NEGACY – Escape From Paradise

Band: Negacy
Album: Escape From Paradise
Spielzeit: 56:43 min.
Stilrichtung: Heavy Metal
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 21.09.2018
Homepage: www.negacyofficial.com

Und als Gott NEGACY erschaffen hatte, da sagte er zu ihnen: “Ich bin Euer Herr und dieser Garten soll sein Euer Reich, in dem ihr in Einklang mit allen Wesen der Erde leben und tolle Alben veröffentlichen könnt. Doch hört meine Worte: Wenn Ihr trinkt vom Fass der Erkenntnis, so seid Ihr gestraft auf ewig und müsst Eden verlassen und eure Alben werden leiden unter einer schwachen Produktion!”
Machen wir es kurz: Irgendeiner der fünf Jungs von NEGACY hat es verbockt. Im Folgenden zog man dann aus dem Paradies nach Italien und dann weiter nach Großbritannien, wo das aktuelle LineUp der Band zusammengebastelt und nun auch das vierte Album, “Escape From Paradise”, fertiggestellt wurde.
Das Endergebnis klingt weder typisch britisch, noch typisch italienisch – und alles andere als paradiesisch, im positiven Sinne. Leonel Silvia hat eine eher raue Stimme, trifft die Töne jedoch absolut ordentlich und trägt einen guten Teil zum Gesamtsound der Band bei. Musikalisch regiert auf “Escape From Paradise” nicht selten der helle Wahnsinn. Nicht nur hat die Truppe ein Faible für Taktspielereien und wechselt immer wieder souverän zwischen verschiedenen Taktarten. Auch, und gerade, die Gitarrenfraktion hat ihre helle Freude daran, das Letzte aus ihren Instrumenten rauszuholen. Die Gitarrenarrangements sind häufig erfrischend innovativ und alles andere als das, was man generell von Standard-Metalgitarren erwarten würde, und die Saiten werden bis ans Limit gequält. Sie schreien, röhren, werden in Maximalgeschwindigkeit durchgenudelt und bereiten so einen Gesamtsound, der nicht unbedingt leicht verdaulich, dabei allerdings verdammt hörenswert ausfällt und “Escape From Paradise” zu einem Werk macht, das wohl für diejenigen besonders attraktiv ist, die ihren Metal nicht glattgelutscht und harmonietriefend mögen.
Die Drums tun in Kombination mit den Gitarren dazu ihr Übriges. Nicht selten findet sich der Gesang auf Instrumentalarrangements wieder, die man am ehesten im Black Metal vermuten lassen würde, inklusive Blastbeatgewittern und atmosphärisch-bösen klirrenden Klangteppichen. Die Eingängigkeit der Songs hält sich dank jener Faktoren in Grenzen (obgleich sich durchaus eine beachtliche Menge hymnisch-hamonischer, powermetallischer Parts finden lässt), was im Fall von NEGACY allerdings auch nicht störend ist. Die meisten Songs, wie “Scattered Life” mit seinem Spieluhrintro und der Umsetzung des Spieluhrmotivs in ein großartig gemeines Riff, stechen dabei hervor, andere wenige, wie die beiden letzten Tracks, gehen ein wenig unter. Bis dahin 8,5 von 10 Punkten.
Problem: Die Produktion. Nicht nur sind die Vocals und Backing Vocals einfach aufgrund ihrer Produktion doch eher Störfaktoren, der Rest der Band klingt tendenziell dumpf und etwas matschig, dabei recht tiefenlos, und das ist ein klarer Nachteil für ein Album, auf dem dermaßen viel passiert. Bestenfalls hätte man das Ding druckvoll und klar produzieren können, um das Untergehen einzelner Nuancen in der klanglichen Masse zu verhindern, und die Vocals zumindest etwas anfetten und mit einem Hall- oder Echo-Effekt versehen können. Doch so, wie es nun ist, leidet “Escape From Paradise” erheblich unter der Soundqualität und einigen schlechteren Mixing-Ideen und das rechtfertigt leider eine Abstufung auf 7,5 Punkte. Das ist besonders bitter, weil die Scheibe an sich eine echte Ausnahmeerscheinung ist, die Dauerrotation zweifelsohne verdient hätte. Beim nächsten Mal daran etwas schrauben, ein oder zwei kompetente Leute zusätzlich an die Regler schicken, und wir haben bei Album Nr. 5 einen klaren 9,5er-Kandidat.

Anspieltipps:
“Scattered Life”, “Land Of Oblivion”, “Under The Sycamore” und “Slave To The Faith”

Fazit:
Man hört “Escape From Paradise” schon mit einem hängendem und einem bangenden Kopf. Wer über die Produktion jedoch hinwegsehen kann und neben dem ganzen Keyboardgedudel gerne mal wieder ein bisschen auf die Fresse bekäme, der bekommt mit “Escape From Paradise” ein Werk, das teils klassisch heavy-metallige, teils nahezu wahnsinnig-geniale Züge hat. Tut den Jungs einen Gefallen, hört mal rein und kauft die Platte, wenn Ihr das Potenzial dahinter erkennt. Dann haben sie beim nächsten Album auch genug Geld für einen vernünftigen Sound – und dann gibt es kein Halten mehr.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Ex Cinere
02. Born Betrayed
03. Dog Among The Wolves
04. Land Of Oblivion
05. Escape From Paradise
06. Under The Sycamore
07. Lies Of Empathy
08. Scattered Life
09. Slave To The Faith
10. Black Messiah
11. Last Will

Jannis

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