KANE ROBERTS – Unsung Radio

Band: Kane Roberts
Album: Unsung Radio (limitiertes 2-CD Set)
Spielzeit: 45:54 min + 56:55 min
Plattenfirma: www.firefestofficial.com
Veröffentlichung: Oktober 2012
Homepage: www.kaneroberts.com

Bei der vorliegenden Veröffentlichung handelt es sich nicht um neues Material des ehemaligen Alice Cooper Sidekicks KANE ROBERTS, sondern um die Wiederveröffentlichung eines 1999er Albums auf der ersten, und einem Sammelsurium aus unveröffentlichtem Material und Spoken-Tracks auf einer zweiten CD. Da beide Scheiben unterschiedlicher nicht sein könnten, im Folgenden nun eine getrennte Besprechung der Silberlinge:

Disc 1: PHOENIX DOWN – „Under a wild Sky“

Nachdem ROBERTS sich im Anschluss an des Album „Raise your Fist and yell“, sowie der dazugehörigen Tour, von seinem Mentor Alice Cooper abgenabelt hatte, veröffentlichte er unter eigenem Namen zwei Soloalben (beide 2012 bei Yesterrock in feinen Re-Releases neu aufgelegt). Vor allem das zweite Werk „Saints and Sinners“ fuhr, dank glattpolierter A-Grade Produktion und Hitfutter aus dem Hause Desmond Child, ordentliche Kritiken ein. Danach wurde es ruhig um den talentierten Gitarristen und Sänger, der sich ins Privatleben zurück zog und als PC-Spiele Programmierer ein zweites Standbein aufbaute. 1999 versuchte er unter dem Bandbanner PHEONIX DOWN einen neuen Anlauf, der aber, inmitten des grassierenden Grunge-Wahns, zum Scheitern verurteilt war.

Nun wirft man die Scheibe ein zweites mal, unter dem vermeintlich zugkräftigeren Namen KANE ROBERTS und als Teil einer Compilation, auf den Markt. Gleich der erste Track „Reckless“ entlarvt das Album als typisches Kind seiner Zeit. Noch eindeutig im hookverliebten Stadionrock der 80er verwurzelt, versuchte man angesagte, stilfremde Elemente in den eigenen Sound zu integrieren: Ein schwer nach Groovemetal klingendes single-note Riff, Funk(!)-beeinflusste Breaks, eingestreute Rap(!!!)-Einlagen. Was auf dem Papier unweigerlich nach Katastrophentourismus klingt, funktioniert in der Praxis dann aber verblüffenderweise erstaunlich gut – der Song geht sofort in die Füsse und groovt wie Sau. Auch im weiteren Verlauf des Albums blitzen vereinzelt eingestreute Querverweise zu angesagten Bands der damaligen Zeit auf: so baut „Blind“ recht elegant auf einem typischen ALICE IN CHAINS Riff auf, entsprechender Gesang inklusive. Das kann man grundsätzlich Scheisse finden, wenn es aber so gut funktioniert wie hier, habe ich damit kein Problem.

Die übrigen Songs sind allesamt klassischer gehalten und auf durchgehend starkem Niveau („Love Gone Wrong”, „Walk“). Erfreulich auch, dass immer dann, wenn eine Nummer ins Belanglose abzudriften droht, ROBERTS eine starke Melodielinie aus dem Ärmel schüttelt und für ein Aha-Erlebnis sorgt (wie in den bluesig angehauchten Balladen „Rain“ und „In Another Life “). Zum Abschluss gibt es noch eine Neueinspielung des bereits auf „Saints and Sinners“ vertretenen Hits „Rebel Heart“, das leider arg verkrampft daherkommt und somit zum verzichtbaren Rausschmeisser wird.

Eindeutiger Dreh- und Angelpunkt der Platte ist KANE ROBERTS, der sowohl gesanglich als auch an der Gitarre nie zu den absoluten Ikonen seines Fachs gezählt hat, hier aber äusserst souverän durch die 10 Tracks führt. Ich hatte ehrlicherweise nichts von diesem Album erwartet und staune nun darüber, dass ich die Scheibe wieder und wieder durch den Player jage. Eine kleine Überraschung, die mir im direkten Vergleich zu „Saints and Sinners“ sogar noch einen Ticken besser gefällt, da die Songs weniger verkrampft und herrlich ungezwungen daherkommen.

