SHANGHAI´D GUTS – Out Of Tune (Klassiker der Woche)

Band: Shanghai´d Guts
Album: Out Of Tune
Spielzeit: 53:31 min.
Stilrichtung: Rock´n Roll
Plattenfirma: East West Records
Veröffentlichung: 1991
Homepage: www.facebook.com/guts.hamburg

St. Pauli ist ein heißes Pflaster. So sagenumwoben und auch ein bisschen melancholisch das Bild der sündigen Meile in Hamburg auch gezeichnet wird, es ist nur ein Teil einer großartigen Stadt – wenngleich wohl der bekannteste. In den Spelunken dieses Viertels hatten schon viele Bands ihre ersten, oft ausgedehnten Engagements, egal ob aus dem In- oder Ausland. Und ausgerechnet eine einheimische Kapelle sucht ihr Glück im abgehalfterten Rock´n Roll irgendwo zwischen den QUIREBOYS, den DOGS D´AMOUR oder den DIAMOND DOGS. Es muss wohl Ende der Achtziger gewesen sein, als Stefan Kraft (vocals), Axel Kraft (guitars), Axel Lyn (bass), Marcel Z. (drums) und Vincent Schneider (guitars) als SHANGHAI´D GUTS auf der Bildfläche erschienen. Genauere Infos sind nirgends zu finden, ihre erste EP „…With Love From St. Pauli“ allerdings stammt aus dem Jahr 1990.

Warum auf dem Cover dieses 6-Trackers nur vier der Jungs abgebildet sind, obwohl auf der umseitigen Liste bereits alle fünf Namen zu finden sind, weiß niemand so genau. Aber das sollte ja auch nur Nebensache sein, denn die Musik auf „…With Love From St. Pauli“ schlägt Brücken zu den oben genannten Bands genauso wie natürlich zu ihren Urvätern. Die ROLLING STONES, die FACES oder die RAMONES sind allgegenwärtig und werden in einer derart dreckigen Version gezockt, dass selbst den Vorbildern die Spucke weggeblieben wäre, hätten sie dieses ziemlich rare Stück schwarzen Vinyls in ihre Finger bekommen.

Mit dieser EP nehmen die Hamburger Jungs schon vorweg, was sie ein Jahr darauf zusammen mit Manny Charlton in den Dirks Studios in Köln auf die Bänder spielen. Zumindest die meisten der 13 Songs, denn auch von Studios in München und Berlin ist die Rede. Die erste richtige Langspielplatte nennt sich „Out Of Tune“, klingt aber ganz und gar nicht danach, als wüsste der Fünfer nicht, was er da macht. OK, der abschließende Titeltrack hat einen ganz eigenen Charme und wird hier erst akustisch eingespielt. Für das 1995 erscheinende Nachfolgealbum „I Can´t Stand It No More“ wird die Nummer noch einmal als Rocksong umgesetzt.

„Out Of Tune“ jedoch beginnt mit der „Bandhymne“ äußerst appetitlich. Die GUTS klingen, als hätten sie sämtlichen Dreck und Müll wie ein Staubsauger aus der Gosse aufgesogen und kotzen ihn jetzt mitten über das Mischpult. „Shanghai´d Guts“ (in einer ersten Fassung auch auf der EP vertreten) klingt so geil abgefuckt, dass sich selbst die frühen QUIREBOYS die Augen bzw. Ohren reiben. Aber auch die Partynummer „Can´t Light My Fire“, die Balladen „Last Drink“ (auch bereits auf der EP enthalten) und „Memories“ oder Rocker wie „Boomerang Bang“ bzw. „Little Suzie“ (Song Nummer 3 von der EP) sind Höhepunkte eines Albums, das nur wenige auf der Agenda gehabt haben. Dazwischen schrullige Nummern wie „Hearts Turned To Stone“ oder „I Really Like Girls“ oder die Liebeserklärung an ihre Heimat („St. Pauli Girl“).

Das schon erwähnte zweite Album „I Can´t Stand It No More“ wird 1995 veröffentlicht und präsentiert die Band mit einem cleaneren Sound, etwas abgespeckt haben auch die Rock´n Roll Anteile. Dennoch macht die Platte Spaß. Lange Zeit wird es dann sehr ruhig um die Band. Stefan und Axel Kraft tingeln noch immer als GUTS durch die Lande und haben erst 2015 ein neues Album („Ain´t It Strange“) herausgebracht. „Out Of Tune“ bleibt das wildeste und gleichzeitig beste Werk der Hamburger Rock´n Roller. Wurde höchste Zeit, es mal wieder in seiner Gänze zu hören.

Trackliste:

1. Shanghai´d Guts
2. Nights On The Town
3. Boomerang Bang
4. Last Drink
5. Little Suzie
6. Hearts Turned To Stone
7. Can´t Light My Fire
8. How Long Will The Good Times Roll
9. Fix The Hole
10. I Really Like Girls
11. St. Pauli Girl
12. Memories
13. Out Of Tune

Stefan

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