JOHN PARR – John Parr

Band: John Parr
Album: John Parr
Spielzeit: 43:12 min.
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: London Records
Veröffentlichung: 1985
Homepage: www.johnparr.net

Der englische Sänger, Gitarrist und Songschreiber JOHN PARR wird vielen namentlich vielleicht gar nicht so geläufig sein. Wenn man aber Hits wie „St. Elmo´s Fire (Man In Motion)“ oder das hierzulande ebenfalls oft im Radio gespielte „Don´t Leave Your Mark On Me“ ins Gespräch bringt, wird den meisten sicher ein Licht aufgehen. Nicht umsonst kletterte der Soundtrack zu Joel Schumacher´s Kinofilm „St. Elmo´s Fire“ in den USA auf Platz 1 der Billboard Charts, natürlich nicht zuletzt wegen des Titeltracks aus der Feder von JOHN PARR. Dass der 1954 geborene PARR aber für insgesamt 12 Hollywoodfilme Songs verfasst hat (darunter für „Running Man“ mit Arnold Schwarzenegger oder die Disneykomödie „3 Männer und ein Baby“) und insgesamt über 10 Millionen Tonträger weltweit verkauft hat, ist oft nur eine Randnotiz.

Dabei ist speziell das 1984 erschienene Debüt des Briten gespickt mit Hits. Auf der ein Jahr später neu aufgelegten Version von London Records ist dann auch „St. Elmo´s Fire“ zu finden, ein Inbegriff populärer Musik aus den Achtzigern. Zuvor hatte PARR sogar mit MEAT LOAF gearbeitet, für dessen Album „Bad Attitude“ er einige Ideen beisteuerte. „Naughty Naughty“ war indes die erste Hitsingle für JOHN PARR, zu finden natürlich auf dem selbstbetitelten Debüt. In den USA war dafür immerhin Platz 23 drin, während sich die Einheimischen in Großbritannien den Song immerhin so lange einverleibten, bis er Platz 58 erklimmen konnte.

Das eröffnende „Magical“ folgte als zweite Auskopplung, konnte den Erfolg aber nicht wiederholen. Auch die Überballade „Love Grammar“ biss sich in den USA auf Platz 89 fest. Dazwischen bescherte das bereits erwähnte „St. Elmo´s Fire“ dem Briten aber eine Nummer eins, was eine weitere Singleauskopplung nach sich zog. Aber nicht nur diese („Don´t Leave Your Mark On Me“) war und ist ein Höhepunkt auf dem Album, das eigentlich aus 10 einzelnen Hits besteht. Das theatralische „Revenge“ oder das straighte „Somebody Stole My Thunder“ sind wohl die besten Beispiele dafür.

Kommerziell war dies die erfolgreichste Zeit in der Laufbahn des Engländers. Und doch konnte PARR mit einzelnen Songs weitere Hits landen. Man denke nur mal an „Westward Ho“ von 1990, das Verwendung im deutschen Film „Go Trabi Go“ fand oder „Man With A Vision“, das im gleichen Jahr erst von der Popband SEVEN performt wurde und zwei Jahre später von PARR selbst aufgenommen wurde.

JOHN PARR ist ein gewichtiges Beispiel dafür, dass Band- oder Künstlernamen oft in Vergessenheit geraten, die Songs aber ewig im Gedächtnis bleiben. „John Parr“ von 1985 ist ein hervorragendes AOR-Album mit jeder Menge Hits und pures Balsam für die Achtziger-Seele, das nicht nur auf die bekanntesten Stücke reduziert werden sollte. Ein Komplettdurchlauf ist hier angesagt – viel Spaß!

Trackliste:

01. Magical
02. Naughty Naughty
03. Love Grammar
04. Treat Me Like An Animal
05. She´s Gonna Love You To Death
06. St. Elmo´s Fire (Man In Motion)
07. Revenge
08. Heartbreaker
09. Somebody Stole My Thunder
10. Don´t Leave Your Mark On Me

Stefan

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ANTHRAX – Among The Living (Klassiker der Woche)

Band: Anthrax
Album: Among The Living
Spielzeit: 50:13 min.
Stilrichtung: Thrash Metal
Plattenfirma: Island Records
Veröffentlichung: 1987
Homepage: www.anthrax.com