Alles in Allem eine Platte die, damals wie heute, zwar 0,00 kommerzielles Potential aufweist, dafür aber angenehm zeitlos klingt und Freunden von kernigem Rock mit packenden Melodien dringend zum Entdecken ans Herz gelegt sei.

WERTUNG:

Disc 2: KANE ROBERTS – „Unsung Radio“

„Hey, Kane, hast Du vielleicht noch ein paar unveröffentlichte Sachen rumliegen, die wir als Raritäten-Sammlung verscherbeln können?“
„Hmm, klar. Ich hab hier noch 9 alte Kamellen rumliegen. Wie wär’s damit?“
„Super, aber n bisschen wenig für eine CD … hast Du sonst noch was? Irgendwas?“
„Moooment, hier unten in der Schublade … warte, gleich hab ich´s … ja, 2 Demos die kein Mensch braucht.“
„Mensch, Kane, super. Aber da fehlt noch ein bisschen der Pepp, was völlig Neues, Du verstehst? Wie wäre es, wenn Du schnell deine Klampfe in die Hand nimmst und einfach mal so, frei von der Leber weg und völlig sinnfrei, ein paar Minuten rumshredderst, wir nehmen das Ganze dann auf und packen das mit auf die CD?“
„Hey, klingt wie ´ne dufte Idee!“
„Klasse, jetzt haben wir´s fast. Jetzt wären ein paar Audiokommentare zu einzelnen Songs, natürlich nicht zu allen, doch auch noch tofte, oder? Nimm dein iPhone und Quatsch einfach mal ein paar Anekdoten drauf … muss nichts Interessantes sein. Und das ist dann auch bestimmt gut so. Das wollen die Leute hören, ganz bestimmt.“
„Ok, Dude. Wird gemacht.“

Überzeugt die Neuauflage des PHOENIX DOWN Albums noch mit einer handvoll Songs, die homogen und gradlinig daherkommen, lässt CD 2 den Hörer bisweilen verständnislos zurück. Zwischen 9 raren, bzw. bisher unveröffentlichen Stücken im typischen Melodic Metal Stil (teilweise kompetent vom ehemaligen Survivor-Boss Jim Peterik mit verfasst), die von der üblichen B-Ware in streckenweise richtig guter Qualität („Guns Of Paradise“, „One Step To Heaven„) bis zu völlig verunglückt („Blue Highway“) reichen, wurden kurze Audio-Kommentare von ROBERTS platziert. Die sind ab und an zwar recht unterhaltsam, motivieren aber kaum zum mehrmaligen Hören (wenigstens kann man die Tracks skippen) und verhindern jeglichen Flow des Albums. Die beiden Demos sind verzichtbar und was man sich bei den „Guitar Stroke“ genannten Parts (bestehend aus ein paar Minuten Soloimprovisation im Heimstudio) gedacht hat, ist mir schleierhaft.

Haben die raren Tracks noch durchaus ihre Berechtigung und können vereinzelt gefallen, ist das Konzept dieser Scheibe dann mal eher bedenklich. Ich habe meine Zweifel daran, ob selbst Die-Hard Fans diese Compilation ernsthaft mehrmals am Stück durchhören können?

WERTUNG:

Fazit:

Da das Hauptaugenmerk dieses Releases klar auf der ersten, starken CD liegt (die den Kaufpreis mehr als berechtigt), fallen die auf CD 2 vertretenen raren Tracks als (kurioser) Bonus natürlich nicht so negativ ins Gewicht und dürften den geneigten Raritätenjäger natürlich frohlocken lassen. Zudem ist dieses 2-CD Set auf gerade mal 500 Stück limitiert und dürfte daher bald zum gesuchten Sammlerstück werden. Also: Zuschlagen!

Trackliste:

CD1:

01. Reckless
02. Walking On Shadows (Remix)
03. Love Gone Wrong
04. Blind
05. Rain
06. Alive And Well
07. Walk
08. I Want It Again
09. In Another Life
10. Rebel Heart

CD2:

01. Commentary #1
02. City Of Pain
03. I Bleed For You
04. Guitar Stroke #1
05. Guns Of Paradise
06. Commentary #2
07. One Step To Heaven
08. Blue Highway
09. Commentray #3
10. Wrong
11. Rain (Demo)
12. Guitar Stroke #2
13. Self Control
14. Commentary #4
15. In Another Life (Demo)
16. Commentray #5
17. I’m Waiting For You
18. Louise
19. Commentray #6

Mario

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