SINBREED – IV

Band: Sinbreed
Album: IV
Spielzeit: 48:24 min.
Stilrichtung: Power Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 23.11.2018
Homepage: www.facebook.com/sinbreed

Wäre Power Metal ein Neuwagen, dann wären Keyboards die beim Kauf optional dazubuchbare Sitzheizung – sehr angenehm, tötet aber auf Dauer die Spermien ab. SINBREED verzichten auf diesen Bonus daher nahezu komplett und hauen mit “IV” die Power-Metal-Basic-Version raus, auf der man sich zur Anfettung des Materials stattdessen auf schön dicke und klare Backing Vocals verlässt, abseits dessen aber erstaunlich abgespeckt unterwegs ist. Positivermaßen, muss man angesichts des Resultats sagen.
Das vierte Album der 2010 gegründeten Truppe aus Deutschland unterhält über zehn Tracks und knapp 50 Minuten hinweg mit einprägsamem Power Metal, der nie überladen klingt und sauberst produziert ist. Sänger Nick Hollemann, neben Gitarrist Manuel Seoane einer der beiden Neuen in der Band, mag anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, passt aber doch sehr gut zum Sound der Band und sollte bei Fans der vorherigen Alben mit seiner etwas an Andi Deris erinnernden Stimme generell gut ankommen (Lob an dieser Stelle auch für die Produktion der Vocals und der von Timmy Rough von THE NEW ROSES eingesungenen Backing Vocals). Ansonsten: Frederik Ehmke von BLIND GUARDIAN an den Drums und der Rest der Band leisten auch beste Arbeit.
Die einzelnen Songs haben so einige Dinge gemein: In den meisten Fällen darf der Doppelbass ran, die recht hektische aber stets gut strukturierte Drum- und Gitarrenarbeit macht auch aus Midtempotracks Uptempotracks; Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Albums ist vergleichsweise hoch. Die Refrains sind generell auf Eingängigkeit geschrieben und dabei meistens extrem erfreulich. Refrains, die aus viermal dem selben Wort, dem selben Satz oder der selben vier Takte langen Melodieline bestehen, sucht man vergeblich. Fast alle Refrains sind liebevoll auskomponiert, dabei sehr eingängig, ohne jedoch immer die selben Power-Metal-Akkord-Schemata zu bemühen.
Auch in die Mittelteile und Soloparts hat man Arbeit investiert, die sich hörbar auszahlt und sie zu kleinen Höhepunkten des Albums macht, im Gegensatz zu den obligatorischen 16 Takten Solo, die bei vielen anderen Bands des Genres doch hauptsächlich noch schnell in den Song gepackt werden, weil das halt so gemacht wird.
Lückenfüller finden sich auf “IV” praktisch gar nicht (lediglich “Pride Strikes” ist subjektiv gesehen etwas uninspirierter als der Rest). Stattdessen regiert auf der Platte über mehr als eine Dreiviertelstunde fröhlicher Power Metal, der zeitweise an AVANTASIA, GAMMA RAY und ROSS THE BOSS (“First Under The Sun” – Ihr werdet wissen, was ich meine) oder HELLOWEEN erinnert, dabei einen recht individuellen Sound vorweisen kann und mit Songdauern um die vier bis fünf Minuten stets kurzweilig bleibt.

Anspieltipps:
“Wasted Trust”, “The Purge”, “At Least I Am” und “Final Call”

Fazit:
Gut möglich, dass mit SINBREED ein neuer großer Name der deutschen Power–Metal-Szene heranwächst. Verdient hätten es die Jungs allemal, denn “IV” ist zum angehenden Jahresende nochmal ein kleines Highlight, das sich nicht schlecht unter dem Weihnachtsbaum des Metallers mit Hang zu Melodiösität und Power Metal zwischen Tradition und Moderne machen würde.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. First Under The Sun
02. Falling Down
03. Wasted Trust
04. Into The Arena
05. Pale-Hearted
06. Final Call
07. The Purge
08. Pride Strikes
09. At Least I Am
10. Through The Fire

Jannis

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