Die Ami-Thrasher ANTHRAX gehören ohne Zweifel zu den wichtigsten Kapellen des Genres. Nicht zuletzt weil sie sich über viele festgefahrene Klischees und Standards hinweggesetzt haben. Zum Einen hat sich die 1981 in New York gegründete Band immer verweigert, in Ledermontur über die Bühne zu fegen und hat sich somit von wohl allen anderen Kollegen mit ihren Klamotten abgesetzt. Zumindest war das in den Achtzigern so, als sie mit quietschbunten Bermudashorts und T-Shirts über die Bretter wüteten. Und auch in musikalischer Hinsicht war die nach der Krankheit Milzbrand benannte Band Vorreiter in Sachen Crossover mit Hip Hop und Metal.

Dabei lagen die Anfänge der von Gitarrist Scott Ian gegründeten Combo eindeutig im Heavy Metal bzw. Power Metal. Der erste Sänger Neil Turbin musste nach nur einem Album („Fistful Of Metal“) den Hut nehmen und nach einem kurzen Techtelmechtel mit Matt Fallon (der später bei SKID ROW andockte, bevor Sebastian Bach das Ruder übernahm) fand man in Joey Belladonna den richtigen Frontmann. Nach dem 1985er Album „Spreading The Disease“, das den ersten kleinen Hit „Madhouse“ abwarf, ging man 1986 abermals ins Studio, um mit den Aufnahmen zum dritten Werk zu beginnen, das als „Among The Living“ für den Durchbruch der Band bekannt werden sollte.

Ich weiß noch genau, wie und wann ich dieses Album das erste Mal hörte: es war ein Freitag und endlich hatte ein Kumpel aus der Schule die leere Kassette, die ich ihm vor langer Zeit gegeben hatte, mit diesen neun Songs bespielt. Just an diesem Freitag bekam ich solche Halsschmerzen, die sich im Laufe des Wochenendes zu einer ausgewachsenen Grippe mauserten. Auch in der nächsten Woche, in der an Schule nicht zu denken war, lief dieses Tape rauf und runter. Ich war sozusagen infiziert. Bisher war HELLOWEEN das absolut härteste, was ich entdeckt hatte (mit METALLICA hatte ich anfangs meine Probleme und mit SLAYER konnte ich auch (noch) nichts anfangen). Was Joey Belladonna (vocals), Scott Ian (guitars), Dan Spitz (guitars), Frank Bello (bass) und Charlie Benante (drums) aber auf „Among The Living“ abgezogen haben, lief sofort runter wie Öl.

Der bedrohliche Anfang des eröffnenden Titeltracks geht über in ein Thrash Metal Gewitter erster Güte mit geshoutetem Refrain. Das soll das Markenzeichen der kommenden Jahre werden. Schon auf diesem Longplayer sind erste Anzeichen für die Vorliebe von Hip Hop oder Hardcore im Sound der Amis auszumachen. Immer wieder streuen ANTHRAX dementsprechende Nuancen in ihre Songs, was besonders für den Gesang gilt. Ständige wechselnde Tempi und das Spiel mit zuckersüßen Melodien, die auf halsbrecherisch schnelle Moshparts folgen gehören ebenso dazu.

“I Am The Law“ behandelt den einige Jahre später verfilmten Judge Dredd während „Indians“ eine Lanze für die verfolgten Ureinwohner der USA bricht. „A Skeleton In The Closet“ ist inspiriert von Stephen King, genau wie das Coverartwork und weitere Textpassagen. „Efilnikufesin (N.F.L.)“, das rückwärts dementsprechend „Nice Fukin Life“ bedeutet, ist dagegen ein Beispiel für die sonnige Laune der Thrasher, die sich aber auch auf den kommenden Platten nicht scheuen, Kritik am System zu üben.

Wie schon erwähnt war „Among The Living“ der internationale Durchbruch für die Band und bis heute mein persönliches Lieblingsalbum von ANTHRAX. Natürlich ist auch das Folgewerk „State Of Euphoria“ (1988) nicht zu verachten und auch „Persistance Of Time“ (1990) hat seine Highlights, dann aber ging die gute alte Zeit zu Ende und somit auch meine uneingeschränkte Liebe zu den Thrashern. „Among The Living“ aber läuft heute noch regelmäßig beim Sport!

