JACK RUSSELL’S GREAT WHITE – He Saw it Coming

Band: Jack Russell's Great White
Album: He Saw it Coming
Spielzeit: 40:53 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 27.01.2017
Homepage: www.jackrussellsgreatwhite.com

Es ist eine Schande mit ansehen zu müssen wie die einstigen Helden meiner Jugend sich zerfleischen und ihr eigenes Erbe in die Tonne treten. Neben Queensryche und Ratt sind leider auch Great White mittlerweile doppelt unterwegs – und keines der beiden Lager ist wirklich ein legitimer Vertreter der lieb gewonnen und geschätzten Band der Vergangenheit. Dem einen fehlt der charismatische Sänger, dem anderen das charakteristische Songwriting des jahrelangen Partner in Crime. Während Great White unter der Ägide von Original Gitarrist und Songschreiber Mark Kendall (sowie Langzeit Schlagzeuger Audie Desbrow und Gitarrist/Keyboarder Michael Lardie) zurzeit an einem Nachfolger zu dem okayen „Elation“ (2012) werkeln, legt Sänger Jack Russell schon mal das Debüt seiner Formation JACK RUSSELL'S GREAT WHITE vor …

Der etatmäßige Frontmann von Great White (Terry Ilous, ehemals XYZ) ist beileibe kein schlechter Sänger. Das Format und die einmalige Stimmfarbe eines Jack Russell gehen ihm allerdings völlig ab. Und genau das ist es, was der geneigte Fan von „He Saw it Coming“ erwarten kann: die geschätzte markante Stimme des Sängers, der in seinem Leben schon so manche Hochs und Tiefs mitgemacht hat und dank Gevatter Alkohol dem Tod schon recht nah auf die Schippe gehüpft ist. Auf „He Saw it Coming“ klingt der Gute aber als wäre nichts geschehen – die Stimme ist immer noch da und das treibt dem Fan bereits die Freudentränen in die Augen. Mit Herzblut und unbändiger Energie tut Russell das, was er (neben saufen) immer noch am besten kann: singen. Da schadet es nichts, dass die Songs weitestgehend gut bis sehr gut gelungen sind: der flotte Opener „Sign of the Times“ (ein echtes Highlight), das elegant swingende „She Moves Me“ oder das autobiographische „My Addiction“ können voll überzeugen – nicht nur als Vehikel für den Frontmann, sondern auch als gelungene Band-Leistung. Ein Problem ist, dass die gebotene stilistische Bandbreite vielleicht etwas zu weit gefächert ist. Man hat eher dein Eindruck einer Ansammlung von Songs, denn einem homogenen Album zu lauschen. Und auf dem Cover prangert definitiv der falsche Bandname: mit dem klassischen Great White Sound hat „He Saw it Coming“ nicht viel zu tun. Es handelt sich eher um ein JACK RUSSELL Solo-Album. Allerdings um ein recht starkes. Eine Anmerkung aber noch: Die Gitarren sind, wenn auch technisch brilliant eingespielt und gut produziert (wie der Rest des Albums auch), leider vor allem in den Soli von Robby Lochner leidenschaftslos und den charakteristischen Licks eines Mark Kendall meilenweit unterlegen.

Licht und Schatten – wie JACK RUSSELLs Leben, so auch sein Schaffen. Wenn man mal vom debilen Artwork und dem in die Irre führenden Bandnamen absieht, legt uns der Ausnahmesänger hier aber ein durchaus beachtliches Album vor, an dem sich seine ehemaligen Band Kollegen messen lassen müssen. Die alten Klassiker der Ur-Band lassen wir hier mal nicht als Referenz zu, denn da wird keine der beiden Formationen mehr herankommen. Daher kann ich der Platte, auch wenn sie den einen oder anderen Durchhänger (wie die verzichtbare Ballade „Anything for You“) hat, eine klare Kaufempfehlung aussprechen.

WERTUNG:

 

 

Trackliste:

01. Sign of the Times
02. She Moves Me
03. Crazy
04. Love Don't Live Here
05. My Addiction
06. Anything for You
07. He Saw it Coming
08. Don't Let Me Go
09. Spy vs Spy
10. Blame it on the Night
11. Godspeed

Mario

 

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