VARJO-ORKESTERI – Seremonia

Trackliste:

01. Suunnistaja
02. Palvojat
03. Sinisiipi
04. Viherkylki
05. Käpälämäkeen
06. Ilmestymätön
07. Kiitäjä
08. Yheden Miehen Keitos
09. Kaavanmurtaja
10. Sarastus
11. Korpiveisu

Spielzeit: 56:46 min – Genre: Melodic Progressive Rock – Label: Eigenproduktion – VÖ: 20.01.2023 – Page: www.facebook.com/VarjoOrkesteri/

 

Wie immer im Leben spielte hier mal wieder Meister Zufall die Hauptrolle, ich kam durch Zufall auf dieses kleine Juwel. Zufällig stieß ich bei Bandcamp auf das VARJO-ORKESTERI eine mir bis jetzt völlig fremde Band. Als ich das Album hörte war für mich als Liebhaber von Exoten klar den Cheffe wegen der Promo und Infos anzuschreiben damit er für mich und diese talentierten Musiker auf Raubzug geht.

Als ich vor ein paar Tagen das Album zum ersten mal gehört habe, stutzte ich erst wegen der für mich komischen Songtitel aber als ich finnische Rocker gelesen habe war klar die Band hat Texte auf Suomi. Dann kamen als nächstes Gedanken an vielleicht ähnlich wie BROTHER FIRETRIBE, ZERO NINE, BOYCOTT, IMPERIUM oder doch die härtere Gangart wie LEVERAGE, BATTLE BEAST, BEAST IN BLACK, MEMOREMAINS, NIGHTWISH etc..

Also mal meine Vorkenntnisse zur finnischen Musikszene und deren Bands beiseitegeschoben und einfach der Mucke gelauscht. Was erwartet den Hörer, beim ersten hören vielen mir die Schweizer PILOTS OF THE DAYDREAMS ein die Anfangs aber sperriger waren und bei jedem Durchgang an Intensität und Qualität hinzu gewinnen konnten. Jetzt krebsen die Eidgenossen bei einer Bewertung von 9 bis 9,5 rum. Bei VARJO-ORKESTERI verhält es sich anders, man ist ab den ersten Takten gefesselt und gespannt was als nächstes kommt. Die Band beweist ein hohes Maß an Kreativität und Qualität. Die Songstrukturen sind nie zu verspielt sondern jederzeit auch für nicht Prog Fans nachvollziehbar und gehen sofort ins Ohr und Gedächtnis. Die Prog Einflüsse halten sich für mich in Grenzen und sind dezent und wohldosiert eingesetzt, ohne sich in Spielerein und in endlosen Verschachtelungen zu verlieren wird auf diesem zweiten Album eher ein Art Melodic Hard Rock mit leichten Prog Elementen geboten.

Zur Band selber gibt es folgende Infos. Die Mitglieder des VARJO-ORKESTERI sind auch in Bands wie OMNIUM GATHERUM, TOTAL, DEVASTATION, MANITOU, KAIHORO, RETURN TO VOID, DEMONIC DEATH JUDGE usw. zu finden. Markku Pihlaja am Mikro, Saku Hakuli an Gitarre, Pasi Hakuli an Bass und Jarmo Pikka an den Drumsticks.

Die Band kommentiert das Album:
„Wenn eine Nachricht von der anderen Seite kommt, beginnt das Balancieren im Chaos. Als zerbrechliche, aber reale Wesen reisen wir in der Zeitlosigkeit. Faszinierend, unwiderstehlich, dass zweite Album des VARJO-ORKESTERI, „Seremonia“, interpretiert Sternkarten, Urmaterie und bietet Einblicke in die Vergänglichkeit. Es tritt aus dem Rand heraus. Auf die andere Seite, zu etwas Neuem. Wenn du es wagst, dich seiner Reise zu ergeben?“

Wer jetzt in Bezug auf finnische Texte die Haare rauft und skeptisch ist, den kann ich beruhigen, finnisch passt sehr gut zu Rock Mucke besonders wenn diese so stark vorgetragen wird. Finnisch hat für mich einen ähnlichen Klang wie spanisch oder italienisch und passt durch die Lautgebung perfekt zu Rockmucke. Schade ist eigentlich nur das mir keine englische Übersetzung der Texte vorliegt, man weiß dadurch leider nicht um was es in den Songs geht. Dies ist der einzige Kritikpunkt den es zu bemerken gibt.

Vergleichen kann man das Album am besten mit einer Version südländischer HEROES DE SILENCIO und NIAGARA Leichtigkeit des Seins, diese gemischt mit der skandinavischen obercoolness von BOYCOTT und ZERO NINE, obendrauf noch MIDNIGHT OIL Spuren im Sand und der unvergessene RONNIE JAMES DIO und BLACK SABBATH haben auch den einen oder anderen Fußabdruck hinterlassen. Die Stimme hört sich nach einer Kreuzung aus Kepa Salmirinne (ZERO NINE), Tommi Läntinen (BOYCOTT), Enrique Bunbury (Heroes De Silencio) und Zucchero an und überzeugt in allen Punkten der Anklage. Die Gitarren erinnern an eine skandinavische Ausführung der HEROES DE SILENCIO mit BOYCOTT und ZERO NINE Genen auf DIOschen und SABBATHschen Pfaden. Die Riffs sind immer genau richtig platziert und kommen furztrocken aus dem Äther, der Bass bügelt voll nach vorne und die Drums hauen einem den Gips aus der Birne. Die Produktion klingt leicht steril aber dennoch mit Druck.

Mit „Suunnistaja“ geht es vom Sound sehr froh in das Album, ein cooler und geiler Melodic Rocker, „Palvojat“ hört sich um eine Spur schärfer an mit dezent aber deutlicher Prog Note. „Sinisiipi“ der nächste Hit mit Melodie, Härte und den zurückhaltenden Prog Spielereien, „Viherkylki“ was für ein Kracher, das Ding zieht seine Bahn unaufhaltsam in die Trommelfelle. „Käpälämäkeen“ ein Melodic Highlight mit viel Drive, „Ilmestymätön“ eine Nummer zum träumen geil gemacht. „Kiitäjä“ skandinavisch geil mit starkem Basslauf und Riffing. „Yheden Miehen Keitos“ erinnert mich an die spanisch/finnisch Connection mit MIDNIGHT OIL DNA angereichert und dabei verdammt geil, „Kaavanmurtaja“ schräges und intensives Riffing. „Sarastus“ kommt sehr gut mit spacig orientalischen Flair und Melodic Rock Riffs, „Korpiveisu“ zeigt zum Schluß nochmal eindrucksvoll was VARJO-ORKESTERI drauf haben ein Highlight mit DIO und SABBATH Lines.

Balle