TROLLFEST – Norwegian Fairytales

Band: Trollfest
Album: Norwegian Fairytales
Spielzeit: 41:40 min.
Stilrichtung: Folk Metal/True Norwegian Balkan Metal
Plattenfirma: NoiseArt Records
Veröffentlichung: 18.01.2019
Homepage: www.trollfest.com

Das Internet beschert uns in der heutigen Zeit eine unermessliche Menge an Vorteilen. Die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu Menschen an nahezu jedem Ort dieser Welt, Videos von Katzen, die sich vor Gurken erschrecken, anonymes Sexspielzeugshopping und die Option, Menschen zu beleidigen, weil ihre Meinung von der eigenen abweicht. Was gemeinhin vernachlässigt wird, ist der Bonus, dass das Internet Rezensenten ermöglicht, die Trackliste des neuen TROLLFEST-Albums einfach in die eigene Rezension zu kopieren, statt alles akribisch abtippen zu müssen. Denn von der vertrauten Mischung aus norwegisch und englisch hat man sich auf “Norwegian Fairytales” verabschiedet, agiert komplett auf norwegisch, ist vielleicht sogar ein wenig erwachsen geworden. Ist das tragisch? Nö. Die Texte behandeln halt nicht mehr primär witzige Nonsensgeschichten und Alkoholkonsum, sondern norwegische Volksgeschichten, ist aber auf norwegisch, merkt also keiner hier. Musikalisch regiert nach wie vor kreativer Wahnsinn. Blastbeats und Gedresche kombiniert mit norwegischer Volksmusik und Balkan-Inspiration, und der Mix klingt homogener als je zuvor bei einem TROLLFEST-Album. Gekeife und Gesang (den man so oder so ähnlich vermutlich in norwegischen Kneipen morgens um halb vier zu hören bekommt) wechseln sich ab, zwischendurch gibt’s ein paar Parts mit Gastsängerin, die sich gut in das Werk einfügen. Dazu Klavier, ganz wenige Synths, viele Balkan- und Norwegen-Instrumente traditionellen Ursprungs und eine kleine Orgel, vermutlich die einzige, die sich in Norwegen noch fand.
Hinsichtlich des Taktes ist man ebenfalls unkonventionell unterwegs. Vermutlich könnten DREAM THEATER eine kompositorisch unveränderte, lediglich stilistisch angepasste Version des Albums rausbringen, denn stumpf ist “Norwegian Fairytales” nun wahrlich nicht. Im Gegenteil. Das generische Folk-Metal-Humpa macht auf dem achten Release der Kollegen einer Fülle seltsam aber geil anmutender Arrangements platz, in denen auch gerne mal ruhige Klavierpassagen (hundertpro GRIEG-inspiriert) mit trolligem Gekreische kombiniert werden.
Dazu finden sich auf der Platte drei Songs, die durch ihre Länge von maximal 95 Sekunden aus dem Raster fallen. Sei es fröhliches Folk-Gedudel, ein Song, der sich von einem guten Popsong mit idyllischem Klaviermotiv lediglich durch Gedresche und Geschreie abhebt oder ein kurzer Track, der beinahe als Folk-Metal-Version eines vernünftigeren IGORRR-Tracks durchginge: Die komplette Palette an Absonderlichkeiten wird abgedeckt; stets irgendwie lustig, aber als Folk-Metal-Album in seiner Kreativität ernstzunehmender als 95% der Anderen im Business.
Mit 41 Minuten Spieldauer ist die Länge von “Norwegian Fairytales” nicht allzu monumental, aber dafür gibt es auch keinen wirklichen Lückenfüller. Produziert ist das Ganze sauber und gut und auch sonst gibt es an TROLLFESTs neustem Streich nicht wirklich was zu meckern. Ganze Arbeit, Freunde!

Anspieltipps:
“Espen Bin Askeladden”, “ Fjøsnissens Fjaseri”, “ Småfolkets store bragder” und “ Deildegasten”

Fazit:
Man muss kein Freund von Folk Metal sein, um an “Norwegian Fairytales” seine Freude zu haben. Es reicht schon, wenn man ein Freund humorvoll und kompetent ausgearbeiteter musikalischer Konzepte ist und sich manchmal nachts im Gebüsch herumtreibt.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Fjøsnissens Fjaseri
02. Kjettaren mot strømmen
03. Espen Bin Askeladden
04. Trine Reinlender
05. Fanden Flyr
06. De tre Bukkene Berusa
07. Småfolkets store bragder
08. Draugen
09. Deildegasten
10. Byttingenes Byttehandel
11. Nøkken og Fossegrimen spiller opp til midnattstimen

Jannis

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