KARNYA – Coverin´ Thoughts

Band: Karnya
Album: Coverin‘ Thoughts
Spielzeit: 69:13 min
Plattenfirma: Bakerteam Records
Veröffentlichung: 26.02.2013
Homepage: www.facebook.com/karnyaband

Eine Prog-Metal Band aus Italien, da gehen bei mir erst mal die Alarmsirenen an. Keyboard Teppiche so dick wie 70er Flokati, nervtötender Falsett-Gesang aus dem Baukasten, Möchtegern-Klassik-Genudel – Dinge (frei nach Rod), von denen ich gar nichts wissen will. Erfreulicherweise verzichten die Newcomer KARNYA weitestgehend auf den landesüblichen Kitsch in der Instrumentierung und legen einen Härtegrad ähnlich der letzten beiden Symphony X Opusse vor. Dabei werden neben Tracks, die ganz eindeutig Richtung Dream Theater (zu Images & Words Zeiten) schielen („Where The Silence Remains …“), Songs platziert, die eine gänzlich andere Grundausrichtung haben (wie z.B. das extrem an Mustasch erinnernde, treibende „Stronger“). Dieses muntere Mischen müsste in der Theorie eigentlich ziemlich schief gehen, funktioniert hier aber aufgrund mehrerer Faktoren doch noch ganz ordentlich: Sänger Riccardo Nardocci, der nebenbei auch noch die mehr als amtliche Gitarre spielt und mit einigen fantastischen Soli glänzt, hat eine enorme Bandbreite an Stimmen und Stimmungen in Petto, kann sowohl die Genre-typischen hohen Lagen souverän meistern und ist gleichzeitig mit einer unfassbaren Rockröhre gesegnet. Das Songwriting sowie die Leistung der Musiker ist über weite Teile hervorragend und dass die Songcollage nicht auseinanderfasert, daran hat auch die Klasse Produktion Ihren Anteil (Mastering: Janes Bogren, u.a. Opeth, Soilwork, Above Symmetry, Paradise Lost).
Soweit also alles im (dunkel)grünen Bereich, Kritik ist aber (vor allem bei dem enormen Potential der Band) durchaus angebracht: der italienische Akzent in den englischen Texten ist, vor allem bei der spärlich arrangierten Ballade „Still Alive?“, definitiv verbesserungswürdig und verleitet ein ums andere Mal zum Schmunzeln, manche Passage errinert ein wenig zu sehr an die grossen Vorbilder Dream Theater und zu guter Letzt: die Spieldauer! 11 reguläre Songs (Track 1 ist ein kurzes Intro), davon der vorletzte („A Paraphreniac Menticide“) über 15 Minuten lang, da hätten sich auch erfahrenere Bands dran verhoben, und KARNYA tappen hier in die selbstgebuddelte Falle. Ein strenger(er) Produzent hätte wahrscheinlich rigoros das ein oder andere stilistische Experiment gestrichen (z.B. den völlig überflüssigen Bass-Show-off „Hariel“). So geht dem Album leider auf halber Strecke etwas die Puste aus.
Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass die Band sich für eine Richtung entscheidet und dem Drang es allen (wohl auch bandintern) recht machen zu wollen, widersteht. Die Stärken liegen meiner Meinung nach eindeutig in der härteren Ausrichtung der Band (die relativ straighten Songs wie „Stronger“ und „Ego’s End“ sind absolute Prog-Metal Perlen), denn Dream Theater Clone gibt es mittlerweile genug. Wenn die Band mir nicht so gut gefallen würde, wäre meine Rezension jetzt womöglich gar nicht so kritisch ausgefallen. Die Band, vor allem dank des überzeugenden Fronters, hat aber definitiv das Zeug zu noch Grösserem. Unterm Strich ein fettes Album einer vielversprechenden Band, das mit einigen Längen zu kämpfen hat.

WERTUNG:

Trackliste:

01. Mechanical Mixtures
02. Flooding Blood
03. Coverin’ Thoughts
04. Wait4More
05. Fallen Angel
06. Stronger
07. Where The Silence Remains …
08. Sliver
09. Hariel
10. Ego’s End
11. A Paraphreniac Menticide
12. Still Alive?

Mario

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