TANGIER – Four Winds (Re-Release)

Band: Tangier
Album: Four Winds (Re-Release)
Spielzeit: 42:17 min
Stilrichtung: Blues / Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 21.08.2013
Homepage: www.tangierband.com

In der Schnittmenge aus staubigem Blues Rock und kantigem Hard Rock agierte die aus Philadelphia stammende Combo TANGIER, die 1989 ihr erstes Major Album (nach einem Indie Demo) unter der Regie der kürzlich verstorbenen Produzenten Legende Andy Johns (Led Zeppelin, Rolling Stones, Free) einspielte. Da die Band enge Kontakte zum Cinderella Frontman Tom Keiffer hatte, setzte dieser einige Hebel in Bewegung um seinen Kumpels zu einem Label Deal zu verhelfen und besorgte unter anderem einen Support Slot auf einer ausgiebigen US Tour seiner eigenen Band. Die Zeichen für TANGIER standen also gar nicht schlecht, zumal die Band mit Sänger Bill Mattson sowie Gitarrist und Kreativkopf Doug Gordon 2 ausgesprochene Könner in Ihren Reihen hatte. Mattson‘s Vorliebe für Paul Rodgers ist seiner energischen Darbietung zu jeder Sekunde anzuhören. Der Mann hatte Charisma, Power und eine angenehm raue Stimme die perfekt zum Songmaterial passte. Wie ein roter Faden zieht sich aber vor allem die hervorragende Gitarrenarbeit Gordon‘s durchs Album, der lange Jahre verzweifelt nach Gleichgesinnten gesucht hatte, die wie er nicht den schnelllebigen, oberflächlichen LA Glam-Rock in der Nase, sondern die Klassiker wie Johnny Winter oder Jimmy Page im Blut hatten. Der Lead Gitarrist brilliert mit flüssigen Linien, packenden Slide-Einlagen und geschmackvollen Akkorden und Harmonien.

Andy Johns gelang ein soundtechnisch toller Spagat zwischen gerade genug Politur und glaubhafter Bodenständigkeit, der in Tracks wie dem groovigen Opener „Ripcord“, den Blues-getränkten Krachern „Mississippi“ und „Sweet Surrender“ sowie dem absoluten Highlight der Scheibe, „Southbound Train“ begeistern kann. Auch der Rest der Songs ist überdurchschnittlich gut und begeistert den Fan von erdigem Hard Rock von der ersten bis zur letzten Minute. Einen veritablen Hit schmiss „Four Winds” leider nicht ab, so dass das Label seine hohen Erwartungen nicht bestätigt sah und, wie leider oft üblich, das Hackebeil auspackte. Mit etwas Kopfschütteln muss man in den hervorragenden, sehr ausführlichen Linernotes lesen, dass Sänger Mattson als Konsequenz aus den enttäuschenden Verkaufszahlen seinen Hut nehmen musste und sich die Band für das 1991 mit komplett ausgetauschter Mannschaft eingespielte (und erfolgreichere) Album „Stranded“ den Labelvorgaben beugen musste. Danach war bei TANGIER leider Schicht in Schacht. „Four Winds” ist aber ein mehr als vorzeigbares Erbe einer Band, die wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Wem die kernigeren Tracks auf Richard Marx’s „Repeat Offender“ und die Roots-Rock Ausrichtung von Great White (ab „Hooked“) zusagt, der kann sich die TANGIER Debüt Scheibe ruhigen Gewissens in den Einkaufskorb legen. Die vorliegende Version des Albums klingt (ob trotz oder dank Remaster kann ich mangels original CD nicht bestätigen) ausgesprochen druckvoll und zeitlos – ganz so wie man es bei der Klasse der Beteiligten vor und hinter den Mischpult erwarten kann. Dolles Ding.

WERTUNG: 

Trackliste:

01. Ripcord
02. Mississippi
03. On The Line
04. In Time
05. Four Winds
06. Fever Of Gold
07. Southbound Train
08. Sweet Surrender
09. Bad Girl
10. Good Lovin’

Mario

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