ZEBRA – Zebra/No Tellin´ Lies (Re-Releases)

Band: Zebra
Album: Zebra / No Tellin‘ Lies (Re-Releases)
Spielzeit:39:00 min / 39:03 min
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Rock Candy Records
Veröffentlichung: 26.09.2013
Homepage: www.thedoor.com

Bereits nach wenigen Minuten des Openers „Tell Me What You Want“ schießen die beiden Namen Led Zeppelin und Rush durch den Kopf, denn Sänger / Gitarrist Randy Jackson agiert stimmlich in ähnlich hohen Lagen wie Plant und Lee. Hinzu kommt aber, dass der begnadete Gitarrist nicht nur einen flotten Darm zupfen kann sondern auch noch ein feines Händchen für ausgefeilte Arrangements und originelle Akkordfolgen hat, was seiner Band ZEBRA (was für ein selten dämlicher Bandname) einen gesunden Schuss Eigenständigkeit bescherte. Zusammen mit seinen Kollegen Felix Hanemann (Bass, Keyboards) und Guy Gelso (Drums) machte Jackson Ende der 70er Jahre die Clubszene von New Orleans unsicher und erspielte sich eine Reputation, die weit über die Stadtgrenzen hinausging. Nachdem man sich jahrelang als Coverband die Sporen verdient hatte (aufgrund von Jacksons Stimmlage waren die bereits angesprochenen Rush ein fester Bestandteil des Live-Sets und haben auch Ihre Spuren in den Bandkompositionen hinterlassen) und der Karriere willen nach New York umgezogen war, landete das Trio schließlich recht schnell beim Major Atlantic Records und veröffentlichte 3 Studio-Alben die auch heute noch einen guten Ruf bei Hardrock Fans haben. Das Rock Candy Label hat die beiden ersten Scheiben nun mit sehr gutem Remastering und ausführlichen Linernotes neu aufgelegt. Da beide Alben im Original nur noch sehr schwer zu finden sind eine begrüßenswerte Angelegenheit.

Das 1983 veröffentlichte, selbstbetitelte Debüt holzt wie eingangs erwähnt mit „Tell Me What You Want“ gleich ordentlich los und weckt die unvermeintlichen Assoziationen zu der Kanadischen Prog-Institution. Die Produktion der Scheibe ist warm und rund und lässt den Songs, die zwischen klassischem Hardrock („One More Chance“), dezenten Prog-Elementen („As I Said Before“) und beschwingten Gute-Laune Sounds („Don’t Walk Away“ und „The La La Song“) hin- und herpendeln, genug Raum zur Entfaltung. Das Album klingt auch heute noch angenehm zeitlos und braucht sich vor der damaligen Konkurrenz nicht zu verstecken. Ob man mit dem sehr hohen Gesang von Jackson klarkommt ist natürlich Geschmacksache. Allerdings gibt er in den tiefen Registern ebenfalls eine gute Figur ab und geht mir persönlich aufgrund seiner Phrasierungen nicht so auf den Kecks wie Geddy Lee. Als Randnotiz sei noch erwähnt, dass der nur durchschnittliche Track „Take Your Fingers From My Hair“ (man stelle sich mal einen solchen Songtitel auf Deutsch vor …) von Dream Theater vor einigen Jahren als Bonustrack gecovert wurde. Da hatte das ZEBRA Debüt, das damals als eines der bestverkauften Debüts aller Zeiten galt, allerdings besseres Material zu bieten.

Bei dem 1 Jahr später erschienenen „No Tellin‘ Lies“ schlagen die Mitte der 80er angesagten Hairmetal-Elemente dann schon ein klein wenig stärker durch als noch auf dem etwas verhaltenen Erstling. Der Hall auf Stimme und Drums vermittelt einen Big-Ass Sound und die Keyboards wabern in Tracks wie „Bears“ leicht penetrant über allem. Die Parallelen zu einer Band wie Kingdom Come sind z.B. im Opener „Wait Until The Summer’s Gone“ nicht von der Hand zu weisen und nicht nur in der tendenziell ähnlichen Stimmlage sondern auch dem Groove und der Instrumentierung zu finden. Hinzu kommt noch eine Schippe Pomp und Bombast der Marke Styx (wie in „But No More“ oder dem eigenwilligen, süchtig machenden Titelsong) und fertig ist ein kurzweilge Achterbahnfahrt durch die vielen Facetten des progressiven Hardrocks. Insgesamt kommt das zweite Album mit der größeren Produktion, den glatteren Songs und mehr internationalem Appeal über die Zielgerade. Der eigentümliche Charme und die bodenständige Leichtfüßigkeit des Debüts fehlen allerdings. Die Güte der Songs ist im Vergleich zum Erstling zwar ein wenig schwächer, bleibt über die gesamte Albumdauer aber auf einem gleichbleibenden Niveau.

Für beide Scheiben gibt es für Freunde von handwerklich hochwertigem, über die Genregrenzen hinausschauenden Hardrock eine dicke Kaufempfehlung, die dank der tadellosen Aufmachung der Re-Releases (trotz fehlender Bonus Tracks) noch unterstrichen wird.

WERTUNG:

 („Zebra“)

 („No Tellin‘ Lies“)

Trackliste:

Zebra

01. Tell Me What You Want
02. One More Chance
03. Slow Down
04. As I Said Before
05. Who’s Behind The Door
06. When You Get There
07. Take Your Fingers From My Hair
08. Don’t Walk Away
09. The La La Song

No Tellin‘ Lies

01. Wait Until The Summer’s Gone
02. I Don’t Like It
03. Bears
04. I Don’t Care
05. Lullaby
06. No Tellin’ Lies
07. Takin’ A Stance
08. But No More
09. Little Things
10. Drive Me Crazy

Mario

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