Trackliste:

01. Among The Living
02. Caught In Amosh
03. I Am The Law
04. Efilnikufesin (N.F.L.)
05. A Skeleton In The Closet
06. Indians
07. One World
08. A.D.I./Horror Of It All
09. Imitation Of Life

Stefan

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UNRULY CHILD – Unruly Child (Klassiker der Woche)

Band: Unruly Child
Album: Unruly Child
Spielzeit: 54:33 min.
Stilrichtung: Melodic Rock
Plattenfirma: Interscope
Veröffentlichung: 1992
Homepage: www.unrulychild.net

Kann man UNRULY CHILD als All-Star-Band bezeichnen? Ich denke schon, denn angesichts der durchaus prominenten Besetzung kann sich der 1992 erschienene Erstling gleichen Namens sehen lassen. Neben Vokalist Mark (Marcie) Free (KING KOBRA, SIGNAL) geben sich Gitarrist Bruce Gowdy (STONE FURY), Keyboarder Guy Allison (DOOBIE BROTHERS) und Schlagzeuger Jay Schellen (HURRICANE, ASIA) die Ehre. Eher unbekannt war bis dato Bassist Larry Antonio. Die Anfänge von UNRULY CHILD liegen indes zwei Jahre zurück, als Mark Free die Band zusammen mit Bruce Gowdy und Guy Allison aus der Taufe hebt. Zusammen mit Produzent Beau Hill macht sich das Gespann auf, um für Interscope ihr Debüt aufzunehmen. Diese Kollaboration war eine klare Sache, war Hill immerhin ein Gründer des Labels und immer noch Teilhaber.

Als „Unruly Child“ schließlich im Jahr darauf fertiggestellt ist, liegen zwölf Songs vor ihnen, die sich auf der einen Seite nicht gerade von anderen glatt produzierten Alben Hill´s auf den ersten Blick nicht sonderlich zu unterscheiden schienen. Aber das ist wie mit Schauspielern: ist die Story auch manchmal etwas dünn, reißen es einzelne Protagonisten mit ihrem Können einfach raus. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Songs an sich Massenware gewesen wären, nur der Sound war eben nicht gerade ein Unikum anno 1992, wo die Rockszene praktisch tot oder zumindest in den letzten Atemzügen lag. Aber die komplette Truppe bestand eben aus Könnern.

Das macht einfach den Unterschied – speziell wenn mit dem Opener „On The Rise“, der tollen Ballade „You Are My Everything“ oder dem Melodiemonster „When Love Is Gone“ dermaßen starke Songs ausgearbeitet werden. Dennoch überstrahlt das auf Startplatz zwei gesetzte „Take Me Down Nasty“ mit seiner unbändigen Power und großem Hitpotential praktisch alle anderen Konkurrenten im Handumdrehen. Aber auch das genretypische „Tunnel Of Love“ oder der Rocker „Criminal“ strahlen hell und runden dieses erstklassige Werk ab.

Obwohl UNRLUY CHILD anfangs ein Projekt waren, wuchs die Band während der Aufnahmen zu diesem Debüt schnell zusammen und präsentierte sich darauf als echte Einheit. Leider war ihnen der Erfolg nur bedingt beschert, denn die Musikwelt hatte die Schnauze voll von Combos, die auf dieser Wellenlänge ritten. Dementsprechend bleib dieser Silberling für lange Jahre der einzige, den die Band veröffentlichte. Erst 1998 folge mit „Waiting For The Sun“ ein weiteres Album – allerdings mit Kelly Hansen am Mikrofon. Das kreative Duo Bruce Gowdy/Jay Schellen fand zusammen mit Bassist Ricky Phillips allerdings nicht mehr zurück zu alter Stärke. Auch weitere Versuche blieben erfolglos – das 1992er Debüt ist und bleibt das Meisterstück einer Band, die wie so oft einfach zu spät dran war.

