REFUGE – Solitary Men

Band: Refuge
Album: Solitary Men
Spielzeit: 55:29 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 08.06.2018
Homepage: www.refuge-band.de

Kennt Ihr das Gefühl, wenn Euch plötzlich auffällt, dass Ihr bereits seit zwei Wochen kein Album mehr veröffentlicht habt? Nun, Peter Wagner kennt das nicht. 2016 und 2017 je ein RAGE-Album – und jetzt, Mitte 2018, direkt die nächste Veröffentlichung: Mit den Jungs der originalen RAGE hat der gute Mann unter dem ursprünglichen Namen der Band, REFUGE, 25 Jahre nach dem letzten Release vor dem Bruch noch einmal ein Album aufgenommen. Und tatsächlich: Waren die letzten Alben von RAGE schon grundsolide Dinger, die vielleicht keine Innovationspreise gewinnen konnten aber schmackhafte RAGE-Kost auf sehr stabilem Niveau lieferten, so ist “Solitary Men” doch eine hörbar andere Hausnummer.
Ab dem ersten Song steht hier fest: Die Herren hatten bereits während des Kompositionsprozesses mächtigstens Bock. Die zehn (mit Bonustrack elf) hart und klar produzierten Tracks sind musikalisch vielleicht das Interessanteste, was von den Truppen um Peavy in den letzten zehn Jahren passiert ist. Mehr als RAGE setzen REFUGE auf eingängige Melodien im Stil der ersten zehn bis zwanzig Jahre, sind dabei minimal weniger hart, dafür aber umso rockiger unterwegs – und lassen das nötige Maß an Aggressivität trotz allem natürlich nicht missen.
Beeindruckend ist an “Solitary Men” vor allem die Liebe zum Detail. Kein Mittelteil, der lieblos schnell dahinsoliert worden wäre; kaum eine Strophenmelodie, die den interessierten Hörer nicht aufhorchen lassen würde. Dazu kommt eine ziemliche stilistische Bandbreite. Man muss die kleinen überraschenden Dur-Wendungen bei “The Man In The Ivory Tower” genauso lobend hervorheben wie den jazzig-proggressiv anmutenden Sieben-Minüter “Waterfalls”. Der Refrain von “From The Ashes” ist als einer der am traditionellsten im typischen RAGE-Stil gehaltenen Songs ebenso gelungen wie das rock’n’rollige “Bleeding From Inside”, dessen Mittelteil einen smoothen Kontrast zur Gradlinigkeit des Restes darstellt.
Nicht minder überzeugend fällt das höchst livetaugliche “Let Me Go” aus, das man so auch auf “Speak Of The Dead” vermuten könnte. Und “Hell Freeze Over” ginge bei anderen Bands als Amirock-Sommerhit durch, wäre da nicht immer noch die REFUGEsche Härte und Peavys Organ am Start.
Bei all dem frisch-kreativen Kram stören ein paar Songs, die etwas weniger individuell ausfallen, nur wenig. Und auch Track fünf bis sieben, die subjektiv gesehen unspektakulärsten auf “Solitary Men”, machen gut Laune.
Ich weiß, es ist nervig, bei einer REFUGE-Rezension die ganze Zeit RAGE-Vergleiche lesen zu müssen (Damit muss man leben), aber “Solitary Men” ist eine der stärksten Scheiben, die man aus der Feder Peavys seit einigen Jahren zu hören bekommen kann.

Anspieltipps:
“Let Me Go”, “Hell Freezes Over”, “From The Ashes” und “Waterfalls”

Fazit:
Ist doch was Schönes, wenn ein Zusammentreffen einer seit Ewigkeiten auf Eis gelegen habenden Musikerkonstellation noch einmal einen derartigen Schub an Spiellaune mit sich bringt. Man merkt “Solitary Men” deutlich an, dass es eine Herzensangelegenheit der Jungs ist. Eine Herzensangelegenheit, in die eine Gruppe hervorragender Musiker eine Menge Liebe gesteckt hat. Wer das jetzt zu ekelig kitschig im Blümchenmodus formuliert findet: Schmeißt doch als Ausgleich einfach mal die neue REFUGE in den Plattenspieler. Danach ist alles wieder gut!

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Summer’s Winter
02. The Man In The Ivory Tower
03. Bleeding From Inside
04. From The Ashes
05. Living On The Edge
06. We Owe A Life To Death
07. Mind Over Matter
08. Let Me Go
09. Hell Freeze Over
10. Waterfalls
11. Another Kind Of Madness (Bonus Track)

Jannis

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