DREAM THEATER – Dream Theater

Band: Dream Theater
Album: Dream Theater
Spielzeit: 68:06 min
Stilrichtung: Progressive Metal
Plattenfirma: Roadrunner Records
Veröffentlichung: 24.09.2013
Homepage: www.dreamtheater.net

(Da das Label, wir reden hier immerhin on Roadrunner Records, trotz mehrmaliger Nachfrage und zahlloser Vertröstungen, nicht fähig oder willens war uns mit dem neuen DREAM THEATER Album zu bemustern, gibt es die Besprechung nun halt ausnahmeweise nach der offiziellen VÖ, auf Basis meiner gekauften CD.)

Exit Mike, Enter Mike war gestern. Entscheidend is auf‘m Platz und irgendwelche Ausreden gelten beim mittlerweile 12. DREAM THEATER Studioalbum nicht mehr. Kam dem Fan auf der 2011er Scheibe „A Dramatic Turn Of Events“ noch so manches Arrangement etwas zu vertraut vor, so ließ sich die vermeintliche Nummer-Sicher-Taktik noch mit den just überstandenen Turbulenzen nach dem Ausscheiden von Drum-As und Kindskopf Portnoy erklären. Die Spannung war groß was Petrucci & Co. mit Ihrer selbstbewusst schlicht „Dream Theater“ benannten neuen Scheibe würden vorlegen können. Soviel vorweg: „Dream Theater“ ist definitiv besser als der rückblickend nur ordentliche Vorgänger oder das blasse, ideenarme „Black Clouds And Silver Linings“ und somit die überzeugendste Scheibe die die Band seit dem Wechsel zu Roadrunner Records bisher abgeliefert hat. Das Artwork, die Arrangements und die zwar nicht trendsetzende, aber Top-Professionelle Produktion gehen Hand in Hand und lassen das neue Album wie aus einem Guss erstrahlen.

Wer die erste Single „The Enemy Inside“ bereits gehört hat, kennt die grobe Marschrichtung: Teilweise harsche Metalriffs, gepaart mit dicken Widerhakenmelodien und mainstreamigem, angepasstem Breitwandsound. Was als Grundtenor bei „Black Clouds And Silver Linings“ nur zaghaft umgesetzt wurde findet jetzt seine Vollendung: Neben Mangini’s songdienlichem, extrem „produzierten“ Drumming ist vor allem John Petrucci allgegenwärtig. Seine Gitarrenwände sind meterdick und in Sachen Soli besinnt er sich dankenswerterweise wieder auf seine frühen Glanztaten und lässt der Melodie den Vortritt vor reiner Schaumschlägerei. Positiv fällt ebenfalls auf, dass die Arrangements die bereits seit „Train Of Thought“ immer beliebiger gewordenen Keyboards nicht mehr gänzlich in die Statistenrolle drängen sondern Jordan Rudess wieder etwas Zeit und Rahmen zur Entfaltung bieten. Das macht sich in abwechslungsreichen, bärenstarken Tracks wie „The Looking Glass“, „The Bigger Picture“ oder „Behind the Veil“ positiv bemerkbar. Die in den letzten Jahren oft ellenlangen, überflüssigen Passagen sowie ewigen Selbstzitate wurden zugunsten von strafferen Arrangements gnadenlos zurechtgestutzt und der Ablauf der Songs ergibt einen homogenen, schlüssigen Flow was das Durchhören des Albums (immerhin fast 70 Minuten) durchweg spannend gestaltet. Wo Licht, da aber auch (leider) Schatten: Mit „Enigma Machine“ gibt es nach vielen Jahren zwar nochmals ein von den Fans hieß erwartetes Instrumental, das aber eher nach einer ausgiebigen Soundcheck Jamsession als nach einem penibel ausgearbeiteten Opus klingt und auch der über weite Strecken mit richtig guten Ideen versetzte Longtrack „Illumination Theory” verblasst im direkten Vergleich zum Bandklassiker „A Change of Seasons“ (bei dem wirklich jede einzelne Minute ein Geschenk war) deutlich weil es einfach zuviel Füllmaterial gibt. Gerade diese beiden Tracks, die die Bandtrademarks so offensichtlich propagieren sollen, sind dann auch in der Tat die beiden Schwachstellen (neben der beliebigen Ballade „Along For The Ride“) eines ansonsten starken, selbstbewussten Albums.

Man kann jetzt mosern, dass DREAM THEATER hier nicht mehr als (kompetente) Andenkenpflege betreiben. Und so Unrecht hat man dabei nicht. Was vielleicht fehlt ist der Mut und die Sturköpfigkeit der Vergangenheit, als man Alles auf eine Karte setzte und mit „Scenes from a Memory“ z.B. ein Monument ablieferte, dass in dieser Konsequenz und Fantasiegewalt keiner erwartet hatte. Es wäre wohl nochmals Zeit für ein Album mit einer klaren Vision, einer fixen, ungewöhnlichen Idee, anstatt dem neuerlichen Versuch auch dem allerletzten Hinterbänkler klarmachen zu wollen wer DREAM THEATER eigentlich sind. Neues oder Originelles hat DREAM THEATER anno 2013 bedauerlicherweise nicht zu sagen. Vielleicht sind meine Erwartungen einfach zu hoch? Vielleicht fehlen die für Kreative Explosionen nötigen Reibungen seit es im Hause DREAM THEATER so ungewohnt harmonisch zugeht? Dem Erfolg der Band scheint all das jedenfalls keinen Abbruch zu tun, so manchen Fan der ersten Stunde mag die weitere Stagnation (auf hohem Niveau) aber durchaus enttäuschen. Im direkten Vergleich haben Haken und Fates Warning jeweils die mutigeren, originelleren Alben vorgelegt während DREAM THEATER nur die gewohnt hochklassige Standardware liefern.

Ich muss aber nochmals kurz auf den Sound der Scheibe zurückkommen. Die Scheibe schiebt wirklich erstklassig aus den Boxen, klingt verdammt edel und ist vor allem unter Kopfhörern eine Wucht. Unangenehm fallen aber der, nennen wir ihn mal „sonderbare“ Klang der Snare und das ziemlich heftige Mastering auf. Letzteres ist zwar nicht ganz so krass wie auf der letzten Queensrÿche Platte, aber dennoch ziemlich auf Linie mit dem unsäglichen Loudness-War den sich vor allem die Major-Labels immer noch liefern. Schade eigentlich.

WERTUNG: 

Trackliste:

01. False Awakening Suite
02. The Enemy Inside
03. The Looking Glass
04. Enigma Machine (Instrumental)
05. The Bigger Picture
06. Behind the Veil
07. Surrender to Reason
08. Along for the Ride
09. Illumination Theory

Mario

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