Trackliste:

1. On The Rise
2. Take Me Down Nasty
3. Who Cries Now
4. To Be Your Everything
5. Tunnel Of Love
6. When Love Is Gone
7. Lay Down Your Arms
8. Is It Over
9. Wind Me Up
10. Let´s Talk About Love
11. Criminal
12. Long Hair Woman

Stefan

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VALENTINE – Valentine (Klassiker der Woche)

Band: Valentine
Album: Valentine
Spielzeit: 53:16 min.
Veröffentlichungsjahr: 1990
Plattenfirma/Vertrieb: Giant/Warner
Stilrichtung: Melodic Rock/AOR

Life´s A Bitch, besonders wenn es um den verdienten Erfolg geht. Das erleben wir heute unzählige Male, wenn es mal wieder eine Platte einer unbekannten Band in die Redaktion schafft, Aber auch in den goldenen Zeiten – also in den 1980ern sowie frühen 90ern – war der Markt schon sehr unübersichtlich und so kamen viele Bands nicht in den Genuss, mit ihrer Musik den Durchbruch zu schaffen, obwohl alle Zeichen eigentlich günstig standen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Debüt von VALENTINE aus dem Jahre 1990. In besagtem Jahr ließ diese junge amerikanische Band die Herzen aller Melodic-Rocker (und damals gab es noch viele viele davon) in Schwindel erregende Höhen schlagen.

Denn das selbst betitelte Debüt des Fünfers um Sänger HUGO hat wirklich einige Granaten an Bord, die ein breites Spektrum abdecken. Angefangen von druckvollen Melodic-Rockern wie „Runnin´ On Luck Again“, „No Way“ oder „We Run“ über göttliche Steh-Blueser („Never Said It Was Gonna Be Easy“ oder das abschließende „You`ll Always Have Me“) bis hin zu lupenreinen AOR-Hymnen („Tears In The Night“, „Where Are You Now“, „Once In A Lifetime“, „Someday“) hat diese Scheibe alle Fähigkeiten, jedem Fan gehaltvoller Rockmusik einen ordentlichen Ohrgasmus zu bescheren. Zudem veredelten einige in der Szene nicht gerade unbekannte Gäste wie Terry Brock (STRANGEWAYS) und John Fiore (PREVIEW) mit ihren Goldkehlchen die massig vorhandenen Chöre.

Die Top-Produktion des damals sehr angesagten Neil Kernon tut sein übriges, um diesen Rundling auch in Sachen Sound für diese Rubrik fit zu machen. Doch wie so oft wurde auch VALENTINE der große Erfolg verwehrt, was zur Folge hatte, dass diese großartige Platte leider die einzige blieb. Nur Frontmann HUGO ließ sich nicht beirren und unternahm einige Jahre später noch drei Solo-Ausflüge, die jedoch nicht ganz diese Klasse erreichen sollten.

Trackliste:

01. Runnin’ On Luck Again
02. No Way
03. Tears in the Night
04. Too Much Is Never Enough
05. Never Said It Was Gonna Be Easy
06. Where Are You Now
07. Naughty Girl
08. Once In A Lifetime
09. Someday
10. We Run
11. You’ll Always Have Me

JK und Stefan

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One Hit Rockerz: HELTER SKELTER

HELTER SKELTER (Deutschland)

Besetzung:
Chris Strobl (vocals)
Cassy Kissler (guitars)
Helmut Zeiler (bass)
Fredl Zech (drums)

Glam Metal aus Deutschland. Das war in den späten Achtzigern ein Novum. Zumindest gab es nur eine handvoll Vertreter, die es allerdings nicht wirklich mit der übermächtigen Konkurrenz aus den USA aufnehmen konnte. Zu viele Bands aus Übersee überschwemmten den Markt. Und doch gab es hin und wieder Regungen im Untergrund. So natürlich auch in München, was eine sehr vitale Rockszene in den Achtzigern hatte. HELTER SKELTER waren wohl die bunteste und verrückteste Kapelle der ganzen Stadt, ach was sage ich: der ganzen Bundesrepublik.

Ihr einziges Album „Welcome To The World Of Helter Skelter“ erschien 1988 bei Metronome. Innerhalb kürzester Zeit wanderte das Teil auf die Krabbeltische der Nation. Kurz darauf wurde die Platte zu einem gesuchten Teil. Nicht zuletzt wegen des Minihits „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“. Hier verbinden die Münchner ihre Verrücktheit mit der göttlichen Eingebung, einen Ohrwurm zu fabrizieren. Für die einen mag die Band peinlich sein, für viele allerdings ist speziell dieser Song Kult. Der Rest der Platte ist noch eine Nummer härter zu ertragen. Böse Stimmen sprechen vom schlechtesten Glam Album aller Zeiten. Songs wie das schlager-mässige „Too Young To Rock“ oder das nicht minder platte „Midnight Rendezvous“ sind noch zu ertragen. Aber es gibt durchaus auch Momente, die sind nicht einmal mit viel Alkohol auszuhalten.

