OVERDRIVE – The Final Nightmare

Band: Overdrive
Album: The Final Nightmare
Spielzeit: 45:23 min
Stilrichtung: NWoBHM
Plattenfirma: Pure Rock Records
Veröffentlichung: 22.08.2014
Homepage: www.overdriverockband.co.uk

Nicht jede Band, die vor 30 Jahren relativ sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden ist, verdient es heute ausgebuddelt und ins grelle Scheinwerferlicht gezerrt zu werden. Da gab’s schon hier und da verständliche Gründe, warum so manche Combo es dann doch nicht geschafft hat. Die Briten OVERDRIVE versuchen nun von der Tatsache zu profitieren, dass jedes noch so unwichtige Überbleibsel der alten Szene als unentdecktes Juwel verherrlicht und als die verlorene Perle gehyped wird. In den 80er sind die Jungs nicht über eine Single und ein Demo hinausgekommen, haben dann in den 90ern 2 und seit 2004 nochmals 4 Alben rausgebracht und nehmen mit der vorliegenden Scheibe einen weiteren Anlauf.

Nun, Butter bei die Fische. Wie wohl schon ersichtlich bin ich mir nicht ganz sicher ob die Welt ein neues Album dieser Veteranen wirklich braucht. Musikalisch ist das, was die Herren hier abliefern durchaus brauchbar (besonders die Gitarrensoli lassen aufhorchen), auch wenn die Songs allesamt nach demselben Strickmuster zusammengebaut sind und zwischendurch auch gerne mal gepflegte Langeweile aufkommt. Da hilft der suboptimale Gesang auch nicht unbedingt weiter. Songs wie das spannende „Nightwalker“, das flotte „Wasted“ oder „Invited To Hell“ leben aber von dem hörbaren Enthusiasmus und der Spielfreude der Truppe, die zwar etwas nah am Szene-Kodex klebt, aber greifende Hooks schreiben kann die der Konkurrenz nicht wirklich nachstehen und durch die Orgel und Keyboard-Sounds von Tim Hall auch eine gewisse Eigenständigkeit im Sound haben.

Sauer stößt mir aber die Produktion der Platte auf. Ich bin mir durchaus im Klaren, dass es sich bei „The Final Nightmare“ um eine Underground Platte handelt die mit geringem Budget bei einem Nischenlabel rauskommt. Da würde ich jetzt auch prinzipiell ein Auge zudrücken, denn für den Undergound gelten andere Regeln. Wenn das Ganze aber damit beworben wird, dass niemand Geringeres als der große Chris Tsangarides (u.a. Judas Priest und Thin Lizzy) an den Reglern gesessen hat, dann darf man auch andere Maßstäbe ansetzen. Der Mann macht aber anscheinend alles für Geld – und liefert augenscheinlich stark Budget-orientierte Ergebnisse ab: Was sich im Promo-Sprech noch nach einem „druckvollen, erdigen“ Klang anhört ist dann vielmehr ein dröhnender Brei, bei dem der eh nur mittelmäßige Gesang dann noch derart mies abgemischt ist, dass es eine Schande ist. Jungs, das Geld hättet Ihr euch sparen können. Ein Schüler der nächstgelegenen Toningenieur-Schule hätte mit aller Wahrscheinlichkeit einen besseren Job abgeliefert als das hier. Und wo wir schon beim Meckern sind: Lasst den Herrn Steve Harris bloß nie den Mittelteil von dem ansonsten besten Track „Wasted“ hören … das könnte Ärger geben.

Unterm Strich ist „The Final Nightmare“ eine okaye Scheibe die Genretypische Songs und eine bestens aufgelegte Band bietet und lediglich bei der Produktion etwas Federn lassen muss. NWOBHM Fans können ein Ohr riskieren.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Invited to Hell
02. Twice Shy
03. Glass Game
04. Twisting My Mind
05. Wasted
06. Lost On A Mountain
07. Nightwalker
08. Taken Young (Ben’s Song)
09. Final Nightmare

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