FASTER PUSSYCAT – Faster Pussycat (Re-Release)

Band: Faster Pussycat
Album: Faster Pussycat (Re-Release)
Spielzeit: 36:26 min
Stilrichtung: Hair Metal
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 21.08.2013
Homepage: www.fasterpussycat.com

Und noch eine Band die, zumindest zeitweise, in 2 verschiedenen Inkarnationen unterwegs war. Wie aktuell bei Great White und Queensrÿche zu bestaunen, so führten auch im Hause FASTER PUSSYCAT bandinterne Querelen zum Split in 2 Lager und dem festen Glauben auf beiden Seiten die einzig wahre Version der Band zu sein. Bloß dass es bei einer so kleinen LA-Randnotiz wie FASTER PUSSYCAT wohl nur die wenigsten interessiert haben dürfte. Dass die Band aber für eine (sehr) kurze Zeit ziemlich heißer Scheiß in der Glam- und Hairmetal Welle Mitte der 80er in und um LA war ist heute ein wenig in Vergessenheit geraten. Höchste Zeit also dies gerade zu rücken. Neben Guns N‘ Roses waren FASTER PUSSYCAT der Inbegriff des versifften Sleazerock, Typen die man am liebsten nicht mit Handschuhen angefasst hätte. Im Gegensatz zu den Gunners hielten sich die instrumentalen Fähigkeiten der Band um den Frontmann und Besitzer des legendären „Cathouse Clubs“ Taime Downe aber in überschaubaren Grenzen. Gerade Töne zu singen war nicht Downe‘s Stärke, ebenso wenig wie das Stimmen der Gitarre zur täglichen Übung bei den Herren Greg Steele und Brent Muscat zu gehören schien. Das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen war 1987 auf der selbstbetitelten ersten Scheibe zu hören, die nun über das Rock Candy Label klanglich aufgemotzt wieder unters Volk gebracht wird. Mit wenigen Ausnahmen schrammeln sich FASTER PUSSYCAT ausgesprochen behäbig und Laid-back durch 10 dreckige Songs aus denen der Spirit der Rolling Stones, bekifften Aerosmith und Sex Pistols tropfen. FASTER PUSSYCAT agierten handwerklich ähnlich limitiert wie die LA Kollegen von Poison. Dabei von Dilettantismus zu sprechen ist zwar hart, trifft den Kern der Sache aber doch ziemlich genau (man höre sich nur das wackelige „No Room For Emotion“ an). ABER, das macht dann in der Summe tatsächlich den Reiz der Scheibe aus, denn es klingt (bis auf eine Ausnahme) authentisch und ist im Vergleich zu vielen Bands, die sich heute den Sleaze-Stempel auf die porentief reine Lederweste pappen, zu jedem Moment glaubhaft. Im direkten Vergleich zu G N’R, Mötley Cüe oder eben Poison mangelte es FASTER PUSSYCAT in erster Linie an massenkompatiblen Hooks und dem gewissen Etwas.

Dafür gibt es aber locker flockig hingerotzte Rock & Roll Tracks wie „Don’t Change That Song“, „Cathouse” oder “Smash Alley” die weder originell noch virtuos sind, aber bei entsprechender Lautstärke jeder Party die passende Garagenatmosphäre verpassen. Downe krakeelt sich dabei sympathisch durch kitschig belanglose Texte und droht beim abschließenden „Bottle In Front Of Me“ regelrecht sein schwaches Stimmlein zu verlieren. Aus dem Rahmen fällt dann der Song „Babylon“, der mit DJ Scratching, beinahe schon gerappten Vocals und einer sehr geilen Leadgitarre (natürlich von einem Gastgitarristen eingetütet) den räudigen Charme des restlichen Materials völlig ad absurdum führt und ein offensichtlicher Versuch ist, den Erfolg des wenige Monate zuvor veröffentlichten Beastie Boys Hits „Fight for Your Right (To Party)“ (der eigentlich eine Verarsche der LA-Party-Szene war!) zu kopieren. Trotz der genannten Mängel macht die Scheibe mächtig Laune und sollte von Sleaze-Fans mit Historien-Lücke auf jeden Fall zur Komplettierung der Sammlung herangezogen werden.

FASTER PUSSYCAT tourten noch gemeinsam mit G N’ R bevor deren nur 2 Wochen später erschienenes Jahrhundertalbum „Appetite For Destruction“ durch die Decke ging und alle anderen Bands der Szene zu Fußnoten degradierte. Zwar erlaubte der Achtungserfolg der Debütscheibe es der Band noch ein zweites, recht erfolgreiches Album nachzulegen („Wake Me When It’s Over“, 1989), danach folgte nur noch ein letztes, erfolgloses Aufbäumen („Whipped!“, 2002) bevor die Luft raus war und die Band zerfiel in Ihre Einzelteile. Ob es Sinn macht ein so rohes und ungeschliffenes Album wie das vorliegende einem Remaster zu unterziehen sei mal dahingestellt. Ich kenne den Sound der originalen CD nicht, das Rock Candy Re-Release klingt aber fett und rund – hier wurde also nichts verschlimmbessert. Bonus Tracks gibt es leider keine, dafür aber das wie gewohnt gut geschriebene und reich bebilderte Booklet das die guten alten Zeiten wieder aufleben lässt und eine amüsante Lektüre zum Soundtrack darstellt.

WERTUNG: 

Trackliste:

01. Don’t Change That Song
02. Bathroom Wall
03. No Room For Emotion
04. Cathouse
05. Babylon
06. Smash Alley
07. Shooting You Down
08. City Has No Heart
09. Ship Rolls In
10. Bottle In Front Of Me

Mario

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