So schräg und überdreht hat man selbst Glam Metal in den Achtzigern selten bzw. nie erlebt. HELTER SKELTER bleibt die Gewissheit, den wohl markantesten und buntesten Song der deutschen Glamgeschichte fabriziert zu haben. Pikanterweise hat ein gewisser Michael Voss als Gastmusikant bei den Aufnahmen mitgemischt. Und auch Armin Sabol, der schon Bands wie SINNER oder RAGE produzierte und mit PETER SCHILLING als Produzent und Gitarrist große Erfolge feierte, war mit von der Partie – oder sollte man lieber sagen Party?

Stefan

One Hit Rockerz: SAINTS´N SINNERS

SAINTS´N SINNERS (Kanada)

Besetzung:
Rick Hughes (vocals)
Stephane Dufour (guitars)
Martin Bolduc (bass)
Jeff Salem (drums)
Jesse Bradman (keyboards)

Es war vorbei, bevor es richtig angefangen hat. Dieser Satz trifft bei vielen kurzlebigen Bands der Rockgeschichte zu. Eine davon war SAINTS´N SINNERS, die 1991 von SWORD-Sänger Rick Hughes gegründet wurde und die ein Jahr darauf mit ihrem gleichnamigen Debüt herauskamen. Dieses wurde von ALDO NOVA produziert, den Draht zu ihm hatte Keyboarder Jesse Bradman, der schon mit dem Gitarrenvirtuosen gespielt hatte und auch sonst mit Bands wie NIGHT RANGER oder UFO die Welt gesehen hatte.

Auf „Saints´n Sinners“ frönte der Fünfer aus Montreal einer Mischung aus SKID ROW und TYKETTO – es wurden mit „Walk That Walk“, „We Belong“ und „Takin´ My Chances“ drei Singles ausgekoppelt, von denen keine etwas reißen konnte. Kein Wunder, denn der beste Song wurde sträflicherweise an das Ende des Albums gestellt. „Slippin´ Into Darkness“ hatte alles, was ein Hit haben musste: unwiderstehliche Melodien, tolle Arrangements, große Chöre und einen tollen Sound.

Nach diesem einen Album löste sich die Band 1993 aufgrund der grassierenden Grungewelle frustriert auf. Sowohl Rick Hughes als auch Stephane Dufour veröffentlichten im Laufe der 2000er einige Soloalben während Martn Bolduc und Jeff Salem komplett aus der Szene verschwanden. Jesse Bradmann versuchte mit Bands wie JESSE´s POWERTRIP oder INNOCENT sein Glück – dieses war aber ebenso von kurzer Dauer wie das von SAINTS´N SINNERS. Deren Vermächtnis ist und bleibt das superbe „Slippin´ Into Darkness“ und SAINTS´N SINNERS waren somit wahrhaftige One Hit Rockerz.

Stefan

One Hit Rockerz: HEAR´N AID

HEAR´N AID (USA)

Besetzung:
Ronnie James Dio (vocals)

Mitte der Achtziger war Band-Aid eine ganz große Sache. Initiator Bob Geldorf veröffentlichte im Dezember 1984 mit Unterstützung unzähliger Stars aus der Pop- und Rockszene das Weihnachtslied „Do They Know It´s Christmas“. Ziel dieser Aktion war es, der hungernden Bevölkerung Äthiopiens zu helfen. Im Juli 1985 veranstaltete er mit einer ebenso großen Anzahl an internationalen Stars ein weltumspannendes Popkonzert. Im gleichen Jahr kamen Vinnie Appice und Jimmy Bain auf die Idee, zumindest die Sache mit dem Tonträger als Heavy Metal Variante auf die Beine zu stellen. Bandboss Ronnie James Dio wurde mit ins Boot geholt und so entstand mit HEAR´N AID ein an BAND AID angelehntes Pendant des schweren Metalls.

Geschrieben wurde der Hauptsong „Stars“ von Vivian Campbell, Ronnie James Dio und Jimmy Bain. Aufgenommen am 20. und 21. Mai 1985 mit 40 (!) namhaften Musikern des harten Biz, musste der Release leider bis ins folgende Jahr hinausgezögert werden. Mit von der Partie (oder Party) waren Musiker von DIO (natürlich), MÖTLEY CRÜE, DOKKEN, QUIET RIOT, JUDAS PRIEST, Y&T, QUEENSRYCHE, OZZY OSBOURNE, GIUFFRIA, BLUE ÖYSTER CULT, TED NUGENT, YNGWIE MALMSTEEN, TWISTED SISTER, JOURNEY, IRON MAIDEN und viele andere.

