisch ist „Anomalies“ schlicht und ergreifend schön. WOLVERINE haben ein großes Talent für emotionsgeladenes Songwriting, mit vielen ruhigen Tönen, aber auch den feierlichen oder dramatischen. Da darf dann auch mal ein Song wie „Automation“ passieren, der komplett auf Drums und Gitarren verzichtet, aber auch ein relativ straighter, fett-rockig/metallischer wie „Losing Game“. Genre-gemäß findet sich der ein oder andere 7er- oder 5er-Takt (wobei „Anomalies“ doch über den größeren Teil seiner Spieldauer mit „normalen“ Taktarten arbeitet. Angenehmerweise ist das Album – wie WOLVERINE-Outputs auch – keines, das musikanalytisch gehört werden muss/möchte. Es ist für den Hörer absolut irrelevant, was an dieser und jener Stelle für eine Taktart passiert. „Anomalies“ will gefühlt werden, ist Musik zum Hineinsinken und Treibenlassen. Dann fühlen sich so einige Melodien beim ersten Hördurchlauf irgendwie meditativ-intuitiv fließend an, entwickeln aber schon beim zweiten eine seltsame Form von Eingängigkeit. Denn ja, das Songwriting ist auch auf WOLVERINEs neustem Album wieder saugut, mit vielen Momenten, in denen man positiv überrascht erkennen darf, dass sich die Melodie nun in diese unvorhergesehene aber wirklich schöne Richtung weiterentwickelt.

Fazit:
„Anomalies“ ist gut für die Seele und sollte gehört werden. Ende.

Anspieltipps:
Klarer Kandidat zum Durchhören. Aber falls man irgendwann wider Erwarten doch nicht mehr weiterhören möchte, sei noch empfohlen, dem finalen „Scarlet Tide“ noch eine Chance zu geben.

Jannis

WOLVERINE – A Darkened Sun

Band: Wolverine
Album: A Darkened Sun
Spielzeit: 27:57 min
Stilrichtung: Progressive Rock/Progressive Metal
Plattenfirma: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: 31.10.2020
Homepage: www.wolverine-overdose.com

WOLVERINE haben spätestens seit ihrem überragenden “Cold Light Of Monday”-Album einen besonderen Platz in meinem Herzen. Progressive Rock, Progressive Metal, irgendwo dazwischen ist die für das Genre sehr unfrickelige, atmosphärische, meist melancholisch-intensive Musik der Schweden angesiedelt, mit außergewöhnlichem Wert auf Lyrics, Melodien und eigentlich alle Komponenten der Alben.
Diese Komponenten wurde beim neuen Album “A Darkened Sun” noch einmal um eine erweitert. Zwar ist das gute Stück gerade mal 28 Minuten lang, das Nörgeln vergeht allerdings akut, wenn man erfährt, dass es sich um ein audiovisuelles Album handelt, mit dazugehörigem in schwarz-weiß aufgenommenem/bearbeitetem Film und Story. Und Tatsache, auch diese Komponente ist mit wahnsinnig viel Liebe und Aufwand realisiert worden und ist mit der klanglichen Ebene absolut in Einklang. Die Sorge, ein solch ambitioniertes Projekt einer doch eher kleinen Band ohne große finanzielle Mittel könnte im schlimmsten Fall sogar peinlich ausfallen, erweist sich bei “A Darkened Sun” eh als unbegründet, doch mehr noch: Optik, Stilistik, Schnitt, Umsetzung der Handlung – Bassist Thomas Jansson hat hier im Alleingang hervorragende, unter die Haut gehende Arbeit geleistet und die nicht ganz neue Thematik des in der Masse der Gesellschaft untergehenden und „verarbeiteten“ Individuums mit viel Kreativität und Ernsthaftigkeit, starker Bildsprache, toller Kameraarbeit und nicht zuletzt einer ernstzunehmenden Hauptdarstellerin umgesetzt. Nicht wirklich mit Budget, versteht sich, aber effektiv ohne Ende und absolut professionell.
Musikalisch geht es mit recht elektronisch anmutendem Basssound auf leicht stolperndem Midtempo los, als Intro zu “Chapter 1 – Phoenix Slain”, das wunderschön leicht, unheavy beginnt und bereits andeutet, dass “A Darkened Sun” das Gegenteil von einem Partyalbum wird. Ja, solche Strophen können WOLVERINE, genau wie die dicht-intensiv-verzweifelten Parts, von denen einer besagter Strophe als Chorus folgt. Ein elektronischerer düsterer Part dabei, alles auf hoher Qualität und bestens abgestimmt auf die tolle visuelle Ebene. Poah. Schon zum ersten Track hat man sich offensichtlich mehr Gedanken gemacht, als andere Bands zu ihrem kompletten Album. Und vom treibenderen Part des Tracks habe ich noch gar nicht geredet. Machen wir es an dieser Stelle kurz und spoilerfrei: Es bleibt so geil. Mit Erste-Sahne-Komposition und -Umsetzung, mitreißend, mal hypnotisch, mal aufwühlend, visuell mal offensiver erzählend, häufiger höchst (und höchst gelungen) stilisiert, musikalisch höchst emotional und erwachsen. Düster ab und an, mit kleinen Schimmern von Hoffnung, tollem Songwriting, starker Bandleistung und großartigen Vocals. Keine Kritik.

Fazit:
WOLVERINE schaffen es wie nur wenige andere Bands, mit ihrer Musik Emotionen, Stimmungen zu vermitteln, bereit, dafür eine heftige Menge an Arbeit zu investieren. Und sie haben das dank Thomas Jansson, dem Mann für’s Visuelle und die tiefen Töne, auf die nächste Ebene gehoben. Ernsthaft, nehmt Euch die halbe Stunde, wenn Ihr mitreißende Musik liebt, die noch wirklich etwas zu transportieren vermag (geht sogar offiziell gratis). Das konnten WOLVERINE seit jeher, das können sie auf “A Darkened Sun”, und mit der visuellen Komponente wird der Release ein einmaliges Gesamtkunstwerk. Volle Punktzahl, ohne Frage.

 

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Chapter 1 – Phoenix Slain
02. Chapter 2 – The Breach
03. Chapter 3 – Dead As The Moon
04. Chapter 4 – Hibernator

Das komplette audio-visuelle Album steht auf www.wolverine-overdose.com kostenlos (gegen eine freiwillige und berechtigte Spende) zur Verfügung.

Jannis