Der hymnische Titeltrack ist heute noch eine Klasse für sich. Leider ist der Song im Gegenteil zu „Do They Know It´s Christmas“ in Vergessenheit geraten. Der Vorteil dieses 7-minütigen Opus ist nicht nur, dass man es ganzjährig hören kann. Es vereint große Teile der Creme de la creme der Metalszene der goldenen Achtziger. Im Nachgang wurde auch ein komplettes Album veröffentlicht, das aber fast ausschließlich Live-Songs enthielt. Darauf zu hören waren ACCEPT, MOTÖRHEAD, RUSH, KISS, DIO – jeweils mit einem Live-Track vertreten sowie JIMI HENDRIX, Y&T und die SCORPIONS mit einem Studiotrack. Und natürlich „Stars“, dieses großartige Stück Zeitgeschichte eines unsterblichen Rockstars.

Stefan

One Hit Rockerz: KASHMYR

KASHMYR (Deutschland)

Besetzung:
Andi Plattner (drums, keyboards)
Davor Sertic (guitars)
Markus Plattner (bass)
Karsten Hisley (vocals)

Allerhand Kurioses haben wir schon ausgegraben in unserer Rock Garage. In unserer Rubrik „One Hit Rockerz“ graben wir tief in den Archiven der Rockmusik und holen so manches Liedchen hervor, wo so mancher den Kopf schüttelt (Wortspiel). Und auch heute haben wir tief im Plattenschrank gegraben und einen Silberling einer deutschen Band hervorgezaubert, der vielen vielleicht nicht so geläufig ist. KASHMYR aus dem baden-württembergischen Reichenbach haben Mitte der Neunziger über das Label Mainstreet Records ihren einzigen Tonträger veröffentlicht. Vertrieben wurde das Teil seinerzeit von Nuclear Blast (hört hört). Am Mikrofon steht ein gewisser Karsten Hisley, der auch als Marcus Jürgens bekannt ist. Von BRAINSTORM kommend wird er einige Jahre später mit PUMP und neuerdings mit TWENTYDARKSEVEN (Rezi HIER) aktiv ist.

Optisch lehnen sich KASHMYR an Kollegen wie CONCEPTION und ähnliche Kapellen an. Schon das Albumcover ist ähnlich vertrackt. Das gilt für die Musik auf „Kashmyr“ nur bedingt. Denn hier wird von straightem Hardrock („Borderline“) über gefühlvolle Balladen („Midnight Rain“) bis hin zu Proggie-Stuff (z.B. „Light“) eine große Bandbreite geboten. Für alle Hardrocker sticht natürlich das erwähnte „Borderline“ heraus. Eine Abgehnummer vor dem Herrn mit mächtig Dampf auf dem Kessel. Zwar hat die Platte noch einige weitere gute Songs zu bieten, „Borderline“ ist dennoch das herausragende Stück.

Nach diesem einen Album war aber auch schon Schluss im Hause KASHMYR. In den fünf Jahren ihres Bestehens veröffentlichten sie neben einem 4-Track Demo (1993) nur diese eine Platte. Die Neunziger waren einfach nicht die richtige Dekade für eine Band wie den Vierer aus der Provinz Baden-Württembergs. Schade eigentlich, Potential war vorhanden, wer weiß, was KASHMYR heute fabrizieren könnten.

Stefan

One Hit Rockerz: ANDREW W.K.

ANDREW W.K. (USA)

Besetzung:
Andrew W.K. (vocals)
Jimmy Coup (guitars)
Erik Payne (guitars)
Donald Tardy (drums)
Gregg Roberts (bass)
Frank Werner (guitars)

Andrew W.K. wird als Andrew Wilkes Krier im kalifornischen Stanford geboren. Nachdem er nach New York gezogen war, nahm er einige Demos auf, von denen eines zufällig in die Hände von Dave Grohl (FOO FIGHTERS) gelang. Nachdem er ANDREW W.K. als Vorband mit auf Tour nahm, bekam die Combo einen Vertrag von Mercury Records angeboten. Das erste offizielle Album „I Get Wet“ wurde 2001 aufgenommen und hatte einige wirklich eigensinnige Songs an Bord. Nicht nur, dass der Gesang immer und immer wieder gedoppelt wurde, neben harten Gitarren kam auch immer wieder das Klavier zu Einsatz. Kein Wunder, begann der kleine Andrew im zarten Alter von 4 Jahren damit, in die Tasten zu hauen.

Den größten Erfolg erlangten ANDREW W.K. zwar mit dem Song „We Want Fun“, der aufgrund seines Einsatzes im 2002er Kinofilm „Jackass“ durch die Decke ging. Im Grunde war das Stück aber nur ein Aufguss des ein Jahr früher erschienenen Hits „Party Hard“, der durch mehr Melodie und einprägsamere Elemente auch heute noch auf keiner Party fehlen darf. Überhaupt hat Andrew W.K. gefühlt wohl die meisten Songs mit dem Wort „Party“ im Repertoire.

Der einzige, der sich allerdings im Gehör festgesetzt hat, ist „Party Hard“, alles andere ist nur eine Kopie dieses Songs. „Party Hard“ hat eine ganz eigene Attitüde, leider ist das die einzige, die ANDREW W.K. im weiteren Verlauf seiner Karriere immer wieder aufgewärmt hat. So sind über die Jahre sieben Longplayer sowie weitere sieben EP´s entstanden.

ANDREW W.K. kann allerdings getrost als „One Hit Rocker“ bezeichnet werden, es sei denn, er legt mit seiner Band noch mal gehörig nach – dafür ist es ja bekanntermaßen nie zu spät!

Stefan

One Hit Rockerz: CITY KIDDS

CITY KIDDS (UK)

Besetzung:
Josh Kane (vocals)
Kerry Wild (guitars)
Michael Vallace (drums)
Stevie C. Bright (bass)

Ende der Achtziger drehte sich in den USA alles um den Hair Metal. Metropolen wie Los Angeles platzten aus allen Nähten, täglich kamen neue Bands hinzu, die ihr Glück versuchen wollten. Da ging es im Britischen Königreich schon etwas beschaulicher zu. Klar, Bands wie TIGERTAILZ waren groß, aber im Grunde war Großbritannien genau wie der Rest Europa´s Entwicklungsland im Gegensatz zur damaligen Sleaze-Großmacht USA. Dass sich aber doch etwas bewegte im Untergrund, zeigten Versuche von Kapellen wie den CITY KIDDS, an einen Plattenvertrag zu kommen. Leider bekam die 1988 gegründete Formation nie die Chance, ein komplettes Album aufzunehmen. Lediglich eine 2-Track Single CD und ein 5-Track Demo (letzteres aber eher über dunkle Kanäle) gibt bzw. gab es von diesem Quartett aus Cardiff.

„Generation Love“ nennt sich das einzige offizielle Tondokument, das nur 2 Songs enthält und 1991 über das Kleinstlabel Broken Glass Records veröffentlicht wurde (die CD-Hülle selbst sagt 1991, andere Quellen allerdings 1992). Geboten wird melodiöser Sleaze Rock mit viel Hall im Sound und mit Josh Kane einem Sänger, der den typisch nasalen Gesang perfekt beherrschte. Warum es dennoch nicht mit einem Deal für ein ganzes Album gereicht hat, wissen nur die Götter. Ihr selbst finanziertes Demo kann nicht der Ausschlaggeber gewesen sein, denn das war sogar enorm erfolgreich. Die anschließende „No Women, No Money, No Fun Tour“ führte die Jungs durch die USA und Großbritannien. Sogar in der Londoner Kultstätte The Marquee traten die CITY KIDDS auf. Danach brach das Line-Up auseinander, noch bevor die Single veröffentlicht war. Nach einer weiteren Tournee durch Deutschland, wurde diese endlich auf den Markt geworfen. Die Besetzung war da schon längst eine andere.

Nach vielen weiteren Besetzungswechseln war die Zeit für alle Arten von Sleaze, Glam und Hair Metal aber abgelaufen und so verschwanden auch die CITY KIDDS in der Versenkung, noch bevor sie überhaupt im großen Rampenlicht aufgetaucht waren. „Generation Love“ von der gleichnamigen Single ist dennoch ein Hit, der Bands wie POISON oder BIG BANG BABIES gar nicht unähnlich ist.

Stefan